19. Spieltag

VfL Bochum 1848VfL Bochum 1848
1: 2
Karlsruher SCKarlsruher SC

So,  31.01.202113:30 Uhr2. Bundesliga

Grad noch die drei Punkte auf St. Pauli bejubelt, schon geht alle Konzentration aufs nächste Duell. Der Karlsruher SC kommt. Zweifelsfrei eine der Überraschungen in dieser Zweitligasaison. Mehr gibt es im BLICK AUF:

DER TRAINER
Vor fast einem Jahr begann Christian Eichners Karriere als Interimstrainer beim Karlsruher SC. Mitten im Abstiegskampf übernahm er das Ruder und führte die Mannschaft schlussendlich zum Klassenerhalt. Im Sommer wurde der 38-Jährige dann offiziell Cheftrainer. Es ist eine Geschichte wie aus dem Bilderbuch: In Karlsruhe reifte er vom Jugendspieler zum Profi. Nach der aktiven Karriere kehrte er zum Wildpark zurück und entwickelte sich vom Assistenz- zum Cheftrainer. Mehr KSC geht nicht. Doch seine Verbundenheit zur Stadt und dem Verein sind nicht ausschlaggebend dafür, dass er weiterhin das Karlsruher Zepter schwingt – er liefert auch ab. 1,44 Zähler holte Eichner in der Hinrunde, nachdem es als Interimstrainer in der Vorsaison nur 1,13 waren. Vorgänger Alois Schwartz, der den Club aus Liga 3 ins Unterhaus führte, schaffte in seinen 20 Spielen lediglich einen Zähler im Schnitt.

DUELLE
60 Mal gab es den Vergleich zwischen VfL und KSC bereits in Pflichtspielen. Sowohl zu gemeinsamen Bundesliga-Zeiten als auch in Liga Zwei ging es dabei immer recht ausgeglichen zu. Lediglich drei Siege aus drei DFB-Pokalspielen und die zwei Siege in der Relegation 1971, wo der VfL zum ersten Mal in die Bundesliga aufstieg, hübschen die Bilanz zu Gunsten des VfL auf. Im Oberhaus gab es in 34 Spielen zehn Siege des KSC und je zwölf Remis sowie VfL-Erfolge. Ähnlich sieht’s in 21 Partien der 2. Bundesliga aus: Zwölfmal teilten die Teams die Punkte, Karlsruhe holte vier Siege und der VfL fünf. Einer davon war das knappe 1:0 im Hinspiel, in dem Simon Zoller sein Tor des Monats zauberte. Zuvor gab es fünf Punkteteilungen am Stück, die letzte Bochumer Niederlage datiert vom 6. November 2015 – einem 0:3 im Wildpark.

ZWISCHENBILANZ
Die Nebengeräusche vor und zu Saisonstart um den geplanten Abschied von Top-Torjäger Philipp Hofmann gingen zunächst nicht völlig spurlos an den Badenern vorbei. Die ersten vier Pflichtspiele, unter anderem im Pokal gegen Union Berlin und eben gegen den VfL, gingen ohne eigenen Torerfolg verloren. Ein 3:0 gegen Sandhausen am vierten Spieltag sollte den Knoten lösen, auch wenn zunächst noch ein Remis und eine 3:4-Niederlage in Darmstadt folgen sollten. Ab Spieltag sieben rollte der KSC aber los, auch wenn die Schwächephasen noch nicht ganz abgestellt werden konnten. An vier Siege in Serie wurden drei Niederlagen am Stück gereiht. Doch aktuell ist der ehemalige Bundesligist wieder mitten in der nächsten Erfolgsserie. Vier der letzten fünf Partien konnten siegreich gestaltet werden. Dabei hat die Eichner-Elf mit Fürth, Kiel und Hannover drei Teams von ganz oben besiegen können. Das wird also am Sonntag ein richtiges Brett für den VfL!

 

Der VfL Bochum 1848 musste sich am Sonntagnachmittag erstmals nach sieben Partien ohne Niederlage wieder geschlagen geben. Gegen effektive Karlsruher unterlag die Reis-Elf mit 1:2. Bormuth brachte den KSC im ersten Durchgang nach vorne. Nach dem Seitenwechsel glich Toto Losilla aus. In den Schlussminute besorgte Gondorf den spielentscheidenden Treffer.

Nach nur zwei Tagen Pause nach der Partie zum Rückrundenauftakt St. Pauli geht es für den VfL mit dem Schwung des 3:2-Sieges am Millerntor in das Heimspiel gegen den in Topform befindlichen Karlsruher SC. Ein Duell der Teams der Stunde quasi. Der KSC holte zuletzt 13 von 15 möglichen Zählern, die Mannen von Thomas Reis gar 16 von 18 plus Pokal-Weiterkommen. Zudem gab es zuletzt fünf blau-weiße Heimsiege am Stück bei einer Tordifferenz von 16:2. Trotz der kurzen Regeneration vertraut der VfL-Chefcoach daher der gleichen Formation, die in Hamburg siegreich war. Zurück im Kader sind Soma Novothny und Patrick Drewes. Christian Eichner, Coach der Badener, tauschte dreifach, um nach dem 0:1 im Hinspiel diesmal nicht leer auszugehen.

So lief das Spiel:

1‘: Kein guter Ball von Riemann gleich zu Beginn, doch Maxim Leitsch bereinigt stark.

2‘: Erster VfL-Versuch über rechts, doch Gerrit Holtmann trifft die Kugel nicht richtig.

4‘: Guter Umschaltmoment über Anthony Losilla. Holtmann bringt letztlich die Flanke, die Marius Gersbeck unorthodox abwehrt. Doch ein Abwehrmann klärt vorm lauernden Robert Zulj.

5‘: Scharfe Ecke von Zulj auf Armel Bella-Kotchap, der sich durchsetzt, hochtankt und dann nur knapp über die Latte köpft. Da fehlte nicht so viel.

8‘: Jetzt der KSC. Stefan Lorenz rettet links die Kugel und nimmt Philip Heise mit. Der hämmert drauf, aber Riemann wehrt mit dem Fuß ab. Das Kuddelmuddel im Nachgang können die Bochumer dann vor Philipp Hofmann löschen, Marvin Wanitzeks Nachschuss aus der Distanz rauscht vorbei.

11‘: Holtmann nimmt Tempo auf, sein Abschluss im Sechzehner wird aber abgeblockt.

14‘: TOR für den KSC – 0:1. Natürlich nach einem Eckball gehen die Standardspezialisten in Front. Acht Karlsruher lauern im Strafraum, Robin Bormuth wuchtet das Ding letztlich in die Ecke. Riemann ist dran, kann den Einschlag aber nicht verhindern. Mist.

16‘: Freistoß Lorenz von der rechten Seite. Wuchtig getreten, aber direkt in Riemanns Arme. Leitsch hatte sich dafür zusätzlich die erste Verwarnung des Spiels geholt

18‘: Nach einer Ecke kommt im zweiten Anlauf erneut Schütze Zulj an das Spielgerät, zieht nach innen und hält drauf. Torschütze Bormuth hat etwas dagegen und wehrt zur nächsten Ecke ab.

20‘: Nächste Gelbe, wieder erwischt es den VfL. Zulj holt Jerome Gondorf per Grätsche von den Beinen, geht auch in Ordnung.

23‘: Puh… da hat’s geknallt am VfL-Pfosten. Keine gute Eröffnung von Riemann, der KSC schaltet schnell und Lorenz jagt das Ding an die Torumrandung. Im Nachgang hat der VfL zudem Glück, das Hofmann die Pille nicht unter Kontrolle bekommt.

26‘: Der Treffer hat dem Gast gutgetan. Hofmann diesmal auf links und seine Hereingabe findet Kyoung-rok Choi, der drüber zielt.

28‘: Ecken ohne Ende bisher, bisher konnten das jedoch nur die Gäste nutzen. Zulj stellt sich auf der anderen Seite bereits zum siebten Mal an eine der Fahnen.

29‘: Dritter Gelber Karton für die Flutlichtblauen, Gamboa erwischt es nach einem taktischen Vergehen.

30‘: Jetzt ist auch der KSC erstmals fällig, nachdem Wanitzek Gamboa unsanft gelegt hat. Gelb ist korrekt.

31‘: Schade. Zuljs Halbfeld-Freistoß an den langen Pfosten findet Robert Tesche, der aus spitzem Winkel für Simon Zoller ablegen will. Den Braten hat Gersbeck nur leider gerochen und schnappt zu.

34‘: Der VfL-Druck wird in dieser Phase größer, der Gäste-Strafraum immer mehr belagert. Geburtstagskind Herbert Bockhorn hält drauf und natürlich ist einer dran und es gibt Eckball Nummer acht.

35‘: Auf der Gegenseite haut Lorenz mal wieder einen raus, diesmal allerdings deutlich vorbei.

44‘: Puh. Bockhorn wird umgehauen und es geht einfach weiter. Da war Schiedsrichter Christof Günsch nicht ganz auf der Höhe.

45‘: Die temporeiche Partie hat ich in den finalen Minuten vor der Pause eine kleine schöpferische Pause gegönnt. Es wird hart um jeden Ball gekämpft.

Pause: Der KSC führt durch einen frühen Standardtreffer, der VfL tut sich derweil schwer, trotz vielen Aktionen in Strafraumnähe zu klaren Gelegenheiten zu kommen. Entschieden ist hier aber natürlich noch gar nichts, denn Rückstände können Reis‘ Mannen ja bekanntlich.

46‘: Erster Wechsel des Spiels: Milos Pantovic ist neu dabei, für ihn weicht der vorbelastete Gamboa. Bockhorn übernimmt den Part hinten rechts.

47‘: Erstes dickes Ding für den Joker, der von Zulj in die Gasse geschickt wird und den Ball am herauseilenden Gersbeck und leider auch am Tor vorbeispitzelt. Dennoch guter Auftakt.

48‘: Der VfL hat sich was vorgenommen. Danilo Soares versucht es aus dem Hinterhalt, der stramme Schuss ist ein Stück zu hoch angesetzt.

52‘: Auch die Gäste wechseln, hier aber verletzungsbedingt. Heise muss raus, der junge Jannis Rabold ersetzt ihn.

54‘: Schlimmer Fehlpass im Aufbau, wieder macht der Gast Tempo. Mit vereinten Kräften kriegen die Bochumer die Szene bereinigt und leiten dann selbst den Gegenzug ein.

55‘:  TOOOOOR für den VfL – 1:1. Und dann klingelt es. Der Ausgleich, geil! Capitano Losilla drückt das Ding über die Linie, nachdem Gersbeck von Zuljs abgerutschter Flanke überrascht wurde und diese nur seitlich abwehren konnte. Guter Riecher, Toto. Wichtiges Ding.

59‘: Tesche aus der Distanz mit dem „schwachen“ Linken. Hat ja im letzten Heimspiel schon wunderbar geklappt, diesem Schuss fehlt allerdings die Wucht.

61‘: Neuer Schwung für die Bochumer. Silvère Ganvoula kommt für Holtmann und übernimmt die Spitze. Zoller weicht auf den Flügel aus.

67‘: Mal wieder eine KSC-Ecke, die auf Hofmanns Kopf landet. Der segelt aber weit über Riemanns Gehäuse.

72‘: Gute Kombination der Badener, die Soares mit einer starken Grätsche unterbindet. Auf Kosten einer Ecke.

73‘: Zweiter Wechsel von Eichner. Benjamin Goller raus, Malik Batmaz rein.

77‘: Starke Balleroberung von Losilla. Zulj will dann Zoller mitnehmen, doch ein KSCler kommt gerade noch dazwischen.

78‘: Thomas Eisfeld für Zulj, dritter Tausch von Reis. Wird Zeit für einen Freistoß in Tornähe.

80‘: Zoller holt sich Gelb ab.

82‘: Zweite gute Gelegenheit für Pantovic. Soares Flanke wird von Eisfeld an den langen Pfosten verlängert, wo der Joke zum Volley ansetzt, aber deutlich am langen Pfosten vorbeischießt.

84‘: TOR für den KSC – 1:2. Das gibt es doch nicht, die Gäste schlagen wieder nach einem Eckball zu. Gondorf kommt nach Wanitzeks zweitem Versuch und nagelt das Ding nach starker Annahme aus der Drehung unter den Querbalken. Riemann ohne Chance… jetzt müssen die Comeback-Qualitäten mal wieder gezeigt werden.

86‘: Reis zieht den letzten Joker. Novothny kommt für die Schlussoffensive, Tesche wird geopfert.

89‘: Eichner reagiert und bringt mehr Defensive. Wanitzek verlässt das Feld, Lukas Fröde kommt.

90‘: Drei Minuten Nachspielzeit bleiben, um wenigstens einen Zähler hier zu behalten. Die Gäste verhindern aber gut, dass der VfL in die Gefahrenzone kommt.

90‘+3: Noch eine Gelegenheit für Ganvoula. Nach einem langen Ball flippert die Kugel Richtung Tor, doch Gersbeck stürmt heraus und lässt Ganvoula keinen Platz. Der Ball wird abgewehrt, Bella-Kotchap foult dann und sieht wie der meckernde Riemann die Gelbe Karte. Dann ist Schluss.

Ende: Die Serie ist gerissen. Nach fünf Heimsiegen am Stück muss der VfL mal wieder dem Gegner die Punkte überlassen. In einer ausgeglichenen Begegnung machen hier letztlich die gefährlichen KSC-Standards den Unterschied. Passiert, schütteln und am Mittwoch in Leipzig wieder angreifen.

Thomas Reis (Cheftrainer VfL Bochum 1848): „E ist schon sehr, sehr bitter, wenn man durch zwei Standardsituationen ohne Punkte dasteht. Wir kamen ganz gut rein und hatten die ersten Gelegenheiten. Wir wussten auch, dass Karlsruhes Standards eine Waffe sind. Ich fand die Reaktion in der zweiten Halbzeit wesentlich besser, wir haben im Vergleich zur ersten Halbzeit versucht, mehr Fußball zu spielen. Das große Manko war, das habe ich auch schon in erfolgreichen Spielen angeprangert, dass der letzte Pass oft nicht sitzt. Heute gab es auch siebe, acht solcher Situationen. Da finden wir den freien Mann nicht, da müssen wir dran arbeiten. Das Passspiel war unsauber, besonders der entscheidende Pass. Es war ein offenes Spiel und wir haben uns zu sehr auf den Schlagabtausch eingelassen. Wir haben jetzt verloren, das ist ärgerlich. Aber jetzt müssen wir den Mund abputzen und die Lehren ziehen. Bis jetzt haben die Jungs nach Negativerlebnissen immer sehr gut reagiert.“

Christian Eichner (Cheftrainer Karlsruher SC): „Großes Kompliment an die Jungs heute. Sie haben ein bisschen gebraucht, um ins Spiel zu finden. Die ersten 10,15 Minuten war es einen Ticken zu unsauber und wild. Da haben wir den Gegner in brandgefährliche Umschaltaktionen kommen lassen. Dann sind wir sukzessive besser geworden und waren selbst mehrfach brandgefährlich. In der Phase nach dem Tor hatten wir Gelegenheiten, um noch eins draufzusetzen. Daher gehen wir folgerichtig mit dem Vorsprung in die Pause. Uns war klar, dass der VfL mit seiner Qualität Druck machen wird. Danach wurde es ausgeglichen, das Gegentor ist ärgerlich, weil wir vorher selbst eine dicke Chance hatten. Danach haben wir ein wenig gebraucht, aber diese Mannschaft beeindruckt mich jede Woche, wie sie die Rückschläge bei solchen Klassegegnern wegsteckt, wieder nach vorn spielt und ihre Art wieder auf den Platz bekommt. Das Quäntchen ist momentan einfach auf unserer Seite, so dass wir uns immer wieder belohnen können.“

Anthony Losilla (VfL Bochum 1848): „Diese Niederlage ist schwer zu akzeptieren, weil Karlsruhe nur nach Standards richtig gefährlich war und beide Tore so erzielt hat. Da müssen wir besser verteidigen. Sonst hatten wir alles im Griff und die besseren Chancen. Wir sind oft ins letzte Drittel gekommen, die letzten Pässe fehlten aber. Natürlich war es eine anstrengende Woche, aber das gilt für alle Mannschaften. Wir hatten auch noch genug Kraft heute, das kann keine Ausrede sein. Die nötige Effektivität hatten wir heute nicht. So ist es nun mal, wir stehen immer noch oben und dürfen jetzt nach einer Niederlage nicht den Kopf hängen lassen. Jetzt werden wir in Leipzig alles geben und unser Bestes tun, um ein sehr, sehr schweres Spiel zu gewinnen. Überraschungen gibt es immer wieder.“

Milos Pantovic (VfL Bochum 1848): „Wir haben die Standards nicht vernünftig verteidigt, das ist ziemlich bitter. In der ersten Halbzeit sind wir nicht gut reingekommen und waren im letzten Drittel auch nicht konsequent genug. Ich würde sagen, die Moral und die Leistung nach der Pause war sehr gut, wir haben auch schnell den Ausgleich geschafft. Bei ein paar Halbchancen fehlte uns dann das Quäntchen Glück, was wir in den letzten Wochen auch auf unserer Seite hatten.“