15. Spieltag

VfL Bochum 1848
2: 0
FC Erzgebirge AueFC Erzgebirge Aue

Sa,  30.11.201913:00 Uhr2. Bundesliga

HEIMAT
Nun ist es amtlich: Aue ist ein Stadtteil. Seit dem 1. Januar 2019 gehört die 16.000-Einwohnergemeinde aus dem sächsischen Erzgebirgskreis zur Großen Kreisstadt Aue-Bad Schlema, die wiederum dem Städtebund Silberberg angeschlossen ist. Die Stadt (bzw. der Stadtteil) selbst liegt im Talkessel der Zwickauer Mulde und lebte jahrhundertelang vom Abbau und der Verarbeitung von Eisen-, Silber- und Zinnerzen. Später siedelten sich Maschinenbau und Textilverarbeitung in und um Aue an, nach dem Zweiten Weltkrieg sorgten Uran-Vorkommen für wirtschaftliche Blüte. Seit der Wiedervereinigung hat aber auch Aue mit dem Problem der Landflucht zu kämpfen, von den einst über 20.000 Einwohnern hat mehr als ein Fünftel die Bergbaustadt verlassen.

STADION
„Die Macht im Schacht“: Dieser Spruch prangt unweigerlich jedem Besucher Aues entgegen, schließlich „verschönert“ er die Unterführung einer Bundesstraße, die auswärtige Fans auf dem Weg zum Erzgebirgsstadion passieren müssen. Dass die Heimspielstätte des FCE mehr Plätze (16.485) als Aue Einwohner hat (16.012, Stand: Dezember 2017), ist sicher bemerkenswert. Seit dem jüngsten Umbau verfügt das Erzgebirgsstadion über jenen Komfort, den sich die alteingesessenen Fans der „Veilchen“ schon früher gewünscht hätten, zum Beispiel eine Komplettüberdachung. Ursprünglich kickte Aue im Städtischen Stadion Aue, das 1950 in Otto-Grotewohl-Stadion umbenannt wurde und zu Spitzenzeiten bis zu 25.000 Zuschauern Platz bot.

OST-TRADITION
„Aue, immer wieder Aue, immer wieder Wismut Aue“: So geht der Refrain der Vereinshymne, die aus zigtausend Veilchen-Kehlen dröhnt. Der FC Erzgebirge Aue in seiner heutigen Form existiert seit dem 14. Januar 1990. Der Vorgängerverein BSG Wismut Aue hatte diverse Namensänderungen zu verzeichnen: Gegründet als BSG Pneumatik Aue (1949) und fortgeführt als BSG Zentra Wismut Aue (1950) erhielt die BSG Wismut Aue 1951 zum ersten Mal jenen Namen, unter dem sie vier Jahrzehnte erfolgreich in der DDR-Oberliga, der höchsten ostdeutschen Spielklasse, kicken sollte. Länger als Wismut Aue (von 1954 bis 1963 unter dem Namen SC Wismut Karl-Marx-Stadt vertreten) hat kein anderes Team der DDR-Oberliga am Stück angehört.

DIE GOLDENE ZEIT
Gleich in der ersten Saison in der nach dem Zweiten Weltkrieg neugegründeten DDR-Liga konnte sich Aue den Meistertitel sichern. Die Blütezeit lag sicher in den Fünfzigern, als die BSG Wismut viermal die Meisterschaft gewann (1955, 1956, 1957, 1959) und in der Saison 1954/55 FDGB-Pokalsieger wurde. Zudem erreichte man 1959 im Europapokal der Landesmeister das Viertelfinale.

DER TRAINER
Der ehemalige gesamtdeutsche Nationalspieler Dirk Schuster (vier Länderspiele für die DDR, drei für den DFB) hat als beinharter Verteidiger Karriere gemacht und u.a. für den 1. FC Magdeburg, Eintracht Braunschweig, den KSC und den 1. FC Köln gekickt. Als Trainer schaffte er mit Darmstadt 98 als Drittliga-Absteiger (die „Lilien“ blieben nur aufgrund des Lizenzentzugs für Offenbach drittklassig) den Durchmarsch von Liga drei bis in die Bundesliga (2015). Der anschließende Klassenerhalt ist fast höher zu bewerten als der Weg in die Beletage. In der Folge hatte Schuster aber weniger Glück: Die Liaison mit dem FC Augsburg (2016) hielt kaum ein halbes Jahr und auch die Rückkehr nach Darmstadt (Dezember 2017) verlief anders als erhofft. Im Februar 2019 trennten sich die Wege vorzeitig. Seit dem 26. August ist der gebürtige Karl-Marx-Städter nun beim FCE, als Nachfolger von Daniel Meyer.

DUELLE
19 Mal trafen bislang der VfL und die Veilchen aufeinander, zehn Bochumer Siegen stehen drei Unentschieden und sechs Aue-Erfolge gegenüber. Anne Castroper tun sich die Gäste allerdings schwer, erst einmal konnte der FCE hier drei Punkte entführen. Dafür konnte der VfL mit einem 6:0 einen der höchsten Siege seiner Vereinsgeschichte feiern (04.12.2011). In der vergangenen Saison gab es zwei Last-Second-Siege, hüben wie drüben: Zunächst erlöste Tom Weilandt mit seinem 2:1 die Blau-Weißen, im Rückspiel verwandelte Dimitrij Nazarov einen Foulelfmeter zum 3:2 und beendete somit eine Bochumer Serie von acht Spielen in Folge, in denen man gegen Aue nicht verloren hatte.

DIE BILANZ
Aue ist das Überraschungsteam der Saison. Die Sachsen grüßen von Platz vier, nur drei Punkte hinter dem Aufstiegsfavoriten VfB Stuttgart. Am vergangenen Wochenende gab es einen 3:1-Erfolg über den FC St. Pauli, wobei die Stürmer Florian Krüger und Pascal Testroet ebenso trafen wie Dimitrij Nazarov, der mal wieder einen Elfmeter verwandelte – den 17. von 18 Elfern in seiner Karriere. In der Liga ist Aue seit drei Spielen ungeschlagen (ein Sieg, zwei Remis), zuvor flog man in Düsseldorf aus dem Pokal (1:2) und unterlag Dirk Schusters Ex-Club Darmstadt 98 (0:1). „Wir stehen zurecht da, wo wir stehen“, sagt Innenverteidiger Sören Gonther und ergänzt: „Wir freuen uns, dass wir drei Punkte näher an der 40 sind.“ Von Aufstiegsambitionen will im Erzgebirge niemand was hören. Noch nicht.

Das tut gut! Der VfL hat sein Heimspiel gegen den FC Erzgebirge Aue mit 2:0 gewonnen und ist somit zum ersten Mal in dieser Spielzeit ohne Gegentor geblieben. Viel wichtiger sind aber die drei Zähler, die absolut verdient eingefahren wurden. Nach torloser erster Hälfte ebnete Capitano Anthony Losilla den Weg (62.), in der Nachspielzeit konnte Aues Samson eine Hereingabe von Simon Zoller nur noch ins eigene Tor abwehren. Die Entscheidung!

Um im achten Anlauf den zweiten Heimerfolg einzufahren, wechselte VfL-Cheftrainer Thomas Reis auf drei Positionen im Vergleich zum 1:1 gegen Osnabrück – auf den Außenverteidigerpositionen kehrten Danilo Soares und Cristian Gamboa für Stefano Celozzi und Jordi Osei-Tutu zurück in die erste Elf, zudem startete Miloš Pantović in der offensiven Dreierreihe anstelle von Simon Zoller. Tom Weilandt nahm nach Verletzung auf der Bank Platz.

Aues Coach Dirk Schuster beließ es nach dem 3:1-Sieg gegen den FC St. Pauli bei zwei erzwungenen Änderungen: Philipp Riese sowie Clemens Fandrich sahen gegen die Kiezkicker ihre fünfte Gelbe Karte und wurden demzufolge durch Louis Samson und Ex-VfLer Dominik Wydra ersetzt. Zudem fehlte Jan Hochscheidt rotgesperrt.

3. Erste Annäherung! Danilo Soares erobert den Abstoß der Erzgebirgler und schickt sofort Danny Blum ins Rennen. Der Flügelflitzer geht ein paar Meter und hält drauf – die Kugel fliegt einen guten Meter über das Tor der Gäste.

5. Silvère Ganvoula! Der VfL stellt erneut geschickt den Abschlag der Auer zu, Pantović leitet sofort per Kopf zum Kongolesen, der sich durchwackelt und Martin Männel im Aue-Gehäuse die erste Bewährungsprobe verschafft. Guter Start des VfL.

12. Chung Yong Lee mit gutem Antritt durchs Zentrum, dann setzt er Ganvoula per Steckpass ein. Mit dem linken Fuß trifft dieser das Leder nicht richtig und fabriziert diesmal einen harmlosen Roller.

19. Bislang traut sich der Gast aus dem Erzgebirge kaum nach vorn. Der VfL hat sich vorne festgesetzt, findet aber noch nicht so recht die Lücke. Anthony Losilla und Robert TEsche probieren es daher aus einiger Entfernung – jeweils ohne Erfolg.

22. Aussichtsreiche Freistoßposition für Danny Blum aus rund 25 Metern. In die Mauer. Aues Dimitrij Nazarov trägt einen Brummschädel davon.

28. Erstmals Aue, die nach einem VfL-Freistoß aus dem Halbfeld den Konter starten. An dessen Ende versucht es Florian Krüger per Direktabnahme, semmelt die Pille aber in den Fangzaun – war nicht wirklich leicht zu nehmen, fasst die bisherigen Offensivbemühungen der Sachsen aber präzise zusammen.

29. Nächste feine Freistoßposition für Blum, nachdem Ganvoula kurz vor dem Strafraum nur noch per Foul zu stoppen war. Übeltäter Marko Mihojevic sieht zudem eine Verwarnung.

30. Unfassbar, was für ein Pech! Blum zwirbelt den ruhenden Ball an die Latte, der Abpraller fällt Losilla vor die Füße… der Kapitän zielt umgehend auf den leeren Kasten und trifft Saulo Decarli, der somit den Einschlag verhindert. Statt sicherem Treffer ist es Abseits. Eieiei, dieses verflixte Tor auf der Westkurve.

32. Erste Gelbe Karte nun auch für den VfL, Losilla sieht sie. Es ist seine fünfte, in Fürth wird der Franzose aussetzen müssen.

39. Bochum in der Phase vor der Pause nicht mehr so dominant, aber mit der Kontrolle. 74% Ballbesitz und 64% gewonnene Zweikämpfe sprechen eine eindeutige Sprache. Von Aue kam bisher nichts in Richtung Manuel Riemann.

44. Langer Hafer in Richtung Ganvoula, die Kirsche flutscht zu Losilla durch, der frei vor Männel auftaucht. Er scheitert, stand aber zuvor in der verbotenen Zone.

Pause: Der VfL ist hier die spielbestimmende Mannschaft, muss gegen harmlose, aber defensiv gut geordnete Auer aber eigentlich mehr aus seiner Überlegenheit machen. Es ist noch nicht alles Gold, was glänzt, aber die Ansätze sind durchaus zu sehen. Mehr Durchschlagskraft wäre wünschenswert oder alternativ mehr Glück als bei Blums/Losillas Doppelchance. Eine Führung wäre bislang dem Spielverlauf und dem Aufwand entsprechend.

46. Es geht auf beiden Seiten ohne einen Tausch weiter.

50. Aue mit seiner bislang besten Chance. Pascal Testroet hat über recht sein wenig Platz und sucht in der Mitte Krüger, der in Rücklage deutlich über den Balken schießt.

57. Wenig los bislang in den zweiten 45 Minuten, jetzt mal wieder die Gäste. Krüger hat viel zu viel Platz über links wird dann aber doch noch nach außen abgedrängt und kann nicht mehr präzise abschließen. Zum Glück scheint die Sonne.

61 TOOOR für den VfL – 1:0! Toto Losilla! Unser Kapitän macht die Bude! Nach einer ganz raffinierten Vorarbeit von Pantović, der einen abgefälschten Decarli-Pass umsichtig in den Lauf Losillas spitzelt, taucht der Franzose frei vor Männel auf und überwindet den Auer Schlussmann mit dem nötigen Fortune. YES!

68. Der VfL nach dem Treffer wieder mit Oberwasser. Ganvoula kommt aus spitzem Winkel zum Schuss und wird geblockt. Ein Querpass wäre wohl die erfolgsversprechende Alternative gewesen. Blum und Pantović lauerten im Zentrum.

71. Gelbe Karte für Soares nach einem harmlosen Foul gegen Gianluca Rizzuto. Bei dem Maßstab hätte es schon einige geben können. Der folgende Freistoß findet Samson, der per Aufsetzer keine Gefahr erzeugen kann.

72. Jetzt auch die zweite Gelbe Karte für den Gast aus Aue. Tom Baumgart holt sie sich ab für ein Einsteigen gegen Soares.

73. Erster Wechsel von Schuster. Wydra verlässt den Rasen, Philipp Zulechner ist fortan mit von der Partie.

75. nach einem Auer Freistoß gibt ein Durcheinander im Bochumer Strafraum. Mihojevic kann abschließen, wird aber entscheidend gestört.

78. Auch Reis wechselt erstmals. Vorlagengeber Pantović geht raus, Simon Zoller ist nun dabei.

80. Noch ein Wechsel beim FC Erzgebirge. Baumgart hat Feierabend, Christoph Daferner neu drin. Der andere Joker Zulechner sieht derweil eine Verwarnung, Aues dritte des Tages.

84. Es hatte sich irgendwie angedeutet, nun ist es passiert. Mihojevic trifft bei Kreuzen des Laufwegs Ganvoulas dessen Fuß und muss zum vorzeitigen Duschen. Blum legt sich das Leder zurecht und trifft die die Zwei-Mann-Mauer.

86. LEEEEEEEE hallt es durchs rund. Unser Blauer Drache verlässt nach starkem Kampf ds Feld, Manuel Wintzheimer soll für die nötige Entlastung sorgen. Auch Aue zieht den letzten Joker, Nicolas Sessa ersetzt Krüger.

87. Und da schlägt der neue Mann beinahe sofort zu. Ganvoulas Flanke bugsiert Wintzheimer in Richtung Männel, der ist aber zur Stelle.

88. Kurios. Torwarttrainer Peter Greiber wirft einen Ball aufs Feld, um einen schnellen Einwurf der Sachsen zu verhindern – das gibt einen Gelben Karton.

89. Die dicke Möglichkeit, die Partie zu entscheiden. Zoller zauberhaft mit dem Außenrist in Blums Lauf, der gegen aufgerückte Aue reichlich Platz hat. Vor dem Tor nagelt der das Spielgerät aber drüber. Da war mehr drin.

90.+4  TOOOR für den VfL – 2:0. Kurz vor dem Abpfiff besiegelt ein Eigentor von Samson den dritten Saisonsieg des VfL. Ganvoula schickt Zoller gegen aufgerückte Gäste auf die Reise, seine flache Hereingabe stochert Samson vor dem einschussbereiten Wintzheimer ins Netz! SIEG!

Abpfiff. Danach ist gleich Schluss, der VfL bleibt zuhause unbesiegt und verschafft sich mit dem zweiten Heimsieg etwas Luft im Keller. Mit nun 17 Punkten geht es hoch auf Position 13. Der Anschluss ans Mittelfeld ist geschafft, nun geht es am 16. Spieltag zur SpVgg. Greuther Fürth (nächsten Samstag, 13 Uhr). Dort wird Reis gelbgesperrt auf Kapitän Losilla verzichten müssen.