6. Spieltag

VfL Bochum 1848
0: 0
VfB StuttgartVfB Stuttgart

So,  26.09.202115:30 UhrBundesliga

Nächste Runde Bundesliga, wir dürfen wieder in der Heimat ran. Der VfB Stuttgart ist zu Gast anne Castroper. Bei einem der Überraschungsteams der Vorsaison läuft es noch nicht wirklich rund. Nach dem klaren Auftaktsieg folgte bis dato kein weiterer Dreier. Kann gerne erstmal so bleiben. Unser BLICK AUF den VfB Stuttgart:

DER TRAINER
Seit Dezember 2019 ist Pellegrino Matarazzo als Cheftrainer beim VfB Stuttgart im Amt und trat damit die Nachfolge von Tim Walter an. „Wir haben uns für ihn entschieden, weil wir davon überzeugt sind, mit ihm sowohl unsere kurzfristigen als auch die mittel- bis langfristigen Ziele zu erreichen“, erklärte VfB-Vorstandsvorsitzender Thomas Hitzlsperger bei der Vorstellung des neuen Coaches. Das kurzfristige Ziel konnte der heute 43-Jährige schnell von seiner Aufgabenliste streichen: Den Schwaben gelang unter seiner Leitung der direkte Wiederaufstieg in die Bundesliga. In seiner ersten kompletten Spielzeit in Stuttgart schaffte der US-Amerikaner mit italienischen Wurzeln frühzeitig den Klassenerhalt und stabilisierte den Klub im Mittelfeld der Tabelle. Vor seinem Engagement beim VfB war Matarazzo Co-Trainer von Julian Nagelsmann in Hoffenheim, zuvor war er Jugendcoach bei der TSG und beim 1. FC Nürnberg.

DAS TEAM
Die jungen Wilden, so wurde der VfB in den 2000er Jahren schon einmal betitelt, nämlich als die Schwaben völlig überraschend die Deutsche Meisterschaft feierten und in der Champions League an den Start gingen. Zugegeben, vom Titel ist der VfB der aktuellen Zeit sicherlich ein gutes Stück weit entfernt. Dennoch haben die Auftritte, gerade in der Vorsaison, für Furore gesorgt. Silas, Kalajdzic, Sosa – der Aufsteiger lieferte. Sven Mislintat, Sportdirektor des VfB, verfügt vor allem nach seiner Zeit in London und beim BVB über ein glänzendes Netzwerk. Viele junge Talente fanden in den vergangenen zwei Jahren den Weg ins Ländle. Mohamed Sankoh (17 Jahre jung), Wahid Faghir (18), Enzo Millot (19), Ömer Beyaz (18) – die Liste an hochveranlagten Talenten ist lang. Wenig verwunderlich, dass der VfB den jüngsten Altersschnitt bei den eingesetzten Spielern aufweist. Aber Talent ist nicht alles. Schwer wiegt der Ausfall von Toptorjäger Kalajdzic, sehnsüchtig gewartet wird auch auf die Rückkehr von Silas, der sich im März einen Kreuzbandriss zuzog. Zwei ehemalige VfLer stehen übrigens im Aufgebot der Stuttgarter. Atakan Karazor und Chris Führich liefen einst im blau-weißen Nachwuchs auf.

DIE DUELLE
Das Duell VfL Bochum 1848 gegen den VfB Stuttgart verspricht vor allem eins: jede Menge Tore. Genau 221 Treffer gab es bislang in 74 Begegnungen. Davon endeten 18 Partien unentschieden. 17 Siege gingen an den VfL, satte 39 an den VfB. Die jüngsten zwei Begegnungen in der Zweitliga-Saison 2019/20 gingen beide Male an die Schwaben – 0:1 und 1:2 aus VfL-Sicht. Der letzte Sieg der Blau-Weißen ereignete sich im August 2014 im DFB-Pokal. Damals sorgte Simon Terodde mit einem Doppelpack gegen Stuttgart für den Einzug in die zweite Runde. Den letzten Bundesliga-Sieg gegen den VfB feierten die Bochumer am vorletzten Spieltag der Saison 2004/05. Doch auch der 2:0-Erfolg konnte den Abstieg bekanntermaßen nicht mehr verhindern.

 

VfL gegen VfB, am Ende konnte sich allerdings kein Team durchsetzen. Die Blau-Weißen trennten sich nach einer kämpferisch einwandfreien Leistung torlos vom Kontrahenten aus dem Schwabenland. Vier Zähler somit nun auf dem Punktekonto der Reis-Elf.

6. Spieltag in der Bundesliga, der VfL empfing den VfB Stuttgart anne Castroper und wollte nach der krachenden Niederlage in München eine Reaktion zeigen – am besten garniert mit dem zweiten Saisonsieg vor 15.300 Zuschauern. Viermal tauschte Cheftrainer Thomas Reis Personal: Für Kostas Stafylidis, Vasi Lampropoulos, Robert Tesche und Milos Pantovic starteten Herbert Bockhorn, Erhan Masovic, Eduard Löwen und Christopher Antwi-Adjei. Auch Reis-Pendant Pellegrino Matarazzo, der die Partie als Schlüsselspiel bezeichnete, wechselte nach vier sieglosen Spielen dreifach. Al Ghaddioui, Klimowicz und Anton ersetzten Ito, Kempf und Massimo.

So lief das Spiel

3‘: Nach forschem Beginn des VfL wird es erstmals brenzlig – allerdings vor Riemanns Kasten. Coulibaly will Al Ghaddioui in Szene setzen, doch mit vereinten Kräften kann der VfB-Stürmer gestoppt werden.

5‘: Mavropanos steigt nach einem Eckball hoch und drückt die Kugel vom kurzen Pfosten Richtung Riemann. Der packt aber sicher zu. Auf der Gegenseite tankt sich Antwi-Adjei über rechts stark durch, seine stramme Hereingabe klärt jedoch ein Stuttgarter.

8‘: Holtmann in seinem Element. Über links schlängelt er sich an Mavropanos und Mangala vorbei, dann sucht er mit dem Außenrist den Abschluss Richtung langes Eck – vorbei.

14‘: Bisher ist der VfB trotz einiger Fouls noch um eine Verwarnung herumgekommen, nach Sosas Einsteigen gegen Bockhorn bleibt Schiedsrichter Dingert aber keine andere Wahl, als den Argentinier zu verwarnen.

18‘: Die fetteste Chance bisher. Polter und Antwi-Adjei kombinieren Löwen im Strafraum frei, der Mittelfeldmann fackelt nicht lang und von halblinks draufhält. Den wuchtigen, aber zu unplatzierten Schuss kann Müller abwehren.

19‘: Bockhorn kriegt schon wieder übel auf die Knochen, diesmal senst ihn Klimowicz weg. Keine Zweifel an der Berechtigung, war schon dunkelgelb.

26‘: Rexhbecaj setzt Holtmann links in Szene, in seine flache Flanke für Polter grätscht zunächst ein VfB-Abwehrbein dazwischen. Polter kriegt noch eine Chance und trifft aus nächster Nähe nur den Pfosten, weil Müller stark reagiert. Alle Aufregung war aber ohnehin umsonst, im Nachgang ging die Fahne hoch.

30‘: Ausgezeichnete Freistoßposition für Löwen, der scharf flankt und Polter findet. Der hält die Rübe rein, doch auch der VfB kriegt einen Kopf dazwischen. Ecke.

36‘: Mavropanos kriegt das Leder an den Arm, der VfL fordert Elfmeter. Der VAR bleibt allerdings stumm… sowas ist auch schon gepfiffen worden.

38‘: Bella Kotchap stellt den Körper in Klimowicz und sieht die erste Bochumer Verwarnung. Nach bisherigem Maßstab von Dingert muss er die sicher nicht geben. Der fällige Freistoß von Sosa ist dann ähnlich harmlos wie das Foul zuvor.

43‘: Alter Schwede, die Stuttgarter hauen sich hier ganz schön knackig in die Zweikämpfe. Diesmal rauscht Al Ghaddioui ohne Chance auf den Ball in Antwi-Adjei. Dritte Gelbe für die Schwaben.

Pause: Der VfL ist in den ersten 45 Minuten klar spielbestimmend und lässt dem Gast kaum Möglichkeiten, zur Entfaltung zu kommen. Gerade über die Außen bricht der VfL immer wieder durch. Auch ein paar gute Gelegenheiten gab es, doch irgendwie kam immer noch ein Stuttgarter dazwischen. So fehlt die Belohnung in Form der verdienten Führung. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

46‘: Weiter geht’s. Matarazzo drückt die Unzufriedenheit über den Auftritt seines Teams mit zwei Wechseln zum Ausdruck. Führich und Thommy sind neu für die verwarnten Al Ghaddioui und Klimowicz. Reis sieht keinen Anlass zum Wechseln.

47‘: Blitzstart der Hausherren. Antwi-Adjei wird auf die Reise geschickt, läuft Richtung Tor und schließt ab. Müller fährt die Pranke aus, den Abpraller verpasst der einschussbereite Polter.

53‘: Mal wieder was Offensives vom VfB, doch Thommys abgefälschter Schuss fliegt im hohen Bogen in Riemanns Arme.

55‘: Puh, durchatmen. Der VfB geht nach einem Standard vermeintlich in Front, Mavropanos hatte genetzt. Doch Köln meldet sich bei Dingert, der Grieche hatte zur Ballkontrolle den Arm zur Hilfe genommen. Das Tor zählt nicht.

57‘: Nächste Gelbe für den VfB, wieder ist Bockhorn der Gefoulte. Endo greift beherzt bei Bockhorns Trikot zu, das gibt ein Ticket.

59‘: Polter setzt sich nach Löwen-Ecke im Luftkampf durch, drückt die Kugel aber aufs Tordach.

60‘: Die nächste Angriffswelle rollt auf den VfB zu, Holtmann hat wieder Tempo aufgenommen und bedient Antwi-Adjei. Der verfehlt die lange Ecke nur knapp.

61‘: Und die andere Seite. Marmoush hat halbrechts im Strafraum Platz und haut aus nicht optimalem Winkel drauf. Nicht ungefährlich, aber drüber.

62‘: Stuttgart wird aktiver. Sosa packt den Hammer aus, verzieht aber ein Stück. Masovic war zudem auch noch leicht dran.

63‘: Coulibaly hält Antwi-Adjei beim Konter abseits des Balles auf und kriegt den Gelben Karton.

71‘: Die Partie nimmt sich nach einer wilden Phase gerade eine kleine Auszeit, dem will Reis mit dem ersten Wechsel entgegenwirken. Antwi-Adjei räumt seinen Platz für Takuma Asano.

72‘: Losilla versucht es frech per Lob aus großer Distanz, Müller stand etwas weit vor dem Kasten. Nicht genau genug.

75‘: Smartes Foul von Masovic, der gegen den Tempo aufnehmenden Führich das Bein stehen lässt. Hat aber die Gelbe Karte zur Folge.

78‘: Weiterer Wechsel von Reis, Tesche übernimmt für Löwen.

78‘: Rexhbecaj fasst sich ein Herz und feuert einen ab. Müller lässt klatschen, ist aber schnell wieder da und hat die Kugel.

81‘: Gute Gelegenheit im Umschaltspiel, doch Losilla findet keine Anspielstation und zieht selbst aus 20 Metern ab. Abgerutscht.

83‘: Auch Endo versucht sich mal aus der Distanz, kein Problem für Riemann.

85‘: Doppelwechsel auf Seiten des VfL: Holtmann und Losilla verlassen das Spielfeld, dafür kommen Danny Blum und Konstantinos Stafylidis. Auch Matarazzo zieht drei Joker. Mangala, Mavropanos und Coulibaly raus, Didavi, Kempf und Massimo rein.

87‘: Massimo bietet sich gleich eine gute Chance. Vor dem Strafraum hat er zu viel Raum, sein Schuss gerät jedoch zu hoch.

Ende: Nullnummer zwischen VfL und VfB, die am Ende in Ordnung geht. Im ersten Durchgang waren wir dem Tor näher, die zweite gestaltete sich ausgeglichener. Mit Saisonpunkt Nummer vier im Gepäck treten Thomas Reis und sein Team am kommenden Samstag den schweren Gang nach Leipzig an (18:30 Uhr).

Thomas Reis (Cheftrainer VfL Bochum 1848): „In der ersten Halbzeit hat unser Pressing sehr gut funktioniert und wir waren mutig. Da hatten wir auch die ein oder andere Möglichkeit. Es fehlten aber immer die letzten Zentimeter, die letzte Entschlossenheit oder der entscheidende Pass. Stuttgart hatte den Standard zu Beginn und dann gar keine Chance mehr. Auch in die zweite Halbzeit sind wir zunächst gut reingekommen und hatten eine weitere große Gelegenheit. Danach haben wir leider etwas den Faden verloren, das Spiel wurde wilder und Stuttgart hat die Kontrolle bekommen. Die Art und Weise fand ich heute aber gut, uns fehlt nur momentan, dass vielleicht ein abgefälschter Ball mal reintrudelt oder sowas. Gegen Hertha war es ähnlich, heute haben wir uns immerhin mit einem Punkt belohnt. Wir hätten gern drei gehabt, der Auftritt stimmt mich aber positiv. Das wollen wir so fortführen.“

Pellegrino Matarazzo (Cheftrainer VfB Stuttgart): „Bochum hatte die bessere erste Halbzeit. Außer zwei Chancen zu Beginn haben wir uns nicht mehr getraut, wirkten ein Stück weit verunsichert. Da konnten wir glücklich sein, nicht in Rückstand geraten zu sein. Nach einer Umstellung war es in der zweiten Halbzeit ein ganz anderes Spiel. Trotz zunehmender Dominanz haben wir im eigenen Ballbesitz zu wenig kreiert, das Spiel im letzten Drittel war nicht optimal. Positiv ist, dass wir zu Null gespielt haben und alle waren bereit, zu verteidigen.“

Anthony Losilla (VfL Bochum 1848): „Es sah schon mal deutlich besser aus als letzte Woche, auch kämpferisch. Stuttgart hatte nur wenige Chancen, wir standen hinten gut. Leider haben wir unsere Situationen nicht optimal ausgespielt, wir hatten die klareren Chancen zum Sieg. Aber so ist es, wir können auch mit dem Punkt leben. Wir arbeiten weiter. Vier Punkte sind jetzt noch nicht so viel, aber ich bin überzeugt, dass wir noch einige Punkte holen werden, wenn wir immer dieses Gesicht zeigen.“

Erhan Masovic (VfL Bochum 1848): „Es war eine starke Leistung von uns, auch wenn wir kein Tor geschossen haben. Unter der Woche haben wir viel investiert und gearbeitet für dieses Match, das hat man heute gesehen. Die Fans haben tolle Stimmung gemacht und ich bin glücklich, hier vor ihnen spielen zu können. Mit ihrer Unterstützung sind wir, wenn wir so spielen, meiner Meinung nach stark genug um die Liga zu halten.“