22. Spieltag

FC Erzgebirge Aue
1: 0
VfL Bochum 1848VfL Bochum 1848

Fr,  19.02.202118:30 Uhr2. Bundesliga

Sorgenfrei durch die Saison. Rein sportlich betrachtet trifft das auf beide Kontrahenten zu, die sich da am Freitagabend im Erzgebirge gegenüberstehen. Während der VfL seinen festen Platz im Spitzenquartett der 2. Bundesliga inne hat, liegen die Veilchen im Tabellenmittelfeld. Neun Zähler nach unten, 13 nach oben. Was es über Aue sonst noch zu wissen gibt, steht in unserem BLICK AUF:

DER TRAINER
Dirk Schuster und der FC Erzgebirge Aue, das scheint sehr gut zusammenzupassen. Der kernige Ex-Profi kam in Sachsen gleich zurecht. Wenig verwunderlich, schließlich kennt der gebürtige Chemnitzer (ehemals: Karl-Marx-Stadt) die Region bestens. Aue ist allerdings die erste Trainerstation der Karriere in Heimatnähe. Von den Lilien zu den Veilchen sozusagen. Die zweite Amtszeit Schusters in Darmstadt konnte nicht mehr an die erfolgreiche erste Beziehung anknüpfen. Dreieinhalb Jahre lang coachte der ehemalige Nationalspieler die Lilien, führte sie sensationell per Durchmarsch in die Bundesliga. Fast noch sensationeller: Der Nichtabstieg in der Folgesaison! Mini-Etat, 12 Spieler beim Saisonauftakt, fehlende Infrastrukturen – alles egal, Schuster und Darmstadt packten den Klassenerhalt. Den Coach verschlug es anschließend zum FC Augsburg. Doch wirklich glücklich wurde Schuster im Süden nicht. Nach einem halben Jahr war Schluss. Der „Trainer des Jahres 2016“ musste kurz vor Weihnachten gehen. Ein gutes Jahr Pause, dann wieder Darmstadt. Doch so richtig klappte es, wie erwähnt, erst wieder im Erzgebirge. Ach, übrigens: Thomas Reis und Dirk Schuster kennen sich ebenfalls schon lange, haben einst bei Waldhof Mannheim zusammengekickt. Zwei echte Typen.

AKTUELLES
Wie eingangs erwähnt, die Veilchen sind in der Tabelle jenseits von Gut und Böse platziert. Hauptverantwortlich für Rang neun ist die starke Heimbilanz. Nur zwei Niederlagen im heimischen Erzgebirgsstadion. Sicher darf man sich dort nie sein, der HSV kann davon ein Liedchen singen. Trotz doppelter zwei-Tore-Führung mussten sich Terodde und Co. final mit einem Punkt begnügen. Torschütze des 3:3-Endstands war Florian Krüger, mit zehn Buden bis dato bester Auer Knipser. Dicht gefolgt von Pascal Testroet und seinen neun Einschlägen. Die Veilchen verfügen also über ein ähnlich treffsicheres Duo wie der VfL. Noch eine Parallele gefällig? Im Kasten der Sachsen steht ein echter Elfmeterkiller. Zuletzt parierte Martin Männel gegen Heidenheim gleich zwei Strafstöße. Sieben der letzten zwölf gegen Aue verhängten Elfmeter konnte der erfahrene Schlussmann entschärfen. Kennen wir doch irgendwoher. Ansonsten praktizieren unsere kommenden Gastgeber in der bisherigen Spielzeit Ausgeglichenheit in Perfektion. Acht Siege, acht Niederlagen, ein Torverhältnis von 30 zu 30. Passt alles ganz wunderbar zur Position im exakten Tabellenmittelfeld.

DAS DUELL
Auch wenn unser Coach solche Bezeichnungen nicht gerne hört, die Veilchen haben sich so ein wenig zum Lieblingsgegner entwickelt. 21 Duelle gab es bislang in der 2. Bundesliga, zwölf davon konnte der VfL für sich entscheiden. Die Zeiten der schmerzhaften Niederlagen samt anschließender Trainerentlassungen sind schone eine Weile her. In den vergangenen zwölf Aufeinandertreffen musste sich der VfL nur einmal geschlagen geben. Fünf der letzten sechs Duelle gingen an Blau-Weiß. So auch das Hinspiel. Trotz sechzigminütiger Überzahl – Aues Rizzuto flog nach Tätlichkeit bereits im ersten Durchgang vom Feld – mussten wir bis zur Schlussphase warten, ehe die Joker Zulj und Ganvoula den 2:0-Erfolg herausschossen.   

Der VfL Bochum 1848 musste sich am Freitagabend in Aue geschlagen geben. Bei den Veilchen erwischten die Blau-Weißen den besseren Start. Doch im Verlaufe des ersten Durchgangs kamen die Veilchen immer besser ins Spiel. Bussmann köpfte zur Führung ein (30.). Erst in den letzten zwanzig Minuten baute die Reis-Elf richtig Druck auf. Doch das Glück, zum Beispiel beim Lattenkopfball von Ganvoula, war an diesem Abend nicht auf Bochumer Seite.

Keine Wechsel in der VfL-Startelf, Thomas Reis vertraute der Elf, die in der Vorwoche gegen Braunschweig mit 2:0 gewinnen konnten. Danny Blum stand nach Verletzungspause wieder im blau-weißen Aufgebot.

Rein ins Spiel:

4‘: Erste Offensivaktion von uns, die hat es gleich in sich! Holtmann hämmert die Kugel an den Außenpfosten!

5‘: Und gleich nochmal der VfL! Zulj mit Schnitt, Tesche bekommt aus ganz kurzer Distanz den Ball nicht mehr über die Linie!

7‘: Wieder Tesche! In die Arme von Männel. Aber der dritte Abschluss innerhalb kürzester Zeit.

15‘: Riemann faustet raus. Den zweiten Ball schnapp sich Nazarov. Aus spitzem Winkel drauf mit dem Ding, Kugel rauscht links vorbei!

21‘: Beste Chance der Gastgeber! Fandrich schließt ab, Riemann noch dran, der Ball geht an den Pfosten! 1:1 nun in Sachen Alu-Treffer!

29‘: Hochscheidt ganz frech, sieht, dass Riemann etwas weiter vor dem Kasten steht! Aber Manu ganz stark, lenkt den Ball drüber!

30‘: TOR. Aue trifft zur Führung. Bussmann köpft ein. Bella Kotchap kommt da etwas zu spät in das Duell.

39‘: Wir sind in dieser Phase zu weit weg. Zolinski ist durch, setzt den Ball aber zum Glück über den Kasten!

Halbzeit: Pause in Aue. Läuft hier noch nicht für uns. Nach einer Viertelstunde kamen die Hausherren immer besser rein. Insgesamt ist die Führung daher nicht unverdient.

46‘: Weiter geht’s. Beim VfL nun Ganvoula für Bockhorn im Spiel.

57‘: Haben heute einige Unkonzentriertheiten drin. Hochscheidt auf Krüger. Der Ball tickt noch böse auf, aber Riemann entschärft den!

58‘: Zweiter Wechsel. Danny Blum ist zurück. Zoller geht.

66‘: Reis zieht eine weitere Option. Pantovic ersetzt Holtmann.

69‘: Schnitzer Aue. Ganvoula krallt sich im Strafraum den Ball. Doch der Querpass kommt nicht an. Geschenk zurückgegeben.

74‘: NEIIIN! Ganvoula köpft an die Latte! Bitter! Das hätte der Ausgleich sein können!

79‘: Wir geben jetzt hier Gas! Schon wieder Pantovic über rechts. In der Mitte fehlt Ganvoula das Glück. Links vorbei!

82‘: Gibt es doch nicht! Pantovic setzt nach, ein Aue-Akteur kann auf der Linie klären!

86‘: Leitsch sieht Gelb. Zolinski schreit hier wieder fast die Lawine vom Erzgebirge. Fünfte Gelbe für unseren Innenverteidiger.

87‘: Letzter Offensivmann: Bonga kommt für Tesche ins Spiel!

90‘: Vier Minuten Nachspielzeit sind angezeigt.

90+1: Leitsch zimmert aus der Distanz drauf! Männel fängt ihn!

Abpfiff: Ende im Erzgebirge. Heute fehlte das Glück. Aue behält nach einer guten kämpferischen Leistung die Punkte in der Heimat. Wir fahren mit leeren Händen zurück ins Ruhrgebiet. Kurz schütteln, dann im Heimspiel gegen Würzburg zurückkommen!

 

Thomas Reis (Cheftrainer VfL Bochum 1848): Glückwunsch an meinen Kollegen Dirk Schuster zum Sieg. Glückwunsch aber auch zum Jubiläum von Martin Männel. Wir sind heute eigentlich sehr gut ins Spiel gekommen. Man hatte das Gefühl, dass man hier auch gut und gerne mit 2:0 in Führung liegen kann. Danach haben wir uns aber so ein bisschen auf das Spiel von Aue eingelassen. Sie haben sich immer wieder gut befreit, auf den zweiten Ball gespielt. Wir waren nicht mehr in der Lage, schnell umzuschalten. Da war ich gerade mit meinen Offensivspielern nicht zufrieden. Wir haben es einfach versäumt, weiter Fußball zu spielen. Nach dem Seitenwechsel war es offener. Aue hatte dennoch eine Doppelchance, da hält uns Manu im Spiel. Wir sind ganz gut in die Tiefe gekommen, haben aber oft die falsche Entscheidung getroffen. Dennoch sind es, aufgrund der Chancen in der zweiten Halbzeit, verlorene Punkte. Es ist, wie es ist. Die Niederlage heute tut weh.

Dirk Schuster (Cheftrainer Erzgebirge Aue): Danke für die Glückwünsche. Ich habe das Spiel ähnlich gesehen wie Thomas. Es war ein intensives Niveau. Das Spiel hat für Bochum besser begonnen, wir hatten da einige Probleme. Wir haben es nach zehn Minuten taktisch besser hinbekommen. So konnten wir zum Beispiel Danilo Soares, den vielleicht besten Linksverteidiger der Liga, aus dem Spiel nehmen. Das hat sich ausgezahlt. Wir hatten einen guten Zugriff, waren präsent, was die zweiten Bälle betraf. Wir hätten nach der Führung auch noch erhöhen können. Aber auch der VfL hatte seine Chancen. Deswegen denke ich, dass es ein glücklicher Sieg für uns war. Ich kann die Enttäuschung von Thomas verstehen, nach so einem Spiel mit leeren Händen dazustehen. Ich freue mich einfach, dass die Mannschaft mit sehr viel Kampfkraft dieses Ergebnis über die Bühne gebracht hat.

Anthony Losilla (VfL Bochum 1848): In der ersten Halbzeit haben wir richtig gut angefangen. Aue hat nur auf unsere Fehler gewartet, wir hatten dann zu viele Ballverluste. Nach Kontern hat der Gegner es gut gemacht. Das Tor nach einem Standard hat uns natürlich weh getan. Wir wussten, dass es hier schwierig wird, wenn man in Rückstand gerät. Wir haben in der zweiten Halbzeit alles versucht, leider hat es aber nicht geklappt. Der letzte Pass hat gefehlt, in vielen Situationen haben wir einfach in der Offensive nicht die richtige Entscheidung getroffen. So haben wir heute kein Tor erzielen können. So ist das leider manchmal. Jetzt müssen wir schnell nach vorne schauen. Wir haben in dieser Saison schon oft gezeigt, dass wir eine gute Mentalität haben. Wir dürfen jetzt nicht alles zu negativ sehen. Stattdessen wollen wir direkt wieder aufstehen und in der nächsten Woche drei Punkte holen.

Danny Blum (VfL Bochum 1848): Ich glaube, dass wir den Fehler gemacht haben, uns auf das Spiel von Aue einzulassen. Wir haben uns auf einen offenen Schlagabtausch eingelassen. Das ist eigentlich unverständlich, denn wir hatten klare Abläufe, wie wir gegen sie spielen wollen. Wir hätten es eigentlich nicht nötig, uns auf dieses Muster einzulassen. Wir spielen bisher in dieser Saison einen sauberen Fußball, das haben wir in der ersten Halbzeit vermissen lassen. Das hat Aue natürlich in die Karten gespielt und war auch heute der Schlüssel für den Gegner. Man sieht, dass sich für uns Räume ergeben, wenn wir andribbeln, über die Außen kommen und in die Tiefe spielen. So haben wir auch einige gefährliche Situationen herausgespielt. Am Ende haben wir das aber zu wenig getan. Durch schlampige Pässe haben wir den Gegner eingeladen, so wurde auch die Ecke zum 0:1 hergeschenkt. Die Liga ist sehr eng, jeder kann gegen jeden gewinnen. Die Tabellenführung zu diesem Zeitpunkt spielt keine Rolle, wir müssen uns darauf konzentrieren die Punkte zu holen, um weit vorne mitzuspielen. Das haben wir heute nicht geschafft. Jetzt gilt es den Mund abzuputzen und nächste Woche das besser zu machen, was wir heute haben vermissen lassen.