32. Spieltag

FC Erzgebirge Aue
1: 2
VfL Bochum 1848VfL Bochum 1848

Mi,  17.06.202018:30 Uhr2. Bundesliga

In dieser Saison blühen die Veilchen nur in der Heimat. Da aber so richtig. 10 von 15 Heimspielen konnte Erzgebirge Aue bis dato gewinnen. Gut, dass der VfL auch in der Ferne aktuell einen Lauf hat. Wir blicken auf die bisherige Bilanz zwischen Blau-Weiß und Lila-Weiß und beleuchten ein wenig die Geschichte unseres drittletzten Gegners in dieser Saison.

HEIMAT
Was verbindet Bochum und Aue? Ja klar, die gemeinsame Bergbautradition! Die Heimat unseres kommenden Gegners liegt im Talkessel der Zwickauer Mulde und galt bis zum Ende des 20. Jahrhunderts als bedeutende Bergbau- und Industriestadt. Diese Tradition wird gelebt, schon alleine erkennbar an den vielen Merkmalen im und um das Erzgebirgsstadion herum. Aue ist übrigens seit Anfang 2019 offiziell ein Teil der Großen Kreisstadt Aue-Bad Schlema und gehört zum Städtebund Silberburg. Man sieht, Aue an sich ist beschaulich. In fußballerischer Hinsicht aber schaffen es die Veilchen seit nun mehr einem Jahrzehnt (bis auf eine einjährige Ausnahme), sich in Liga zwo durchzubeißen.   

STADION
„Die Macht im Schacht“: Dieser Spruch prangt unweigerlich jedem Besucher Aues entgegen, schließlich „verschönert“ er die Unterführung einer Bundesstraße, die auswärtige Fans auf dem Weg zum Erzgebirgsstadion passieren müssen. Dass die Heimspielstätte des FCE mehr Plätze (16.485) als Aue Einwohner hat (16.012, Stand: Dezember 2017), ist sicher bemerkenswert. Seit dem jüngsten Umbau verfügt das Erzgebirgsstadion über jenen Komfort, den sich die alteingesessenen Fans der „Veilchen“ schon früher gewünscht hätten, zum Beispiel eine Komplettüberdachung. Ursprünglich kickte Aue im Städtischen Stadion Aue, das 1950 in Otto-Grotewohl-Stadion umbenannt wurde und zu Spitzenzeiten bis zu 25.000 Zuschauern Platz bot.

OST-TRADITION
„Aue, immer wieder Aue, immer wieder Wismut Aue“: So geht der Refrain der Vereinshymne, die aus zigtausend Veilchen-Kehlen dröhnt. Der FC Erzgebirge Aue in seiner heutigen Form existiert seit dem 14. Januar 1990. Der Vorgängerverein BSG Wismut Aue hatte diverse Namensänderungen zu verzeichnen: Gegründet als BSG Pneumatik Aue (1949) und fortgeführt als BSG Zentra Wismut Aue (1950) erhielt die BSG Wismut Aue 1951 zum ersten Mal jenen Namen, unter dem sie vier Jahrzehnte erfolgreich in der DDR-Oberliga, der höchsten ostdeutschen Spielklasse, kicken sollte. Länger als Wismut Aue (von 1954 bis 1963 unter dem Namen SC Wismut Karl-Marx-Stadt vertreten) hat kein anderes Team der DDR-Oberliga am Stück angehört.

DIE GOLDENE ZEIT
Gleich in der ersten Saison in der nach dem Zweiten Weltkrieg neugegründeten DDR-Liga konnte sich Aue den Meistertitel sichern. Die Blütezeit lag sicher in den Fünfzigern, als die BSG Wismut viermal die Meisterschaft gewann (1955, 1956, 1957, 1959) und in der Saison 1954/55 FDGB-Pokalsieger wurde. Zudem erreichte man 1959 im Europapokal der Landesmeister das Viertelfinale.

DER TRAINER
Dirk Schuster und der FC Erzgebirge Aue – das passt. Als Außenstehender hat man den Eindruck, dass der kernige Ex-Profi genau die Mentalität verkörpert, die im Erzgebirge gefragt ist. Fußball arbeiten, das konnte Schuster schon zu seiner aktiven Zeit. Sein zweites Intermezzo in Darmstadt – in der ersten Amtszeit spülte Schuster die Lilien bis in die Bundesliga – verlief nicht mehr wie erhofft. Im Februar 2019 trennten sich die Wege vorzeitig. Seit dem 26. August des Vorjahres ist der gebürtige Karl-Marx-Städter nun beim FCE.

DUELLE
20 Mal – 19 Mal in der Liga, 1 Mal im Pokal – trafen der VfL und die Veilchen bislang aufeinander. Die Bilanz spricht für uns. 11 Bochumer Siegen stehen 3 Unentschieden und 6 Aue-Erfolge gegenüber. Auch im Hinspiel behielten die Blau-Weißen anne Castroper die Oberhand. Bei einem insgesamt überlegenen Auftritt der Reis-Elf dauerte es bis zur 61. Minute, ehe der Capitano den VfL in Führung bringen konnte. Eng blieb es trotzdem bis zum Schlusspfiff. Erst in der Nachspielzeit half Aues Samson bei einem Bochumer Konter mit und bugsierte den Ball zum 2:0-Endstand über die Linie. Erwähnenswert ist auch noch das 6:0 des VfL gegen Aue aus dem Dezember 2011, stellte dieses Ergebnis doch den höchsten Sieg der Vereinsgeschichte ein.

DIE BILANZ
Parallele zu unserem Gegner vom Wochenende, nicht nur, was die Farbgebung betrifft. Aue spielte eine enorm starke Hinrunde, klopfte sogar punktemäßig an die Aufstiegsplätze zur Bundesliga an. Im Jahr 2020 läuft es nicht mehr ganz so rund. Drei Siege stehen seit dem Jahreswechsel zu Buche. Zuletzt konnten die Veilchen durch ein 1:0 gegen den KSC zwar das Runder wieder in die richtige Richtung reißen und den vorzeitigen Klassenerhalt so gut wie perfekt machen, doch am vergangenen Sonntag musste sich die Schuster-Elf dann wieder geschlagen geben. 1:2 hieß es beim FC St. Pauli. Die eklatante Auswärtsschwäche – erst eine Partie in der Ferne, und zwar am 1. Spieltag, konnte gewonnen werden – verbaute Aue eine bessere Position. Gut für uns, wir durften nämlich am letzten Spieltag in der Tabelle an den Veilchen vorbeiziehen. Darf auch gerne nach unserem Gastspiel am Mittwoch im Erzgebirgsstadion noch der Fall sein! Glück auf!

 

Es läuft und läuft und läuft! Der VfL Bochum 1848 hat am Mittwochabend im Erzgebirge den dritten Sieg in Serie gefeiert! Thomas Eisfeld (29.) und Anthony Losilla (43.) ebneten im ersten Durchgang den Weg zum nächsten Auswärtserfolg. Nach der Pause agierte der VfL clever, Aue kam in der Schlusssekunde nur noch zum Ehrentreffer. Die Serie geht weiter!

Drei Wechsel nahm Thomas Reis an diesem 32. Spieltag vor. Robert Tesche, Robert Zulj und Cris Gamboa bekamen eine Verschnaufpause, Vita Janelt, Thomas Eisfeld und Stefano Celozzi rotierten in die erste Elf. Mit Erfolg. Rein ins Spielgeschehen:

2. Aue macht den Auftakt. Feiner Spielzug, scharfe Hereingabe - Soares klärt zur Ecke!

15. Die Anfangsphase gehört dem Gastgeber. Hochscheidt kann abziehen. Der Ball tickt noch kurz hoch, so ist ordentlich Schmackes dahinter. Aber Riemann packt zu.

22. Ganz stark gespielt! Feiner Doppelpass von Jordi und Cello, flache Hereingabe. Wintzheimer will mit der Hacke hin, bleibt aber hängen!

28. Celozzi schickt Wintzheimer, der kommt auch vor Jendrusch dran, kann die Kugel aber nur noch ein bisschen am Keeper vorbeispitzeln! Reicht aber nicht.

30.  TOOOOOOR! War das wieder stark von diesem Osei-Tutu! Der Junge geht steil, lässt seinen Gegenspieler ins Leere laufen, sieht den freien Eisfeld! Und unsere Nummer 10 schweißt das Gerät ein! Mega!

37. Riemann, du Teufelskerl! Hochscheidt mit starkem Abschluss, der Keeper mit noch stärkerer Parade!

43.  TOOOOOOOR! Wieder eine starke Freistoßflanke! Aue bringt den Ball selbst nochmal rein, Toto Losilla ist dann eher am Ball als Jendrusch und macht das Dingen weg!

Halbzeit: Uns kann grad irgendwie keiner was. 2:0 VfL. Eisfeld, nach Monaten mal wieder von Beginn an auf dem Feld, knallt das Spielgerät zur Führung rein. Der unermüdliche Losilla erhöht kurz vor der Pause. Es läuft einfach!

55. Aue will nach dem Wechsel, kann aber nicht so richtig. Wir machen das hier ganz clever.

66. Kempe zimmert drauf, leicht verdeckt auch noch! Aber Manu mit einer Hand! Ganz stark!

71. Die ersten Wechsel beim VfL. Robert Zulj und Tom Weilandt kommen für Eisfeld und Osei-Tutu.

75. Wir wechseln erneut. Janelt geht, Robert Tesche kommt ins Spiel!

79. Aue kommt nochmal! Nazarov wieder, ganz starke Tat von Riemann!

83. Jetzt kommt auch Gamboa ins Spiel, Celozzi geht!

85. Wir machen das weiterhin richtug gut. Aue kommt nicht durch, viele Angriffsversuche versanden oder landen in den Armen von Riemann.

86. Samson foult, und auch das ist gelbwürdig! Platzverweis! Aue nur noch zu Zehnt!

88. Oha. Platzverweis für Pantovic. Tritt gegen Nazarov. Es geht mit Zehn gegen Zehn weiter.

90. Vier Minuten obendrauf hier.

90.+4 TOR! Anschlusstreffer Aue. Irgendwie reingehackt von Kupusovic. Egal, nur noch Sekunden auf der Uhr.

Ende: Feierabend! DER NÄCHSTE SIEG! Wir gewinnen auch im Erzgebirge! 7 Spiele nach dem Re-Start. 5 Siege, 2 Remis. Wir marschieren hier durch die Liga und sind einfach nur stolz!

Thomas Reis (Cheftrainer VfL Bochum 1848): Wir sind glücklich, dass wir die Serie fortsetzen konnten. In der Anfangsviertelstunde waren wir nicht richtig auf dem Platz. Da hat uns Aue das Leben schwer gemacht, wir waren auch in der Offensive nicht präsent. Da war unser Spiel zu statisch. Die Mannschaft hat es dann besser gemacht, wir hatten mehr Läufe in die Tiefe. Auch beim Tor, das war der Dosenöffner heute. Nach dem Wechsel wollten wir weiter nach vorne spielen und die Führung nicht nur verwalten. Wir haben zwar gut verteidigt, aber selbst zu viele lange Bälle nach vorne gespielt. Insgesamt denke ich aber schon, dass wir hier verdient drei Punkte mitgenommen haben.

Dirk Schuster (Cheftrainer Erzgebirge Aue): Glückwunsch zum Sieg Thomas. Ob verdient oder unverdient, das lasse ich mal etwas offen. Ich glaube schon, dass wir Bochum überraschen konnten. Unsere Ausrichtung war offensiv, wir haben vorne attackiert und uns die ersten Möglichkeiten erspielt. Mit dem ersten richtig gut vorgetragenen Konter geht der VfL in Führung. Das machen sie stark. Danach waren wir etwas geschockt. Wir haben uns in der Pause vorgenommen, das Dingen noch umzubiegen. Einige Chancen waren auch da, wir standen defensiv gut, hatten mehr Torschüsse als der Gegner. Die Bereitschaft und Mentalität waren da. Aber es war auch die hohe Qualität des Gegners gesehen, das war schon teilweise beeindruckend. Mit der Leistung bin ich zufrieden, mit dem Ergebnis nicht. Wir haben den Klassenerhalt, das freut uns natürlich.

Thomas Eisfeld (VfL Bochum 1848): Es war ein sehr schwieriges Spiel, in das wir nicht gut hereingefunden haben. Wir hatten zunächst keinen richtigen Zugriff, haben auch wenige zweite Bälle gewonnen. Nach etwa 20 Minuten wurde es besser, in Ballbesitz haben wir dann bessere Lösungen gefunden. Mit der ersten richtigen Chance machen wir direkt das Tor, legen zum Glück auch schnell nach. Das hat uns in die Karten gespielt. In der zweiten Halbzeit haben wir als Mannschaft sehr gut gearbeitet und verteidigt. Man hat gemerkt, dass wir uns in einer Englischen Woche befinden und uns etwas die Spritzigkeit fehlte. Aber insgesamt war es verdient, dass wir die drei Punkte mit nach Hause nehmen können. Ich habe mich natürlich über mein Tor gefreut und dass ich damit dem Team helfen konnte. Ich stand lange nicht mehr in der Startelf. In den letzten Monaten habe ich im Training trotzdem immer Vollgas gegeben, heute konnte ich mich dafür belohnen.

Anthony Losilla (VfL Bochum 1848): Für mich ist es noch immer etwas Außergewöhnliches, wenn ich Tore erziele. Dieses Jahr bin ich in der Hinsicht schon sehr erfolgreich, das freut mich natürlich. Aber wichtiger sind natürlich die drei Punkte. Heute haben wir es wieder gut gemacht, obwohl wir ein paar Minuten gebraucht haben, um ins Spiel zu kommen. Momentan macht es einfach richtig Spaß, so einen Fußball zu spielen. Man merkt, dass die Abläufe derzeit passen, wir haben es offensiv und defensiv wieder gut gemacht. Wir können zufrieden sein. Es war ein hektisches Spiel, am Ende kommen noch zwei Rote Karten dazu. Trotzdem hatten wir die Sache im Griff, auch wenn wir den Gegentreffer zum Schluss bekommen haben. Wir haben noch genug Körner im Tank für die letzten zwei Spiele, darauf freue ich mich jetzt nochmal!

Manuel Riemann (VfL Bochum 1848): Die Freude über den Auswärtssieg und der Ärger über den späten Gegentreffer halten sich bei mir in der Waage. Ich glaube, dass wir die erste Viertelstunde gebraucht haben um ins Spiel zu kommen, danach wurde es deutlich besser. In Halbzeit zwei haben wir oft zu einfach den Ball hergegeben. Wir saßen gestern lange im Bus, es war warm im Stadion – da fällt es nicht mehr ganz so leicht. Unterm Strich ist der Sieg für uns aber okay.

Milos Pantovic (VfL Bochum 1848): Natürlich freue ich mich riesig über die nächsten drei Punkte. Allerdings muss ich mich für meine Rote Karte kurz vor Schluss bei der Mannschaft entschuldigen. Ich wollte den Konter unterbinden, aber dabei natürlich nicht den Gegner verletzen. Das war so natürlich keine Absicht und tut mir leid. Ich hoffe, dass die Sperre nicht lang ausfallen wird, sodass ich der Mannschaft in Hannover noch einmal helfen kann.