Der VfL trauert um Theo Diegelmann
Der am 23. November 1939, kurz nach Beginn des 2. Weltkriegs, geborene Theo Diegelmann spielte seine erste Saison im halbprofessionellen Fußball im Gründungsjahr der Regionalliga 1963, als Unterbau der ebenfalls neugeschaffenen Bundesliga, in der Südstaffel für Borussia Fulda. Der Torhüter stand in allen 38 Ligaspielen im Kasten, konnte den Abstieg aber auch nicht verhindern. Innerhalb der Liga ging es zum Spitzenklub SSV Reutlingen, wo Diegelmann auf Anhieb die Nummer eins im Tor war. Als Tabellenzweiter hinter dem FC Bayern München ging es in die Aufstiegsrunde zur Bundesliga, am Ende fehlte lediglich ein Punkt auf Borussia Mönchengladbach. In den folgenden drei Jahren reichte es nicht mehr zur Qualifikation für die Aufstiegsrunde.
Zur Saison 1968/69 zog es Theo Diegelmann aus Baden-Württemberg in den Ruhrpott, zum VfL an die Castroper Straße. In seiner ersten Saison verpassten die Blau–Weißen die Qualifikationsrunde als Dritter denkbar knapp, punktgleich mit Rot-Weiss Essen. Der Reviernachbar hatte lediglich durch das damals zur Anwendung kommende Divisionsverfahren (Zahl der erzielten Tore geteilt durch Zahl der Gegentore) die Nase vorne. Die bessere Tordifferenz hätte für den VfL gesprochen. In den beiden Folgejahren beendete Bochum die Regionalliga-Saison als Meister, die Krönung einer überragenden Saison 1969/70 blieb durch das Scheitern in der Aufstiegsrunde leider aus.
In der Saison 1970/71 wurde der VfL - anders als in den ersten beiden Saisons von Theo Diegelmann - kein Herbstmeister, sondern ging mit einem Rückstand von fünf Punkten auf Fortuna Düsseldorf bzw. drei Punkten auf den Wuppertaler SV in die Rückrunde. Dort gelang der Start mit Siegen gegen Hamborn 07 und den VfR Neuss, Theo Diegelmann verlor anschließend allerdings seinen Stammplatz zwischen den Pfosten an Hans-Jürgen Bradler. Eine 1:2-Niederlage gegen den Wuppertaler SV ließ das Saisonziel zunächst in weite Ferne rücke. Ein von Kult-Trainer Hermann Eppenhoff, Vorstand und Spielausschuss initiiertes „Kameradschaftstreffen“, dem Grillabend der 70er-Jahre, brachte neuen Mut – und Erfolg. Bis zum Ende der Saison gewann der VfL 13 von 14 Spielen und blieb durch ein 1:1 gegen Fortuna Düsseldorf ungeschlagen. Mit einer Serie von 27:1 Punkten gewann Bochum die Westdeutsche Meisterschaft vor Düsseldorf und Wuppertal.
In der Aufstiegsrunde gewann der VfL gegen Osnabrück und zuhause gegen den Karlsruher SC direkt die ersten beiden Spiele. Gegen FK Pirmasens setzte es einen kleinen Dämpfer, doch die Siege gegen Tasmania Berlin und auswärts in Karlsruhe waren schon fast die Vorentscheidung im Aufstiegsrennen. Aus den letzten beiden Spielen benötigte der VfL lediglich einen Punkt. Durch ein 4:2 in Berlin ist Bochum erstmals Bundesligist und feierte das ausgiebig auf dem Berliner Ku’damm.
Im letzten Spiel gegen Pirmasens wurde Theo Diegelmann zur Halbzeit eingewechselt und kam so zu seinem 90. und gleichzeitig letzten Einsatz im VfL-Kasten. Er wechselte im Sommer zurück in die Regionalliga Süd zum 1. FC Nürnberg, ein Bundesligaspiel sollte ihm nicht vergönnt sein. 1972 beendete Theo Diegelmann im Alter von 33 Jahren seine Karriere.
Der VfL Bochum 1848 trauert um Theo Diegelmann und wird sein Andenken in Ehren bewahren. Seiner Familie sprechen wir unser tief empfundenes Mitgefühl aus.