6. Spieltag

FC Würzburger Kickers
2: 3
VfL Bochum 1848VfL Bochum 1848

So,  01.11.202013:30 Uhr2. Bundesliga

Der VfL Bochum 1848 will den Schwung aus dem Heimsieg gegen den FC Erzgebirge Aue (2:0) mitnehmen und am Sonntag, den 1. November 2020 (13:30 Uhr), beim FC Würzburger Kickers den nächsten Dreier in der 2. Bundesliga einfahren. Mit wem es die Mannschaft von VfL-Cheftrainer Thomas Reis zu tun bekommt? Die Antwort findet ihr wie immer in unserem BLICK AUF!

DER TRAINER

Die neue Zweitliga-Saison war erst 180 Spielminuten alt, da gab es bei den Würzburger Kickers bereits einen Trainerwechsel - und der hatte durchaus einen Beigeschmack. Nach drei Pflichtspiel-Niederlagen zum Saisonstart (inklusive DFB-Pokal) wurde das Arbeitsverhältnis mit Michael Schiele, dem FWK-Aufstiegstrainer, beendet. Durchaus überraschend, schließlich hatte man Schiele nur wenige Wochen zuvor noch einen möglichen Wechsel zum Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim verwehrt. Trotzdem war man am Dallenberg plötzlich der Meinung, das Ziel Klassenerhalt „nur mit einem neuen Impuls erfolgreich anstreben zu können“, wie der Kickers-Vorstandsvorsitzende Daniel Sauer sagte. Als Nachfolger wurde Ende September dann Marco Antwerpen vorgestellt, der in der Vorsaison ebenfalls den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft hatte. Allerdings mit Eintracht Braunschweig, wo er aber trotz des Erfolgs keinen neuen Vertrag erhielt. Der 49-Jährige soll die Würzburger nun stabilisieren. „Mit Marco haben wir einen gestandenen Cheftrainer verpflichten können, dessen Vorstellungen vom Fußball und Zielsetzungen der Würzburger Kickers deckungsgleich sind. Gemeinsam wollen wir das große Ziel, den Klassenerhalt, anpacken“, sagte Sauer bei Antwerpens Amtsantritt. An der Seite des neuen Trainers agiert übrigens ein alter Bekannter: Matthias Lust war Profi anne Castroper und bis Ende letzter Saison U19-Coach im Talentwerk und Co-Trainer der Profis, nun ist er als Assistenzcoach am Dallenberg aktiv.

DUELLE

Bisher gab es zwischen dem VfL und dem FWK erst zwei Aufeinandertreffen, das war in der Zweitliga-Saison 2016/17. Die Bilanz ist dabei ausgeglichen, konnten doch beide Klubs jeweils ihr Heimspiel für sich entscheiden. In der Hinrunde musste der VfL am Dallenberg eine 0:2-Niederlage hinnehmen, Elia Soriano (62.) und der Ex-Bochumer Rico Benatelli (90.) besiegelten die Niederlage für Blau-Weiß. Die Revanche glückte im Rückspiel: An der Castroper Straße konnte der VfL gegen die Nordbayern mit 2:1 gewinnen. Ein Eigentor von Tim Hoogland (26.) hatte zwar für einen Pausenrückstand gesorgt, doch kurz vor Schluss drehten Tom Weilandt (84.) und Dominik Wydra (87.) die Partie per Doppelschlag.

ZWISCHENBILANZ

Nach dem zweiten Tabellenplatz in der 3. Liga in der letzten Saison und dem damit verbundenen Aufstieg ins deutsche Fußball-Unterhaus konnten sich die Kickers in der 2. Bundesliga noch nicht akklimatisieren. Bereits der Pflichtspielstart war nicht erfolgreich, im DFB-Pokal verlor man gegen den Liga-Konkurrenten Hannover 96 mit 2:3 - wobei das Ergebnis weniger deutlich klingt, als es der Spielverlauf hergab. Auch in der Liga ging es nicht gut los, einer 0:3-Auftaktpleite zuhause gegen Aue folgte am zweiten Spieltag eine 0:1-Niederlage in Düsseldorf. Nach der Trennung von Schiele holte Antwerpen in seinem ersten Spiel mit einem 2:2-Remis gegen Fürth den ersten Punkt, doch danach folgten Niederlagen gegen Kiel (0:2) und den HSV (1:3). Mit nur einem Zähler belegen die Würzburger nun den letzten Tabellenplatz, auch das Torverhältnis von 3:11 Treffern spricht eine deutliche Sprache.

HISTORIE

Gegründet wurde der FWK im Jahr 1907, seit Beginn der Vereinshistorie sind Rot und Weiß die Farben des Klubs. Besonders in der jüngeren Vergangenheit haben die Kickers aber eine Berg- und Talfahrt mitgemacht. In der Saison 1976/77 spielten die Würzburger zum ersten Mal in der 2. Bundesliga (damals Staffel Süd). Es folgte der schrittweise Absturz bis in die Landesliga, in der die Rot-Weißen zuletzt 2011/12 spielten. Danach ging es steil bergauf: Drei Saisons in der Regionalliga Bayern folgte der Durchmarsch bis in die 2. Bundesliga, in der man 2016/17 aber den Klassenerhalt verpasste. Nach drei Jahren in der 3. Liga wurde der erneute Aufstieg in der vergangenen Saison perfekt gemacht. Seit 2014 ist die Profiabteilung der Kickers ausgegliedert. Seitdem besitzt die Flyeralarm Future Labs GmbH 49 Prozent der Anteile. Damit kommt übrigens auch Felix Magath ins Spiel: Der ehemalige Bundesliga-Profi und Trainer sowie Manager vieler großer Vereine wurde im Januar 2020 Leiter der Unternehmenssparte Flyeralarm Global Soccer, über die er als Berater für die Kickers sowie den österreichischen Klub FC Admira Wacker Mödling tätig ist.

HEIMAT

Würzburg liegt im Bundesland Bayern und in der Region Unterfranken. Mit rund 127.000 Einwohnern ist es die siebtgrößte Stadt Bayerns. Das Stadtbild wird vom Main und der Festung Marienberg geprägt, außerdem sind die Würzburger Residenz, der Kollegiatstift Neumünster und der St. Kiliansdom wichtige Ankerpunkte der Stadt. Die Kickers tragen ihre Heimspiele im Stadion am Dallenberg, der heutigen FLYERALARM Arena, aus, die südlich der Innenstadt und jenseits des Mains liegt.

Am Ende entscheidet der VfL Bochum 1848 eine wilde Partie bei den Würzburger Kickers mit 3:2 (2:2) für sich. Nach frühem Rückstand kämpfte sich das Team von Cheftrainer Thomas Reis zurück und ging nach Tore von Soma Novothny und Danilo Soares in Führung. Kurz darauf musste der VfL den 2:2-Ausgleich hinnehmen. In Durchgang zwei dominierten die Blau-Weißen und belohnten sich durch Simon Zoller mit dem 3:2. 

Cheftrainer Thomas Reis nahm nach dem 2:0-Heimsieg gegen den FC Erzgebirge Aue am vergangenen Wochenende keine Änderungen an der Startelf vor. Die Gäste aus Würzburger änderten ihre Startformation im Vergleich zum 1:3 beim Hamburger SV auf zwei Positionen: Douglas durfte für Lotric beginnen, Ewerton musste kurz vor Beginn krankheitsbedingt passen, dafür startete Ronstadt für die Kickers. 

So lief das Spiel:

7´: TOR! Das gibt es nicht. Der erste Torschuss ist direkt drin – Würzburg geht 1:0 in Führung. Ridge Munsy schiebt den Ball an Manuel Riemann vorbei ins lange Eck. 

9´: Anthony Losilla sieht für ein Foul an Kopacz früh die Gelbe Karte.

13´: Erste gute Chance für die Blau-Weißen: Soares schlägt den Ball aus dem Halbfeld lang in den Strafraum, doch Soma Novothny rauscht knapp vorbei.

21´: TOOOOOOR! Endlich, da ist der Ausgleich. Novothny nutzt einen unsauberen Rückpass der Gäste eiskalt aus und geht dazwischen. Mit der Fußspitze befördert er den Ball zum 1:1-Ausgleich ins Tor. Sein erster Treffer für den VfL.  

24´: Thomas Reis wechselt früh: Der bereits verwarnte Losilla muss runter, für ihn kommt Robert Tesche. Riemann jetzt mit der Kapitänsbinde.

29´: Chance für die Kickers: Nach der Flanke von rechts kommt Baumann im Strafraum zum Kopfball, doch der Ball segelt drüber. Schiedsrichter Thomsen entscheidet fälschlicherweise auf Ecke. Die bringt den Kickers jedoch nichts ein.

33´: TOOOOOR! Der VfL dreht die Partie. Überragende Flanke von Novthony von der linken Seite. In der Mitte scheitert Zoller zunächst noch an Keeper Giefer, doch Danilo Soares rückt nach und hämmert den Ball rein. 

35´: Was ist das hier für ein Spiel? Sontheimer kommt nach einer zunächst geklärten Ecke aus 22 Metern frei zum Schuss und trifft. 2:2 

42´: Gute Flanke von Soares, hinten klärt Douglas vor Miloš Pantović zur Ecke.

Pause: Was für eine wilde erste Hälfte in Würzburg! Zuerst gerät der VfL früh in Rückstand, schafft es dann aber durch Tore von Novothny und Soares das Spiel zu drehen. Nur zwei Minuten später fällt der bittere Ausgleich per Distanzschuss. Alles noch offen für die zweiten 45 Minuten am Dallenberg.

46´: Ohne weitere Wechsel geht es auf beiden Seiten weiter.

48´: Der VfL kommt mit Power aus der Pause und kann auch den ersten Angriff verbuchen: Novothny spielt raus auf Zoller, doch Giefer fängt den Ball ab.  

52´: Zoller kassiert die Gelbe Karte für ein Foul an Arne Feick.  

56´: Der VfL schnuppert an der erneuten Führung. Pantović versucht es aus der Drehung, sein Schuss wird allerdings zur Ecke geblockt. Da hat nicht viel gefehlt. 

59´: Wechsel bei den Gastgebern: Toko runter, Hoffmann rauf. 

64´: Reis entscheidet sich für einen Doppelwechsel: Novothny und Pantović haben Feierabend, dafür kommen Silvère Ganvoula und Danny Blums neu in die Partie. 

68´: Der erste Schuss der Kickers aufs VfL-Tor: Riemann ist zur Stelle und entschärft Kopaczs Versuch.  

70´:  So eine gute Möglichkeit für den VfL, doch niemand ist im Rückraum, um den Ball von Gamboa zu verwerten. 

73´: TOOOOOR! Simon Zoller bringt die Bochumer wieder in Front. Eisfeld mit dem langen Ball, eigentlich für Ganvoula gedacht. Dann kommt Zoller aber dran, der dann vor eiskalt bleibt Giefer.

78´: Lampropoulos bremst Munsy und sieht gelb. 

79´: Riemann ist wieder zur Stelle und fängt den Ball von Feick im Flug. Durchatmen für alle VfLer. 

80´: Auch Raman Chibsah wird für ein Foul im Mittelfeld an Douglas verwarnt. 

81´: Die Kickers wechseln: David kommt für Hägele.

82´: Und wieder eine richtig dicke – und gut rausgespielte – Chance für die Blau-Weißen. Ganvoula auf Zoller, der hat das Auge für Blum und Eisfeld. Die beiden vertendeln dann aber den Ball.

83´: Blum packt den Ellenbogen aus und ist jetzt ebenfalls gelbverwarnt. 

90´: Und der nächste VfLer sieht den gelben Karton. Dieses Mal ist es Ganvoula. 

90´+1: Tarsis Bonga kommt nochmal für Zoller. 

90.+4: Riemann verhindert mit einer Riesentat den Ausgleich! 

Ende: Der VfL kämpft bis zum Ende und belohnt sich dafür mit drei Punkten! Damit klettern die Bochumer in der Tabelle auf den zweiten Rang. 
 

Thomas Reis (Cheftrainer VfL Bochum 1848): Ich glaube wir haben heute eine typische Zweitliga-Partie gesehen, die in Sachen Spannung alles zu bieten hatte - bis hin zur letzten Aktion, in der Manuel Riemann das Ding souverän hält. Wir sind nicht gut ins Spiel gekommen, durch die erste Unachtsamkeit macht der Gegner ein schönes Tor. Anthony Losilla hat sich leider früh die Gelbe Karte geholt, dann hatten wir etwas Glück, dass er auf dem Feld bleiben durfte. Mir war klar, dass ich den Wechsel vornehmen musste. Danach haben wir das Spiel besser in den Griff bekommen, auch wenn die Positionierung noch nicht so gut war. Wir wussten, dass Würzburg einen risikobehafteten Spielaufbau betreibt. Darin haben wir unsere Chance gesehen. Nach einem guten Ballgewinn sind wir zurück ins Spiel gekommen. In der zweiten Halbzeit haben wir es recht ordentlich gemacht. Wir haben eine gewisse Phase mit Chancen des Gegners überstanden, danach hatten wir drei, vier sehr gute Gelegenheiten. Wir haben leider den freien Mann nicht gefunden, sonst hätten wir das Spiel schon früher entscheiden können. Würzburg hat alles dafür getan, uns das Leben so schwer wie möglich zu machen. Wir haben drei Auswärtstore geschossen, deshalb kann man sagen, dass wir heute nicht unverdient drei Punkte mitgenommen haben. Bei der letzten Aktion ist mir das Herz nochmal kurz in die Hose gerutscht.

Marco Antwerpen (Cheftrainer Würzburger Kickers): Wir sind 1:0 in Führung gegangen und waren in dieser Phase auch sehr gut im Spiel. Wir haben es Bochum richtig schwer gemacht. Wir wussten natürlich, dass sie uns fußballerisch überlegen sind und immer eine gute Passqoute habe – darauf haben wir uns eingestellt. Dementsprechend war unser hohes Pressing oft erfolgreich und wir gehen verdient in Führung. Wir bekommen das 1:1 und bis dahin ist noch nichts passiert und Bochum musste dafür nichts tun. Das 2:1 war eine ähnliche Situation. Man muss sehen, dass man die Anzahl der Gegentore minimiert, sonst hat man selten die Chance, Spiele zu gewinnen. Die Krönung war das 3:2 in der zweiten Halbzeit aufgrund eines Stellungsfehlers. 

Danilo Soares (VfL Bochum 1848): Es war eine gute Woche für uns. Wir haben zweimal hintereinander drei Punkte geholt, das war wichtig. Ich hoffe, dass wir damit in den kommenden Wochen weitermachen können, denn wir haben noch viele Spiele vor uns. In der zweiten Liga musst du viel laufen und viel kämpfen, dann hast du eine Chance zu gewinnen. Das ist uns heute gelungen. 

Soma Novothny (VfL Bochum 1848): Ich bin sehr, sehr glücklich. Natürlich, weil wir heute gewonnen haben. Es war ein großer Sieg für uns, den wir mit jeder Menge Teamwork erreicht haben. Aber ich freue mich natürlich auch sehr über mein Tor. Es war mich wichtig, dass ich schnell meinen ersten Treffer erziele. Ich hoffe, dass jetzt noch viele weitere Treffer und Vorlagen folgen werden und wir so als Mannschaft weiterspielen. 

Simon Zoller (VfL Bochum 1848): Die erste Halbzeit war wild. Wir haben schnell das 2:2 kassiert, sehr unglücklich nach einem Standard. Im zweiten Durchgang haben wir alles reingeworfen. Ich habe dann ganz gut gelauert und Glück gehabt, dass er ins lange Eck gegangen ist. Wir sind ein guter Haufen, der – wie hier – auch mal dreckig gewinnen kann. Hier in Würzburg werden noch einige Mannschaften Punkte lassen, weil es hier ekelig ist zu spielen. Deshalb sind diese drei Punkte heute ungemein wichtig. 

Maxim Leitsch (VfL Bochum 1848): Uns war bewusst, dass es heute hier in Würzburg nicht einfach wird. Wir kassieren früh das Gegentor, aber kommen dann gut zurück und machen sogar das 2:1. Es war bitter, dass wir das 2:2 so schnell bekommen haben. In der zweiten Halbzeit war es dann nicht unser schönstes Spiel, aber wir haben das Tor gemacht und wichtige drei Punkte geholt.