23. Spieltag

1. FC Heidenheim 1846
1: 0
VfL Bochum 1848VfL Bochum 1848

Fr,16.02.201818:30 Uhr2. Bundesliga

Hätte Konstanz einen Namen, man könnte sie ohne Zögern Frank Schmidt nennen. Der Chefcoach des 1. FC Heidenheim feierte im Hinspiel in Bochum sein zehnjähriges Dienstjubiläum. Diese Kombination passt einfach, auch heute noch. Und das trotz der schwierigen Phase zu Saisonbeginn, als der FCH gefühlt zum ersten Mal überhaupt eine kleine Krise durchlebte. Davon haben sich die Baden-Württemberger zwar erholt, überaus eng geht es dennoch weiter in Liga zwei zu.

Denn der FCH hat zwar nach dem mauen Start ordentlich angezogen, doch auch weiterhin trennt die Schmidt-Elf „nur“ sechs Zähler von der Gefahrenzone. Eine Folge der enorm ausgeglichenen 2. Bundesliga. Man muss aber auch ehrlicherweise sagen, dass es in der ersten Hinrundenhälfte deutlich düsterer aussah. Zwei Siege aus den ersten elf Spielen ließen die Baden-Württemberger zeitweise gar auf einem Abstiegsplatz kleben. In den Vorjahren sah es anders aus, da zehrte der FCH regelmäßig von einem guten Saisonbeginn. Nun mussten Schmidt und Co. das Feld von hinten aufrollen.

Trotz des Stotterstarts kam in Heidenheim keine Unruhe auf, schon gar keine Trainerdiskussion. Wie auch, Frank Schmidt ist eine Institution bei unserem kommenden Gegner. 2007, kurz nach dem Ende der aktiven Laufbahn, übernahm er den Trainerposten beim FCH. Zunächst interimsweise, doch der aufstrebende Klub legte unter Schmidt einen furiosen Durchmarsch hin. Gekrönt wurde die noch junge Historie des 1. FC Heidenheim im Sommer 2014, als man erstmals den Sprung in die 2. Bundesliga schaffte.

Seitdem haben sich die Blau-Rot-Weißen im Unterhaus etabliert. Achter, Elfter, Sechster – so lauteten die Platzierungen seit dem Aufstieg. Das zweite markante Gesicht des FCH ist seit jeher auch in der aktuellen Spielzeit wieder Leistungsträger Nummer eins. Marc Schnatterer kommt mittlerweile auf 300 Einsätze für Heidenheim. In dieser Saison flossen zudem erneut starke sieben Tore und noch stärkere elf Assists in die persönliche Statistik des Kapitäns. Somit ist der Mittelfeldspieler aktuell Toptorjäger unseres nächsten Gegners.

Glück für den VfL, dass Neu-Coach Robin Dutt erst kürzlich in der Heidenheimer Voith-Arena vorbeischaute und jüngsten 3:1-Heimsieg gegen den FC St. Pauli live mitverfolgen konnte. Apropos Heimsieg. Gerade zuhause hat der FCH in den letzten Wochen und Monaten den Grundstein für das Verlassen der Abstiegszone gelegt. Die letzten fünf Heimauftritte wurden allesamt siegreich gestaltet. Dennoch nimmt man die momentane Tabellenkonstellation an der Brenz mit einer ordentlichen Portion Vorsicht auf. Schmidt auf der Vor-Spieltags-PK: „Fakt ist, dass morgen zwei Mannschaften aufeinander treffen, die beide das Ziel haben, da unten rauszukommen.“

Drei Zähler liegt der FCH vor den Blau-Weißen. Ein VfL-Sieg, und die Dutt-Elf zieht im Tableau vorbei. Dazu muss es allerdings besser laufen, als es noch im Hinspiel der Fall war. Damals war die Elf vonne Castroper zwar drückend überlegen, musste sich am Ende aber dennoch mit 1:2 geschlagen geben. Die Gesamtstatistik – 7 Duelle gab es bislang in der Liga – geht aber knapp an den VfL. Drei Mal konnte Blau-Weiß gewinnen, zwei Mal der FCH.  

 

Der VfL Bochum 1848 musste in Heidenheim eine äußerst bittere Niederlage hinnehmen. Die Blau-Weißen, bei denen Robin Dutt erstmals auf der Trainerbank Platz nahm, lieferten einen überaus ordentlichen Auswärtsauftritt ab, hatten aber an diesem Tag auch das nötige Glück nicht auf ihrer Seite. Schon nach fünf Minuten wurde dem VfL ein regulärer Treffer aberkannt. Beste Chancen der Bochumer vereitelte Heidenheims starker Keeper Müller. So reichte Verhoeks Tor für schmeichelhafte drei Punkte.

Dutt vertraut Darmstadt-Bezwingern

Am Montag präsentierte der VfL Robin Dutt als neuen Übungsleiter. Der Trainer sah nach dem 2:1-Heimsieg gegen Darmstadt keinen Grund für Veränderungen in seiner Startelf. Neu im 18er-Aufgebot war einzig Selim Gündüz, der den Platz von Philipp Ochs einnahm. Bei den Heidenheimern vollzog Trainer Frank Schmidt nach der 0:2-Pleite in Regensburg gleich drei Wechsel. Für den gesperrten Kraus begann Wittek. Zudem ersetzten Dovedan und Feick das Duo Thomalla/Theuerkauf.

Fehlentscheidung bringt den VfL um die frühe Führung

Die Begegnung begann kurios. Es lief die fünfte Spielminute, da führten die Bochumer eigentlich mit 1:0. Kruse hatte im Strafraum für Stöger durchgelassen und der Österreicher bediente seinen Landsmann Hinterseer, der das Leder aus fünf Metern in den Maschen unterbrachte. Schiedsrichter Robert Kempter erkannte den Treffer zunächst an. Die Heidenheimer wollten jedoch eine Abseitsstellung von Stöger erkannt haben und protestierten. Plötzlich entschied sich dann auch Kempters Linienrichter, die Fahne nachträglich zu heben. Der Referee annullierte den Treffer der Blau-Weißen – eine klare Fehlentscheidung.  Der VfL zeigte sich wütend und versuchte es kurz darauf durch Stöger aus 16 Metern, doch Wittek warf sich in den Ball (7.) Es entwickelte sich fortan ein schnelles Fußballspiel. Die Bochumer agierten als Chef im Ring. Heidenheim lauerte jedoch auf Konter und sorgte so für Gefahr. Den ersten nennenswerten Abschluss der Roten verzeichnete der aufgerückte Beermann, der Riemann nach einer Ecke mit seinem Kopfball prüfte (22.). Kurz darauf dann tatsächlich die Führung für den FCH. Bei einer flachen Schnatterer-Hereingabe von der rechten Seite war Verhoek einen Sekundenbruchteil vor Riemann am Ball und stocherte die Kugel über die Linie (24.).

Bochum drängt auf den Ausgleich

Nach einer halben Stunde antwortete die Dutt-Elf beinahe mit dem Ausgleichstreffer durch Kruse. Der Australier drang in den Strafraum ein und schlenzte aus halblinker Position Millimeter am langen Pfosten von Müllers Kasten vorbei. Zwei Zeigerumdrehungen später musste sich Heidenheims Keeper bei einem Distanzschuss von Sam ganz lang machen, um die Kugel noch über den Querbalken zu lenken. Der FC-Schlussmann war es auch, der fünf Minuten vor der Pause einen überragenden Spielzug der Bochumer samt anschließender Großchance zunichte machte. Soares flankte maßgenau auf Hinterseer, der aus vollem Lauf abzog, aber an der Fußabwehr des Keepers scheiterte. Der VfL fuhr in dieser Phase Angriff um Angriff, doch das Heidenheimer Tor war wie zugenagelt. Unglaublich, dass die Blau-Weißen bei zahlreichen guten Offensivaktionen in der Voith-Arena zur Pause in Rückstand lagen.

Heidenheim zu Wiederbeginn stärker

Zu Beginn des zweiten Durchgangs drehte sich das Bild. Der VfL zunächst mit guten Chancen von Soares (48.) und Kruse (52.), doch ohne das nötige Abschlussglück. Auf Seiten der Heidenheimer sorgte FC-Urgestein Schnatterer mit einem sehenswerten Dropkick von der Seitenauslinie für Aufsehen. Riemann musste sein ganzes Können aufbieten, um das Geschoss des FCH-Kapitäns abzuwehren (52.). Im Anschluss brannte es nach zwei Freistößen von Schnatterer im VfL-Strafraum lichterloh (55./57.). Die Bochumer waren nun etwas aus dem Rhythmus. Heidenheim hingegen mit der nächsten Möglichkeit durch Dovedan, der seinen Flugkopfball jedoch einen halben Meter über die Latte setzte (62.).

Schlussoffensive der Gäste bleibt erfolglos

Dutt brachte mit Serra und Gündüz Mitte der zweiten Halbzeit zwei frische Offensivkräfte für Tesche und Kruse. Die Gäste waren nun wieder deutlich besser im Spiel und mit mehr Zug zum Tor. In der Schlussphase läutete das Bochumer Trainerteam mit dem Wechsel Wurtz für Fabian dann die totale Offensive ein. Die Hausherren  verteidigten ihren Vorsprung mit Mann und Maus. Auch die letzten Abschlüsse von Sam und Gyamerah landeten in den Armen von Müller. So stand unterm Strich ein schmeichelhaftes 1:0 für die nun seit sechs Heimspielen siegreichen Heidenheimer. Die Bochumer hingegen fuhren mit leeren Händen zurück ins Ruhrgebiet und empfangen am kommenden Spieltag mit dem 1. FC Nürnberg einen Aufstiegsaspiranten in Vonovia Ruhrstadion.

 

1. FC Heidenheim 1846 vs. VfL Bochum 1848

Anthony Losilla (VfL Bochum 1848): Wieder kommt der Gegner nach dem Spiel zu dir und sagt dir, dass du eine richtig gute Mannschaft hast. Aber Fakt ist einfach, dass wir schon wieder keinen Punkt mitgenommen haben. Wir arbeiten hart, spielen uns Chancen heraus, doch dann fehlt uns einfach das letzte Quäntchen Glück, so wie beim Abseitstor nach ein paar Minuten. Es läuft dann einfach ein Stück weit gegen uns. Davon dürfen wir uns jetzt nicht runterziehen lassen. Wir müssen weiter kämpfen und weiter alles geben, um gegen Nürnberg wieder zu punkten.

Patrick Fabian (VfL Bochum 1848): Das war heute über 90 Minuten gesehen eine gute Leistung von uns, aber das bringt uns ja nichts. Wir stehen wieder mit leeren Händen da und fahren ohne Punkte nach Hause. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht alles und jeden verfluchen und uns an Dingen, wie dem nicht gegebenen Tor, aufreiben. Wir müssen es so akzeptieren wie es ist und uns mit aller Macht dagegen stemmen. Der Mannschaft ist das bewusst. Am Ende des Tages juckt es keinen, ob du guten Fußball spielst oder nicht. Es geht einzig und alleine um die Punkte.

Kevin Stöger (VfL Bochum 1848): Wenn du 0:1 verlierst, dann hast du irgendetwas nicht richtig gemacht. In der Situation, in der wir uns befinden, sind Kleinigkeiten entscheidend. Eine große Fehlentscheidung hat der Schiedsrichter heute direkt in den ersten Minuten getroffen. Wenn du hier führst, dann läuft das Spiel ganz anders. Nichtsdestotrotz kann man es nicht mehr rückgängig machen, wir haben hier verloren. Die VfL-Fans haben uns heute wieder super unterstützt, weil sie gesehen haben, dass wir hier bis zum Umfallen gekämpft haben. Wir dürfen jetzt den Kopf nicht in den Sand stecken und müssen weiter dran bleiben. Wir müssen mehr aus unseren Chancen machen, dann kommt auch der Erfolg zurück.

 

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