2. Spieltag

VfL Bochum 1848
2: 0
1. FSV Mainz 051. FSV Mainz 05

Sa,  21.08.202115:30 Uhr Bundesliga

Es ist soweit, das lange Warten hat ein Ende. 11 Jahre nach unserem letzten Bundesliga-Heimspiel geht es am Samstag anne Castroper endlich wieder um Zähler in der höchsten deutschen Spielklasse. Mainz 05 heißt der Kontrahent. Starker Start trotz erheblicher (coronabedingter) Probleme in der Vorbereitung. Doch die Elf von Bo Svensson hat sich davon nicht umwerfen lasse. Unser BLICK AUF den Gegner: 

DER TRAINER
Bayern, Dortmund, Frankfurt, Wolfsburg – Mainz. So sah die Rückrundentabelle der vergangenen Saison aus. Nach mageren sieben Zählern in der Hinrunde brachten es die Mainzer in der zweiten Hälfte der Spielzeit auf 32 Punkte. Das lag vor allem an einem Mann: Bo Svensson. Anfang des Jahres übernahm der Däne den abstiegsbedrohten Klub – und verlieh dem FSV einen neuen Glanz. Sensationelle zehn Siege feierten die Mainzer in dieser Zeit, ebenso sechs Remis. Damit erreichten die Rot-Weißen den Klassenerhalt. Für Svensson, der einen Vertrag bis 2025 am Bruchweg unterschrieb, ein echter Kraftakt, wie er nach der Saison erklärte: „Ich werde Kräfte sammeln und dann versuchen, ein noch besserer Trainer zu sein und den Verein weiter nach vorne zu bringen.“ Svensson ist durch und durch ein 05er. Schon als Spieler trug er sieben Jahre das rot-weiße Trikot, beendete in Mainz die aktive Karriere und startete als Trainer durch. Nach zweieinhalb Jahren beim FC Liefering in Österreich kehrte er zurück. In seiner zweiten Saison macht er nun da weiter, wo er vergangenen Spielzeit aufgehört hat.

DUELLE
Das letzte Duell gegen Mainz dürfte allen VfL-Fans noch in guter Erinnerung sein, denn die Partie ist noch nicht allzu lang her. Erst im Dezember 2020 – genauer gesagt einen Tag vor Heiligabend – zogen die Bochumer in Mainz in die dritte Pokalrunde ein. Nach 0:2-Rückstand stellten Gerit Holtmann und Robert Tesche den gleichstand wieder her. Ohne Tore ging die Verlängerung vorüber und das Elfmeterschießen musste entscheiden. Nachdem die ersten drei rot-weißen Schützen allesamt vergaben und die VfLer alle drei Schüsse verwandelten, war die Entscheidung klar: Die Jungs vonne Castroper besiegten den Bundesligisten und zogen ins Achtelfinale ein. Ansonsten sieht die Bilanz gegen die 05er eher dürftig aus. Acht Siege feierten die Mainzer, fünf die Bochumer, zweimal endete ein Duell unentschieden.

DIE BILANZ
Nach mehreren Corona-Fällen innerhalb der Profiabteilung mussten zunächst etliche Spieler und Mitglieder des Funktionsteams in Quarantäne. Zum Auftakt traten die 05er folglich mit stark dezimiertem Kader an. Doch die Mannschaft von Bo Svensson trotze allen Bedingungen und schaffte gegen RB Leipzig eine Überraschung: 1:0 endete die Partie gegen den Vizemeister. Moussa Niakhaté erzielte bereits nach 13. Minuten das Tor des Tages. Mit einer kämpferischen Leistung brachten die Mainzer den Sieg über die Zeit. „Dieser Sieg war glücklich und erkämpft, zeigt aber auch, dass der Teamspirit bei uns stimmt. Dadurch haben wir schon viel für eine solide Saison“, sagt  FSV-Sportchef Martin Schmidt nach dem Spiel.

 

Der VfL ist wieder da! Im ersten Bundesliga-Heimspiel seit über elf Jahren schlägt die Mannschaft von Thomas Reis den 1. FSV Mainz nach einer ganz starken Leistung verdient mit 2:0 (1:0). Mit einem absoluten Sahne-Solo brachte Gerrit Holtmann seine Farben vor der Pause in Front (21.), Neuzugang Sebastian Polter krönte sein tolles Startelfdebüt nach dem Seitenwechsel mit dem entscheidenden 2:0 (56.). Mainz versuchte viel, um noch zurückzukommen, der VfL war am heutigen Tag jedoch nicht zu überwinden.

11 Jahre oder 4.123 Tage hat sich der VfL Bochum 1848 gedulden müssen, heute ist es wieder so weit: Bundesliga-Fußball anne Castroper! Der 1. FSV Mainz 05 gastierte an diesem Festtag im Vonovia Ruhrstadion, ebenso wie 12.458 Zuschauer, die auch gleich mal für eine Wahnsinnsatmosphäre sorgten. Auch die Sonne lachte über Bochum und rundete den würdigen Rahmen für die blau-weiße Rückkehr ins Oberhaus ab. Gänsehaut pur, was eine Stimmung!
Im Vergleich zum ordentlichen wie unglücklichen Auftakt beim 0:1 in Wolfsburg musste Chefcoach Thomas Reis seine Startelf am 2. Spieltag auf drei Positionen umbauen: Maxim Leitsch und Christopher Antwi-Adjei mussten angeschlagen passen, Robert Tesche fehlte gesperrt. So rückte Armel Bella Kotchap in die Innenverteidigung und kam zu seinem Bundesligadebüt, zudem spielten Milos Pantovic und Neuzugang Sebastian Polter von Beginn an. Zusätzlich entschied sich Reis für Gerrit Holtmann statt Takuma Asano auf dem linken Flügel.

So lief das Spiel:

1‘: WAS FÜR EINE ATMOSPHÄRE! Ist das geil! Fehlt noch der Heimsieg. Los geht’s, Männer!

4‘: Erster Versuch der Gäste. Jae Sung Lee kommt nach Kopfballabwehr von Anthony Losilla aus der Distanz zum Schuss. Über den Kasten.

8‘: Der VfL kommt über Holtmann, der scharf vor den Kasten flankt. Polter rauscht heran, doch Robin Zentner ist schneller da.

10‘: Er kann’s noch! Coach Reis pflückt einen Befreiungsschlag butterweich mit dem Fuß runter.

12‘: Paul Nebel knüppelt Cristian Gamboa an der Seitenlinie um. Hätte gut und gerne Gelb sein können.

14‘: Erste gute Chance für den VfL. Danilo Soares bringt den Freistoß von der Mittellinie und findet Belle Kotchap. Der hat Platz, setzt den Kopfball aber am linken Pfosten vorbei. 

21‘: TOOOOOOR für den VfL – 1:0! Ein Traumsolo bringt die Bochumer Führung. Polter setzt sich m Luftkampf durch, Zoller leitet hoch zu Holtmann weiter und dann beginnt die wilde Fahrt. Knapp hinter der Mittellinie legt Holtmann los, tänzelt elegant durch die komplette Mainzer Abwehrreihe und legt Zentner die Kugel dann auch noch durch die Hosenträger ins Netz! ÜBERRAGEND gemacht. 

24‘: Holtmann ist on fire und versucht sich gleich am nächsten Traumtor. Aus spitzem Winkel haut er volley voll drauf und setzt den Ball ans Außennetz. 

30‘: Der Ball zappelt erneut im Mainzer Netz. Zoller ist nach einer Ecke zur Stelle und haut das Ding aus der Drehung rein. Doch die Kugel sprang ihm kurz davor an den Unterarm, der Treffer bleibt nach VAR-Check nicht bestehen. Bitter, zumal Zoller zuvor schon per Fallrückzieher Zentner zu einer starken Parade zwang, die zur besagten Ecke führte. 

42‘: Jetzt ist Manuel Riemann erstmals gefordert und verhindert mit einer richtig starken Parade den Ausgleich. Niklas Tauer taucht plötzlich halblinks frei vor ihm auf und visiert das lange Eck an, doch Manu fährt blitzschnell den Fuß aus und wehrt zur Ecke ab.

45‘+2: Artistischer Einsatz von Lampropoulos, der den zweiten Ball nach einem Freistoß mit dem Rücken zum Tor Richtung Zentner bugsiert. Der halbe Fallrückzieher landet aber in den Armen des Mainzer Keepers.

Pause: Toller Auftritt des VfL immer ersten Durchgang, engagiert und hochkonzentriert geht die Reis-Elf zu Werke. Vorne kreieren die Blau-Weißen immer wieder Chancen, eine davon nutzte Holtmann nach seinem Mega-Dribbling zur Führung, Zollers Treffer zählte leider nicht. Auch die Defensive macht ein starkes Spiel und steht mit Ausnahme der Tauer-Chance sattelfest.

46‘: Weiter geht’s. Der VfL bleibt unverändert, der Mainzer Trainer Bo Svensson tauscht dreifach. Paul Nebel, Tauer und Robin Hack bleiben in der Kabine, Jeremiah St. Juste, Dominik Kohr und Jean-Paul Boëtius sind nun dabei.

51‘: Vermehrter Ballbesitz für die Gäste in den ersten Minuten nach Wiederbeginn, bislang ohne Ertrag.

54‘: Die erste Verwarnung der Partie geht an Elvis Rexhbecaj, der Boëtius per taktischem Foul am Gegenzug hindert.

56‘:TOOOOOOR für den VfL – 2:0! Herzlich willkommen beim VfL, Sebastian POLTER. Nach einer Maßflanke von Zolli behauptet sich der Neuzugang im Zentrum stark gegen Stefan Bell und drückt das Leder per Kopf perfekt in die lange Ecke. Kann man beim Debüt so machen!

57‘: Boëtius will beim Treffer ein Foul gesehen haben und teilt das etwas zu lautstark mit. Dafür belohnt Patrick Ittrich den Joker mit der Gelben Karte.

60‘: Gamboa muss verletzt runter, Herbert Bockhorn übernimmt die rechte Defensivseite von ihm.

62‘: Svensson reagiert und nimmt einen weiteren Wechsel vor. Lee raus, Adam Szalai rein.

64‘: Erste Offensivszene der Gäste im zweiten Durchgang. Nach einem weiten Einwurf kommt Aaron aus dem Hinterhalt zum Abschluss, setzt aber deutlich zu hoch an. Ins Fangnetz.

66‘: Svensson bereitet bereits den fünften Tausch vor. Zufriedenheit sieht anders aus. Der VfL macht es aber auch weiterhin unheimlich gut. Hier wird um jeden Ball gefightet.

67‘: Leandro Barreiro zupft an Rexhbecaj und sieht die erste Mainzer Verwarnung.

68‘: Da ist der angekündigte Wechsel. Ex-VfLer Kevin Stöger ersetzt Stefan Bell. Volle Offensive.

71‘: Reis verstärkt die Defensive und bringt Erhan Masovic sowie Konstantinos Stafylidis für Milos Pantovic und Rexhbecaj.

75‘: Die Schlussviertelstunde bricht an. Von Mainz kommt weiter wenig, der VfL wirkt sehr stabil. Einfach geil, wie hier jeder geklärte Ball und jeder gewonnene Zweikampf von den Rängen abgefeiert wird. Die Unterstützung braucht das Team gerade, Mainz erhöht den Druck. Durchhalten, Männer!

80‘: Riemann! Stöger kommt im Strafraum ziemlich unbedrängt zum Schuss, doch der VfL-Schnapper macht sich ganz breit und wehrt ab. Kurz darauf kommt Szalai an die Kugel und legt sie am langen Eck vorbei. 

81‘: Frische Kräfte für den möglicherweise vorentscheidenden Konter. Takuma Asano kommt für Holtmann in die Partie.

86‘: Eckball Mainz von Stöger, in der Mitte schraubt sich St. Juste hoch. Unter Bedrängnis setzt er den Kopfball auf das Tordach.

87‘: Ittrich geht es bei Riemanns Abstoß nicht schnell genug, es gibt Gelb wegen Zeitspiels.

90‘: Kohr hält gegen Polter den Fuß drauf und kriegt Gelb.

90‘+3: Auch Zoller und Asano sehen den Gelben Karton. Einer fürs Foul, der andere fürs Meckern.

Ende: Es ist vollbracht! Im ersten Bundesliga-Heimspiel seit über elf Jahren schlägt der VfL den FSV Mainz 05 absolut verdient mit 2:0. Nach Holtmanns Pausenführung legte Polter im zweiten Abschnitt durchsetzungsstark nach und ebnete den Weg zum Dreier. Mainz versuchte zwar viel und hatte Druckphasen, Riemann war aber nur selten gefordert. Ein rundum gelungen    es Bundesliga-Comeback anne Castroper! In der kommenden Woche geht’s dann nach Köln.

VfL: Riemann – Gamboa (60. Bockhorn), Lampropoulos, Bella Kotchap, Soares – Losilla – Zoller, Rexhbecaj (71. Stafylidis), Pantovic (71. Masovic), Holtmann (81. Asano) – Polter

Tore: 1:0 Holtmann (21.), 2:0 Polter (56.)

Thomas Reis (Trainer VfL Bochum 1848): „Die Jungs haben es heute bravourös gemacht, wir waren von der ersten Minute an da. Mit den Fans im Rücken war es ein besonderes Spiel, ein besonderer Tag für alle. Wir haben unseren Plan von Anfang an sehr gut umgesetzt, waren aggressiv und haben versucht, den Gegner vor Aufgaben zu stellen. Das ist, bis auf eine Unaufmerksamkeit, sehr gut gelungen. In der zweiten Hälfte hat Mainz dann viel Größe reingebracht und versucht, mit Standards und langen Bällen zum Erfolg zu kommen. Auch das haben wir sehr gut gelöst und selbst zwei sehr schöne Tore geschossen. Es war einfach ein rundum gelungener Tag nach über 4000 Tagen ohne Bundesliga-Heimspiel.“

Bo Svensson (Trainer 1. FSV Mainz 05): „Es war ein verdienter Sieg für Bochum. Wir waren in der ersten Halbzeit zu passiv, das Tor steht sinnbildlich dafür. Das war ganz schlecht verteidigt. Bochum war griffiger, aggressiver und hat besseren Fußball gespielt, damit haben wir uns schwergetan. Ich glaube dennoch, dass wir aus diesem Spiel viel mitnehmen können. Vielleicht sogar mehr als aus dem Sieg gegen Leipzig.“

Sebastian Polter (VfL Bochum 1848): „Es war absolut geil, was hier los war. Genau für sowas lebt man doch als Fußballer. Jedes kleine Kind will Profi werden, um genau dieses Feeling zu erleben. Wir sind froh, die Fans wieder zu haben. Fans gehören einfach in jedes Stadion der Welt und haben es verdient, nach so langer Zeit diese Momente wieder feiern zu können, zufrieden zuhause noch ein Bierchen aufzumachen und dann einfach glücklich zu sein. Um dafür zu sorgen, müssen wir uns Woche für Woche einschwören, eklig sein und mit genau dieser Mentalität auf den Platz gehen. Schon letzte Woche haben wir es in Unterzahl gut gemacht, heute an die Leistung angeknüpft und das erarbeitete Selbstvertrauen wollen wir in die kommenden Aufgaben mitnehmen.“

Manuel Riemann (VfL Bochum 1848): „Wir haben heute das gemacht, was ich gehofft habe, dass wir es machen. In der ersten Halbzeit haben wir richtig sauber gespielt, Mainz hatte nur eine Chance. Ansonsten hatten wir das Spiel absolut im Griff. Wenn wir so weiter spielen, weiter derart an uns glauben und diese Intensität immer 90 Minuten an den Tag legen, dann muss uns erstmal eine Mannschaft schlagen.“