11. Spieltag

Holstein Kiel
2: 1
VfL Bochum 1848VfL Bochum 1848

Fr,  25.10.201918:30 Uhr2. Bundesliga

Am Freitagabend (18:30 Uhr) ist der VfL Bochum 1848 bei Holstein Kiel zu Gast. Vor dem Duell mit den Störchen aus dem Hohen Norden gibt´s einen Blick auf den kommenden Gegner.

HEIMAT

Die Heimat der KSV Holstein Kiel ist nicht nur die nördlichste Großstadt Deutschlands, sondern gleichzeitig auch die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins. An der Ostseeküste gelegen, genauer an der Kieler Förde, ist Kiel inzwischen die Heimat von fast 250.000 Menschen. Nicht nur Holstein Kiel, sondern in Sachen Sport auch die THW Kiel und darüber hinaus der bedeutende deutsche Marine-Stützpunkt sowie die „Kieler Woche“ machten die norddeutsche Großstadt deutschlandweit bekannt. Das Wahrzeichen der Stadt ist das Kieler Rathaus, dessen Turm weithin sichtbar ist und das seit mehr als 100 Jahren das Bild der Stadt prägt wie kein zweites Gebäude.

STADION

Das Kieler Holstein-Stadion liegt im Norden der Stadt und ist rund fünf Kilometer vom Hauptbahnhof entfernt. Bereits seit 1911 trägt der Verein aus der Landeshauptstadt seine Heim-Partien in dieser Spielstätte aus. Kürzlich wurde die Osttribüne des Holstein-Stadions ausgebaut, im April 2019 wurde der Neubau der Tribüne eingeweiht. Seitdem bietet das Stadion Platz für rund 17.000 Zuschauer, von der Stadt wurde eine Nutzungsgenehmigung für 15.034 Zuschauer erteilt. In den bisher fünf Saisonspielen der KSV vor heimischer Kulisse lag der Zuschauerschnitt allerdings nur bei 11.283 Besuchern. Für die Gäste sind die Blöcke K3 und L reserviert, diese befinden sich auf der Nordtribüne.

DER TRAINER

Mit Ole Werner war bis zum Donnerstag noch immer ein Interimstrainer für die Geschicke des Zweitligisten verantwortlich. Seit vier Partien ist der 31-Jährige als Coach von Holstein Kiel aktiv, zuvor wurde der erst in der Sommerpause von Eintracht Braunschweig verpflichtete André Schubert entlassen. Werner trainierte zuvor die U23 der Störche und wurde Mitte September zum Interimstrainer berufen, seitdem stehen für die KSV zwei Siege und zwei Niederlagen zu Buche – was einen Punkteschnitt von 1,5 bedeutet. Gemeinsam mit VfL-Co-Trainer Heiko Butscher absolviert der in Preetz geborene Trainer derzeit seine Ausbildung zum Fußball-Lehrer. Aktuell besitzt er also nur die A-Lizenz. Am Donnerstagmittag gab Holstein Kiel jedoch bekannt, dass Werner vom Interims- zum Cheftrainer befördert wird und einen Vertrag bis 2022 erhält.

BISHERIGE SAISON

In der Tabelle konnte die KSV am vergangenen Spieltag am VfL Bochum 1848 vorbeiziehen, derzeit belegen die Norddeutschen mit elf Punkten aus zehn Spielen den 14. Rang. Etwas überraschend gelang dem Team von Trainer Ole Werner am Sonntagmittag ein 1:0-Auswärtssieg beim Aufstiegsaspiranten VfB Stuttgart, Jae Sung Lee hatte per Kopf den Treffer des Tages markiert. Weil Ex-Nationalspieler Holger Badstuber die Ampelkarte sah, durften die Gäste aus Kiel lange Zeit in Überzahl agieren, ließen dabei aber viele Chancen auf eine höhere Führung liegen. Was der KSV generell fehlt ist die Konstanz: Insgesamt konnten drei Saisonsiege eingefahren werden, es kommen in der 2. Bundesliga aber auch fünf Niederlagen und nur zwei Remis hinzu.

BEINAHE BUNDESLIGA

Es ist noch keine anderthalb Jahre her, da wäre die KSV um ein Haar in der Bundesliga gelandet. Nach einer starken Zweitliga-Saison 2017/18 belegte man den dritten Platz, in der Relegation ging es dann zweimal gegen den VfL Wolfsburg. Die von Markus Anfang trainierten Kieler mussten sich schon im Hinspiel in der Autostadt mit 1:3 geschlagen geben, die 0:1-Heimniederlage im Rückspiel besiegelte dann den „doppelten Klassenerhalt“ – Wolfsburg blieb Bundesligist, Kiel Zweitligist. Viele Experten befürchteten nach dem gescheiterten Aufstiegsversuch, dass die KSV das gleiche Schicksal ereilen könnte wie vielen anderen Mannschaften zuvor. Doch auch in der darauffolgenden Spielzeit 2018/19 machten es die Norddeutschen im Fußball-Unterhaus ordentlich und belegten am Ende Tabellenplatz sechs.

DUELLE UND BILANZ

Insgesamt gab es in der Historie beider Klubs erst fünf Aufeinandertreffen. Das erste Duell fand dabei im November 2002 statt, in der zweiten Runde des DFB-Pokals feierte der VfL einen 2:1-Auswärtssieg in Kiel und zog in die nächste Runde ein. In der 2. Bundesliga sind die Blau-Weißen gegen die KSV allerdings noch sieglos: In vier Duellen gab es zwei Remis und zwei Siege für Holstein Kiel. Bester Torschütze auf Seiten der Norddeutschen gegen den VfL ist ausgerechnet Janni Serra - der Stürmer, der in der Rückrunde der Saison 2017/18 als Leihspieler anne Castroper aktiv war, traf in zwei Spielen gegen Bochum zwei Mal.

Pleite in Kiel. Der VfL Bochum 1848 musste sich hohen Norden den Störchen geschlagen geben. Die Hausherren gingen schnell durch Lee in Führung (9.), ehe eine überaus kuriose Situation den VfL wieder ins Spiel brachte. Ganvoula bedankte sich und nutzte das Geschenk zum Ausgleich (39.). Doch nach dem Wechsel erzielte der ehemalige Bochumer Serra den spielentscheidenden Treffer (52.).

Die Statisttiken konnte man sich vorab aus VfL-Sicht sparen. Noch nie gab es einen blau-weißen Sieg in der Liga gegen die Störche. Wurde also mal höchste Zeit. Dafür tauschte Cheftrainer Thomas Reis auf drei Positionen. Zoller und Janelt blieben auf der Bank, Weilandt und Eisfeld durften beginnen. Beim Warmmachen verletzte sich dann noch Gamboa, Celozzi rutschte in die Anfangself.


2': Kiel mit den ersten Gelegenheiten. Flanke von links, dann probieren es gleich drei Störche per Abschluss. Allesamt geblockt!

9': TOR. Die Störche gehen in Führung. Soares lässt eine Flanke passieren, Riemann kann zwar den Schuss von Mühling aus kurzer Distanz noch zur Seite lenken. Da steht aber Lee goldrichtig und schiebt ein.

20': Da haben wir Glück! Kiel macht weiter und kombiniert sich durch, Mühling von der Strafraumgrenze haarscharf links vorbei!

22': Endlich die erste Chance für uns! Flanke von Maier von der Außenbahn, Blum kommt zum Kopfball - drüber!

24': Özcan im Sechzehner auf Baku. Der schließt ab, aber aus sehr spitzem Winkel. Außennetz.

36': Ganvoula läuft sich gut frei, bekommt den Ball in den Fuß. Der Abschluss geht links vorbei. Aber das war's noch nicht...

38': Unfassbare Situation! Der Videoschiri greift ein. Ein Wechselspieler der Kieler hält den Abschluss vor der Torauslinie auf, nach Regelwerk ist das ein Vergehen! Schiri Gerach zeigt also auf den Punkt. Richtig, aber auch richtig kurios!

39':TOOOR! Ganvoula ist das alles völlig egal, der Torjäger behält die Nerven und trifft vom Punkt aus zum 1:1!

45': In der Nachspielzeit bekommen auch die Gastgeber einen Elfmeter! Serra tritt an, aber Riemann pariert schon wieder!

Pause: Was für eine Schlussphase. Wir gehen glücklich mit einem Remis in die Kabinen. Ganvoula bringt uns mit seinem 8. Saisontor zurück ins Spiel.

49': Bitter. Ganvoula sieht seine fünfte Gelbe und fehlt gegen Nürnberg.

52': TOR. Wieder gepennt. Decarli bekommt den Ball nicht weg, Serra bedankt sich und schießt wuchtig zum 2:1 ein.

61': Reis reagiert erstmals. Wintzheimer verstärkt die Offensive, Maier geht.

64': Da ist Wintzheimer direkt mal, verzieht aus gut 18 Metern aber letztlich klar!

67': Der zweite Wechsel: Simon Zoller kommt für Tom Weilandt!

68': Riesenchance zum Ausgleich! Ganvoula taucht frei vor Gelios auf, der Keeper rettet per Fußabwehr! Bitter!

78': Letzter Tausch: Chung Yong Lee kommt zu seinem Comeback, Eisfeld geht runter.

82': Meffert aus der Distanz, Riemann hebt den Ball über die Latte!

88': Da ist nochmal die gute Chance! Ganvoula legt für Wintzheimer ab, der trifft die Kugel nicht richtig!

89': Soares drüber! Auch da war mehr drin!

90': Drei Minuten Nachspielzeit.

90'+3: Letzte Flanke von Celozzi, geblockt. Das war's in Kiel!

Abpfiff: Letztlich zu wenig. Wir nehmen trotz des kuriosen Verlaufs in Durchgang eins keine Zähler aus dem Norden mit. Somit hänngen wir weiter tief unten drin.

Thomas Reis (Cheftrainer VfL Bochum 1848): Glückwunsch an Holstein Kiel. Es war ein kurioses Spiel, in dem wir die Zweikämpfe nicht so bestritten haben, dass man in der zweiten Liga besteht. Es gab zu häufig individuelles Fehlverhalten, die entscheidenden Momente haben wir komplett verpasst. Nachdem wir die Anfangsphase verschlafen haben und in Rückstand geraten sind, waren die Abstände ganz gut. Da haben wir Kiel aus dem Spiel heraus nicht viele Chancen gewährt, wir hatten selber aber auch nur eine Möglichkeit durch Danny Blum. Dann kam die kuriose Situation, in der du durch den Elfmeter ins Spiel zurückgeholt wirst. Dennoch haben wir es nicht geschafft, Stabilität reinzukriegen. Mit dem gehaltenen Elfmeter von Manuel Riemann läuft eigentlich alles für uns. Wenn man das Gegentor sieht, erkennt man, dass wir zu einfach Tore kassieren. Die Niederlage tut weh, trotzdem müssen wir nach vorne schauen. Das Spiel am Dienstag kommt für uns zu keinem guten Zeitpunkt, das Hauptaugenmerk muss auf der Liga liegen. Wir müssen schauen, dass wir mehr Stabilität reinkriegen und die individuellen Fehler abstellen.

Ole Werner (Cheftrainer KSV Holstein Kiel): Vielen Dank für die Glückwünsche. Wir haben ein kurioses und ganz intensives Spiel gesehen. Wir sind sehr gut in die Partie gekommen, haben auch direkt die Führung erzielt. Danach haben wir den Zugriff verloren und sind zu passiv geworden. Dennoch muss es nicht zum Ausgleich kommen. Das war natürlich ein Wahnsinns-Fehler, auf den wir allerdings sehr gut reagiert haben. Die Führung durch den Elfmeter haben wir leider liegen lassen, insgesamt haben wir in Durchgang eins aber vieles richtig gemacht. In den letzten Minuten haben wir das Ergebnis sehr leidenschaftlich verteidigt, insofern sind wir, was das Ergebnis angeht, sehr zufrieden mit diesem Abend. Es gab Phasen, die uns gezeigt haben, dass wir am Anfang einer Entwicklung stehen und nicht am Ende. Am Ende haben wir uns für die Leistung belohnt und dann kann man auch über den ein oder anderen Schnitzer in der ersten Halbzeit heute Abend lachen. Wir gehen guten Mutes in die nächsten Aufgaben am Mittwoch in Verl und nächste Woche in Bielefeld.

Manuel Riemann (VfL Bochum 1848): Wir haben zum zweiten Mal in Folge ein Tor geschenkt bekommen. Dann verschießt Kiel kurz vor der Halbzeit noch einen Elfmeter. Und all diese ganzen Merkmale, die dann im Fußball eigentlich für einen sprechen, bringen uns auch nichts. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Schon gegen Karlsruhe war es unglaublich, dass wir zur Pause 3:2 geführt haben. Und dann spielt man solch eine zweite Halbzeit. Dann versuchst du Dinge anzusprechen, zu tun und zu machen. Ich weiß, es ist schwierig im Fußball, dass dann sofort alles anders ist. Man muss sich die Dinge hart erarbeiten und erkämpfen. Am Ende des Tages haben wir es nur bis zur Halbzeit einigermaßen durchgezogen. Wir müssen es dann mal sein, die so ein Geschenk annehmen, das 2:1 machen, die sich ganz dreckig den Mund abwischen und mit drei Punkten nach Hause fahren. Ich bin nach so einem Spiel ratlos. Spätestens jetzt muss hier jeder verstanden haben, dass es nicht nur Abstiegskampf, sondern Existenzkampf ist.

Stefano Celozzi (VfL Bochum 1848): Es war sehr schlecht heute. Wir haben uns viel vorgenommen, sind aber maßlos enttäuscht nach dem Spiel. Wir haben einiges vermissen lassen, sind glücklicherweise noch durch den Elfmeter zurück ins Spiel gekommen. Dann geben wir wieder ein Tor her, das war insgesamt ein richtig schwaches Spiel. Die Situation ist absolut gefährlich. Wir stehen zurecht dort, wo wir stehen, und wir werden da nur gemeinsam herauskommen. Wir müssen uns zusammenraufen und alles geben. Wir müssen uns bei den Fans, die dabei waren, entschuldigen. Sie haben einen weiten Weg auf sich genommen und mussten so ein Spiel sehen.