22. Spieltag

VfL Bochum 1848
0: 1
VfB StuttgartVfB Stuttgart

Mo,  17.02.202020:30 Uhr2. Bundesliga

Zum Abschluss des 22. Spieltags empfängt der VfL Bochum 1848 am Montagabend (20:30 Uhr) den VfB Stuttgart im Vonovia Ruhrstadion. Wir werfen einen Blick auf den Bundesliga-Absteiger, der mit neuem Trainer nach Bochum reist und endlich mal wieder ein Auswärtsspiel gewinnen will.

HEIMAT

Stuttgart besticht nicht nur als Heimat der Automobilfirmen Daimler und Porsche. Die baden-württembergische Landeshauptstadt mit über 630.000 Einwohnern hat mehr zu bieten: Weinberge, Täler wie den Stuttgarter Talkessel oder das Neckartal. Grünanlagen wie den Rosensteinpark oder Schlossgarten – und vieles mehr. Durch die Lage im Stuttgarter Talkessel herrscht in Stuttgart ein vergleichsweise warmes Klima.

STADION

Die Mercedes-Benz Arena, ehemals das Neckarstadion, ist mit 60.449 Plätzen das größte Stadion der 2. Bundesliga. Zusammen mit dem Festgelände Cannstatter Wasen, der Porsche-Arena und dem Mercedes-Benz-Museum liegt das Stadion im Neckarpark. Im Jahr 1933 wurde es fertiggestellt, in den folgenden Jahrzehnten mehrmals umgebaut.

TRADITION

Die Anfänge des VfB Stuttgart reichen zurück bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Im Jahr 1893 gründeten in Stuttgart-Ost spielende Fußballer den Fußballverein Stuttgart. Knapp 20 Jahre später, im Jahr 1912, fusionierte dieser mit dem Cannstatter Kronen-Club und gab sich den Namen VfB Stuttgart. Der VfB Stuttgart ist mit mehr als 68.000 Mitgliedern der größte Sportverein in Baden-Württemberg und rangiert bundesweit unter den Top 10.

TITELSAMMLUNG

Der VfB Stuttgart ist ein wahrer Titelsammler. In seiner traditionsreichen Geschichte gewann der VfB fünf Meisterschaften in den Jahren 1950, 1952, 1984, 1992 und 2007. Nachdem die Stuttgarter 2007 ihre dritte Meisterschaft seit der Gründung der Bundesliga feiern konnten, dürfen sie auf dem Trikot einen Meisterstern über dem Wappen tragen. Dreimal gewannen die Schwaben zudem den DFB-Pokal. Zwei weitere Meisterschaften errangen die Schwaben in den Jahren 1977 und 2017 in der 2. Bundesliga.

TRAINER

Pellegrino Matarazzo wird nicht jedem Fan ein Begriff sein. Der 42-jährige US-Amerikaner mit italienischer Abstammung kam erst in der Winterpause für den freigestellten Coach Tim Walter zum VfB. Nun soll er den Wiederaufstieg in die Bundesliga perfekt machen. Zuvor sammelte Matarazzo reichlich Erfahrung als Co-Trainer in der Bundesliga: Bei der TSG Hoffenheim arbeitete er unter Julian Nagelsmann und Alfred Schreuder. Seine Motivation in seiner ersten Cheftrainer-Station im Profifußball beschrieb Matarazzo bei seiner Vorstellung in Stuttgart wie folgt: „Ich denke nicht daran, was schiefgehen könnte, sondern daran, was wir erreichen können.“ Stuttgarts Chefcoach will offensiven Fußball spielen lassen. Ihm gehe es um „Spielkontrolle, aber nicht um Ballbesitz“.

DUELLE

Die Bilanz nach 73 Spielen spricht zwar für die Schwaben – 17 Siege und 18 Unentschieden stehen 38 VfL-Niederlagen gegenüber. Doch die Heimbilanz der Bochumer liest sich deutlich hoffnungsvoller: 13 Siege landete der VfL daheim gegen den VfB. Hinzu kommen zwölf Remis und elf Niederlagen. Zuletzt unterlagen die Blau-Weißen im Hinspiel beim VfB knapp mit 1:2. Der letzte Sieg gegen die Stuttgarter datiert vom 16. August 2014, damals gewann der VfL in der ersten Runde des DFB-Pokals durch einen Doppelpack von Simon Terodde mit 2:0.

ZWISCHENBILANZ

VfB-Routinier Daniel Didavi brachte es nach dem jüngsten 3:0-Erfolg gegen den FC Erzgebirge Aue auf den Punkt: „Irgendwann nehmen wir hier den Gegner auseinander“, und spielte damit auf die gute Heimbilanz der Stuttgarter an. Sie sind das heimstärkste Team der Liga, gewannen neun Partien, unterlagen nur zweimal. In der Fremde ist die Punkteausbeute hingegen überschaubar. Zweimal konnten sie auswärts erst dreifach punkten, am sechsten Spieltag beim SSV Jahn Regensburg (3:2) und am achten Spieltag in Bielefeld (1:0). Auch Didavi sieht in diesem Punkt noch Verbesserungspotenzial: „Da müssen wir uns noch steigern. Wenn wir aufsteigen wollen, werden wir auswärts auch mal gewinnen müssen.“ Aktuell können die Stuttgarter auf eine Serie von sechs ungeschlagenen Spielen in Folge zurückblicken: drei Heimsiege gegen Aue (3:0), Heidenheim (3:0) und Nürnberg (3:1) sowie drei Remis in Darmstadt (1:1), Hannover (2:2) und auf St. Pauli (1:1).

Ganz bittere Kiste an diesem Montagabend. Der VfL Bochum 1848 bot dem VfB Stuttgart über 90 Minuten einen echten Kampf, war mindestens ebenbürtig. Am Ende nahmen die Schwaben aber glücklich alle drei Punkte mit in die Heimat. Joker Al Ghaddioui nutzte einen Fehlpass von Decarli zum Treffer des Tages (80.).

Zweites Heimspiel 2020, zweiter Flutlicht-Montagabend anne Castroper, zweiter gefühlter Bundesligist zu Gast im Vonovia Ruhrstadion. Der VfB Stuttgart gab sich am 22. Spieltag der 2. Bundesliga die Ehre und wollte den Punktverlust des Hamburger SV nutzen, um mit den zweitplatzierten Hanseaten gleichzuziehen. Der VfL Bochum 1848 hatte was dagegen und derweil die Gelegenheit, sich mit dem zweiten Dreier am Stück ein wenig Luft im Keller zu verschaffen. 

Mit zwei Änderungen in der Startelf wollte VfL-Cheftrainer Thomas Reis die schwere Aufgabe bewältigen: Robert Tesche ersetzte Vitaly Janelt in der Zentrale, zudem rutschte Danny Blum für Winterneuzugang Robert Žulj in die Anfangsformation. Reis‘ Pendant Pellegrino Matarazzo beließ es bei einem erzwungenen Wechsel, Roberto Massimo wirkte anstelle des gelbgesperrten Nicolas Gonzalez.

2. Ganvoula erobert die Kugel und schließt aus 40 Metern ab – Kobel im VfB-Kasten stand weit vor seinem Gehäuse. Deutlich zu hoch angesetzt.

5. Erste dicke Chance für die Schwaben. Eine Ecke von Didavi findet ausgerechnet den nicht gerade großgewachsenen Castro, der Riemann per platziertem Kopfball zur ersten starken Tat zwingt. 

10. Ganvoula fasst sich ein Herz und versucht sein Glück aus halbrechter Lage. Diesmal war der Abschluss des Kongolesen nicht mehr ganz so weit drüber. 

13. Nun darf wieder der Gast. Mangala schnappt sich das Leder resolut von Ganvoula und setzt den Japaner Endo ein. Der geht ein paar Schritte und zieht aus 16 Metern ab – in die Arme Riemanns.

14. Im Gegenzug die beste Chance für Blau und Weiß. Zoller hebt auf rechts den Kopf und findet per Flanke Blum, der den Ball nicht voll erwischt und so eine Kopfballbogenlampe aufs Tordach fabriziert.

16. Da wäre selbst Riemann machtlos gewesen. Nach der vierten VfB-Ecke landet die Kugel am langen Pfosten bei Wamangituka, der nach einem Wackler das rechte untere Eck anvisiert. Riemann wäre geschlagen, doch Losilla steht goldrichtig und kratzt die Kugel weg.

19. Scheibenschießen im VfB-Strafraum, nur richtig gefährlich wird es nicht. Sowohl Danilo als auch Losilla und Ganvoula rutscht das Spielgerät über den Schlappen.

22. Bei Ecken muss die Reis-Elf höllisch aufpassen, auch nach der fünften wird es knifflig. Wieder ist es Castro mit seinen 1,72m, der zum Kopfball kommt. Der eigene Mann steht jedoch im Weg und „klärt“.

27. Nur Zentimeter fehlen zur VfL-Führung. Über Gamboa und Weilandt kommt Zoller auf rechts an den Ball und flankt butterweich auf Ganvoulas Kopf. Der zielt auf die lange Ecke, haarscharf segelt die Kugel am Kasten vorbei.

31. So knapp wie es gerade bei Ganvoula war, ist es nun auf der Gegenseite. Massimo bringt den Ball zu Wamangituka, der hauchzart am Tor vorbeischießt. 

39. Immer wieder dieser Silas Wamangituka. Sein Schlenzer sieht schön aus und fehlen tut auch nicht allzu viel, doch Riemann winkt sofort ab – drüber.

45. Die erste Gelbe Karte der Partie holt sich der Stuttgarter Stenzel ab.

Pause: Heißer Fight zwischen VfL und VfB, der auch hüben wie drüben nicht mit Torchancen geizt. Doch zur Halbzeit steht auf beiden Seiten die Null.

47. Guter Beginn des VfL. Erst schnappt sich Ganvoula beinahe einen Rückpass zu Kobel, kurz darauf zieht Blum von links ab. Der Ball saust drüber.
53. Der VfL ist bisher die aktivere Mannschaft, der VfB hat mal Raum zum Kontern. Doch Wamangituka verzieht letztlich deutlich.

58. Erster Wechsel der Partie. Kopfballungeheuer Castro geht, Förster kommt.

61. Nun tauscht auch Reis Personal. Winterneuzugang Zulj ersetzt Weilandt.

64. Die muntere Partie ist träger geworden. Mangala prüft Riemann aus der Distanz, keine Gefahr.

65. Matarazzo will noch mehr frischen Wind und nimmt Gomez runter. Für ihn kommt Al Ghaddioui.

70. Starker Pass von Zulj, der über den halben Platz Blum findet - volley. Der Außenstürmer dribbelt auf die Abwehr zu und lässt ein Pfund ab, über den Kasten. Wie beim Football heute hier.

75. Verwarnung für Gamboa nach einem taktischen Vergehen.

80. Tor für den VfB – 0:1. Fataler Fehlpass von Decarli, der Wamangituka in den Fuß passt. Der steckt blitzschnell durch für Joker Al Ghaddioui, der vor Riemann cool bleibt und verwertet.

83. Reis muss reagieren und tut das auch. Defensivspieler Gamboa macht Platz für Wintzheimer. Volle Offensive, na klar.
85. auch der VfB wechselt letztmals. Massimo raus, Winterzugang Mola rein.

87. Und noch mehr Offensivpower. Pantovic für Tesche.

89. Langholz in den VfB-Strafraum ist angesagt. Ganvoula kommt zum Kopfball, bringt aber nicht genug Druck hinter den Ball.

90. Zulj kommt nach einer guten Bewegung zum Abschluss. Kobel hechtet ins Eck und kratzt den Ball raus. Mist!

90+3. Beinahe setzt es noch den zweiten Gegentreffer. Der Ball von Förster klatscht von der Latte im hohen Bogen nach oben, kommt wieder auf und prallt vom Boden wieder an die Latte. Ganz krummes Ding, was heute irgendwie gepasst hätte.

Ende: Ein Fehler kostet den VfL hier einen Punkt, der nach einer leidenschaftlichen Leistung nicht nur im Bereich des Möglichen, sondern auch verdient gewesen wäre. Abschütteln und am Samstag im wichtigen Spiel in Dresen punkten!

Thomas Reis (Cheftrainer VfL Bochum 1848): Wenn man die beiden Halbzeiten übereinanderlegt, dann geht der Sieg in Ordnung. Doch aufgrund der zweiten Halbzeit – da waren wir sehr gut im Spiel – hat man natürlich die Hoffnung, etwas mitzunehmen. In der ersten Halbzeit waren wir ein wenig zu passiv. Stuttgart hat uns das ein oder andere Mal vor große Aufgaben gestellt, doch wir haben es immer geschafft, es zu verteidigen. In der zweiten Halbzeit haben wir dann gesagt, dass wir unser Spiel aktiver gestalten wollen. Wir sind vorne mehr draufgegangen, das tat uns gut. Was von meiner Seite heute ein großer Kritikpunkt ist, dass wir technische Probleme an den Tag gelegt haben. Wir hatten so viele Chancen und Flanken aus dem Spiel. Das wir am Ende das Spiel durch einen individuellen Fehler verlieren, ist natürlich extrem bitter. Nichtdestotrotz werden wir weitermachen. Die Art und Weise sowie die Bereitschaft, die wir in den letzten drei Spielen gezeigt haben, das stimmt mich positiv. Das wird auch in Dresden gebraucht.

Maxim Leitsch (VfL Bochum 1848): Das Ergebnis ist extrem unglücklich, weil wir in der zweiten Halbzeit deutlich besser gespielt haben. Wir haben es gut gemacht und nicht großartig etwas zugelassen. Das Tor ist dann aus einem individuellen Fehler resultiert, das ist ärgerlich. Wir müssen das in den kommenden Spielen abstellen, dass uns so etwas nicht mehr passiert.  

Anthony Losilla (VfL Bochum 1848): Es ist sehr frustrierend, dass wir nach so einem guten Spiel mit leeren Händen dastehen. Null Punkte sind in unserer Situation zu wenig, leider hat es nicht geklappt, heute mindestens einen Punkt zu holen. Ich finde, dass wir besonders in der zweiten Halbzeit eine sehr gute Leistung gezeigt haben. Es gibt trotzdem viele positive Dinge, die wir aus der Partie mitnehmen können. Das Gesicht, das wir heute gezeigt haben, müssen wir auch in Dresden.

Manuel Riemann (VfL Bochum 1848): Ich hoffe, dass der Fehler Saulo nicht umwirft. Er hat zwei richtig gute Spiele gemacht – heute auch wieder. Er hat einen Fehler gemacht, das gehört zum Fußball dazu. Wir müssen einfach schauen, dass wir in den kommenden Spielen die Fehler, die der Gegner macht, besser ausnutzen. Gerade in den 15 Minuten nach der Halbzeit hat uns der VfB eine Menge angeboten, daraus haben wir leider nichts gemacht.  

Sebastian Schindzielorz (Geschäftsführer Sport VfL Bochum 1848): Es ist so ähnlich wie nach dem Spiel gegen den Hamburger SV. Am Ende hat man gehört, dass die Fans unsere Leitung honoriert haben und gesehen haben, dass wir alles reingeworfen haben. Leider entscheiden die Tore über das Ergebnis und wir haben eins bekommen und keins gemacht – das ist extrem bitter. Heute wäre einen Punkt verdient gewesen. Man muss festhalten, dass die Mannschaft wieder eine gute Mentalität gezeigt hat und wie schon in den Spielen gegen den HSV und in Wiesbaden gekämpft hat. Es gilt jetzt, diese Mentalität auch in die kommenden Wochen zu transportieren.