5. Spieltag

VfL Bochum 1848VfL Bochum 1848
2: 0
FC Erzgebirge AueFC Erzgebirge Aue

So,  25.10.202013:30 Uhr2. Bundesliga

Die erste Niederlage ist abgehakt, der Blick geht nach vorn. Am 5. Spieltag ist der FC Erzgebirge Aue unser Gast im Vonovia Ruhrstadion, Anstoß ist am Sonntag, den 25. Oktober 2020, um 13:30 Uhr. Wir haben die Veilchen vor dem Duell unter die Lupe genommen. Hier kommt unser BLICK AUF:

DER TRAINER 
Für Dirk Schuster war es ein Gefühl von nach Hause kommen, als er im August 2019 sein Amt beim FC Erzgebirge Aue antrat. Geboren und aufgewachsen ist der 52-Jährige in der Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz. Doch Schuster bringt nicht nur ein Stück Heimat mit, sondern hat auch reichlich Trainer-Erfahrung im Gepäck. Über 100 Zweitliga-Spiele, rund 50 Bundesliga-Partien und über 70 Drittligapartien für die Stuttgarter Kickers, den SV Darmstadt sowie den FC Augsburg stehen in seiner Vita.  Auch seine erfolgreichste Zeit als Spieler hatte Schuster im südlichen Teil des Landes:  beim Karlsruher SC. Für die Badener absolvierte er 167 seiner 200 Bundesligaspiele und 14 Spiele im UEFA-Cup – unter anderem als Teil der Mannschaft, der das Wunder vom Wildpark gelang (7:0 gegen Valencia). Vier Spiele für die DDR-Auswahl und drei für die deutsche Nationalmannschaft schmücken seine Laufbahn außerdem. Seine Bilanz gegen den VfL ist jedoch ausbaufähig, was gerne so bleiben kann. Von sechs Vergleichen gewannen seine Mannschaften nur einen, zuletzt gab es vier Niederlagen am Stück.

DUELLE
Nicht nur Schusters Bilanz gegen den VfL ist verbesserungswürdig, auch die der Veilchen insgesamt. Was natürlich noch so bleiben kann. Die Vorjahres-Duelle mit den Lila-Weißen aus dem Erzgebirge wecken positive Erinnerung bei jedem, der es mit dem VfL hält. Beide Partien konnten Cheftrainer Thomas Reis und sein Team gewinnen, 2:0 im heimischen Vonovia Ruhrstadion (Tore: Losilla und ein Eigentor) und 2:1 in Sachsen (Eisfeld und Losilla). In der Spielzeit zuvor gelang Aue der letzte Erfolg über den VfL, ein Last-Minute-3:2 im Erzgebirgsstadion. Es war der erste nach zuvor acht Spielen ohne dreifachen Punktgewinn gegen die Blau-Weißen, die davon fünf für sich entschieden. Das wirkt sich auf die Gesamtbilanz aus: Von 20 Partien im Unterhaus verlor der VfL nur sechs, dem stehen elf Siege und drei Remis gegenüber – lediglich gegen den 1. FC Nürnberg und den VfL Osnabrück weist Bochum eine höhere Siegquote in der 2. Bundesliga auf. Auch die einzige Begegnung im DFB-Pokal endete in einem Weiterkommen der Blau-Weißen.

ZWISCHENBILANZ
Der Start in die Pflichtspielsaison ging für die Veilchen gehörig in die Hose. Im DFB-Pokal musste Aue bereits in der ersten Runde nach einem 0:2 bei Regionalligist SSV Ulm die Segel streichen. In der Liga lief der Auftakt dafür wesentlich besser an. In den ersten drei Spielen sammelten Schuster und Co. nach Siegen in Würzburg und gegen Heidenheim sowie einem Remis gegen Fürth sieben Zähler. Erst im Nachholspiel beim Hamburger SV, dass wegen Coronafällen bei den Sachsen ausfiel, gab es die erste Niederlage – beim 0:3 in der Hansestadt war Aue chancenlos.

DER EX-VfLER
Malcolm Cacutalua trug von 2014 bis 2016 das VfL-Wappen auf der Brust. In dieser Zeit kam der Leihspieler von Bayer 04 Leverkusen auf insgesamt 34 Partien für die Bochumer. Nach einem Jahr bei Arminia Bielefeld führte ihn sein Weg im Sommer 2017 ins Erzgebirge. Nach einer vielversprechenden ersten Saison wurde er durch einen Kreuzbandriss in seinem zweiten Jahr jäh ausgebremst. Die „Veilchen“ setzten weiter das Vertrauen in ihn und verlängerten seinen Kontrakt in dieser Zeit bis 2002. Das hat sich ausgezahlt: Zum Ende der vergangenen Saison entwickelte sich der heute 25-Jährige als feste Größe in der Innenverteidigung. 

DIE VEREINSIKONE
Sein 400. Pflichtspiel hat Martin Männel am vergangenen Wochenende für den FC Erzgebirge Aue absolviert. Damit ist der 32-Jährige Schlussmann, der schon seit 2008 für die Lila-Weißen spielt, unangefochtener Rekordspieler der „Veilchen“. Allzu hoch hing Männel sein Jubiläum allerdings nicht: „Es soll ja nicht das letzte Spiel sein, von daher ist es nur eine Zahl.“ Mit Sicherheit gefreut haben wird ihn allerdings, dass er sein Jubiläumsspiel mit einem 2:1-Sieg gegen Heidenheim abgeschlossen hat – und noch dazu maßgeblichen Anteil daran hatte, dass die drei Punkte im Erzgebirge blieben. 

Der Knoten ist geplatzt. Am 5. Spieltag der 2. Bundesliga holt der VfL Bochum 1848 gegen den FC Erzgebirge Aue den ersten Heimerfolg. Die Sachsen geraten nach Rizzutos Tätlichkeit früh in Unterzahl, die die Blau-Weißen in der Schlussphase durch zwei Jokertore nutzen können. Zulj sorgte für den Dosenöffner (74.), wenig später markierte Ganvoula die Vorentscheidung (82.).

Mit vier Startelf-Änderungen wartete VfL-Trainer Thomas Reis vor dem Duell mit dem FC Erzgebirge Aue auf: Chibsah und Novothny gaben ihre (Startelf)-Debüts, Pantovic und Eisfeld waren ebenfalls neu dabei. Tesche, Blum, Zulj und Ganvoula nahmen zunächst auf der Bank Platz. Aues Coach Dirk Schuster tauschte im Vergleich zur 0:3-Niederlage beim Hamburger SV doppelt: Strauß und Zolinski spielten anstelle von Samson und Krüger.

So lief das Spiel:

4. Erste Halbchance für den VfL. Mit ein wenig Glück kommt Eisfeld 20 Meter vor dem Kasten in Ballbesitz und leitet nach außen zu Pantovic. Dessen flache Hereingabe auf Novothny kommt aber nicht an.

6. Es wird gefährlicher. Einen Eisfeld-Freistoß wird von Pantovic verlängert, Männel hat aber keine Probleme, den Bogenlampen-Kopfball über die Latte zu klären. Auch die folgende Ecke wird brenzlig, nachdem Strauß das Ding per Oberschenkel knapp neben den Pfosten befördert.

8. Die Neuzugänge im Duett. Von Zoller auf die Reise geschickt flankt Chibsah von der Seitenlinie Richtung Zentrum, wo Novothny sich gegen zwei Mann durchsetzt, die Kugel aber nicht platzieren kann.

16. Der Ball zappelt im Netz, die Freude währt jedoch nur kurz. Nach einem weiteren stark getretenen Eisfeld-Freistoß bugsiert Novothny das Leder im Rutschen übe die Linie und dreht zum Premieren-Jubel ab. Doch die Fahne ist oben, er stand hauchdünn im Abseits. Noch muss er Ungar also auf seinen ersten Treffer im VfL-Trikot warten.

23. Tolles Zusammenspiel auf der rechten Seite zwischen Gamboa und Zoller. Letzter bringt nach frechem Tunnel gegen Rizzuto die Flanke Richtung Novothny, der seinen Kopfball zu hoch ansetzt. Der Ungar macht jedoch einen ordentlichen Eindruck und strahlt Gefahr aus.

26. Die erste Gelbe Karte der Partie holt sich Gamboa nach einem taktischen Vergehen gegen Zolinski. Der daraus resultierende Freistoß aus dem Halbfeld bringt Aues ersten Abschluss zu Tage, Zolinski trifft den Ball aber nicht richtig. Riemann muss nicht eingreifen.

28. Platzverweis für die Gäste aus dem Erzgebirge. Rizzutos Grätsche gegen Novothny ist zunächst noch im Rahmen. Als die Kugel weg ist und beide am Bode liegen, holzt er aber nochmal kräftig nach. Tätlichkeit. Rizzuto darf mit glatt Rot vorzeitig duschen.

30. Der folgende Freistoß rutscht bis zum langen Pfosten durch, wo Pantovic angerauscht kommt und wuchtig Richtung Tor köpft – in Männels Arme.

33. Flanke Soares, Eisfeld nimmt die Kugel mit und hält aus spitzem Winkel drauf. Ein Abwehrbein klärt zur Ecke.

44. Der Platzverweis entpuppt sich bislang noch nicht als hilfreich. Aue steht nun noch kompakter, der VfL sucht geduldig nach Lücken.

45. Soares fasst sich nochmal ein Herz und zieht aus 20 Metern ab – da hat nicht so viel gefehlt, die Kugel zischt links vorbei.

Pause: Es geht torlos in die Kabinen. Der VfL hatte hier besonders bis zum Platzverweis die Hosen an und auch einige Gelegenheiten inklusive Abseitstor. Doch seither stockt das Spiel, weil Aue sich noch weiter zurückzog und keine Ambitionen nach vorne zeigt.

52. Das muss es sein. Seit Wiederbeginn wirkt es hier wie ein Handballspiel und trotz der ultradefensiven Formation der Gäste bietet sich Zoller die 100&ige Torchance. Nach Losillas gefühlvoller Flanke kommt der Torschütze des Monats völlig blank aus fünf Metern zum Kopfball, kann das Leder aber nicht genau genug platzieren. Männel pariert.

55. Nach Ecke Eisfeld und Verlängerung Novothny lauert Leitsch am langen Pfosten, der Winkel ist aber zu spitz. Immerhin noch eine Ecke.

58. Nächstes dickes Ding. Losilla hatte schon eine aussichtsreiche Position, nachdem Gamboas Flanke unzureichend geklärt wurde. Doch statt selbst zu schießen, nimmt Toto noch Pantovic mit, der keinen druckvollen Abschluss produzieren kann.

59. Aue mit einem seiner ganz seltenen Vorstöße. Am Ende steigt Fandrich hoch, kommt aber nur halb dran – keine Gefahr.

60. Schuster wechselt und will für mehr Tempo in der Spitze sorgen. Testroet geht runter, Krüger neu dabei. Beim VfL machen sich derweil Blum und Zulj bereit.

63. Und da vollzieht Reis den Doppelwechsel. Chibsah und Zoller verlassen das Spielfeld.

65. Blums erste Ecke bringt Gefahr, am Ende zieht Pantovic ab. Am langen Pfosten vorbei.

70. Gelb für Riese, der Zulj bei einer guten Umschaltaktion zu Fall bringt.

71. Nächster VfL-Wechsel. Nach gutem Auftritt macht Novothny Platz. Ganvoula solls in der Schlussphase richten. Auch die Gäste tauschen, Zolinski muss für Zulechner weichen.

74. TOOOR für den VfL – 1:0. Der Joker sticht! Eisfeld will eigentlich für Pantovic durchstecken, Gonther hält den Fuß rein und „bedient“ damit Zulj. Der spielt einen unorthodoxen Doppelpass mit Pantovic und lässt sich diese Gelegenheit dann nicht nehmen. Murmeltor, aber egal. Drin das Ding.

82. TOOOR für den VfL – 2:0. Eine traumhafte Kombination über links führt zum zweiten Jokertor. Soares, Blum und Zulj mit zauberhaftem One-Touch-Fußball über außen, Blums scharfe Hereingabe drückt Ganvoula in der Mitte rein. So schön kann Fußball sein.

87. Wechsel bei Aue. Gnjatic ersetzt Hochscheidt.

89. Auch Reis nutzt seine letzte Wechseloption und bringt Tesche für Eisfeld.

90. Blum versucht Männel beim Freistoß zu überraschen, der Versuch auf den kurzen Pfosten ist jedoch nicht platziert genug.

90.+2 Beinahe das nächste Jokertor, doch Blums Lupferversuch trudelt neben den Kasten.

Ende: Es war ein Geduldsspiel gegen einen ziemlich destruktiven Gegner aus Aue, der nach der Roten Karte gar keine Ambitionen mehr nach vorn entwickelte. Dank des goldenen Händchens

Thomas Reis (Trainer VfL Bochum 1848): „Für uns war nach der teilweise berechtigten Kritik der letzten Woche eine gute Reaktion sehr wichtig. Wir haben viel besser gemacht als letzte Woche. Aue war super eingestellt und zweikampfstark, damit haben sie es uns schwergemacht. Wir haben die Räume nicht immer gut genutzt und hatten trotzdem ein paar Chancen. Nach der Pause wollten wir früh das Tor machen und vergeben wieder 100-prozentige Chancen. Der Dosenöffner war irgendwie symptomatisch. Aber die Jungs haben Vollgas gegeben und den Sieg nach Hause gefahren. Darüber sind wir glücklich. Jetzt können wir uns kurz freuen, dann Mund abwischen und ab nach Würzburg.“

Dirk Schuster (Trainer FC Erzgebirge Aue): „Nach der Niederlage in Hamburg haben wir uns für heute einiges vorgenommen und waren defensiv ordentlich in der Partie drin. Im Spiel nach vorn konnten wir nicht den nötigen Zug zum Tor entwickeln. Mit der Roten Karte haben wir etwas umgestellt, um den Zugriff beibehalten zu können. In Sachen Kampf, Moral und Einsatzbereitschaft haben wir heute viel gezeigt gegen einen spielstarken VfL. Mit Einbahnstraßenfußball war in Halbzeit zwei zu rechnen, gerade da Bochum nach der Niederlage in Braunschweig unter Zugzwang stand. Mit Glück und Geschick haben wir trotz brenzliger Szenen lange alles wegverteidigt. Da ist es umso ärgerlicher, durch so ein Murmeltor in Rückstand zu geraten. Das ist bitter, weil wir was mitnehmen wollten, aber es sollte nicht sein. Der Sieg des VfL geht in Ordnung.“

Robert Zulj (VfL Bochum 1848): „Wir haben uns schon etwas schwergetan. Nach der Roten Karte war klar, dass wir auf Angriff und das erste Tor gehen müssen. Aue hat es über lange Zeit gut gemacht. Wir wussten aber, dass wir mit der Zeit Chancen kriegen werden und zum Glück habe ich eine genutzt. Mit der Führung waren wir befreiter und hatten weitere Chancen. Das Tor war sehr wichtig.“

Silvère Ganvoula (VfL Bochum 1848): „Ich bin vor allem sehr froh über den Sieg. Dass ich reingekommen bin und ein Tor gemacht habe, freut mich natürlich auch. So können wir alle glücklich nach Hause gehen. Ich habe mir zu Herzen genommen, was der Trainer mir vor dem Spiel gesagt habe und gearbeitet. Der Rest kommt dann von allein.“