02.06.2026Verein

„Es geht ausschließlich gemeinschaftlich, im Team“

Sportlich befindet sich der VfL in der Sommerpause, doch im Hintergrund wird natürlich weiter mit voller Kraft an der Weichenstellung für die neue Saison gearbeitet. Ein guter Zeitpunkt für Geschäftsführer Ilja Kaenzig und den Vorstandvorsitzenden Andreas Luthe, um einen Rück- und Ausblick zu tätigen sowie über Herausforderungen und Ziele für die kommende Spielzeit zu sprechen.

Am 14. Juni ist das neue Präsidium genau ein Jahr im Amt. Wie fällt ein erstes „Zwischenfazit“ aus, Andi?

AL: „In der Retrospektive war es vor allem ein sehr intensives, herausforderndes Jahr – für alle im Verein. Nach dem Abstieg aus der Bundesliga gab es den Fehlstart, der uns zum frühzeitigen Handeln auf den wichtigsten Positionen im Klub gezwungen hat. Wir haben die richtigen Entscheidungen getroffen und den Turnaround sportlich geschafft – als Ergebnis eines sehr strukturierten Prozesses. Insgesamt gab es eine Vielzahl an Themen, die alle durchgängig auf Trab gehalten hat. Wir haben Prozesse angepasst, gezielt investiert – zum Beispiel in Strukturen, in Qualität, in Zukunftsfähigkeit. Unser Ziel ist es, einen Verein zu führen, der unabhängig, handlungsfähig und verlässlich bleibt und dabei seine Werte niemals vergisst. Ich kann sagen, dass die Entwicklung positiv ist und bin sicher, dass sie noch besser werden wird. Dafür werden wir alles tun.“

IK: „Die abgelaufene Saison war (wieder mal) ein Stresstest für alle und jeden beim VfL, in den verschiedensten Bereichen. Es gilt einmal mehr Danke zu sagen, denn in guten Zeiten die unzähligen Extrameilen zu drehen ist einfach – in schlechten Zeiten umso schwieriger. Diese notwendige Resilienz haben hier alle bewiesen. Darauf können wir stolz sein, denn das ist nicht selbstverständlich.“

AL: „Wir sind stolz, dass auch abseits des Sports großartige Erfolge erzielt wurden, die öffentlich nicht immer so wahrgenommen werden. In der Vermarktung konnten wir Umsatzrekorde verbuchen, unsere Nachhaltigkeitsabteilung hat mit mehreren wunderbaren Projekten tolle Preise abgeräumt. Viele unserer Mitarbeiter/innen vertreten den VfL in wichtigen Kommissionen und Gremien in der DFL, der ECA, bei Verbänden und Messen. Die Relevanz und Wahrnehmung unserer Farben sind trotz des Abstiegs weiter gestiegen. Diverse Rankings, Auswertungen, Umfragen und nackte Zahlen bestätigen dies.“

Einfacher wird es vermutlich aber auch in Zukunft nicht…

IK: „Im Gegenteil, die 2. Liga ist – bei aller Attraktivität – ein hartes Brot. Der gesamte Verein wird auf die Zähne beißen, jeder wird Opfer bringen müssen – das ist die Realität bei all den Herausforderungen, die uns bevorstehen. Aber das soll gar nicht negativ klingen, denn häufig wächst man in solchen Phasen noch mehr zusammen, es kann ein Spirit entstehen. Wenn alle vereint waren, hat dieser Verein immer außergewöhnliche Dinge geschafft. Da müssen wir wieder hinkommen. Das ist die große Stärke des VfL.“

AL: „Das kann ich nur unterstreichen, wir werden genau diese Tugenden brauchen. Unser Motto heißt nicht grundlos: Nur der VfL! Jeder muss sich selbst ein stückweit zurücknehmen, seine Eigeninteressen hintanstellen im Sinne des großen Ganzen. Das gilt für die Spieler, unsere Trainer, für die Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle, für die Fans genauso für die Gremien und alle drumherum, die es gut mit dem VfL meinen. Es geht ausschließlich gemeinschaftlich, im Team. Wir werden uns weiter enorm strecken müssen, wenn wir dauerhaft mithalten wollen – die Rahmenbedingungen sind andernorts besser, da müssen wir uns nichts vormachen.“

Du spielst auf die wirtschaftlichen und infrastrukturellen Voraussetzungen an: Stichwort Stadionumbau, Stichwort Lizenzetat…

AL: „Ganz genau. Wir sind in der ersten Zweitliga-Saison bewusst ins Risiko gegangen. Nun sinken die TV-Einnahmen im zweiten Jahr weiter, durch den Abstieg des VfL Wolfsburg sogar noch etwas mehr. Ob wir in der Nachwuchssäule wieder so performen können wie letzte Saison, muss sich zeigen, bleibt aber Teil der VfL-DNA. Neu kommen die fehlenden Einnahmen während der Stadionmodernisierung hinzu – das sind Fakten, die wir weder wegdiskutieren noch beschönigen wollen.“

Wenn alle vereint waren, hat dieser Verein immer außergewöhnliche Dinge geschafft.

Ilja Kaenzig

Wir befinden uns mitten in der Sommertransferphase. Die ersten Neuzugänge sind vermeldet, Spieler wurden verabschiedet. Durch den Verkauf von Cajetan Lenz zur TSG Hoffenheim etwa konnten zweistellige Millionen-Einnahmen generiert werden.

IK: „Das stimmt und wir sind auch sehr stolz, dass wir diesen Transfer so umgesetzt bekommen haben. Das Geld hilft uns dabei, ungefähr die wirtschaftliche Flughöhe der vergangenen Saison zu halten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Einige Annehmlichkeiten werden wir dennoch nicht beibehalten können. Wie bereits erwähnt: Wenn man sich wieder neu beweisen muss, kann auch etwas entstehen.“

AL: „Und genau diesen Eindruck habe ich bereits. Wir haben schon einiges geschafft, einen großen Umbruch hinter uns. Wir haben strukturelle Verbesserungen herbeigeführt und sind in der Phase, als es im letzten Saisondrittel noch mal ruckelig wurde, ruhig geblieben – vor allem intern. Es ist wenig nach außen gedrungen, wir haben die Reihen geschlossen gehalten und das hat sich am Ende ausgezahlt. Man sieht, was andernorts passiert ist, wo man diese Geduld und Kontinuität vielleicht weniger hatte. Die Arbeit der neuen sportliche Leitung gemeinsam mit Ilja Kaenzig und seinem Team ist bislang sehr zielführend – intern wie extern.“

Was heißt das für die kommende Saison? Was muss besser werden und worauf dürfen sich die Fans freuen?

AL: „Auch unser Coach hat es kürzlich auf den Punkt gebracht: Wir müssen wieder eine verschworene Einheit sein. Nicht nur die Mannschaft, sondern alle! Vom Talentwerk bis zu den Profis, vom Mitarbeiter bis zum Fan. Nicht umsonst haben wir die meisten Spiele zu Hause gewonnen – mit der Auswärtsbilanz wären wir abgestiegen. Unsere Heimspiele müssen Festtage sein, und zwar immer! Und damit dieser Zusammenhalt auch umsetzbar ist, werden wir bei der Auswahl der Spieler genau darauf achten, dass sie Bock auf die Aufgabe hier haben, auf diesen tollen Klub – allen Widrigkeiten zum Trotz. Wenn wir diese Spieler finden, werden wir in der neuen Saison ganz viel Spaß haben, davon bin ich überzeugt. Das Vonovia Ruhrstadion mit unseren tollen Fans muss und wird die Mannschaft weiter tragen – und die Jungs auf dem Platz werden es zurückgeben.“

IK: „Ich stimme Andi zu: Wir müssen gute Transfers machen, nicht nur gute Spieler holen. Also Spieler, die zum VfL passen, die Hunger und Verantwortlichkeit mitbringen. Dazu müssen und werden wir weiter unsere Talente einbauen, von denen wir einige in der Pipeline haben. Dann ist es an Uwe und seinem Team alles herauszukitzeln, möglichst konstant. Ich habe mal gesagt: Die 2. Liga ist die geilste der Welt - allerdings nur, wenn man dort nicht mitspielen muss. Jetzt sind wir im zweiten Jahr dabei und hoffen, dass wir schnellstmöglich wieder aus anderer Perspektive draufschauen können.“  

Die Arbeit der neuen sportliche Leitung gemeinsam mit Ilja Kaenzig und seinem Team ist bislang sehr zielführend – intern wie extern.

Andreas Luthe
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