18. Spieltag

FC St. Pauli
2: 3
VfL Bochum 1848VfL Bochum 1848

Do,  28.01.202120:30 Uhr2. Bundesliga

Es geht weiter Schlag auf Schlag: Rein in die Rückrunde! Zum Auftakt der zweiten Serie gastieren wir am Donnerstagabend auf St. Pauli. Die Kiezkicker haben sich nach schwierigen Wochen so langsam gefunden, zuletzt katapultierten unseren kommenden Gegner zwei Siege am Stück raus aus den Abstiegsrängen. Mehr in unserem BLICK AUF:

DER TRAINER
Timo Schultz hat seit vergangenem Sommer das Sagen am Millerntor. Allerdings ist der Linienchef alles andere als ein Frischling in der Hansestadt. Der 43-Jährige ist ein Kind des Nordens. Zur aktiven Zeit lief Schultz für den Nachwuchs von Werder Bremen, den VfB Lübeck oder Holstein Kiel auf. Und, nicht zu vergessen: Für den FC St. Pauli. Sechs Jahre lang kickte der Mittelfeldspieler für die Hamburger. Vier Bundesliga- und 69 Zweitliga-Einsätze stehen in der Vita des Fußballers Timo Schultz. Den Sprung auf die andere Seite vollzog der heutige Chefcoach ebenfalls in der Hansestadt. Schultz war bereits unmittelbar nach dem Karriereende als Co-Trainer für den FCSP im Einsatz. Als Hauptverantwortlicher der U17 und U19 beschritt er langsam aber sicher den Weg auf den Cheftrainerposten beim Kiezklub. Im letzten Sommer war es schließlich so weit. Ein nachvollziehbarer Schritt. Nach der Amtszeit von Jos Luhukay, die immer mal wieder auch unruhigere Zeiten durchlebte, setzte man am Millerntor wieder auf einen Übungsleiter mit Stallgeruch. Ein tolles Zeichen für Schultz, dass man auch während der sportlichen Talfahrt – St. Pauli stand über Wochen auf einem direkten Abstiegsplatz – am Trainer festhielt.

DAS PERSONAL
Wenn es sportlich nicht nach Wunsch verläuft, dann wird im Normalfall auch am Personalkarussell gedreht. War in der Hansestadt nicht anders. Nach der Degradierung des langjährigen Stammkeepers Robin Himmelmann stand zunächst Svend Brodersen zwischen den Pfosten. Jüngst wurde im Österreicher Dejan Stojanovic, der im Winter vom FC Middlesbrough kam, eine neue Nummer 1 verpflichtet. So kann man als Schlussmann auf jeden Fall mal beim neuen Arbeitgeber starten. Drei Spiele absolvierte Stojanovic bislang, in allen drei Partien blieb der FCSP unbesiegt. Außerdem stießen in den letzten Wochen auch noch Omar Marmoush (schon zwei Treffer), Adam Dzwigala (bereits fünf Einsätze) und der erfahrene Verteidiger Tore Reginiussen zum Kader hinzu. Erfahrung, das trifft auch auf Guido Burgstaller zu. Der ehemalige Schalker kommt nach Verletzung immer besser in Tritt, steuerte zuletzt zwei wichtige Treffer bei. Angeblich soll der Angreifer am Donnerstag eine kleine Verschnaufpause bekommen. Verlassen wir uns mal nicht drauf.

DIE BILANZ
Genau eine Halbserie, wen wundert’s, liegt das letzte Duell mit dem FCSP zurück. Zum Auftakt in die neue Spielzeit dominierte der VfL seinen Kontrahenten nach Belieben. Robert Zulj und Simon Zoller schossen eine hochverdiente Führung heraus. Dass die am Ende nicht für drei Zähler reichte, verstand nach Abpfiff wohl zunächst kaum jemand. Binnen zwei Minuten nutzte Kyereh Bochumer Unachtsamkeiten gleich doppelt aus. Der Auftaktsieg war hin. Das Remis reihte sich nahtlos in die bescheidene Bilanz der Blau-Weißen ein. Nur eines der letzten 13 Aufeinandertreffen konnte der VfL für sich entscheiden. In der Rückrunde der Vorsaison war das. Rückrunde haben wir ja jetzt auch, also auf zum nächsten Dreier gegen die Kiezkicker.   

 

Perfekter Rückrundenauftakt für den VfL Bochum 1848! Beim FC St. Pauli konnte die Blau-Weißen auch ein früher Rückstand nicht aus der Ruhe bringen. Stattdessen glich Simon Zoller nach Traumpass von Robert Zulj aus (28.). Es ging hin und her. Unmittelbar nach dem 1:1 stellten die Kiezkicker auf die erneute Führung. Aber wieder war Zoller zur Stellle (43.). Im zweiten Durchgang spielte nur noch der VfL. Robert Zulj belohnte die Bemühungen. 3:2-Sieg auf St. Pauli, der Lauf geht weiter!

Im Topspiel des 18. Spieltags tritt der VfL am Donnerstagabend beim FC St. Pauli an. Cheftrainer Thomas Reis entschied sich für einen Wechsel in der Startelf: Miloš Pantović, der beim SV Sandhausen beginnen durfte, nahm zunächst auf der Bank Platz. Für ihn rückte Gerrit Holtmann in die erste Elf.
So lief das Spiel:

2´: Die Partie beginnt mit einem Fehler auf Seiten des VfL. Bella Kotchap verschätzt sich etwas, sodass Marmoush an ihn vorbeiziehen kann. Zum Glück vertändelt der aber der Ball. Gamboa kann entschärfen.

4´: Tor. Absolut kein guter Start für den VfL hier am Millerntor. Auf der linken Seite ist der VfL völlig offen. Paqarada marschiert und bringt den Ball im Fünfmeterraum auf Burgstaller. Der donnert das Spielgerät erst an den Querbalken. Der Abpraller springt dann vom Knie des Ex-Schalkers über die Linie.

8´: Zum ersten Mal kommt der VfL vor das gegnerische Gehäuse. Soares gibt auf der linken Seite ab auf Holtmann, der den Ball hineinbringen will. Abgefälscht knallt der Ball an den Querbalken – Ecke.

10´: Frühe Verwarnung für Gamboa. Unsere Nummer zwei sieht für ein Foul an Marmoush Gelb.

13´: Žuljs Ecke landet bei Leitsch. Der zeiht ab, trifft aber nur das Außennetz.

19´: Bockhorn verlängert auf Zoller, der wuchtig abzieht. Leider schlägt der Ball rechts neben dem Kasten ein. So langsam kommt der VfL in Fahrt. Von Pauli kam offensiv schon länger nichts mehr.

20´: Žulj bringt einen Freistoß gut vors Tor der Paulianer. Tesche rauscht heran, doch kommt einen Schritt zu spät.

28´:  TOOOOOOOR! Es hat sich angebahnt und endlich belohnt sich der VfL für die Mühen der letzten Minuten! Žulj spielt die Kugel perfekt auf Zoller. Der legt das Spielgerät perfekt am Pauli-Keeper vorbei und vollendet eiskalt. 1:1!

32´: Das wäre um ein Haar das 2:1 für den VfL gewesen! Tesche hat die Führung auf dem Kopf, doch Becker rettet auf der Linie.

33´: Tor. Man, man, man. Der VfL ist drauf und dran das 2:1 zu machen, da geht St. Pauli mit einem Sonntagsschuss in Führung. Aus 20 Metern zieht Kyereh ab. Das Leder senkt sich und schlägt hinter Riemann im Tor ein.

42´: Mal wieder ein Torabschluss der Blau-Weißen. Leider bekommt Žulj nicht genug Druck hinter die Kugel. Leichte Beute für Stojanovic.

44´:  TOOOOR! Und wieder gleicht der VfL aus und wieder ist Zoller der Torschütze. Schöne Flanke von Holtmann auf den in der Mitte lauernden Zolli. Der läuft heran und köpft zum Ausgleich ein – 2:2!

Halbzeit: Furiose erste Halbzeit mit vier Toren am Millerntor. Der VfL verpennt die Anfangsphase und gerät bereits nach wenigen Minuten in Rückstand. Danach kommt das Team von Thomas Reis immer besser in die Spur und gleicht nach einer knappen halben Stunde durch Zoller aus. Ein Distanzschuss bringt die Hausherren dann wieder in Front. Kurz vor der Pause ist es dann erneut Zoller, der per Kopf ausgleicht – 2:2 zur Pause.

46´: Cheftrainer Reis wechselt zum Beginn der zweiten Hälfte. Pantović nun neu für Bockhorn dabei.

47´: Der VfL startet hellwach in den zweiten Durchgang. Holtmann holt eine Ecke raus, die Žulj wunderbar hereinbringt. Bella Kotchap steht richtig, setzt seinen Kopfball allerdings neben das Tor.

57´: Burgstaller stoppt Tesche – Freistoß für den VfL. Den bringt Žulj direkt aufs Tor, doch der Ball geht ans Außennetz.

63´:  TOOOOOOR! Spiel gedreht! Wieder ist Zoller beteiligt, allerdings dieses Mal mit der Vorlage. Unsere Nummer neun legt zurück, Žulj rauscht heran, Buballa fälscht wohl noch ab – Tor! 3:2.

73´: Schöne Kombinationen auf Seiten des VfL. Erst leitet Bella Kotchap clever einen schnellen Angriff der Bochumer ein, dann kombinieren sich die VfLer durch die gegnerische Hälfte. Am Ende Žulj mit dem Abschluss, leider kein Problem für den FCSP-Keeper.

75´: Wieder bedient Žulj Zoller. Dessen Kopfball kommt aber etwas zu unplatziert.

76´: Wuchtiges Ding von Pantović, der die Kugel von der Sechzehnerkante volley nimmt. Leider steht Holtmann im Weg und „klärt“ mit dem Gesicht für Pauli.

79´: Ein Abschluss jagt den nächsten. Dieses Mal probiert es Žulj aus der Distanz. Ganz knapp am Gehäuse vorbei.

83´: Zweiter VfL-Wechsel: Ganvoula kommt für Zoller.

89´: Wechsel Nummer drei: Mašović jetzt neu dabei. Žulj hat Feierabend.

90+1´: Der VfL wechselt nochmal: Eisfeld und Holtmann tauschen.

Ende: Der VfL entführt drei Zähler vom Millerntor und bleibt damit weiterhin Tabellenzweiter. Nach zweimaligem Rückstand drehten die Bochumer die Partie in Durchgang zwo komplett zu ihren Gunsten.

Thomas Reis (Cheftrainer VfL Bochum 1848): Wir sind sehr glücklich, dass wir hier drei Punkte mitnehmen. Der Start war von unserer Seite aus nicht optimal. Wir waren ein bisschen fehlerbehaftet – gerade in der ersten Situation, als wir den Gegner zum Torschuss eingeladen haben. Das gute war, dass wir immer schnell zurückgekommen sind. Das ist das, was die Mannschaft momentan auszeichnet. Als Trainer ist es natürlich trotzdem ein wenig ärgerlich, wenn man Rückständen hinterherlaufen muss. In der zweiten Halbzeit haben wir versucht, das Spiel noch mehr in die Hand zu nehmen. Das ist uns gut gelungen, wir konnten St. Pauli von unserem Tor fernhalten und selbst die Spielkontrolle übernehmen. Im Großen und Ganzen war es kein unverdienter Sieg. Es ist sehr schade, dass so ein Spiel in der heutigen Zeit keine Zuschauer hat.

Timo Schultz (Cheftrainer FC St. Pauli): Glückwunsch an die Kollegen aus Bochum. Ich glaube, dass es kein unverdienter Auswärtssieg war. In der ersten Halbzeit hatten wir noch unsere Umschaltmomente, haben die gut ausgespielt und vielleicht sogar noch zu wenige Tore daraus gemacht. In der zweiten Halbzeit hat der VfL seine Klasse gezeigt. Wir konnten kaum mehr gefährlich werden, der Gegner hatte eine gute Ballkontrolle. Die Entstehung der Gegentore war dennoch ärgerlich. Da müssen wir uns an die eigene Nase fassen. Wir ziehen Positives aus diesem Spiel, auch wenn wir keine Punkte geholt haben.   

Gerrit Holtmann: Ich habe zuvor noch nie hier gewinnen können. Unsere Comeback-Qualitäten haben wir nach den Partien gegen Nürnberg und in Sandhausen abermals unter Beweis gestellt. Wir sind gut zurückgekommen und haben das Heft in die Hand genommen. Das Spiel war heute sehr offensivlastig. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht. Wir haben am Ende verdient gewonnen.  

Robert Žulj: Ich fühle gerade pure Erleichterung. Es war ein harter Kampf heute. Wir waren das ganze Spiel über dominant. Wir hatten sehr viele Aktionen Richtung Sechzehner. In der ersten Halbzeit hatten wir sehr viele Eins-gegen-Eins-Situationen, die wir zum Teil nicht gut genug ausgenutzt haben. Daran müssen wir noch arbeiten. Dennoch kommen wir mit zwei sehr schönen Toren zurück. Man sieht, dass die Moral in unserer Truppe sehr groß ist. In der zweiten Halbzeit haben wir immer wieder Nadelstiche gesetzt. Der Sieg ist sehr verdient für uns!

Simon Zoller: Es ist sehr schwer, auf St. Pauli zu spielen. Sie haben das in den letzten Spielen gut gemacht. In der ersten Halbzeit haben wir ihnen mit den zweiten Bällen ein bisschen in die Karten gespielt. In Durchgang zwei haben wir ein paar Sachen verändert und dann lief es deutlich besser. Deshalb können wir stolz auf uns als Mannschaft sein. Wir haben 36 Punkte. Seinen Teil dazu beizutragen, ist natürlich schön.

Sebastian Schindzielorz (VfL-Geschäftsführer Sport): Wir haben auch heute wieder ein sehr gutes Spiel gezeigt. Es war ein kompliziertes Spiel, wir geraten zweimal in Rückstand. Wir haben trotzdem unsere Linie nicht verloren und unsere Offensivqualität ausgespielt. Im Moment können wir sehr zufrieden sein. Jetzt müssen wir so weitermachen.