1. Spieltag

VfL Bochum 1848
2: 2
FC St. PauliFC St. Pauli

Mo,  21.09.202020:30 Uhr2. Bundesliga

Und ab damit, die neue Saison in der 2. Bundesliga kann für uns beginnen. Am Montag treffen wir zum Abschluss der ersten Runde auf den FC St. Pauli. Bei den Kiezkickern kam es im Sommer zum Umbruch, nicht nur auf der Trainerbank. Wir schauen auf unseren Auftaktgegner. Der BLICK AUF den FC St. Pauli:

TRAINER
Innovation statt Tradition – so könnte man Pauli-Cheftrainer Timo Schultz beschreiben. Nachdem er bereits U19-, U17- sowie Co-Trainer bei den Profis war, wurde der 43-Jährige im Sommer Cheftrainer der Kiezkicker. An seine Seite beorderte er die 27 Jahre jungen Co-Trainer Fabian Hürzeler und Loïc Favé. „Er bringt viele innovative Ideen und einen frischen Blick auf den Fußball mit. Das wird unsere tägliche Trainingsarbeit bereichern“, beschreibt Schultz seinen Assistenten Favé. Frischer Wind und eine mutige Spielweise sollen den FC St. Pauli fortan prägen. Den Verein sollte Schultz, der gebürtiger Ostfriese ist, wie seine Westentasche kennen. Sieben Jahre schnürte er die Schuhe für die Profis und Zweite Mannschaft der Hanseaten, bevor er 2011 seine aktive Karriere beendete und auf die „andere Seite“ wechselte.

DUELLE
Gerne erinnern wir uns an das letzte Aufeinandertreffen mit dem FC St. Pauli zurück. Nach dem Re-Start waren die Kiezkicker, die damals noch unter der Leitung von Trainer Jos Luhukay standen, im Juni zu Gast an der Castroper Straße. Dort gab es für die Hamburger allerdings nichts zu holen: Der VfL feierte einen souveränen 2:0-Sieg. Die Tore erzielten Robert Žulj und Maxim Leitsch. Dies war übrigens der erste VfL-Heimerfolg gegen den FC St. Pauli seit sechs Partien in Serie. Das spiegelt sich auch in der Gesamtbilanz wider, in der der FCSP die Nase vorn hat. Von 35 bisherigen Partien konnten die Braun-Weißen den VfL 13-mal besiegen. Achtmal waren die Bochumer siegreich, 14-mal endete eine Partie ohne Sieger.

ZWISCHENBILANZ
Der Pflichtspielauftakt des FC St. Pauli und damit auch die Cheftrainerpremiere von Timo Schultz ging daneben. In der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals mussten sich die Hanseaten beim Regionalligisten SV Elversberg 2:4 geschlagen geben und schieden damit früh aus dem Wettbewerb aus. „Elementar im Fußball ist es, die Zweikämpfe zu gewinnen, das haben wir nicht getan“, monierte Schultz im Anschluss. „Die Mannschaft wirkte verunsichert, die Sicherheit der Vorbereitung war weg.“ Dabei hatte sich sein Team in den letzten beiden Testspielen anders präsentiert und war sowohl gegen den SV Meppen (2:1) als auch den dänischen Erstligisten SønderjyskE Fodbold (1:0) siegreich. Auch im Trainingslager wurde von guter Stimmung und einem Teamgeist berichtet, den es „lange nicht bei den Hamburgern gegeben hat“ (NDR). Routinier Marvin Knoll zeigte sich ebenfalls bestürzt über das unterschiedliche Auftreten zwischen Test- und Pflichtspiel: „Wir hatten uns in der Vorbereitung gut entwickelt, das war jetzt ein großer Rückschritt. So dürfen wir uns nicht noch einmal präsentieren.“

Bittere Pille für die Blau-Weißen. Beim ersten Ligaheimspiel der Saison spielte der VfL 84 Minuten lang souverän und führte durch Treffer von Zulj (26.) und Zoller (76.) hochverdient gegen den FC St. Pauli. Doch ein später Doppelschlag von Kyereh (84., 86.) ließ die Hamburger doch noch einen glücklichen Zähler mit in die Hansestadt nehmen.

Festtag anne geschmückten Castroper Straße. Nicht nur, weil für den VfL Bochum 1848 die 2. Bundesliga startete, sondern vor allem, weil gegen den FC St. Pauli auch Teile der Zuschauer wieder im Vonovia Ruhrstadion begrüßt werden durften. 3.421 Zuschauer waren am Montagabend in unserem Schmuckkästchen am Start – ein weiterer Schritt in Richtung Normalität.

VfL-Cheftrainer Thomas Reis schickte gegen die Kiezkicker die gleiche Startelf ins Rennen, die schon im DFB-Pokal gegen den FV Engers 07 begann. Auf der Bank gab es drei Änderungen. Miloš Pantović saß das letzte Spiel seiner Rotsperre aus der Vorsaison ab, Thomas Eisfeld war nach leichter Trainingsblessur noch nicht so weit. Auch Tom Weilandt war nicht im Kader, der gerade erst verpflichtete Raman Chibsah fehlte ebenfalls noch. Die offenen Plätze nahmen Armel Bella Kotchap sowie die Neuzugänge Herbert Bockhorn und Soma Novothny ein. Reis‘ Pendant Timo Schultz tauschte nach dem Pokal-Ausscheiden beim SV Elversberg auf vier Positionen. Boris Tashchy, Afeez Aremu, Philipp Ziereis und Marvin Senger blieben draußen, dafür starteten Daniel Buballa, Jannes Wieckhoff, Rodrigo Zalazar und Ex-VfLer Rico Benatelli.

So lief das Spiel

3. Haben wir das vermisst! Noch ist zwar nichts Nennenswertes passiert, aber diese Geräuschkulisse. Ein Traum!

5. Der erste Aufreger. Herrlicher Ball von Riemann auf Tesche, der die Pille mit der Brust runterholt und dann Zoller bedienen will. Der nimmt das Leder ebenso gekonnt runter und hält aus der Drehung drauf. War vielleicht ne Hand dran, aber die Fahne war ohnehin oben. Abseits.

8. Pauli meldet sich im Spiel an. Dittgen bringt die flache Hereingabe, Riemann ist aufmerksam und schnappt zu.

10. Ohlsson holt Holtmann, der viel Raum vor sich hatte, unsanft von den Beinen. Klare Kiste. Gelb! Die Kontermöglichkeit hatte Leitsch mit einer starken Rettungsaktion ermöglicht.

15. Der VfL wird aktiver. Zoller erläuft Losillas Chipball gerade noch vor der Linie. Die Hereingabe landet beinahe bei Ganvoula, der aber zu überrascht ist, da Avevor sich vor ihm verschätzt. Letztlich versucht sich Holtmann, kein Problem für Himmelmann im FCSP-Gehäuse.

16. Losilla jongliert die Pille durchs Mittelfeld und fasst sich dann aus knapp 30 Metern ein Herz, da Himmelmann einen Schritt zu weit draußen steht. Der Ball saust knapp vorbei.

19. Gefährlich! Eckball Žulj, Tesche kommt irgendwie dran. Die Kugel rutscht zum langen Pfosten durch, wo Leitsch gerade noch von Ohlsson bedrängt wird. Da fehlte nicht viel.

26.  TOOOOOR für den VfL – 1:0! Freistoß von der halblinken Seite, Žulj tritt ihn scharf auf den langen Pfosten. Keiner kommt ran, die Kugel rutscht durch und hinein ins Netz. Jawoll, verdiente Führung!

35. Blau und Weiß hat das Geschehen hier vollkommen im Griff, den Hamburgern merkt man die Verunsicherung des Pokalspiels und des Rückstands an. Die langen Ballstafetten sind schon schön anzuschauen. Man darf sich hier jetzt nur nicht einlullen lassen.

41. Holtmann bislang mit seinem Tempo sehr auffällig, auch wenn noch nicht alles gelingt. Da haben unsere Verantwortlichen einen mehr als fähigen Mann an Land gezogen.

44. Avevor räumt Žulj rustikal ab, auch hier gibt es keine Zweifel an der Berechtigung des gelben Kartons.

Pause: Hochverdiente VfL-Führung. Die Blau-Weißen beherrschen die immerhin defensiv gut sortierten Gäste in allen Belangen. Einziges Manko: Seit der Führung geht es nicht mehr ganz so zielstrebig in Richtung Himmelmann wie noch davor.

46. Direkt die nächste Möglichkeit für die Hausherren. Holtmann zieht das Tempo an und nimmt Ganvoula mit. Der sucht am langen Pfosten Zoller, sein risikoreicher Abschluss geht deutlich drüber.

47. Paçarada ist der dritte Hamburger, der verwarnt wird. Auch hier gibt es nach Foul an Zoller nichts zu diskutieren.

52. Wie aus einem Guss phasenweise. Soares mit dem gefühlt elften Tunnel. Dann nimmt er Žulj mit, der erst Ganvoula in Szene setzen will. Sein Pass wird geblockt und landet wieder bei Žulj. Der Schuss saust aber weit vorbei.

54. Wieder so ein brandgefährlicher Freistoß von Zauberfuß Žulj. Lampropoulos verpasst knapp, diesmal ist Himmelmann auf den durchrutschenden Ball vorbereitet.

63. Holtmann holt zum Schlenzer aus – etwas zu viel Rücklage und drüber. Macht Spaß der Bursche.

65. Erster Spielerwechsel. Für Knoll ist nun Becker im Spiel.

66. Herrliches Zusammenspiel von Holtmann und Ganvoula. Der Kongolese legt mit dem Absatz auf, Holtmanns Schuss rauscht ans Außennetz. Eine Augenweide.

70. Plötzlich die dicke Chance für die Gäste. Gamboa mit dem leichtsinnigen Ballverlust, Becker bringt dann den feinen Lupfer zu Kyereh. Der wird zum Glück gestört und kann keinen kontrollierten Abschluss bringen. Viel hat trotzdem nicht gefehlt.

71. Auf der Gegenseite wird’s auch mal wieder brenzlig. Žuljs Flanke wird leicht abgefälscht, sonst hätte Ganvoula viel Platz gehabt. Nach der folgenden Ecke werden Rufe nach einem Handelfmeter laut. Nach VAR-Check geht’s aber weiter. Ich möchte sowas nicht entscheiden.

73. Losilla muss Zalazar unfair stoppen, jetzt ist auch der erste Bochumer mit Gelb vorbelastet.

76.  TOOOOOR für den VfL – 2:0! Überragender Ballgewinn von Soares, der das Spielgerät dabei gleich zu Holtmann spitzelt. Dessen Pass erläuft Ganvoula, geht zur Grundlinie und hebt den Kopf. Zoller muss nur noch einschieben. SAUBER!

77. Direkt nach dem Tor tauscht Schultz zweimal. Daschner und Zander ersetzen Dittgen und Wieckhoff.

79. Gerade noch die vermeintliche Vorentscheidung herbeigeführt, dann Feierabend. Zoller geht raus, Bonga feiert sein Ligadebüt in flutlichtblau. Steht ihm super.

82. Ein Debütant ist reingekommen, ein anderer geht raus. Vielversprechende Ansätze bei Holtmann, der nun vom genesenen Blum ersetzt. Luxus, so einen von der Bank bringen zu können.

83. Letzte Patronen vom Gästetrainer. Ziereis und Lankford rein, Avevor und Ohlsson raus.

84. TOR für St. Pauli – 2:1. Mist, der Anschlusstreffer. Lampropoulos, sonst tadellos, sieht bei einer Flanke nicht gut aus und serviert für Daschner. Dessen Abschluss kratzt Riemann von der Linie, doch Kyereh steht goldrichtig und staubt ab.

86. TOR für St. Pauli – 2:2. Unfassbar, wieder ist Kyereh der Torschütze. Riesenlücke im Zentrum. Der Doppelschlag der Gäste.

87. Kaum zu glauben, das muss die erneute Führung sein. Žulj steckt für Tesche durch, der scheitert alleine vorm Tor an Himmelmann.

90. Beinahe gehen die Gäste in einer wilden Schlussphase in Front. Eine Hereingabe an den langen Pfosten erreicht Kyereh, drückt ihn aber vorbei. Glück gehabt.

90.+2 Noch eine Möglichkeit, diesmal zieht Bonga ab. Himmelmann kriegt die Beine zu und wehrt zur Ecke ab. Die wird mit einem Bogenlampenkopfball gefährlich, der Keeper lenkt ihn drüber.

90.+3 Wahnsinn hier. Losilla macht sich nach langem Ball ganz lang, touchiert das Leder vor Himmelmann und bringt es Richtung Tor. Da kann jedoch einer bereinigen.

Ende: Ganz bitter, zwei verschenkte Punkte. Der späte Doppelschlag lässt die Gäste tatsächlich noch einen Punkt mitnehmen. Starke 84 Minuten zuvor, die so aber doch nur für einen Zähler reichen. Dennoch über weite Strecken eine Leistung, die Lust auf mehr macht.

 

Thomas Reis (Trainer VfL Bochum): „Wir haben ein Spiel gesehen, in dem meine Mannschaft gut 80 Minuten tonangebend war. Schon in der ersten Halbzeit wäre mehr möglich gewesen. Wir führen hochverdient mit 2:0, dann kommt aber ein Bruch rein. Ich hatte das Gefühl, dass wir zu sehr verwalten wollten und nicht auf das dritte Tor gegangen sind, wir haben reagiert statt agiert. Die Gegentore waren letztendlich zu einfach. Die Ordnung hat überhaupt nicht mehr gestimmt, im Endeffekt kannst du das Spiel sogar noch verlieren. Das wäre natürlich der Super-GAU gewesen. Es tut schon weh, weil wir es eigentlich heute verdient gehabt hätten. Respekt an St. Pauli, die sich nicht aufgegeben haben. Wir müssen das Gute mitnehmen und nach vorne schauen, auch wenn es sich wie eine Niederlage anfühlt. Davon lassen wir uns aber nicht unterkriegen.“

Timo Schultz (Trainer FC St. Pauli): „Grundsätzlich traue ich meiner Mannschaft alles zu und finde, dass wir beim Stand von 0:2 noch gut im Spiel waren. Wir haben uns das verdient, weil wir immer weiter nach vorne gespielt haben. Wir hätten sogar noch das dritte Tor machen können, das wäre aber dann zu viel des Guten gewesen. Unsere Abwehr hat auch ein gutes Spiel gemacht und die Bochumer Offensive halbwegs gut im Griff gehabt. Der Spielverlauf kann uns einen Schub geben, auch wenn wir lieber gewonnen hätten.“

Gerrit Holtmann (VfL Bochum 1848): „Das Hin und Her ab der 82. Minute darf uns nicht passieren. Pauli hätte sogar noch gewinnen können, wir aber auf der anderen Seite auch. Wir führen vor unseren Zuschauern mit 2:0 und denen wollten wir etwas bieten. So ist es ein bitterer Abend. In Karlsruhe wollen wir es nächste Woche besser machen. Der zwölfte Mann war unglaublich. Die Leute haben Stimmung gemacht, das war toll und hat zuletzt gefehlt.“

Robert Žulj (VfL Bochum 1848): „In den Schlussminuten haben wir die Ordnung und den Zugriff auf das Spiel verloren. Am Ende des Tages kann St. Pauli sogar noch den Sieg mitnehmen. Wir sind ein wenig ins alte Muster der letzten Saison verfallen, das müssen wir schleunigst abstellen. Ich hatte das Gefühl, dass wir das sicher nach Hause bringen. Vielleicht waren wir uns zu sicher, die drei Punkte hier zu behalten. Dann passiert sowas wie heute. Wir haben eine gute Mannschaft. Aber dazu gehört auch, dass wir sowas über die Bühne bringen. In Karlsruhe wollen wir an die ersten 80 Minuten anknüpfen.“

Simon Zoller (VfL Bochum 1848): „Wir haben über 80 Minuten ein super Spiel gemacht, den Ball klasse laufen lassen und Chancen gehabt, das Spiel frühzeitig zu entscheiden. Wir hatten alles im Griff, dann passieren Fehler, die nicht passieren dürfen. Die letzten zehn Minuten war es vogelwild, da haben wir es aus der Hand gegeben.Wir hätten sogar noch verlieren können bei dem offenen Schlagabtausch. Das ist brutal ärgerlich, das Spiel müssen wir eigentlich nach Hause bringen. Dass wir wieder Stimmung haben, ist super. Das macht es aber umso bitterer, nicht die drei Punkte geholt zu haben. Auf den 80 Minuten bauen wir aber auf un d greifen nächste Woche wieder an.“