10. Spieltag

VfL Bochum 1848
3: 3
Karlsruher SCKarlsruher SC

So,  20.10.201913:30 Uhr2. Bundesliga

Der KSC ist zurück in Liga zwo! Unter Chefcoach Alois Schwartz gelang dem Klub aus der Fächerstadt der Aufstieg ins Unterhaus. Somit kommt es nun auch wieder zu einem traditionsreichen Duell im deutschen Fußball, bereits 57 Mal trafen der VfL und Karlsruhe in Pflichtspielen aufeinander. In der jüngeren Vergangenheit wollte sich dabei aber nicht unbedingt ein Sieger herauskristallisieren. 9 der letzten 11 Partien endeten unentschieden. Unser Blick auf den Karlsruher SC:

Heimat
Karlsruhe liegt im Nordwesten Baden-Württembergs und zählt mit rund 313.000 Einwohnern nach Stuttgart zu der zweitgrößten Stadt des Bundeslandes. Bei der Gründung im Jahr 1715 entwarf der Markgraf Karl Wilhelm die Stadt an einem Reißbrett. Daher verlaufen auch heute noch die Straßen und Alleen fächerförmig von seiner damaligen Residenz, dem Karlsruher Schloss, aus. Dank dieses Grundrisses besitzt Karlsruhe den Beinahmen „Fächerstadt“. Neben dieser Bezeichnung zählt Karlsruhe jedoch auch als „Residenz des Rechts“, da das Bundesverfassungsgericht und der Bundesgerichtshof (BGH) ihren Sitz in der Stadt haben.  

Stadion
Ursprünglich war die Heimspielstätte des KSC, das Wildparkstadion, ein Fußball- und Leichtathletikstadion mit einem Fassungsvermögen von 50.000 Zuschauern. Nachdem im Zuge von Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen die Leichtathletikanlage entfernt wurde, befindet sich das Stadion seit Oktober 2018 im Umbau in ein reines Fußballstadion. Nach der geplanten Fertigstellung im Jahr 2022 soll das Stadion rund 35.000 Zuschauern Platz bieten.

Traditionsverein
Entstanden ist der Karlsruher SC am 16. Oktober 1952 aus der Fusion der beiden ehemaligen Sportvereine FC Phönix Karlsruhe und VfB Mühlburg. Der im Jahr 1894 gegründete FC Phönix entstammte aus der Zeit, als Fußball ein verpönter Sport war. Doch einige Jahre später etablierte sich der Verein und gewann an Bekanntheit. Als jedoch der Verein Anfang der 1950er-Jahre mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatte, wurde ein Zusammenschluss mit dem ebenfalls erfolgreichen, aber finanziell angeschlagenen, VfB Mühlburg in Betracht gezogen.

Die goldene Zeit
Die erfolgreichsten Jahre erlebte der KSC kurz nach seiner Gründung. In der Saison 1954/55 konnten die Nordbadener dank eines 3:2-Sieges gegen den FC Schalke 04 erstmals den DFB-Pokal gewinnen. Im darauffolgenden Jahr gelang es Karlsruhe sogar, den DFB-Pokal zu verteidigen. Damals besiegte der Sportclub den Hamburger SV im Endspiel mit 3:1. Die erfolgreichen Jahre der jüngeren Vereinsgeschichte waren zwischen 1987 und 1998. Während dieser Zeit spielte der KSC ununterbrochen in der Ersten Bundesliga. Zudem etablierten sich die damaligen Talente und spätere Nationalspieler Oliver Kahn, Michael Sternkopf und Mehmet Scholl.

Der Trainer
Als Spieler begann Alois Schwartz seine Karriere bei den Stuttgarter Kickers, wo er den Sprung aus der Jugend zu den Profis schaffte. Insgesamt absolvierte er für die Kickers in sechs Jahren 160 Spiele. In dieser Zeit gelang ihm mit den Stuttgartern zweimal der Aufstieg in die Bundesliga. Danach wechselte er für zwei Spielzeiten zum MSV Duisburg und später zu Rot-Weiss Essen. Seine Spielerkarriere beendete Schwartz beim österreichischen FC Hard. Nach seiner aktiven Laufbahn machte der gebürtige Baden-Württemberger seine ersten Schritte als Trainer bei Rot-Weiß Erfurt. Vor seiner Station beim KSC, die er in der Saison 2017/18 antrat, war der 52-jährige Übungsleiter beim 1. FC Nürnberg.

Duelle
In der Gesamtbilanz hat der VfL die Nase vorn. In insgesamt 57 Begegnungen konnten die Blau-Weißen 21-Mal über die volle Punkteausbeute jubeln. 22-Mal trennten sich die Klubs nach dem Schlusspfiff unentschieden und in 14 Partien musste sich der VfL geschlagen geben. Beim letzten Aufeinandertreffen zwischen dem VfL und dem KSC am 19. Spieltag in der Zweitligasaison 2016/17 stand am Ende ein 1:1-Unentschieden. Damals brachte Stefan Mugosa die Gäste in Führung. Fünf Minuten vor dem Ende glich Johannes Wurtz für den VfL aus und sicherte seinem Team somit einen Punkt.

Die Bilanz
Dem Karlsruher SC gelang ein Saisonauftakt nach Maß: Gleich zu Beginn der Spielzeit fuhr die Elf von Alois Schwartz zwei Siege ein – 2:1 beim SV Wehen Wiesbaden und 4:2 gegen die SG Dynamo Dresden. Danach folgten jedoch drei Niederlagen am Stück, ehe sich die Badener im Mittelfeld der Tabelle festsetzten. Ebenso wie der VfL ist auch der KSC seit vier Spielen in Serie ungeschlagen. Nach einem 1:0-Sieg beim SV Sandhausen folgten jeweils dreimal ein 1:1 beim 1. FC Nürnberg, gegen den 1. FC Heidenheim sowie zuletzt beim SV Darmstadt 98.

 

Konstante in dieser Saison: Der VfL teilt sich anne Castroper die Punkte! Auch gegen den Karlsruher SC kamen die Blau-Weißen nicht über ein Unentschieden hinaus. In Durchgang eins gingen die Gäste zweimal in Führung, Saulo Decarli (10.) und Danny Blum (30.) konnten jeweils ausgleichen, kurz darauf traf Cristian Gamboa gar zur Führung (32.). Die hielt auch bis in die Nachspielzeit des zweiten Durchgangs, ehe Anton Fink für die in Unterzahl agierenden Baden doch noch zum 3:3 traf (90.+1).

Cheftrainer Thomas Reis vertraute auch beim heutigen Heimspiel gegen den KSC auf die gleiche Startelf wie schon beim 3:2-Auswärtssieg beim 1. FC Heidenheim. Vor Keeper Manuel Riemann bildeten Cristian Gamboa, Simon Lorenz, Saulo Decarli und Danilo Soares die Viererkette. Davor postierten sich Vitaly Janelt und Kapitän Anthony Losilla. Die Außenbahnen übernahmen erneut Simon Zoller und Danny Blum. In der Spitze agierte Silvère Ganvoula. 

4.: Die erste Chance der Partie verbuchen die Gäste: Marc Lorenz schlägt den Ball in die Mitte. Choi steigt am Höchsten, köpft den Ball aber knapp links am VfL-Gehäuse vorbei. 

8.: TOR. Den dritten Eckball innerhalb weniger Minuten nutzen die Gäste, um in Führung zu gehen. Hofmann entwischt Decarli, kommt an die Kugel und drückt sie per Kopf über die Linie – 0:1.  

10.: TOOOOOR! Direkte Antwort des VfL! Maier bringt die Ecke schön rein, Decarli löst sich von seinem Gegenspieler und nickt ein – 1:1.

12.: Blum sieht für ein Foulspiel an Fröde die erste Gelbe Karte der Partie. 

17.: Platzverweis auf Seiten des KSC! Erst sieht Fröde für ein Foulspiel an Zoller die Gelbe Karte. Im Anschluss gibt es für eine Geste in Richtung des Schiedsrichters Gelb-Rot – der KSC ab sofort nur noch zu Zehnt! 

20.: Gute Chance für den VfL: Maier schlägt einen Freistoß von der linken Außenbahn in den Strafraum, doch Lorenz verpasst Ball knapp. 

21.: TOR. Im direkten Gegenzug die erneute KSC-Führung. Roßbach hat viel Platz und legt den Ball quer auf Choi, der am Elfmeterpunkt genau richtig steht und einschiebt. 

28.: Schiedsrichter Winter bekommt ein Signal aus Köln, sieht sich die Szene noch einmal am Bildschirm an und entscheidet auf Strafstoß für den VfL – Janelt wurde zuvor von Gordon im Strafraum von den Füßen geholt.  

30.: TOOOOOOR! Blum schnappt sich die Kugel und haut den Ball links unter Uphoff ins Netz, der die Ecke geahnt hatte – 2:2!

31.: TOOOOR! Führung für den VfL! Ganvoulas Hereingabe segelt an den Pfosten, springt von dort zurück und genau vor die Füße von Gamboa, der kompromisslos zum 3:2 abstaubt! 

38.: Janelt mit einem wuchtigen Schuss aus der zweiten Reihe, leider wird der Schuss abgefälscht und geht ins Seitenaus. 

40.: Marc Lorenz will auf der linken Seite für den KSC durchstarten – Gamboa stoppt ihn und sieht dafür Gelb.

Halbzeit: Dieses Spiel bietet heute alles: Viele Tore, einen Platzvereis und eine 3:2-Pausenführung für den VfL! Zweimal sind die Blau-Weißen nach einem Rückstand zurückgekommen und haben sich dann für eine Druckphase mit dem 3:2 belohnt. 

46.: Der KSC wechselt zur zweiten Halbzeit: Torschütze Choi macht Platz für Alexander Groiß. 

49.: Elfmeter für den KSC! Riemann bringt Wanitzek im Straftraum zu Fall. Lorenz läuft an und will die Kugel im linken Eck unterbringen – doch Riemann ahnt dies und pariert den Schuss stark!

51.: Die nächste Verwarnung: Roßbach geht gegen Zoller nur in den Mann und sieht dafür Gelb. 

55.: Gute Chance für Maier. Doch sein Abschluss kurz vor der Kante des Sechzehners segelt leider über den Kasten des KSC. 

59.: Der VfL ist am Drücker. Zoller gibt ab auf Losilla, der aus 20 Metern wuchtig abzieht, den Ball jedoch über das Tor setzt. 

61.: Zwei Ecken für den VfL innerhalb weniger Sekunden. Erst wird Janelts Schuss aus der zweiten Reihe abgefälscht, dann scheitert Blum mit seinem Kopfball an Keeper Uphoff. 

66.: Stiefler sieht für ein taktisches Foul gegen Maier im Mittelfeld Gelb. 

69.: Wechsel beim VfL: Cheftrainer Thomas Reis bringt Tom Weilandt für Sebastian Maier ins Spiel.

77.: Was für ein Ding von Ganvoula: Der Kongolese lässt er zunächst seinen Gegenspieler aussteigen und donnert das Spielgerät dann wuchtig ans Lattenkreuz. 

78.: Zweiter Wechsel bei den Hausherren: Stefano Celozzi kommt für Gamboa.

80.: Die Gäste wechseln nun auch: Roßbach raus, Pourie rein.

83.: Letzter Wechsel beim VfL: Milos Pantovic ersetzt Simon Zoller. 

88.: Dicke Chance für den VfL: Pantovic gibt weiter auf Blum, der in der Mitte heranrauscht, aber am Ball vorbeirutscht. 

90.: Auch der KSC wechselt zum letzten Mal: Anton Fink für Marco Thiede. 

90. +1: Tor! Das darf nicht wahr sein, der KSC gleicht durch den eben eingewechselten Fink aus – 3:3.

Ende: Der VfL gibt in letzter Sekunde den Sieg aus der Hand und steht nach einer wilden Partie gegen den KSC mit einem Punkt da. 
 

Thomas Reis (Cheftrainer VfL Bochum 1848): Wir hatten heute in sehr vielen Aktionen Glück. Enttäuschend war, wie wir in das Spiel reingegangen sind. Wir haben nach acht Minuten schon drei Eckbälle zugelassen, obwohl wir wussten, dass Karlsruhe da enorme Qualitäten hat. Wir haben keine Ruhe in unser Spiel bekommen. Wir haben nicht gut gegen den Ball gearbeitet. Dann gehen wir in 3:2 in Führung und müssen das dann verteidigen und den dreckigen Sieg mit nach Hause nehmen. Es ist ein absolut verdienter Punktgewinn für Karlsruhe. Jetzt gilt es wieder Wunden zu lecken und daran zu arbeiten, dass wir mehr Stabilität in unser Spiel und nicht mehr so viele Gegentore bekommen.

Alois Schwartz (Cheftrainer Karlsruher SC): Als allererstes möchte ich meiner Mannschaft ein Kompliment machen: Wie sie heute aufgetreten ist, hier gespielt hat und insgesamt einen mehr als verdienten Punkt mitnimmt. Doch das der Schiedsrichter zweimal so spielentscheidend eingreift und wir zweimal benachteiligt werden, ist eine kleine Katastrophe. Letztendlich waren wir gut im Spiel, doch dann bleibt das Geschehen stehen und der Schiedsrichter gibt einen Elfmeter. Vor dem Elfmeter war eine klare Abseitsposition, wenn der Videobeweis eingreift, dann muss er das auch sehen. Dann mussten wir mit zehn Mann hinterherrennen. Das 3:2 war ein Genickschuss und musste erst verarbeitet werden. Letztendlich haben wir hier mehr als einen Punkt verdient. Mit zehn Mann haben wir die besseren Möglichkeiten gehabt.

Simon Lorenz: Mir fehlen so kurz nach dem Spiel die Worte. Wir bekommen relativ schnell die ersten zwei Gegentore, kommen dann gut in die Partie und gehen in Führung. In der zweiten Halbzeit, insbesondere in den letzten 30 Minuten, haben wir das Tempo vermissen lassen und es verpasst, das Spiel vorzeitig für uns zu entscheiden. Wir müssen uns jetzt die Szenen noch einmal anschauen und analysieren.

Anthony Losilla: Was soll ich zu diesem Spiel sagen. Wir hätten heute drei Punkte holen können. Obwohl wir schlecht angefangen haben und in Rückstand geraten sind, gleichen wir schnell aus. Dann sind wir sogar in Überzahl. Wir haben heute zu wenig gemacht, um die drei Punkte zu holen. Es sind die gleichen Muster: jede Woche ist es hier zu Hause das Gleiche. Fakt ist, dass wir zu unsicher sind, obwohl wir in Überzahl waren und geführt haben.

Saulo Decarli: Meiner Meinung nach hat alles mit Bereitschaft zu tun. Wenn wir nicht bereit sind, über 95 Minuten alles zu geben, dann werden wir weiter bestraft – das ist unglaublich. Es darf einfach nicht passieren, dass wir am Ende die Punkte herschenken. Ich habe keine Worte dafür. Wir haben absolut die Qualitäten, um besser zu spielen, trotzdem hängen wir in der Tabelle unten drinnen, das ist zu wenig.