Gefeliciteerd, Rob Reekers!
Ein DFB-Pokalfinale, eine erfolgreiche Relegation, ein Bundesliga-Aufstieg und A-Nationalspieler geworden: Für Rob Reekers hat sich das Kapitel VfL Bochum echt gelohnt. Der rotblonde Innenverteidiger schaffte das Kunststück, Nationalspieler der Niederlande zu werden, ohne je ein Spiel in der Eredivisie bestritten zu haben. Möglich wurde das aufgrund der Verbindung zum späteren VfL-Manager Klaus Hilpert, der die 1,88 m große Abwehrkante einst in der Oberliga Westfalen förderte. „Holzschuh-Rob“, wie ihn die VfL-Fans liebevoll nannten, wird am 7. Mai 60 Jahre alt. Der VfL verneigt sich und gratuliert aufs Herzlichste.
Holland ist nicht nur die geilste Stadt der Welt, unsere niederländischen Nachbarn haben auch den modernen Fußball erfunden – zumindest nach eigenem Verständnis. Wie schön, dass der VfL einst einen Spieler entdeckte, der zwar die niederländische Fußballschule genoss, aber als Nationalspieler reüssieren konnte, ohne bei Ajax, Feyenoord oder PSV im Jugendbereich gewesen zu sein. Rob Reekers wurde am 7. Mai 1966 in Enschede geboren, dem dortigen Renommierclub FC Twente – 1975 immerhin UEFA-Cup-Finalist (Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach) – trat er 1982 bei, nachdem er beim heimischen KVV Losser die fußballerischen Grundfertigkeiten entwickeln konnte. Nach drei Jahren bei Twente und ohne Aussicht auf den Sprung zu den Profis wechselte er auf die östliche Seite der Grenze, um beim westfälischen Verein ASC Schöppingen anzuheuern.
Der ASC war seinerzeit eine hervorragende Adresse, weil sich lokale Wirtschaftsgrößen als Mäzene gerierten und so peu a peu eine schlagkräftige Truppe zusammenstellten, die von Ex-Profis trainiert wurden. Doch erst unter dem späteren VfL-Manager Klaus Hilpert stellten sich Mitte der 80er-Jahre die größten Errfolge ein. Der ASC wurde 1985/86 Westfalenmeister und nahm an der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga teil. Zudem wurde Rob Reekers zum besten Spieler der Saison gewählt. In der Aufstiegsrunde wurden die Münsterländer allerdings Letzter (Aufsteiger: RW Essen und St. Pauli), sodass sich für den Talentiertesten unter ihnen die Möglichkeit bot, sich nach Höherklassigem umzuschauen.
Die Wahl fiel bekanntlich auf den VfL, dem Rob Reekers neun Jahre die Treue hielt. Sofort als Stammspieler, in seiner Premierensaison kam er auf 28 Einsätze; dass es nicht mehr wurden lag auch an einer Roten Karte, die er sich bereits am vierten Spieltag auf dem Betzenberg einhandelte. Bis 1993 war auch Reekers ein „Unabsteigbarer“ und sammelte in dieser Zeit jede Menge Erfahrungen. Zu den Highlights gehören zweifelsohne der Durchmarsch des VfL ins DFB-Pokalfinale 1988, wo Rob Reekers in der Startelf stand und Uwe Leifeld mustergültig mit einem Steckpass bediente, so dass „Eppi“ der Torerfolg quasi auf dem Silbertablett serviert wurde. Allein: In der Prä-VAR-Ära wurde der Torschütze vermeintlich im Abseits gewähnt, das Tor zurückgenommen und wenig später Eintracht Frankfurt durch einen Freistoßtreffer Pokalsieger. Weiterhin stand Reekers 1990 in beiden dramatischen Relegationsspielen über die volle Distanz auf dem Feld, die dem VfL durch einen 1:0-Auswärtssieg und 1:1 im Ruhrstadion gegen den 1.FC Saarbrücken die Rettung bescherten. Dass es überhaupt soweit kam, hatten die Blau-Weißen u.a. Reekers zu verdanken, dessen 1:0-Siegtreffer im Derby bei Borussia Dortmund wichtige Auswärtspunkte sicherte.
Parallel zu seinen sportlichen Erfolgen im blau-weißen Trikot entwickelte sich seine kurze, aber bemerkenswerte Nationalmannschaftskarriere. Reekers gehört einem lediglich sechsköpfigen illustren Kreis derer an, die ohne ein einziges Spiel in der Eredivisie A-Nationalspieler wurden. Zwar hatte Reekers schon in Jugendnationalmannschaften gespielt, aber die Elftal schien weit weg. Bondscoach Thijs Libregts nominierte Rob Reekers erstmalig im November 1988, im Freundschaftsspiel gegen Italien debütierte er die vollen 90 Minuten, an der Seite der Europameister und Weltstars Ronald Koeman, Frank Rijkaard und Marco van Basten. Drei weitere Einsätze sollten noch bis Dezember 1989 hinzukommen, nach weiteren 90 Minuten gegen Brasilien endete die Nationalmannschaftskarriere abrupt aufgrund eines Trainerwechsels. Leo Beenhakker verzichtete fortan auf die Dienste von Reekers.
1993 folgte der für den VfL erstmalige bittere Gang in die Zweite Liga. Rob Reekers blieb als Führungsfigur an Bord und half mit, den „Betriebsunfall“ zu reparieren und ein Jahr später als Zweitligameister souverän aufzusteigen. Das folgende Bundesligajahr sollte sein letztes werden, von Rückenproblemen geplagt kam er nur noch auf elf Einsätze, am Ende stand Abstieg Nummer zwei und Reekers´ Wechsel zum FC Gütersloh.
Mit dem Regionalligisten aus Ostwestfalen stieg er in seinem Premierenjahr in die 2. Bundesliga auf; zu einer Begegnung mit dem VfL kam es aber nach dessen abermaligem Wiederaufstieg (unter Klaus Toppmöller) nicht. Gütersloh spielte eine Top-Runde, wurde am Ende Fünfter und verpasste nur knapp den Sprung in die Bundesliga. Fünf Jahre kickte Reekers noch für den FCG, auch nach dem Abstieg 1999 blieb er am Heidewaldstadion. Er machte seine Trainerlizenz, war Manager und Co-Trainer in Personalunion, als die finanziellen Turbulenzen den Club zum Absturz brachten: Insolvenz, das letzte Vereinsspiel – ausgerechnet gegen die Amateure des VfL – endete mit einer 1:3-Niederlage.
Nach einem Trainerintermezzo bei RW Oberhausen kehrte Reekers 2003 zum neugegründeten „FC Gütersloh 2000“ zurück, seine Cheftrainerzeit dort aber war begrenzt. Dennoch zog es ihn immer wieder nach Gütersloh zurück, trotz zwischenzeitlicher Engagements als Nachwuchstrainer bei Twente Enschede, Co-Trainer in Aserbaidschan (Neftchi PFK Baku) oder bei den Bundesligisten FC Augsburg, Hertha BSC und SC Paderborn. Seit der Saison 2020/21 ist Rob Reekers Sportlicher Leiter des FC Gütersloh.
In seiner reichhaltigen sportlichen Vita stehen 274 Spiele für den VfL zu Buche, inklusive acht Treffern, sechs Vorlagen, zwei Gelb-Roten und zwei Roten Karten. Ein Kind von Traurigkeit war und ist Rob Reekers weder auf noch neben dem Platz. Talkrunden mit der niederländischen Humorbombe sind pures Entertainment, wohl kaum jemand kann den Laufstil von „Ata“ Lameck so perfekt imitieren wie „Holzschuh-Rob“.
Lieber Rob Reekers, der VfL Bochum wünscht dir und deiner Familie anlässlich deines persönlichen Jubiläums alles erdenklich Gute – einen wunderbaren Tag, eine tolle Feier und die Aussicht auf ein baldiges Wiedersehen anne Castroper. Gefeliciteerd, Rob!