30. Spieltag

VfL Bochum 1848
2: 0
FC St. PauliFC St. Pauli

Fr,  05.06.202018:30 Uhr2. Bundesliga

Nach der Corona-Pause ist der VfL Bochum 1848 noch immer unbesiegt. Zwei Siege und zwei Remis konnte das Team von Chefcoach Thomas Reis seit dem Re-Start einfahren, beide Dreier wurden dabei im Vonovia Ruhrstadion geholt. Diese Serie soll möglichst am Freitagabend weitergehen, wenn der FC St. Pauli vor leeren Rängen zu Gast anne Castroper ist. Hier blicken wir auf den kommenden Gegner:

HEIMAT

St. Pauli ist der Kultstadtteil Hamburgs. Ob die Vergnügungsmeile auf der Reeperbahn, die Landungsbrücken oder der Hafen: St. Pauli hat viel zu bieten und zieht viele Menschen in seinen Bann, jährlich gesellen sich Millionen Touristen und Messebesucher zu den knapp 22.000 Einwohnern. St. Pauli prägen aber auch diverse andere Orte, wie der Heinrich-Hertz-Turm, das höchste Gebäude der Stadt, oder ein Teil des als eine der grünen Lungen Hamburgs bekannten Parks „Planten un Blomen“. Auch Museen, Theater, Diskotheken und sogar ein Wachsfigurenkabinett finden sich hier, mit dem Karolinenviertel nennt St. Pauli zudem ein Szeneviertel der Stadt sein eigen.

STADION

Das 1963 eröffnete Millerntor-Stadion, in dem der FC St. Pauli von 1910 seine Heimspiele austrägt, liegt nur unweit der Reeperbahn in Hamburg. Daher werden die Spieler gemeinhin auch als „Kiezkicker“ bezeichnet. Das Millerntor bietet mittlerweile Platz für 29.546 Zuschauer, nachdem es zwischen 2006 und 2015 immer wieder Modernisierungsarbeiten gab. Seinen Namen hat das Stadion aufgrund der geographischen Nähe der Sportstätte zu einem ehemaligen Hamburger Stadttor, dem Millerntor, in dessen Nähe sich eine Mühle (englisch Mill) befand.

TRADITION

Bekannt ist der FC St. Pauli für seine pulsierende Fanszene. Die Fans des Vereins verstehen sich im Vergleich zu Fanszenen anderer Vereine als ausdrücklich politisch. Ein großer Teil des politischen Schwerpunkts bildet das aktive Einschreiten gegen sexistische oder rassistische Äußerungen im Stadion. Bekannt sind die Fans ebenfalls für ihre Totenkopfflagge. Sie wird als Symbol „Arm gegen Reich“ verwendet und bezieht sich darauf, dass der FC St. Pauli trotz geringer finanzieller Mittel achtbare Erfolge in den deutschen Profiligen feiern konnte.

TITELSAMMLUNG

Große Titel blieben den Kiezkickern bisher verwehrt, bemerkenswerte Erfolge hatte der FCSP dennoch zu verzeichnen. Neben einer Zweitligameisterschaft in den 1970er Jahren und vier Siegen im Landespokal blieben in diesem Jahrhundert vor allem zwei Ereignisse in den Köpfen, auch wenn die Hamburger nur zwei ihrer insgesamt acht Bundesligajahre nach 2000 schafften. In der Spielzeit 2001/02 stieg man zwar sang- und klanglos mit lediglich 22 Punkten als Tabellenletzter aus der Bundesliga ab, den „Titel“ des Weltpokalsiegerbesiegers kann man den Hamburgern nach einem 2:1-Erfolg über den amtierenden Champions League-Sieger Bayern München aber nicht mehr nehmen. Es folgte beinahe ein Absturz in die Bedeutungslosigkeit, der jedoch verhindert werden konnte. In der Spielzeit 2010/11 ging es erneut im Oberhaus an den Start, doch wieder ging es als Letzter wieder nach unten. Den größten Erfolg im Pokal gab es als Regionalligist, als es in der sogenannten „B-Serie“ bis ins Halbfinale ging, wo die Bayern letztlich zu stark waren. Gegner auf dem Weg in die Runde der letzten vier waren ausschließlich Gegner mit „B“, darunter auch der VfL Bochum 1848.

TRAINER

Jos Luhukay ist erfahren: Der 56-jährige Niederländer trainierte in Deutschland bereits neun Vereine. Unter anderem zählten der VfB Stuttgart, Borussia Mönchengladbach und Hertha BSC Berlin zu seinen Arbeitgebern. Er ist einer der erfolgreichsten Trainer in der 2. Bundesliga aller Zeiten. Mit Gladbach, dem FC Augsburg und Hertha BSC stieg er je einmal in die Bundesliga auf. Beim FC St. Pauli ist Luhukay seit dem 10. April 2019 tätig. In der vergangenen Spielzeit rettete er die Kiezkicker vor dem Abstieg. Bei fünf Zählern Vorsprung auf den Relegationsrang wird das auch in dieser besonderen Spielzeit Luhukays Hauptaufgabe.

DUELLE

Die Bilanz zwischen zweier Kultklubs fällt zugunsten der Hamburger aus. In insgesamt 34 Duellen in Bundesliga, DFB-Pokal und Unterhaus setzten sich die Kiezkicker 13 Mal durch, der VfL schaffte sieben Erfolge und 14 Mal wurden de Punkte geteilt. Während der Vergleich zu Bundesligazeiten ausgeglichen ausfällt (je drei Siege sowie vier Remis), hat sich Pauli im Unterhaus beinahe schon zu einem Angstgegner entwickelt. Seit elf Spielen gab es keinen Sieg mehr für die Blau-Weißen, sechs davon gewannen die Braun-Weißen. Die letzten beiden Partien, darunter das Hinspiel (1:1, Tore: Zoller und Sobota) am Millerntor, endeten ohne Sieger. Auch die Heimbilanz in Liga zwo spricht nicht für den VfL. Zwei Erfolgen stehen je vier Unentschieden und Niederlagen gegenüber. Es ist an der Zeit, dass diese Serie unter Geisteratmosphäre ein Ende findet.

ZWISCHENBILANZ

Ähnlich wie der VfL findet sich auch der FCSP fünf Spieltage vor dem Ende im Abstiegskampf wieder, hat sein Schicksal aber in der eigenen Hand. Vor der Corona-Unterbrechung lief es mit acht Punkten aus vier Spielen, darunter dem Derby-Erfolg beim Hamburger SV (dem einzigen Auswärtssieg der Saison), ziemlich gut. Die Luhukay-Truppe schien auf dem besten Wege hinaus aus dem Abstiegskampf. Auch der Re-Start glückte mit einem eminent wichtigen 1:0 gegen den 1. FC Nürnberg. Seit drei Spielen warten die Hamburger aber nun auf den neunten Saisonsieg. Einer deftigen Niederlage in Darmstadt (0:4) ließen die Kiezkicker Punkteteilungen gegen Heidenheim und Karlsruhe folgen. Das bedeutet in der Summe nach 29 Spieltagen Rang 13 – mit fünf Punkten vor Platz 16 und nur einem hinter dem VfL auf Platz neun.

So kann man doch ins Wochenende starten! Der VfL Bochum 1848 bleibt nach der Corona-Pause weiterhin ungeschlagen und hat auch das dritte Heimspiel ohne Zuschauer für sich entscheiden können. Gegen den FC St. Pauli setzte sich das Team von Cheftrainer Thomas Reis am Ende mit 2:0 durch - drei ganz wichtige und hochverdiente Punkte.

Drei Änderungen in der VfL-Startelf im Vergleich zum Remis beim 1. FC Nürnberg brachte Reis: Cristian Gamboa kehrte nach Gelbsperre zurück, außerdem durften Robert Tesche und Manuel Wintzheimer von Beginn an ran. Stefano Celozzi, Silvère Ganvoula und Vitaly Janelt rotierten dafür raus. Bei den Gästen aus Hamburg setzte Cheftrainer Jos Luhukay mit Christian Viet und Marvin Senger auf zwei Youngster, einige Routiniers durften zunächst auf der Bank Platz nehmen. So lief das Spiel:

4´: Das Griechen-Duell feiert Premiere. Erste Runde Sirtaki geht an Lampropoulos! Das wird interessant da heute gegen Diamantakos!

6´: Freistoß Soares! Und der wird ähnlich gefährlich wie gegen Heidenheim! Toto verpasst knapp, wir kriegen aber immerhin die erste Ecke! Die bleibt ungefährlich.

10´: Leitschi geht steil! Keine Anspielmöglichkeit, da geht der Inneverteidiger einfach mal geschmeidig bis zur Grundlinie durch. Im Zentrum versucht Wintzi abzulegen, leider in die Füße eines Gästespielers.

14´: Es gibt Elfmeter für den VfL! Pantovic wird gelegt.

15´: TOOOOOOR! Zulj macht das eiskalt, schickt FCSP-Keeper Himmelmann in die falsche Ecke und trifft halbhoch links. Die Führung!!!

18´: Das Tor tat gut! Zulj zaubert gleich weiter, der Mann ist on fire!

21´: Pauli jetzt mal wieder im Sechzehner, mit ein, zwei Querpässen. Dann ist aber Osei-Tutu da und hat die Fußspitze dranne!

25´: Fast das 2:0! Flanke von Osei-Tutu, Pantovic köpft - aber bärenstarke Parade von Himmelmann!

39´: Was für ein Konter! Super gespielt. Am Ende fehlen ein paar Zentimeter, Wintzheimer kommt nicht an die Hereingabe von Osei-Tutu ran. Gibt aber wieder Ecke für uns!

40´: Danach dann die dicke Konterchance für Pauli. Aber Soares packt die Monstergrätsche aus! Wichtig! Und schön anzusehen!

43´: Oha. Glück für uns! Miyaichi setzt das Spielgerät ans Lattenkreuz! Zulj hatte da unfreiwillig vorgelegt.

45+1´: Oh ist das bitter! Wintzheimer trifft, aber das Tor wird nochmal überprüft! Verdammt. Handspiel Soares vorher. Ist das ärgerlich.

Halbzeit: Führung VfL. Wenn auch "nur" mit einem Treffer. Zulj souverän vom Punkt. Wintzheimer dann ganz kurz vor dem Halbzeitpfiff. Leider hatte Soares die Hand am Ball. Bitter, denn Wintzi macht das da richtig stark. So bleibt es eine enge Kiste. Vollgas in den zweiten 45 Minuten!

49´: Starker Einsatz auch direkt nach dem Wechsel! Wir erobern viele Bälle schnell zurück.

50´: NEEEEIN! Scharf getretener Freistoß von Soares, der da an allen vorbeirauscht! Himmelmann ist aber hellwach!

52´: Das gibt es doch nicht! Wieder trifft Wintzheimer in die Maschen, doch diesmal stand zuvor Pantovic im Abseits! Bitter ohne Ende für den Stürmer, und für uns natürlich auch!

63´: Poah! Der Soares grätscht hier heute um die Weltmeisterschaft! Stark gespielt von Pauli, Querpass auf Diamantakos - aber Danilo ist dazwischen!

66´: Wechsel beim VfL: Wintzheimer und Tesche haben Feierabend, jetzt Ganvoula und Eisfeld dabei!

72´: Zulj knallt einfach mal drauf! Gutes Teil! Noch leicht einer dran, es gibt Ecke für uns!

73´: TOOOOOOR! Maxim Leitsch, unfassbar! Da knipst der Junge! Geil! Schleicht sich da bei der Ecke von Zulj weg und dann wuchtig mit links! Himmelmann ist dran, kann das Geschoss aber nicht mehr entschärfen!

85´: Lampropoulos räumt auf! Die Greenkeeper haben hier nachher wieder ordentlich zu tun!

89´: Die Uhr tickt runter. Letzte Minute bricht an.

90´: Wechsel VfL, Bella Kotchap jetzt für Gamboa in der Partie.

90+3´: Auch für Osei-Tutu ist Feierabend, jetzt Flügelflitzer Patrick Fabian für ihn dabei.

90+3´: Ganvoula bekommt die Chance! Wuchtig, aber drüber! Kein 3:0!

Ende: Ist das schön, Freunde! Völlig verdienter Heimsieg! Wie sind wir aus dieser Corona-Pause herausgekommen. Abgeklärt. Seit acht Spielen unbesiegt, schon wieder zu Null geblieben und in der Tabelle weiter geklettert. 39 Zähler sind ein schönes Polster! Zulj mit seinem Premierentreffer im VfL-Dress, Leitsch mit dem ersten Profitor - mega!

Thomas Reis (Cheftrainer VfL Bochum 1848): „Wir sind unheimlich glücklich, dass wir unsere Serie fortsetzen konnten. Uns war klar, was auch heute hier wieder auf dem Spiel steht. Es war einer von fünf verbleibenden Matchbällen. Wir haben vorgelegt und können nun am Wochenende darauf schauen, was die direkten Konkurrenten machen. Es ist immer wichtig, dass man das Geschehen in der eigenen Hand hat. Das ist uns heute wieder gut gelungen. Zu Beginn hatten wir kleinere Probleme, da mussten wir ein paar Konter zulassen. Teilweise wollten wir es vielleicht zu schön machen, zu spielerisch lösen. In der zweiten Halbzeit war es sehr ordentlich. Von daher ist es heute meiner Meinung nach auch ein absolut verdienter Sieg. Wir haben wieder zu Null gespielt und sind unserem Teilziel wieder einen Schritt näher gekommen.“

Jos Luhukay (Cheftrainer FC St. Pauli): Erst einmal Glückwunsch an meinen Kollegen Thomas Reis und sein Team. Ich glaube, dass es ein verdienter Sieg für den VfL war. Wir haben nicht richtig ins Spiel und unseren Rhythmus nicht gefunden. So haben wir keine Möglichkeiten herausgespielt. Im Gegenzug hatte der VfL zunächst auch keine echten Chancen, aber die erste Situation war gleich ein Elfmeter. Das ist uns in den letzten Spielen zu häufig passiert, dass wir durch unnötige Fouls Strafstöße verursacht haben und so in Rückstand geraten sind. Bochum war in der ersten Halbzeit ballsicherer, hat sich aber nicht viele Möglichkeiten herausgespielt. Wir haben in der Offensive nicht den Schlüssel gehabt, um den Ausgleich zu erzielen. In Durchgang zwei hatten wir mehr Kontrolle, da war Bochum eigentlich nicht gefährlich – außer beim zweiten Gegentor. Dann wurde es schwer für uns. Die Mannschaft hat alles versucht, aber über 90 Minuten fehlte uns die Durchschlagskraft, um noch mit einem Punkt nach Hamburg zurückzukehren.

Robert Zulj (VfL Bochum 1848): „Es war ein sehr intensives Spiel. Es war vielleicht nicht unser bestes Spiel in den letzten Wochen, aber wir haben gut gegen den Ball gearbeitet und stark dagegen gehalten. Und wir konnten schon wieder zu Null bleiben. Wir waren sehr effizient, das zeichnet uns im Moment auch aus. Diese drei Punkte sind sehr wichtig, wir wollten sie unbedingt haben. Es fühlt sich überragend an, mal wieder ein Tor zu machen. Aber die Punkte sind wichtiger. Wir wissen, dass wir immer noch einige Dinge verbessern müssen. Das wollen wir schon in der nächsten Woche weiter umsetzen.

Maxim Leitsch (VfL Bochum 1848): Ich war etwas überrascht, dass ich nach der Ecke so allein vor dem Tor stand. Ich habe nicht viel überlegt, sondern einfach draufgehauen, sodass der Ball mit etwas Glück rein ging. Das war natürlich schön für mich. Noch schöner wäre es gewesen, wenn auch Fans im Stadion gewesen wären. Es ist wichtig, dass ich der Mannschaft damit weiterhelfen konnte. Mit 39 Punkten stehen wir jetzt sehr gut da. Wir wollen aber nicht nachlassen und nachlegen. Der zweite Sieg in Serie, das wärs.

Manuel Riemann (VfL Bochum 1848): So kann es weitergehen. Es ist einfach schön im Moment. Wir bekommen wenig Gegentore und arbeiten als Mannschaft gut gegen den Ball. Wir hatten vor der Halbzeit zwei, drei Situationen, in denen wir zu einfache Fehler gemacht haben, die so nicht passieren dürfen. Nach dem Seitenwechsel haben wir auch oft zu einfach den Ball hergegeben. Insgesamt war der Sieg aber schon verdient. Wir sind ja gerade dabei ein paar Serien zu durchbrechen, dann kann auch die reißen, dass wir endlich mal den zweiten Sieg in Serie holen.