11. Spieltag

VfL Bochum 1848VfL Bochum 1848
3: 0
SC Paderborn 07SC Paderborn 07

Fr,  11.12.202018:30 Uhr2. Bundesliga

Das nächste Heimspiel im Vonovia Ruhrstadion steht an, am Freitagabend (18:30 Uhr) empfängt der VfL Bochum 1848 den Bundesliga-Absteiger SC Paderborn. Vor dem Duell mit den Ostwestfalen werfen wir einen obligatorischen Blick auf den nächsten Gegner: Wer hat das Sagen an der Pader, wie lief die bisherige Saison für den SCP und wie sieht´s aus mit der Bilanz zwischen beiden Teams? Hier erfahrt ihr es!

DER TRAINER

Rund drei Jahre und acht Monate ist Steffen Baumgart als Cheftrainer beim SC Paderborn im Amt. Damit ist er hinter Trainer-Urgestein Frank Schmidt (1. FC Heidenheim) als Coach in der 2. Liga am längsten im Amt. Und in seinen 140 Pflichtspielen hat der 48-Jährige schon einiges mit dem SCP erlebt. Mit stolzen 25 Siegen und nur fünf Niederlagen schafften die Ostwestfalen am Ende der Saison 2017/18 den Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga. Was folgte, ist bekannt: Der SCP marschierte durch das Unterhaus und krönte die Saison mit dem Aufstieg in die Bundesliga. Auch der direkte Wiederabstieg änderte nicht an Baumgarts Position – und an seinem mutigen Spielstil, den die Mannschaft stets auf den Rasen bringt. „Ich habe nie daran gedacht aufzugeben“, antwortete Baumgart kurz nach dem Abstieg auf die Frage, ob er an einen Rücktritt gedacht habe.

DUELLE

Zum 15. Mal duellieren sich der VfL Bochum 1848 und der SC Paderborn 07 am elften Spieltag. Dabei kann anhand der Statistik kein Favorit ausgemacht werden, auch wenn der VfL leichte Vorteile aufweist. Sechs Siege gegen die Ostwestfalen stehen je vier Remis und Niederlagen gegenüber. Die einzige Partie im DFB-Pokal entschied dafür der SCP für sich. Auffällig ist trotz der recht ausgeglichenen Gesamtbilanz, dass die VfL-Siege immer deutlich ausgefallen sind: Zwei der sechs VfL-Erfolge gingen mit 4:0 aus, zudem gab es ein 3:0, ein 4:1, ein 3:1 und ein 4:2. Die Partie am Freitagabend unter Flutlicht verspricht also torreich zu werden. In der Paderborner Aufstiegssaison endete die Partie in Ostwestfalen 2:2, das Duell anne Castroper entschieden die Gäste knapp mit 2:1 für sich. Das heißt aufgrund des Auf und Ab des SCP, dass der letzte VfL-Sieg am Freitag auf den Tag genau fünf Jahre her ist. Beim damaligen 4:0 netzten Peniel Mlapa (2), Felix Bastians und Tim Hoogland. Wird also mal wieder Zeit!

ZWISCHENBILANZ

Ähnlich wie die vergangenen Spielzeiten insgesamt, verlief auch die bisherige Saison des Absteigers wellenförmig. Normal oder gar langweilig scheint es in Paderborn nicht zu geben. Nach einem souveränen 5:0 im Pokal gegen den Regionalligisten SC Wiedenbrück folgte in der Liga ein ernüchternder Start. Die Gegner waren in Holstein Kiel (0:1) und dem Hamburger SV (3:4) zwar Spitzenteams der Liga, null Punkte hatten die Ostwestfalen aber sicher nicht eingeplant. Zwischen Spieltag drei und acht schien der Knoten aufzugehen: Mit 14 Punkten und nur zwei Gegentreffern stürmte die Baumgart-Elf bis auf Rang drei der Tabelle. Seither folgte aber ein kleiner Bruch. In Karlsruhe (0:1) und gegen Nürnberg (0:2) gab es weder Tore noch Punkte, was den Fall auf Tabellenplatz zehn zur Folge hatte. Nun soll im Vonovia Ruhrstadion der Bock umgestoßen und im Optimalfall am VfL vorbeigezogen werden. Zum Glück haben Thomas Reis‘ Männer da aber auch ein Wörtchen mitzureden.

Der nächste ganz starke VfL-Auftritt! Am Freitagabend krallte sich der VfL Bochum 1848 einen souveränen 3:0-Heimsieg gegen den SC Paderborn. In Durchgang eins boten beide Teams schon ein temporeiches Spiel, mit Vorteilen für die Reis-Elf. Nach dem Seitenwechsel stellten Robert Zulj (54., 59.) und Simon Zoller (60.) dann binnen sechs Minuten auf Heimsieg. 20 Zähler nach elf Partien - das lässt sich sehen!

Zum vierten Mal in Serie hat sich Cheftrainer Thomas Reis für die identische Startformation entschieden, auch gegen den Bundesliga-Absteiger SC Paderborn 07 startete also Simon Zoller an vorderster Front. Hinter ihm wirbelten Danny Blum, Robert Zulj sowie Gerrit Holtmann, während Anthony Losilla und Robert Tesche das Mittelfeld komplettierten. Maxim Leitsch und Armel Bella Kotchap bildeten den Talentwerk-Riegel im defensiven Zentrum, flankiert von Cristian Gamboa und Danilo Soares. Den Kasten hütete selbstredend Manuel Riemann.

2‘: Der VfL kommt gut in die Partie und verbucht den ersten Abschluss. Eine gute Flanke von Blum rutscht durch zu Holtmann, der volles Risiko geht und die Kugel drüber haut. Aber so kann es klappen.

7‘: Nach einer Balleroberung am gegnerischen Sechzehner bieten sich Losilla Optionen. Er entscheidet sich für die falsche und steckt für den im Abseits stehenden Zoller durch. Schade, da war was drin.

8‘: Und im Gegenzug bietet sich den Gästen die bisher beste Gelegenheit. Pröger wird auf die Rerise geschickt und kommt aus spitzem Winkel und kurzer Distanz zum Abschluss, Leitsch kriegt noch ein Bein dazwischen. Ob Riemann den gehabt hätte?

10‘: Blum zieht einen Freistoß nahe der Grundlinie direkt aufs Tor. Zu zentral, aber wuchtig genug, dass SCP-Keeper Zingerle nur fausten kann. Die folgende Ecke verpufft.

17‘: Dicke Chance für Blum. Nach langem Ball auf Zoller wird Hünemeiers Abwehr zur Vorlage für den Flügelflitzer. Seinen Versuch aus rechter Lage Richtung lange Ecke schnappt sich jedoch der abtauchende Zingerle.

18‘: Und wieder Blum, dem wieder der Zufall etwas hilft. Zulj steckt fein für ihn durch, sein direkter Versuch wäre einige Meter vorbeigetrudelt – doch ein Abwehrbein fälscht ab und zwingt Zingerle zur einer kleinen Tat.

20‘: Die Gelegenheiten häufen sich. Zulj und Zoller kombinieren sich fein durchs Mittelfeld, dann übernimmt Holtmann auf Außen. Am Sechzehner angekommen nimmt der ehemalige Paderborner wieder Zulj mit, dessen Schuss wird aber geblockt. Es fehlt bisher nur das berühmte Quäntchen.

29‘: Flanke von Holtmann, Zulj setzt zum Fallrückzieher an. Doch er verpasst und die Kugel rutscht durch zu Blum, der für Tesche zurücklegt. Sein Distanzschuss unter Bedrängnis trifft jedoch nicht mal den Fangzaun.

30‘: Gelbe Karte für Losilla für ein Allerweltsfoul. Dummerweise die fünfte, unser Kapitän fehlt also in Hannover.

34‘: Kopfballchance für Holtmann, doch die Spezialität des Wirbelwinds ist das nicht. Dafür setzt er sich aber stark gegen Dörfler durch, kann dem Ball aber nicht genug Druck verpassen, um Zingerle vor Probleme zu stellen.

40‘: Puuh, gefährliches Ding von Führich, dem da viel zu viel Platz im Zentrum gewährt wird. Aus rund 20 Metern hält der Leihspieler des BVB drauf, Riemann muss sich ganz lang machen, um die Kugel noch aus dem Eck zu fischen.

41‘: Auch die folgende Ecke wird zur Zitterpartie. Riemann kriegt die Kugel nicht zu packen, den Abschluss von Vasiliadis kann Geburtstagskind Bella Kotchap mit vereinten Kräften wegputzen. Aufpassen vor der Pause.

45‘: Jetzt auch Kuddelmuddel im Paderborner Strafraum. Nach einer Ecke wird es unübersichtlich, Leitsch bringt den zweiten Versuch. Der Ball flutscht am Fünfer entlang, aber keiner kann die Gunst der Stunde nutzen und ihn über die Linie drücken.

Pause: Auch wenn der VfL etwas mehr vom Spiel hat, zeigen sich auch die Ostwestfalen immer mal wieder brandgefährlich vor dem Bochumer Gehäuse. Hier liegen Tore in der Luft.

46‘: Keine Wechsel auf beiden Seiten, weiter geht’s.

48‘: Das muss es sein. Tesche setzt den startenden Holtmannein, der überlegt zurück in Richtung Zollerlegt. AEin Paderborner kommt dazwischen, legt dabei aber perfekt für Zulj auf, der aus elf Metern draufhält und Zingerle zu einer Glanztat zwingt.

55‘:  TOOOR für den VfL 1:0. Da ist der erste Treffer des Tages und er fällt auf der richtigen Seite vor der Ostkurve. Zulj schickt zunächst Holtmann auf die Reise, dem der erste Kontakt und auch der Abschluss zunächst misslingt. Er kommt jedoch erneut an den Ball und sieht den mitgelaufenen Zulj, der das Spielgerät direkt und platziert an Zingerle vorbeibringt. Richtig starker Abschluss und das sechste Saisontor für den besten Schützen in Blau und Weiß.

58‘: Elfmeter für den VfL. Gamboa mit dem feinen Chip zu Zoller, der ihn traumhaft mitnimmt und von Hünemeier und Schonlau verfolgt wird. Hünemeier setzt letztlich zur Grätsche an, trifft aber zuerst Zoller. Folgerichtig zeigt Stieler auf den Punkt und verwarnt den Verteidiger, da seine Attacke schon den Ball galt.

59‘:  TOOOR für den VfL – 2:0. Zulj lässt sich den Strafstoß nicht nehmen und verlädt Zingerle mit seinem Schuss in die rechte Ecke.

60‘:  TOOOR für den VfL – 3:0. Man kommt hier kaum noch hinterher. Direkt nach dem Anstoß der Gäste erobert Tesche den Ball, dann geht es flott. Letztlich hat Zoller freie Bahn und nimmt die gute alte Pike, um Zingerle zu überwinden.

62‘: Doppelwechsel bei den Gästen, Baumgart muss was tun. Ex-VfLer Terrazzino und Antwi-Adjei ersetzen Führich und Ingelsson.

66‘: Auch mal was von Paderborn. Dörfler vernascht mehrere Gegenspieler mit einer Täuschung, sein Schuss wird jedoch zur leichten Beute für Riemann.

67‘: Reis wechselt auch erstmals. Für Blum kommt Milos Pantovic.

70‘: Der VfL wird etwas leichtsinnig, was Reis überhaupt nicht gefällt. Ein Rückpass Bella Kotchaps gerät zu kurz, doch Srbeny kann trotz Umkurven von Riemann aus spitzen Winkel nicht vollstecken. Der Ball geht ans Außennetz.

70‘: Nächster Doppelwechsel bei den Gästen. Owusu und Michel nun für Srbeny sowie Pröger.

73‘: Reis zieht nach und tauscht auch zweimal Personal: Herbert Bockhorn und Silvère Ganvoula nehmen die Plätze von Gamboa und Holtmann ein.

77‘: Da sticht der erste Joker beinahe direkt, doch Ganvoulas Lupferversuch landet in den Armen des zurückeilenden Zingerles.

79‘: Letzter Wechsel von Baumgart. Correia rein, Schonlau raus.

81‘: Und auch Reis vollzieht die letzten Wechsel. Raman Chibsah und Thomas Eisfeld dürfen in den Schlussminuten für Losilla und Zulj ran.

83‘: Die fette Gelegenheit zum Anschluss. Nach einer Hereingabe von Antwi-Adjei steht Michel mutterseelenallein im Zentrum, scheitert aber an Riemann. Hätte dem VAR-Check wegen Abseits aber nicht standgehalten, wäre es ein Treffer geworden.

84‘: Auf der Gegenseite probieren sich Pantovic und Eisfeld aus der Distanz. Erst geblockt, dann weit drüber.

86‘: Das Spiel plätschert dem Ende entgegen, der SCP darf auch wieder mitspielen. Doch zweimal zeichnet sich Danilo als Retter in höchster Not aus und bereinigt zwei Flanken stark.

89‘: Unnötige Gelbe Karte für Danilo, der Dörfler an der Mittellinie in die Parade fährt. Die vierte Verwarnung für den Brasilianer.

Abpfiff: Ein rundum gelungener Freitagabend für den VfL, der auch in der Höhe absolut verdient ist. Bärenstarke sechs Minuten regeln das hier. Zulj und Zoller bleiben treffsicher. So kann es gerne am kommenden Dienstag weiter gehen, wenn wir bei Hannover 96 antreten.

Thomas Reis (Trainer VfL Bochum 1848): „Ein Spiel 3:0 zu gewinnen, tut natürlich immer gut. Vom Spielverlauf her war es umgekehrt wie in Kiel, diesmal hat uns der Doppelschlag auf die Siegerstraße gebracht. Wir haben von Anfang an Gas gegeben, das Pressing hat sehr gut funktioniert, auch wenn wir nach vorne noch zu unsauber waren und zunächst hat mir noch die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor gefehlt. Auch beim Paderborner Umschaltspiel mussten wir gut aufpassen. Im Großen und Ganzen geht der Sieg aber in Ordnung und ich bin froh, dass wir einiges besser gemacht haben als in Kiel. Daher sind wir glücklich, erfolgreich in die Englischen Wochen gestartet zu sein, auch wenn wir den Gegner am Ende noch ein wenig zu oft eingeladen haben.“

Steffen Baumgart (Trainer SC Paderborn 07): „Wir haben eine ganz vernünftige erste Halbzeit gespielt, wo wir auch den einen oder anderen Umschaltmoment hatten. Das ist momentan unser Manko, dass wir es nicht klar und sauber ausgespielt kriegen. In der zweiten Halbzeit war Bochum die bessere Mannschaft, gerade in den Zweikämpfen waren sie den Tick besser. Das war für mich ausschlaggebend, dass die Niederlage verdient ist. Wir haben es nicht geschafft, die entscheidenden Zweikämpfe zu gewinnen. Wir haben zu viele leichte Fehler gemacht, die wir sonst nicht machen und so kannst du halt hier nicht gewinnen. Das ist ärgerlich auch unabhängig davon, dass die Jungs alles gegeben haben. Momentan sind wir aber nicht gut genug und müssen uns der Situation stellen.“

Gerrit Holtmann (VfL Bochum 1848): „Wir haben eine gute Reaktion gezeigt, wie wir es wollten. In der ersten Halbzeit war es noch schwer, die gewünschte Dominanz auszustrahlen, weil der SCP es gut gemacht und uns immer wieder unter Druck gesetzt hat. In der zweiten Halbzeit war es viel besser. Was Kiel mit uns gemacht hat, haben wir nun mit Paderborn gemacht. Wir haben unsere Offensivpower gezeigt und ich bin glücklich, endlich meinen ersten Assist geholt zu haben. Insgesamt können wir sehr zufrieden sein.“

Simon Zoller (VfL Bochum 1848): „Wir haben zur richtigen Zeit die Tore gemacht und ich freue mich, dass ich dabei wieder mithelfen und treffen konnte. Die Liga ist so ausgeglichen, letzte Woche waren es 60 gute Minuten und dann passen wir zweimal nicht auf. Heute haben wir über 90 Minuten konzentriert gearbeitet und verdient gewonnen. Wir versuchen, unsere Punkte zu sammeln und machen es momentan sehr gut. Aber wir wissen immer noch, wo wir herkommen und daher tut es uns momentan sehr gut. Wenn man zum jetzigen Zeitpunkt oben steht, steht man da auch zurecht. Es gibt aber so viele gute Mannschaften in der Liga, Paderborn gehört auch dazu. Darum sind wir sehr froh über die drei Punkte.“

Robert Zulj (VfL Bochum 1848): „Meine Frau hat heute noch gesagt, dass es Zeit wird für das erste Tor als Ehemann. Es sind sogar zwei geworden, so war es mit diesem Abschluss eine sehr schöne Woche. Wir haben die ersten 15 Minuten gut gespielt und hatten Szenen, wo was entstehen kann. Dann hat Paderborn ein wenig das Heft in die Hand genommen. Es war ausgeglichen mit Chancen auf beiden Seiten. Nach der Halbzeit hatten wir diese zehn bis 15 Minuten, in denen wir super Fußball gespielt und auch die Tore gemacht haben. Wir wussten, dass wir heute besser spielen müssen als in Kiel über 90 Minuten und daher war es eine starke Reaktion.“