13. Spieltag

VfL Bochum 1848VfL Bochum 1848
3: 0
1. FC Heidenheim 18461. FC Heidenheim 1846

Fr,  18.12.202018:30 Uhr2. Bundesliga

Bekanntes Bild aus den Vorjahren: Der Zweitligist, der kurz zuvor in der Relegation zur Bundesliga knapp gescheitert ist, kommt nur schwer in die neue Saison im Unterhaus. War bei unserem kommenden Gegner, dem 1. FC Heidenheim, nicht anders. Mittlerweile hat sich das Team um Trainer-Urgstein Frank Schmidt aber gefangen und zuletzt mit drei zu-Null-Spielen wieder absolut in die Spur gefunden. Unser BLICK AUF: 1. FC Heidenheim!

DER TRAINER

Der Übungsleiter des 1. FC Heidenheim heißt auch in dieser Spielzeit wenig überraschend Frank Schmidt – der dienstälteste Coach des deutschen Profifußballs geht bereits in seine 14. Spielzeit an der Heidenheimer Seitenlinie und scheint seine Mission nach dem dramatischen Verlauf der Relegation noch nicht beendet zu haben. Dabei hat der 46-Jährige es mal wieder geschafft, trotz zentraler Abgänge (Dorsch, Kleindienst, Griesbeck) eine Truppe aufzustellen, die Schmidts Meisterstück wahr werden lassen könnte. Eines ist aber sicher – der FCH hat mal wieder eine Truppe zusammengestellt, die die Schmidtsche DNA mit jeder Phase verkörpert: Mannschaftlich geschlossen, niemals aufgeben und hart arbeiten. Ein Beleg dafür ist die gelaufene Distanz, die Heidenheim nach zwölf Spieltagen mit 1.431 km anführt – über 30 Kilometer mehr als das zweitplatzierte Kleeblatt aus Fürth und knapp 70 mehr als der VfL, der am sechstmeisten läuft. Auch was die intensiven Läufe angeht, ist der FCH ganz vorn. Über 9.000 intensive Läufe absolvierte die Schmidt-Elf bislang – ebenfalls Ligabestwert.

DUELLE

Eine jahrzehntelange Tradition gibt es in diesem Duell noch nicht, dennoch ist es bereits das 14. Pflichtspiel, in dem der VfL Bochum 1848 und der 1. FC Heidenheim 1846 die Klingen kreuzen – und bis dato liegen die Mannen von der Schwäbischen Alb den Blau-Weißen ganz gut. Sechs von zwölf Ligaspielen gewann der VfL, zudem gab es zwei Remis und vier Heidenheimer Siege. Das einzige Duell im DFB-Pokal entschied Bochum für sich. Hoffnung auf ein weiteres Erfolgserlebnis im Vonovia Ruhrstadion machen die jüngsten drei Vergleiche: Am 25. Spieltag der Saison 2018/19 siegte der VfL mit 1:0, in der Vorsaison holte Thomas Reis in Heidenheim seinen ersten Sieg als VfL-Coach. Das Rückspiel läutete mit einem 3:0 den erfolgreichen Re-Start ein. Daran kann gerne angeknüpft werden.

ZWISCHENBILANZ

Die Saison nach einer gescheiterten Relegation ist oftmals schwer und auch beim 1. FCH schienen die Spieler diese Last zu Beginn noch mit sich herumzutragen. In der ersten Runde des DFB-Pokals setzte es eine 0:1-Niederlage bei Absteiger Wehen Wiesbaden und auch wenn der Auftakt in der Liga gegen Eintracht Braunschweig mit 2:0 erfolgreich gestaltet werden konnte, verlief Saisonstart holprig. Fünf Spiele mit nur zwei weiteren Punkten später rangierte Heidenheim auf Rang 16 – doch dann ging der Knoten auf. In den vergangenen sechs Partien blieb der Vorjahresdritte unbesiegt und sicherte sich 14 von 18 möglichen Zählern. Dreimal in Serie kassierte Schmidts Team nicht mal mehr einen Gegentreffer. Da kommt ein hartes Stück Arbeit auf Reis‘ Truppe zu.

 

Was für ein Liga-Abschluss 2020! Der VfL hat am Freitagabend den nächsten zu-Null-Sieg anne Castroper eingetütet. Mit 3:0 wurde "Lieblingsgegner" Heidenheim besiegt. Danny Blum eröffnete mit seinem nächsten Traumtor (17.), Simon Zoller baute aus (32.). In der Nachspielzeit setzte Thomas Eisfeld mit einem herrlichen Freistoßtreffer den Schlusspunkt (90.+2). 23 Zähler nach 13 Spielen, so kann man in die kurze Ligapause gehen!

Rein in das letzte Ligaspiel des Jahres 2020 für den VfL, Wiedergutmachung für die schwache Leistung bei der Niederlage in Hannover stand für Thomas Reis und seine Mannen auf dem Plan. Gegen den formstarken 1. FC Heidenheim tauschte der Coach dafür dreifach Personal: Anthony Losilla rückte nach abgesessener Gelbsperre zurück auf die Sechs, an der Seite des Kapitäns feierte Erhan Masovic sein Pflichtspiel-Startelfdebüt. Robert Tesche und Raman Chibsah bleiben vorerst draußen. Zudem ersetzte Armel Bella-Kotchap den verletzten Vasileios Lampropoulos in der Innenverteidigung. Gutes Omen: Die letzten drei Vergleiche gewannen allesamt die Blau-Weißen.

So lief das Spiel:

5‘: Der erste Abschluss gehört dem VfL, der sich zu Beginn gleich viel wacher als in Hannover präsentiert. Über Losilla landet das Spielgerät bei Robert Zulj, der es sich kurz zurechtlegt und dann flach die rechte Ecke anvisiert. Müller im FCH-Tor taucht ab und lenkt den Schuss zur Ecke.

9‘: Nach einem Missverständnis bietet sich dem Gast hier eine gute Kontermöglichkeit, die Burnic mit einem schlampigen Pass glücklicherweise verschwendet.

14‘: Schlechtes Umschaltverhalten des VfL, der sich plötzlich mit vier Mann fünf Gegenspielern konfrontiert sieht. Die Flanke von der rechten Seite soll zu Thomalla, der aber nach der Ballannahme entscheidend von Gamboa gestört wird. Ecke.

16‘: Holtmann kann Tempo aufnehmen und geht in das Duell mit Busch. Nach kurzem Wackler zieht er ab, wirklich gefährlich ist das aber nicht. Es gibt Abstoß.

17‘:  TOOOR für den VfL – 1:0. Alter Schwede, wat ne Bude von Blum. Gamboa wirft sich in Müllers Abschlag und bringt die Kugel zu Zoller, der gedankenschnell auf Blum ablegt. Aus 25 Metern fasst sich der Flügelflitzer ein Herz und prügelt das Ding an den rechten Innenpfosten, von wo es den Weg ins Netz findet – Müller fliegt vergebens. Eine Augenweide.

28‘: Butterweicher Freistoß Zulj in Richtung Losilla, doch Theuerkauf kommt gerade so vor dem einschussbereiten Franzosen ran und klärt zur Ecke.

30‘: Die Heidenheimer, die sechsmal am Stück nicht verloren haben und zuletzt dreimal ohne Gegentor geblieben sind, finden hier überhaupt nicht in die Partie. Der VfL hat auch seit der Führung alles im Griff. Weiter konzentriert bleiben.

32‘:  TOOOR für den VfL – 2:0. Der VfL bleibt dran und verdoppelt die Führung – wieder mit einem sehenswerten (und diesmal auch schmerzhaften) Treffer. Zulj nimmt Holtmann auf links mit, der nicht lange fackelt und eine punktgenaue Flanke Richtung Zoller schlägt. Der riskiert beim scharfen Ball alles, drückt die Kugel in die Maschen und rutscht dann gegen den Pfosten. Tat weh, aber unser Neuner ist hart im Nehmen. Einmal schütteln und weiter geht’s. Maschine!

Pause: Vom Start weg hat der VfL hier die Kontrolle übernommen und geduldig auf seine Möglichkeiten gegen eine der besten Abwehrreihen der Liga gewartet. Diese nutzten Blum und Zoller dann eiskalt wie wunderschön aus und bescheren den Blau-Weißen eine vollends verdiente Halbzeitführung. Sammeln und genau da weitermachen, Männer!

46‘: Schmidt reagiert auf die Bochumer Überlegenheit und wechselt zur Pause doppelt. Vereinsikone Schnatterer und Mohr ersetzen Föhrenbach und Leipertz. Reis ist natürlich bis hierhin zufrieden und verzichtet vorerst auf frisches Personal.

50‘: Klasse Gelegenheit zum Kontern, doch Holtmann verpasst den Zeitpunkt des Abspiels. Die Chance verpufft.

51‘: Riesenglück für den VfL. Nach einer Hereingabe von links prallt das Leder zu Kühlwetter, der nach einer Finte aus vier Metern zum Abschuss kommt und dann nur die Latte trifft - ungaublich. Durchatmen und den schnellen Anschluss verhindern.

57‘: Heidenheim zeigt sich im zweiten Abschnitt verbessert und kommt zu Gelegenheiten. Einen Schnatterer-Freistoß kann Kühlwetter nur über den Scheitel gleiten lassen, so wird er nicht wirklich gefährlich für Riemann.

59‘: Schnatterer kommt zum Abschluss, setzt den Ball aber auf das Tordach. Reis ist nicht mehr so zufrieden und bereitet derweil einen Doppelwechsel vor. Pantovic und Tesche machen sich bereit.

62‘: Schnatterer geht mit gestrecktem Bein voran und trifft Bella-Kotchap. Dennoch gibt es den Freistoß für Heidenheim. Doch Mohr trifft nur die Mauer und auch der Nachschuss wird abgeblockt.

63‘: Der angekündigte Tausch wird vollzogen. Masovic und Blum verlassen das Spielfeld.

66‘: Noch ein Doppelwechsel, diesmal ist wieder Heidenheim am Zug. Burnic und Sessa räumen das Feld für Schöppner und Schimmer.

70‘: Schön gespielt vom VfL. Zoller legt Holtmanns Flanke für Zulj ab, der direkt abzieht. Nicht voll getroffen und weit vorbei. Aber der VfL ist hier zunehmend wieder der Herr im Haus.

73‘: Joker Mohr fasst sich ein Herz du versucht’s wie Blum, jagt die Kugel aber, genau wie Kollege Schnatterer kurz zuvor, in den Fangzaun.

77‘: Nochmal Alu-Glück für den VfL. Diesmal nimmt Mohr es deutlich genauer, leicht von Gamboa abgefälscht küsst der Versuch das Lattenkreuz. Matchglück ist auch da.

78‘: Nächster Doppelwechsel, nun der VfL wieder dran. Ganvoula und Römling spielen in der Schlussphase für Zoller und Soares.

81‘: Außer Spielerwechseln passiert gerade wenig, also legt Schmidt letztmals nach. Rittmüller kommt für Busch.

85‘: Das dritte Tor für den VfL, doch bevor Jubel ausbrechen kann unterbricht Gräfe mit einem Abseitspfiff. Der war auch völlig korrekt, Ganvoula stand bei Römlings tollem Pass im Abseits – Pantovics Treffer landet nicht auf der Anzeigetafel.

88‘: Es soll aber bei Heidenheim heute auch einfach nicht sein. Schnatterers Ecke fliegt am langen Pfosten runter, wo der überraschte Schöppner zwar noch reaktionsschnell drankommt, die Pille aber nicht auf das Tor befördern kann. Haarscharf vorbei.

90‘: Reis dreht an der Uhr und bringt Eisfeld für Zulj.

90‘+3:  TOOOR für den VfL – 3:0. Der nächste traumhafte Treffer macht hier endgültig den Deckel drauf. Eisfeld legt sich die Kugel rund 20 Meter vor dem Tor zum Freistoß zurecht und zwirbelt das Teil mit ganz feiner Klinge in die Maschen. Müller ist chancenlos.

Ende: Hochverdienter Sieg des VfL, auch wenn er vielleicht ein wenig hoch ausgefallen ist. Denn auch die Gäste hatten durchaus ihre Gelegenheiten, man erinnere sich an zwei Alu-Treffer. Insgesamt war die Reis-Elf aber deutlich überlegen und zeigt nach der schwachen Leistung gegen Hannover die richtige Reaktion. Dritter Heimsieg am Stück, 11:0 Tore, so kann’s 2021 gern weitergehen.

 

 

Thomas Reis (Trainer VfL Bochum 1848): „In erster Linie sind wir sehr glücklich, dass wir eine gute Reaktion gezeigt haben. Das haben wir auch von uns gefordert. Die erste Halbzeit war ordentlich, wir hatten viel Ballbesitz und machen ein herausragendes Tor. Die zweite Halbzeit war zerfahrener, da hatten wir ein paar Ballverluste und auch etwas Glück, kein Gegentor zu kriegen. Dann kann das Spiel auch mal kippen. Daher sind wir froh, mit einem Sieg in die Meisterschaftspause zu gehen und gehen jetzt in das schwere Spiel in Mainz.“

Frank Schmidt (Trainer 1. FC Heidenheim): „Natürlich ist das sehr ärgerlich und wir sind enttäuscht, dass wir heute hier mit 0:3 verloren haben. Der Grund liegt für mich in der ersten Halbzeit, in der wir nicht unser Limit erreicht haben und in den Zweikämpfen schlecht waren. Trotzdem haben wir nicht viel zugelassen, aber vor beiden Toren haben wir den Ball unnötig verloren. Dann wird es hier in Bochum ganz schwer. Dann sind wir gut aus der Kabine gekommen, wenn wir schnell das 2:1 machen, wird es ganz interessant. Wir haben viel Aufwand betrieben und die Konter gut verteidigt. Es sollte heute aber nicht sein und so nehmen wir nach sechs Spiele ohne Niederlage leider eine mit in die kurze Pause.“

Danny Blum (VfL Bochum 1848): „Heidenheim hat es uns mit ihrer mannorientierten Spielweise schon schwergemacht, auch uns Außenspielern bei den Wegen in die Tiefe. Dadurch hatten wir aber viel Ballbesitz und konnten das Spiel klar dominieren. Wir haben es nur verpasst, im richtigen Moment den richtigen Ball zu spielen. Anfang der zweiten Hälfte haben wir etwas den Zugriff verloren und ein bisschen geschwitzt. Im Großen und Ganzen können wir aber mit dem Spiel und dem Sieg zufrieden sein. Das war die richtige Reaktion auf das vergeigte Spiel in Hannover.“

Simon Zoller (VfL Bochum 1848): „Wir wissen, dass wir vor drei Tagen kein gutes Spiel gemacht haben, heute war es dann ein Arbeitssieg von uns und die richtige Reaktion. Bis zum 1:0 war es sehr zerfahren, danach hat es sich gelöst, sodass wir verdient gewonnen haben. Ich bin sehr froh, dass wir jetzt 23 Punkte haben, das tut uns richtig gut. Wir haben zwar kein überragendes Spiel gemacht, aber das nehmen wir gerne mit und können auf dem bisher Erreichten im nächsten Jahr direkt aufbauen.“

Moritz Römling (VfL Bochum 1848): „Das ist natürlich ein überragendes Gefühl, mal wieder reingekommen zu sein. Ich war jetzt länger nicht im Kader und habe mich schon gefreut, heute wieder dabei zu sen. Dass ich auch direkt Einsatzzeit bekomme, macht es noch schöner. Auch wenn ich ein wenig nervös war.“