32. Spieltag

VfL Bochum 1848VfL Bochum 1848
5: 1
SSV Jahn RegensburgSSV Jahn Regensburg

So,  09.05.202113:30 Uhr2. Bundesliga

Rein von den Ergebnissen her treffen wir am Wochenende nicht unbedingt auf unseren Lieblingsgegner. Der Jahn kommt vorbei. Es gilt, endlich mal ein Heimspiel gegen die Regensburger erfolgreich zu gestalten. Als Vorbild dient das Hinspiel. Mit 2:0 setzte sich der VfL damals durch. Was es noch Wissenswertes zu unserem kommenden Gegner gibt, das lest ihr wie immer in unserem BLICK AUF:

DER TRAINER
Coach Mersad Selimbegovic ist trotz seiner erst 39 Lenzen bereits ein echtes Jahn-Urgestein, kaum jemand verkörpert die Regensburger DNA so sehr wie der Coach, der bereits seit 15 Jahren in Oberising aktiv ist. Erst als Spieler, dann arbeitete er sich über die Jugendabteilung auf die Cheftrainer-Position hoch. In seiner ersten Saison als Verantwortlicher schaffte er den souveränen Klassenerhalt und auch in dieser Spielzeit müsste noch einiges schiefgehen, dass dies dem Jahn nicht erneut gelingt. Gegen den VfL geht der Bosnier in seine 70. Partie als Cheftrainer.

DUELLE
Keine allzu gute Bilanz in bislang zehn Pflichtspielen kann der VfL gegen die Oberpfälzer vorweisen. Die Hälfte der Spiele ging an den SSV Jahn, bei zwei Punkteteilungen konnten die Blau-Weißen demzufolge lediglich drei der Vergleiche für sich entscheiden. Darunter das 2:0 im Hinspiel in Regensburg, welches durch einen späten Geistesblitz von Robert Žulj und Torschütze Simon Zoller sowie einen traumhaften Freistoß von Thomas Eisfeld entschieden wurde. Übel sieht es derweil bis dato an der Castroper Straße aus: Hier konnte der VfL noch kein einziges Pflichtspiel gegen den anscheinend ungern gesehenen Gast gewinnen. In vier Spielen im Vonovia Ruhrstadion gab es zwei Punkteteilungen und zwei Niederlagen. Zeit, dass sich das ändert.

ZWISCHENBILANZ
Mit einem der geringsten Etats ausgestattet, ging und geht es für den SSV Jahn Regensburg in dieser Spielzeit ausschließlich um den Klassenerhalt. Dahingehend sind die Bayern auf einem guten Weg. Ganz in trockenen Tüchern ist ein weiteres Jahr in der 2. Bundesliga aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Fünf Punkte Vorsprung sowie ein Nachholspiel in der Hinterhand sollten aber im Normalfall bei drei ausbleibenden Spieltagen reichen. Doch was ist im Fußball schon normal? Dabei bewegte sich Regensburg nach solidem Start mit 15 Punkten aus den ersten zehn Spielen ab da dauerhaft zwischen den Rängen elf und 14 – der Platz, den der Jahn auch vor dem Duell mit dem VfL noch innehat und den er unabhängig vom Ergebnis auch nach dem Spiel belegen wird.

Ein weiterer wichtiger Schritt ist gemacht! Der VfL Bochum 1848 hat das Heimspiel gegen den Jahn aus Regensburg mit 5:1 gewonnen! Nach Rückstand drehten die Blau-Weißen noch vor dem Halbzeitpfiff durch Tesche und ein Eigentor den Spielstand. Nach dem Seitenwechsel erhöhten Holtmann, Zulj und Ganvoula für die Reis-Elf!

Drei Spiele verbleiben, um den großen Traum vom Fußball-Oberhaus zu realisieren, die erste Partie der Saisonschlussphase beschert dem VfL am 32. Spieltag ein Heimspiel gegen den unangenehmen SSV Jahn Regensburg. In vier Partien im Vonovia Ruhrstadion gegen die Bayern blieben die Blau-Weißen bis hierhin sieglos, mit einer Änderung in der Startelf will Cheftrainer Thomas Reis diese Serie durchbrechen. Cristian Gamboa muss verletzungsbedingt kurzfristig passen, Tarsis Bonga feiert dafür sein Startelf-Debüt in flutlichtblau. Herbert Bockhorn rückt auf die Rechtsverteidigerposition, Bonga übernimmt Bockhorns Part davor. Erfreulich News gibt’s von Vasilios Lampropoulos, der erstmals seit langem wieder zum Spieltagskader gehört.

So lief das Spiel:

5‘: Erste Torannäherung durch Gerrit Holtmann nach dem Abtasten in den Anfangssequenzen, doch sein Schuss missrät völlig und kullert ins Toraus.

11‘: Nun auch die erste Aktion mit richtig Potenzial. Holtmann erzwingt den Ballverlust und bringt dann per Einwurf Robert Zulj ins Spiel. Der hat in der Mitte Bonga und Simon Zoller als Optionen, seine Hereingabe ist jedoch für keinen von beiden erreichbar.

14‘: Der VfL erarbeitet sich peu à peu ein Übergewicht und versucht immer wieder, durch frühes Pressing Ballgewinne zu schaffen. Noch ohne durchschlagenden Erfolg.

15‘: Beste Chance bisher. Zulj nimmt auf rechts Bonga mit, der den Kopf oben hat und den mitgeeilten Anthony Losilla bedient. Der prüft Jahn-Schlussmann Alexander Meyer, erste Ecke für den VfL.

16‘: Bei der folgenden Ecke ist mal wieder Robert Tesche involviert, sein Kopfball gerät jedoch zu hoch.

17‘: Druckphase. Diesmal geht es von Zulj über links zu Holtmann, Zoller verpasst dessen scharfe Hereingabe um einen Schritt.

20‘: Jetzt geht’s auch beim Jahn nach einem Bochumer Ballverlust schnell. Jan-Niklas Beste ist am Ende links mit viel Platz unterwegs und hat auch Optionen in der Mitte, sein Ball wird jedoch stark von Danilo Soares bereinigt. Aufpassen.

23‘: Jan-Marc Schneider kommt am Sechzehner an den Ball, kann sich jedoch nicht in gute Schussposition bringen. Da war was drin, doch der VfL kriegt die Szene unter Kontrolle.

23‘: Scott Kennedy stoppt Zulj in aussichtsreicher Konterlage regelwidrig und sieht zurecht den Gelben Karton. Den fälligen Freistoß tritt der Gefoulte selbst, der zentrale Aufsetzer stellt aber kein Problem für Meyer dar.

26‘: Tor für Regensburg – 0:1. Die Gäste gehen in Front und natürlich war es Lebensversicherung Andreas Albers. Schneider hat im Zentrum zu viel Platz und nimmt links Beste mit. Dessen Flanke kommt perfekt für Albers, der Maxim Leitsch überspringt und wuchtig einköpft. Drewes ist ohne Abwehrchance.

29‘:  TOOOOOOR für den VfL – 1:1. Was für eine Reaktion! Holtmann spielt das Leder quer zu Tesche, der nur kurz schaut und das Spielgerät dann aus gut 25 Metern traumhaft in den linken Winkel donnert. Unglaublich, dieser Typ. Schon Saisontor acht für Tesche.

33‘: Reichlich Platz für Soares und in der Mitte lauern Zoller und Bonga. Die Flanke kommt jedoch einen Tick zu weit für beide.

38‘:  TOOOR für den VfL – 2:1. Zack, Spiel gedreht und wieder ist Tesche beteiligt – diesmal als Vorbereiter. Von Strafraumeck bringt er die feine Flanke, die am langen Pfosten Beste überrascht. Der Jahn-Linksverteidiger kriegt, bedrängt von Bonga, den Fuß nicht mehr weg und bugsiert die Kugel ins eigene Tor. Nehmen wir auch.

42‘: Zehn Minuten nach der eigenen Führung steht der Jahn plötzlich unter Zugzwang. Kaan Caliskaner kommt aus der zweiten Reihe zum Schuss, Drewes macht sich lang und schnappt problemlos zu.

Pause: Während sich der VfL Stück für Stück in die Partie arbeitete und gerade zunehmend am Drücker war, schlugen die Gäste mit der ersten richtigen Chance eiskalt zu. Doch der VfL konnte prompt durch Tesches Rakete ausgleichen und kurz darauf sogar die Führung durch Bestes Eigentor erzwingen. 15 Minuten sammeln und dann die drei Punkte nach Hause bringen.

46‘: Ohne VfL-Wechsel geht’s in die zweiten 45 Minuten. Regensburg tauscht hingegen einmal. Albion Vrenezi bleibt in der Kabine, Haralambos Makridis übernimmt.

53‘: Taktisches Foul von Losilla, das gibt die Verwarnung von Sascha Stegemann. Es ist die zehnte, damit fehlt der Kapitän in Nürnberg.

54‘: Die Mega-Konterchance, ermöglicht durch Holtmanns klasse Einsatz und der folgenden Balleroberung. Zoller kriegt die Kugel und will auf den völlig blanken Zulj durchstecken, doch Beste bekommt den Fuß dazwischen.

59‘: Platzverweis für die Gäste. Benedikt Saller steigt Holtmann ohne Chance auf den Ball mit offener Sohle in die Wade. Stegemann wird zum Monitor geschickt und entscheidet sich nach Videostudium für die Rote Karte. Hart, aber vertretbar.

61‘:  TOOOR für den VfL – 3:1. Der VfL nutzt die numerische Überzahl nach gerade Mal zwei Minuten eiskalt aus. Zulj dribbelt mit Tempo an durch das Zentrum und ermöglicht so ein 3 gegen 2. Er entscheidet sich für den Querpass zu Holtmann, Zoller hatte auch Raum. Gute Entscheidung, denn der Flügelflitzer bleibt vor Meyer cool und schiebt durch die Hosenträger des Jahn-Keepers zum 3:1 ein. YES!

62‘: Mersad Selimbegovic reagiert: Schneider raus, Florian Heister rein.

70‘: Die Schlussphase bricht so langsam an und der VfL hat natürlich alle Trümpfe in der Hand. Zwei Tore Vorsprung, ein Mann mehr auf dem Platz und momentan kontrollieren Reis‘ Mannen das Geschehen hier souverän. Nur nicht leichtsinnig werden, dann ist der Weg zu den nächsten drei Zählern nicht mehr weit.

73‘: Doppelwechsel von Reis. Tesche, Schütze des wichtigen 1:1, geht angesichts seiner vier Gelben Karten raus. Da ja schon Losilla nächste Woche gesperrt fehlt, eine Vorsichtsmaßnahme. Thomas Eisfeld nimmt seinen Platz ein. Außerdem ersetzt Silvère Ganvoula Bonga. Zoller rückt nach rechts.

75‘: Auch Regensburg wechselt. Albers verlässt das Feld, für ihn ist David Otto frisch dabei.

78‘:  TOOOR für den VfL – 4:1. Es klingelt erneut im Regensburger Netz. Eisfeld bringt den Freistoß an den zweiten Pfosten, wo Losilla mit dem langen Bein reinrutscht. Seinen Versuch kann Meyer zwar noch parieren, gegen den Nachschuss des alleingelassenen Zulj ist er aber machtlos. Das dürfte es gewesen sein.

82‘: Dritter VfL-Wechsel. Holtmann macht Platz für Milos Pantovic.

84‘: Doppelter Doppelwechsel, beide Trainer ziehen die letzten Optionen. Zulj und Armel Bella Kotchap gehen beim VfL runter, sie werden durch Erhan Masovic und Saulo Decarli ersetzt. Beim Jahn kommen Jann George sowie Björn Zempelin für Max Besuschkow und Caliskaner.

87‘: Die Partie trudelt aus, der Drops anne Castroper ist gelutscht.

89‘: Ecke von Eisfeld, in der Mitte steigt Ganvoula hoch und hat die gute Chance, trifft den Ball aber nicht im richtigen Winkel. So fliegt er deutlich vorbei.

90‘: Elfmeter für den VfL. Bockhorn dringt in den Strafraum ein und wird von Beste gelegt.

90‘:  TOOOR für den VfL – 5:1. Der Schlusspunkt. Ganvoula tritt aus elf Metern an und versenkt wuchtig unten rechts. Meyer hat’s geahnt, der war aber zu platziert. Sofort danach pfeift Stegemann ab.

Ende: Starker Auftritt des VfL, der die richtige Reaktion auf den Rückstand zeigte und das Ergebnis dann in der zweiten Halbzeit nah oben schraubte. Knackpunkte waren die Rote Karte für die Gäste und das unmittelbar folgende 3:1 von Holtmann. Durch diesen Sieg ist der Reis-Elf der Relegationsrang nicht mehr zu nehmen, in der kommenden Woche hat der VfL dann seinen ersten Matchball zum Aufstieg. Ein Sieg noch, Jungs!

 

Thomas Reis (Trainer VfL Bochum 1848): „Wenn man 5:1 gewinnt, könnte man meinen, alles war sehr gut. Aber ich bin auch dafür bekannt nach dem Haar in der Suppe zu suchen. Wir sind ganz gut reingekommen und hatten kleine Möglichkeiten. Wir wussten, dass Regensburg nach langen und zweiten Bällen über Albers sehr gefährlich ist. Einmal waren wir dann nicht wach genug, aber in dieser Saison ist es so, dass die Mannschaft das manchmal braucht. Der Ausgleich war sehr hilfreich. Die Rote Karte hat auch geholfen, aber wenn man sieht, wie die Mannschaft darauf reagiert hat und seriös weitergespielt hat, dann war der Sieg auch in der Höhe in Ordnung. Wir sind einfach glücklich, dass wir die Tür noch weiter aufgeschlagen haben. Aber es sind noch zwei Spiele und wir brauchen noch Punkte. Heute können wir aber stolz sein, dass wir wieder zurückgekommen sind. Es ist ein Stück noch zu gehen, aber mir ist nicht bange.“

Mersad Selimbegovic (Trainer SSV Jahn Regensburg): „So wie wir aufgetreten sind, das ist nicht zu akzeptieren. Da muss sich jeder hinterfragen, ob er verdient in dieser Liga spielt. Wir werden das in den kommenden Tagen analysieren. Wir sind auch nicht besonders gut reingekommen und trotzdem in Führung gegangen. Dann ging’s schnell, ein Sonntagsschuss zum Ausgleich. Symptomatisch für uns, dass wir in dieser Phase aus der zweiten Chance das 1:2 selbst machen. In der zwiten Halbzeit sah es nicht so schlecht aus, doch dann gab es die Rote Karte. Wir haben es dann nicht mehr geschafft, dagegenzuhalten.“

Tarsis Bonga (VfL Bochum 1848): „Es hat sehr viel Spaß gemacht auf dem Platz zu stehen und von Anfang an spielen zu dürfen. Ich bin sehr froh, auch wenn ich noch viel Verbesserungsbedarf habe. Aber ich glaube, heute bin ich gut reingekommen. Das hat Lust auf mehr gemacht. Der Sieg ist natürlich sehr wichtig, wir wollten Regensburg von Beginn an keine Chance lassen. Das haben wir gemacht und genauso wollen wir es in Nürnberg machen.“

Robert Tesche (VfL Bochum 1848): „Bei einem 5:1 ist es immer ein geiles Gefühl. Es war ein ganz wichtiger Schritt für uns. Für mich und uns ist es aktuell eine super Phase, wir brauchen die Tore und die Punkte. Die nehmen wir gerne mit. Wir freuen uns auch für die Fans, die uns hier mit Hupkonzerten unterstützen. Schade, dass sie nicht hier sein können. Jetzt kommt in Nürnberg ein ganz schweres Spiel auf uns zu und auch das wollen wir gewinnen.“

Gerrit Holtmann (VfL Bochum 1848): Am Anfang war es heute sehr schwierig. Wir wollten nach der Niederlage in Darmstadt hier unbedingt gewinnen, Regensburg hat es aber ziemlich gut gemacht. Es war wichtig, den Rückstand noch vor der Pause zu drehen und dann so gut aus der Halbzeit zu kommen. Die Rote Karte hat es natürlich vereinfacht. Die Erleichterung ist groß und wir sind stolz.“