Achtelfinale

RB LeipzigRB Leipzig
4: 0
VfL Bochum 1848VfL Bochum 1848

Mi,  03.02.202118:30 UhrDFB-Pokal

Bonusspiel. Der DFB-Pokal steht an, wir reisen nach Sachsen und suchen unsere Chance bei RB Leipzig. Alles andere als ein leichtes Unterfangen, schließlich hat sich der Emporkömmling rasend schnell unter den Topmannschaften Deutschlands etabliert. Übrigens auch international. Mehr in unserem BLICK AUF:

DIE ENTWICKLUNG
Man mag von dem Konstrukt halten, was man will. Fakt ist aber, dass sich RasenballSport Leipzig – so der offizielle Name unseres Pokalgegners – binnen weniger Jahre zum ernsthaften Anwärter entwickelt hat, wenn es um die Vergabe der nationalen Titel geht. Auch wenn der bis dato (noch) fehlt. Im Pokalfinale stand Leipzig schon, hatte dort gegen den FC Bayern das Nachsehen. Die Kollegen aus München sind bekanntlich bereits in Runde zwo ausgeschieden, treffen wir also am Mittwoch auf den diesjährigen Favoriten? Uns doch egal. Aber gut möglich ist das sicherlich. Denn die Leipziger sind mittlerweile Dauergast in der Champions League. Seit dem Aufstieg im Sommer 2016 standen die Endplatzierungen 2, 6, 3 und 3 zu Buche. Auch aktuell ist die Elf von Julian Nagelsmann als Tabellenzweiter wieder auf Kurs Europa. Dabei hat der ambitionierte Coach auch nach dem Abgang von Toptorjäger Timo Werner wieder eine hochveranlagte Truppe beisammen. Ist die überhaupt zu schlagen? Ja klar. Fragt mal in Mainz nach. Und der dort ansässige 1. FSV ist schließlich kurz zuvor gegen einen gewissen VfL Bochum 1848 aus dem Pokalwettbewerb geflogen.  

DER TRAINER
Das „Wunderkind“ der deutschen Trainerszene spielt nun bereits seit 2016 in der Beletage mit. Mit gerade mal 28 Jahren übernahm Julian Nagelsmann die TSG Hoffenheim, führte diese zunächst zum für schier unmöglichen Klassenerhalt und formte sie gleich zweimal in Folge zum Europacupteilnehmer. Nagelsmann ging im Sommer 2019 den nächsten Schritt. Aber nicht zu einem europäischen Topverein, wo er in aller Regelmäßigkeit immer wieder als Nachfolger des zuvor entlassenen Trainers gehandelt wird – etwa bei Chelsea zuletzt. Der gebürtige Landsberger zog hingegen nach Leipzig weiter. Mit Erfolg. Bis ins Champions League-Halbfinale drang unser nächster Gastgeber vor.

DIE BILANZ
Die Bayern sind mal wieder frühzeitig enteilt. Muss sich RB wohl erneut mit dem Vizemeistertitel zufrieden geben. Der scheint aber zumindest nicht an den Sachsen vorüberzugehen. Sechs Punkte Vorsprung hat die Nagelsmann-Elf bereits auf Dortmund, Gladbach und Leverkusen. Unnötige und sicherlich nicht eingeplante Punktverluste haben den Bayern-Jäger wohl entscheidend zurückfallen lassen. Remis gegen Köln, Niederlage in Mainz. Dazu konnte man auch gegen die tabellarischen Nachbarn aus Wolfsburg und Dortmund nicht gewinnen. Zehn Punkte aus den sechs Januar-Spielen waren für die Leipziger Ansprüche einfach zu wenig. Dabei ist RB nun wahrlich nicht leicht zu besiegen. Nur 17 Gegentore nach 19 Spieltagen, davon je drei gegen die Bayern und Dortmund. Kaum ein Durchkommen gegen diese stabile Defensive um den umworbenen Upamecano. Allerdings treffen die Sachsen auf der anderen Seite auch nicht mehr so häufig ins gegnerische Tor. Die Buden von Werner fehlen, aktuell sind Yussuf Poulsen, Emil Forsberg und Außenverteidiger Angelino mit jeweils mageren vier Saisontoren die Topknipser.

DAS DUELL
Es wird das fünfte Pflichtspielduell zwischen dem VfL und Leipzig sein. Vier Mal trafen beide Teams in der 2. Bundesliga aufeinander, alle Duelle konnten die Sachsen gewinnen. Letztmals gastierten die Blau-Weißen im April 2016 in Leipzig. Allerdings ohne wirkliche Chance. Kaiser und Bruno schossen die Hausherren mit 3:0 nach vorne, Toto Losilla war kurz vor Schluss nur noch der Ehrentreffer vergönnt. Neben unserem heutigen Capitano standen auch noch Manuel Riemann und Thomas Eisfeld aus dem aktuellen Kader auf dem Feld. Die Sachsen waren hingegen schon damals erstligareif bestückt. Gulacsi, der Ex-Bochumer Klostermann, Orban, Halstenberg, Sabitzer, Poulsen, Forsberg – sie alle waren bereits zu Zweitligazeiten Bestandteil der Leipziger Startformation.   

 

Dickes Brett für den VfL Bochum 1848 im Achtelfinale des DFB-Pokals, das die Mannschaft von Thomas Reis zum Champions League-Halbfinalisten RB Leipzig führte. Sechs Wechsel gegenüber dem letzten Ligaspiel nahm der jüngst mit einem Vertrag bis 2023 ausgestattete Coach vor: Drewes, Masovic, Eisfeld, Pantovic, Ganvoula und erstmals in dieser Spielzeit Decarli spielten anstelle von Riemann, Leitsch, Tesche, Zulj, Zoller und Bockhorn. Der von Julian Nagelsmann trainierte Bundesliga-Zweite gewann am Wochenende das Spitzenspiel gegen Leverkusen mit 1:0 und tauschte im Vergleich dazu auf fünf Positionen. Ex-VfLer Klostermann agierte rechts in der Dreierkette.

So lief das Spiel:

1‘: Erste Annäherung der Hausherren durch Poulsen, der VfL kann klären.

9‘: Ruhiges Spiel bis hierhin. Jetzt kommt Orban mal nach einem Freistoß zum Kopfball, kann den aber nicht platzieren. Drüber.

10‘: Ecke Nkunku, wieder ist es Orban, der da recht viel Platz hat. Aber auch diesmal zielt er per Kopf nicht genau genug.

10‘: Tor für Leipzig – 1:0. Fehlpass von Bella-Kotchap im Aufbau, dann geht’s schnell. Sabitzer flankt aus dem Halbfeld für den durchstartenden Haidara, sein Kopfball lässt Drewes keine Abwehrchance. Kämpfen!

13‘: Gute Situation nach vorn. Holtmann mit dem Auge für den einlaufenden Pantovic am langen Pfosten, der schiebt ihn am langen Pfosten vorbei. Ganvoula stand aber zuvor ohnehin im Abseits

14.‘ Nächste gute Gelegenheit für RB. Samardzic fasst sich ein Herz, Drewes mit der Faustabwehr zur Seite.

18‘: Nun tritt Angelino links außen zum Freistoß an und findet in der Mitte Halstenberg. Näher dran als Kollege Orban, dennoch über den Kasten.

24‘: Starke Aktion von Ganvoula, der einen weiten Pass erläuft und den Ball scharf vor den Kasten bringt. Doch weder der aussichtsreich postierte Pantovic noch Eisfeld dahinter kommen ran. Da war durchaus was drin.

25‘: Masovic sieht nach einem taktischen Foul die erste Verwarnung der Partie.

33‘: Autsch. Holtmann und Adams knallen auf Höhe der Mittellinie mit den Köpfen zusammen. Nach kurzer Unterbrechung geht’s für beide weiter.

42‘: Defensiv macht der VfL das mit einer Ausnahme sehr ordentlich und lässt wenig zu. Aber auch die Gastgeber stehen hinten sehr sicher.

45‘: Kaum kommt RB mal wieder durch, gibt es Elfmeter. Nkunku ist frei und legt sich den Ball fast schon zu weit vor, kommt aber gerade noch ran und wird dann von Drewes abgeräumt. Gelb gibt’s obendrauf.

45‘: Tor für Leipzig – 2:0. Sabitzer tritt an und verwandelt links.

Pause: Bitterer Spielverlauf in der Red Bull Arena. Der VfL hält gut dagegen, doch der Favorit nutzt die zwei sich bietenden Gelegenheiten gnadenlos aus. Jetzt müssen die Bochumer wohl ein wenig mehr ins Risiko gehen. Es geht mit je einer Änderung weiter. Chibsah übernimmt von Masovic, bei RB kommt Hwang für Samardzic rein.

46‘: Direkt die dicke Chance für Hwang. Nach einem Pass in die Spitze ist er schneller als Decarli und profitiert vom ausrutschenden Drewes. Dennoch bringt der die Kugel aus spitzem Winkel nicht auf das leere Gehäuse. Außennetz, Glück gehabt.

53‘: Warum nicht aus der Distanz? Auch wenn der Ball sein Ziel deutlich verzieht, als Danilo draufhält.

56‘: Der VfL geht früh drauf, Leipzig befreit sich und fährt den Konter. Am Ende ist es Nkunku, der nach einem kurzen Wackler abzieht. Doch Decarli ist zur Stelle und blockt zur Ecke ab. Die bringt nichts ein.

60‘: Angelino kriegt für ein Foul an Eisfeld die Gelbe Karte.

61‘: Dreifach-Wechsel, Reis will es nochmal wissen. Zulj, Zoller und Bockhorn ersetzen für die letzten 30 Minuten Pantovic, Eisfeld und Holtmann.

63‘: Danilo trifft Haidara und holt sich die Verwarnung vom Schiedsrichter.

64‘: Nagelsmann wechselt doppelt. Klostermann und Nkunku weichen für Mukiele und Olmo.

65‘: Nach Ballverlust von Chibsah versucht Poulsen sein Glück aus 20 Metern. Zu zentral.

66‘: Tor für Leipzig – 3:0. Jetzt ist er drin. Olmo steckt für Poulsen durch, der cool bleibt und Drewes mit links überwindet.

68‘: Nicht aufgeben! Losilla bleibt dran, erobert die Kugel und fackelt dann nicht lang. Fehlt nicht so viel.

70‘: Decarli zupft leicht am einlaufenden Hwang. Gerade noch außerhalb. Angelino zwirbelt das Leder, bleibt aber harmlos.

74‘: Hochinteressanter RB-Tausch. Joscha Wosz, Neffe von VfL-Legende Dariusz, betritt den Platz für Sabitzer.

75‘: Tor für Leipzig – 4:0. Aua. Freistoß Angelino, in der Mitte steigt Poulsen hoch und nickt vor dem herauskommenden Drewes ein.

76‘: Es war Poulsens letzte Aktion, Sørloth ab sofort dabei.

80‘: Erneut scheppert es, diesmal prallen Losilla und Adams unglücklich zusammen. Besonders den Leipziger hat es getroffen, es geht aber für beide weiter.

86‘: Chibsah wird auch noch für ein taktisches Vergehen mit Gelb bestraft.

87‘: Letzter Wechsel: Novothny nun für Ganvoula im Sturm.

88‘: Hwang sieht Gelb nach Foul an Bockhorn.

90‘: Pünktlich pfeift Schiedsrichter Dankert ab.

Ende: Keine Überraschung in Leipzig. Dafür präsentierte sich der Champions League-Teilnehmer als zu abgezockt und effektiv. Die Reise des VfL im DFB-Pokal endet im Achtelfinale.

Thomas Reis (Cheftrainer VfL Bochum 1848): „Ich denke, dass der Leipziger Sieg absolut verdient war. Wir haben es in der ersten Halbzeit noch ganz ordentlich verteidigt. Man hat aber auch gesehen, dass Fehler absolut bestraft werden. Wir haben leider durch einfache Fehler möglich gemacht, dass Leipzig zu Toren kommt. Wir haben versucht, mutig zu sein und zu pressen, weil Leipzig auch viel Risiko geht. Wir konnten auch ein paar Ballgewinne verzeichnen, waren aber insgesamt zu harmlos. In den Szenen in der ersten Halbzeit hat die letzte Konsequenz gefehlt und es ist natürlich ärgerlich, wenn du kurz vor der Pause mit 0:2 in Rückstand gerätst. Jetzt ist es so, wir können uns fortan auf die Liga konzentrieren. Das war gerade für die Jungen eine gute Erfahrung im Entwicklungsprozess und wir sehen zu, dass wir am Samstag wieder Punkte sammeln.“

Julian Nagelsmann (Cheftrainer RB Leipzig): „Ich fand, dass wir in der ersten Halbzeit Probleme hatten, hinten rauszukommen. Das haben wir nicht so gemacht, wie wir uns das vorgestellt haben und zwei gefährliche Szenen zugelassen. Im Pressing und Gegenpressing hatten wir nicht die nötige Konsequenz, da konnte sich Bochum oft gut befreien. Da war das Spiel relativ offen, das Ergebnis einen Tick zu hoch. In der zweiten Hälfte war es für mich klarer, da waren wir schärfer und haben nichts zugelassen. Selbst haben wir einige Chancen herausgespielt. Jetzt sind wir zufrieden mit dem Weiterkommen.“

Anthony Losilla (VfL Bochum 1848): „Es war in der ersten Halbzeit schon ausgeglichen, auch wenn sie viel Ballbesitz hatten. Aber das meiste war ungefährlich. Wir haben dann zu große Fehler gemacht, die sie richtig gut ausgenutzt haben. Wenn wir gegen Gegner mit solch einer hohen Qualität spielen, müssen wir diese Fehler natürlich vermeiden. Wir hätten vielleicht noch etwas mutiger spielen müssen. Wir wollten erstmal gut stehen und unsere Konter nutzen, da hatten wir auch ein, zwei Szenen. Es war aber zu wenig, gegen so einen Gegner ist es nicht einfach. 4:0 finde ich vom Ergebnis her aber zu hoch.“

Armel Bella Kotchap (VfL Bochum 1848): „Wir wussten, was uns erwartet und dass wir einen starken Gegner vor der Brust haben. Wir wussten, dass der Gegner unsere Fehler schnell ausnutzen kann und es nicht einfach wird, aber haben so gut es geht dagegengehalten. Wenn man früh 1:0 zurückliegt, wird es natürlich schwer, hier noch einmal zurückzukommen. Nichtsdestotrotz nehmen wir heute das Positive mit.“