4. Spieltag

VfL Bochum 1848
1: 3
Hertha BSCHertha BSC

So,  12.09.202117:30 Uhr Bundesliga

Länderspielpause durch, es geht wieder um Punkte. Der VfL empfängt am Sonntag die Alte Dame zum Tanz. Es dürfte ein heißer werden, denn die Gäste müssen nach dem verpatzten Start Boden gut machen. Haben wir natürlich etwas dagegen. Unser BLICK AUF die nächste Partie:

DAS TEAM
Die Hertha plant Größeres. Das haben die Investitionen der letzten Jahre gezeigt. Viele Millionen gingen über die Ladentheke, möglich machte das die finanzielle Unterstützung durch Lars Windhorst und seine Tennor Holding. Einzig der sportliche Erfolg will sich bis dato noch nicht einstellen. Mit null Zählen liegt die Alte Dame am Tabellenende. Grund genug, um in der zurückliegenden Länderspielpause mit einhergehender Schließung des Transferfensters nochmal kräftig am Kader zu schrauben. Matheus Cunha (Atletico Madrid), Dodi Lukebakio (Wolfsburg) und Javairo Dilrosun (Bordeaux) verließen die Hauptstadt. Neu sind Angreifer Myziane Maolida und Mittelfeldspieler Jurgen Ekkelenkamp. Bereits zu einem Einsatz kam Stürmer Ishak Belfodil. Ordentlich Betrieb also im Berliner Aufgebot, zu dem sich im Sommer die durchaus prominenten Neuzugänge Stefan Jovetic, Kevin Prince Boateng oder Suat Serdar gesellten.

DER TRAINER
373 Pflichtspiele und mit 286 Einsätzen im Oberhaus Rekord-Bundesligaspieler der Berliner und nun seit Januar zum zweiten Mal als Cheftrainer an der Seitenlinie: Pál Dárdai kann man mit Fug und Recht als Mister Hertha bezeichnen. Dabei rettete er die Alte Dame in der Vorsaison mit einem starken Schlussspurt vor dem drohenden Gang in die Zweitklassigkeit. In dieser Spielzeit soll er endlich Ruhe in die Hauptstadt bringen, mit seinem emotionalen Ausbruch nach dem 0:5 in München, als er seine Position nach der dritten Niederlage in Frage stellte, sorgte er aber eher für das Gegenteil. Nun ist die Transferperiode zu Ende und mit reichlich neuem Personal muss nun die Wende gelingen.

DAS DUELL
Absolut ausgeglichen ist die Bilanz zwischen den Bochumern und Berlinern. Je 19 Siege feierten die Klubs, zwölf Mal endete ein Duell unentschieden. Für den letzten VfL-Sieg muss man allerdings einige Jahre zurückblicken – um genau zu sein, zwölf Jahre. Am dritten Spieltag der Saison 2009/10 - der damals vorerst letzten Spielzeit der Bochumer im Oberhaus - siegte der VfL 1:0 gegen die Alte Dame. Anthar Yahia erzielte damals das Tor des Tages. Das letzte Duell ist allerdings gar nicht so lang her. Zur Vorbereitung auf die Saison 2019/20 trafen sich die beiden Klubs zur Generalprobe. Diese endete 1:1. Torschütze für den VfL war damals Danny Blum mit einem sehenswerten Freistoß-Treffer

Der VfL muss sich im zweiten Heimspiel der Saison Hertha BSC Berlin trotz einer größtenteils ordentlichen Leistung mit 1:3 geschlagen geben. Vorne entwickelte das Team von Thomas Reis nicht genügend Durchschlagskraft, hinten bestraften die Gäste die Bochumer Fehler gnadenlos. Suat Serdar war kurz vor der Pause per Doppelschlag erfolgreich (37., 43.), nach einer knappen Stunde konnte Zoller per Abstauber auf 1:2 verkürzen (59.). Der VfL versuchte viel, die Hertha konterte sich über Neuzugang Maolida  zur Entscheidung (79.).

Die Alte Dame zu Gaste anne Castroper. Am Sonntag des 4. Spieltags empfing der VfL die Hertha aus Berlin. Zwei Wechsel im Vergleich zum Spiel in Köln nahm Coach Thomas Reis vor. Konstantinos Stafylidis und Eduard Löwen begannen anstelle von Herbert Bockhorn und Milos Pantovic. Robert Tesche war zudem nach seiner Sperre wieder ein Teil des Spieltagskaders.

So lief das Spiel

4‘: Der erste Abschluss gehört dem VfL. Losilla nimmt einen Kopfball von Boyata direkt, kann Schwolow aber nicht wirklich fordern. Zu zentral.

7‘: Die Berliner gehen zu Beginn rustikal zu Werke. Vier, fünf Fouls schon nach sieben Minuten. Noch bleiben die Karten stecken.

8‘: Aus einem dieser Fouls resultiert ein Freistoß, den Löwen tritt. Nicht verkehrt, aber im Außennetz.

17‘: Überragend verteidigt von Lampropoulos. Richter kommt mit Tempo, doch der Grieche stellt geschickt den Körper rein. Das hätte gefährlich werden können.

19‘: Starke Szene von Rexhbecaj, der nach einem Solo von links mit Schnitt zu Zoller flankt. Der kommt zwar noch gerade so dran, aber es fehlt ein halber Schritt zum Torerfolg.

22‘: Auf der Gegenseite kommt Richter nach Elvis-Ballverlust aus 20 Metern zum Schuss. Links vorbei.

27‘: Holtmann setzt sich links klasse durch, seine Flanke findet aber keinen Abnehmer. Polter und Zoller hatten gelauert.

35‘: Immer wieder gute Ansätze und Ideen des VfL. Die letzte Konsequenz im Strafraum fehlt noch.

37‘: TOR für Berlin – 0:1. Die kalte Dusche aus dem Nichts. Serdar kann zu leicht durchs Mittelfeld marschieren und die Kugel dann nach einer Finte platziert ins rechte Eck versenken.

43‘: TOR für Berlin – 0:2. Ein Geschenk für die Gäste. Nach einem langen Einwurf von Jastrzembski sehen Bella Kotchap und Lampropoulos nicht gut aus, Serdar bedankt sich und schießt in die kurze Ecke ein.

Pause: Zwei schwach verteidigte Szenen bringen den VfL hier mit 0:2 ins Hintertreffen. Dabei war der VfL bis zum ersten Gegentreffer die klar aktivere Mannschaft, auch wenn vorne die Durchschlagskraft fehlte. Jetzt wird es in Halbzeit zwo eine ganz schwere Nummer gegen eine effektive Hertha.

46‘: Dardai wechselt doppelt und bringt Mittelstädt sowie den 17-jährigen Bundesliga-Debütanten Gechter. Torunarigha und Jastrzembski bleiben in der Kabine. Der VfL bleibt unverändert.

47‘: Tousart sieht die erste Gelbe Karte der Begegnung nach einem Foul gegen Rexhbecaj.

54‘: Auch Mittelstädt wird verwarnt, nachdem er gegen Zoller zu spät kommt.

55‘: Nach einigen weniger gelungenen Versuchen von Löwen versucht sich nun mal Stafylidis an einem Standard. Nicht schlecht, aber Schwolow faustet ihn weg.

57‘: Maolida ersetzt Richter.

59‘:  TOOOR für den VfL – 1:2. Der Anschluss, die Bude bebt! Wie gegen Mainz setzt Holtmann zum überragenden Solo an, diesmal verhindert Schwolow per Fußabwehr das Traumtor. Zoller steht richtig und schiebt ein.

63‘: Erster Wechsel beim VfL. Losilla macht Platz für Tesche.

64‘: Der VfL macht jetzt Dampf, vor allem über Holtmann. Seine scharfe Hereingabe kann Boyata gerade vor Polter klären.

73‘: Die Berliner kommen kaum mehr aus der eigenen Hälfte, die Blau-Weißen finden aber nicht die Lücke. Auch nicht Polter, der für Löwen ablegen will. Ein Herthaner funkt dazwischen.

75‘: Zeefuik sieht 15 Minuten vor Ende der regulären Spielzeit Gelb wegen Zeitspiels…

78‘: TOR für Berlin – 1:3. Zum dritten Mal macht der VfL in der Defensive keine gute Figur. Maolida kann beinahe ungestört von rechts nach innen ziehen, dann lässt er Riemann aus 18 Metern keine Chance.

82‘: Reis wechselt dreifach aus. Bockhorn, Decarli und Antwi-Adjei sind nun für Stafylidis, Bella Kotchap und Holtmann dabei.

85‘: Nochmal ein Kopfball von Decarli, den Schwolow aber locker fangen kann.

Ende: Der VfL unterliegt einer effizienten Hertha aus Berlin mit 1:3. Vorne war es letzten Endes trotz engagierten Auftretens nicht zielstrebig genug, hinten wurden drei Gegentore leichtfertigt hergeschenkt. So wurde ein starker Kampf nicht belohnt. Mund abputzen und weitermachen. Am nächsten Wochenende dann bei den Bayern.

 

Thomas Reis (VfL Bochum 1848): „Wir haben uns viel vorgenommen und das hat man auch gesehen. Dann passiert es leider, dass wir Serdar nur begleiten und Hertha seine individuelle Klasse ausspielt. Das 0:2 war ein böser Nackenschlag vor der Halbzeit, da hätte ich mir auch eine Entscheidung auf Foul gewünscht. Das Publikum stand absolut hinter uns, also wollten wir in der zweiten Halbzeit nochmal alles investieren. Wir haben nur etwas unsauber gespielt. Darum kann ich der Mannschaft keinen Vorwurf machen.“

Pal Dardai (Hertha BSC): „Für uns war es wichtig, dass wir punkten und als Mannschaft dastehen. Da kann ich die Spieler nur loben, sie waren leidenschaftlich. Für Bochum war es natürlich bitter, die haben Druck gemacht und wir haben mit wenigen Schüssen drei Tore gemacht. So ist Fußball.“

Eduard Löwen (VfL Bochum 1848): „Ich glaube, das ist einfach Fußball. Wir haben gut gespielt, gerade in der ersten Halbzeit und wir hatten unsere Chance. Die haben wir nicht genutzt und der Gegner hat dann unsere Fehler eiskalt bestraft. Wir haben uns viel vorgenommen und Druck gemacht, kassieren aber den Konter. Da müssen wir uns an die eigene Nase fassen und sind selbst Schuld.

Konstantinos Stafylidis (VfL Bochum 1848): „Ehrlich gesagt bin ich sprachlos, aber so ist Fußball. Wir hatten heute einfach nicht das Glück und Hertha hat mit drei Schüssen drei Tore gemacht. Aber es nützt nichts, das Spiel ist vorbei. Wir müssen nach vorne schauen und uns auf die nächsten Wochen vorbereiten.“