7. Spieltag

SV Sandhausen
1: 1
VfL Bochum 1848VfL Bochum 1848

Sa,  21.09.201913:00 Uhr2. Bundesliga

Der 5. Spieltag ist gespielt, dick drin in der Spitzengruppe: Der SV Sandhausen. Ein ungewohntes Bild für den SVS. Drei Siege am Stück haben unseren kommenden Gegner somit nach ganz oben katapultiert. Jüngst gab es zwar eine mehr als unglückliche Niederlage in Karlsruhe, doch die Kurpfälzer liegen mit ihren 10 Zählern absolut im Soll.

Uwe Koschinat, der seit gut einem Jahr die sportlichen Geschicke an der Seitenlinie leitet, hätte mit einem Dreier in Karlsruhe sogar einen Vereinsrekord aufstellen können. Vier Siege in Serie, das gab es in Liga zwo noch nicht für den SVS. Doch beim KSC fehlte es an der Effektivität der Vorwochen. Gerade nach dem Seitenwechsel war Sandhausen bestimmend, das Tor allerdings erzielten die Badener. Manuel Stiefler, selbst fünf Jahre lang für den SVS im Einsatz, stocherte das Leder zum spielentscheidenden Treffer über die Linie. Ein kleiner Dämpfer, aber längst kein Weltuntergang. Schließlich haben die Sandhäuser zuvor fleißig Punkte gesammelt. Und das ja auch nicht irgendwo und gegen irgendwen. Heimsieg gegen Darmstadt, Auswärterfolg in Heidenheim, Heimdreier gegen Bundesliga-Absteiger Nürnberg – das lässt sich sehen.

Dabei musste Koschinat im Sommer gerade offensiv schwerwiegende Verluste hinnehmen. Toptorschütze Andrew Wooten kickt mittlerweile in der nordamerikanischen MLS. Fabian Schleusener, treffsicherer Leihgabe vom SC Freiburg, wurde mittlerweile an den FCN weitergegeben. Am DeadlineDay zog es dann auch noch Philipp Förster zum großen Aufstiegsfavoriten aus Stuttgart. Macht aber nicht wirklich was, denn der SVS hat es bislang in dieser Saison blendend hinbekommen, zumeist einen Treffer mehr als der Gegner zu erzielen. Kevin Behrens als bester Schütze hat aktuell drei Buden auf dem Konto. Doch besonders defensiv glänzt unser kommender Gegner. Der Russe Aleksandr Zhirov und Gerrit Nauber gehören zu den notenbesten Verteidigern, zudem präsentiert sich Dennis Diekmeier weiterhin als absoluter Gewinn für die Kurpfälzer. Im vergangenen Winter, als es nicht gerade rosig um die Sandhäuser stand, kam der langjährige HSV-Profi zum SVS. Mittlerweile führt Diekmeier seine Mannschaft als Kapitän aufs Feld, wenn denn der etatmäßige Spielführer Stefan Kulovits – und das ist der Regelfall – nicht auf dem Platz steht. Gut möglich zudem, dass am Samstag Besar Halimi sein Debüt für Sandhausen geben wird. Der kosovarische Nationalspieler kam kurz vor Ende der Wechselfrist aus Dänemark von Bröndby IF.

Eine schwere Aufgabe, keine unmögliche aber, weiß auch Chefcoach Thomas Reis: „Der SVS ist schon die Überraschungsmannschaft bisher. Sie zeigen, dass man mit einer guten Defensive viele Punkte einfahren kann. Aber ich will das nicht auf die Abwehr beschränken. Sie spielen ein gutes Pressing, haben gute Einzelspieler in ihren Reihen. Wir müssen schauen, dass wir kompakt stehen und Sandhausen dann unter Druck setzen.“

Und dass wir vorgewarnt sind, hat alleine schon der letzte Auftritt am Hardtwald zur Folge. Gute erste Halbzeit, in der wir eigentlich unbedingt hätten führen müssen. Knipping, Wooten und Schleusener stellten in Durchgang zwo auf 3:0 für die Hausherren. Dabei waren die Kurpfälzer zuvor eigentlich eine Art Lieblingsgegner der Blau-Weißen. In 13 Duellen mussten wir uns nur zwei Mal geschlagen geben. Vor dem bitteren 0:3 blieb der VfL neun Mal am Stück gegen den SVS unbesiegt. Aber was sind schon Serien? Gerade in unserer Situation juckt uns das herzlich wenig, denn schließlich wollen auch wir am Samstag unsere Serie nach sechs sieglosen Partien in dieser Saison endlich beenden. Und somit auch den Auswärtsfluch. Den letzten Ligadreier durften wir nämlich im Dezember 2018 feiern. Wird Zeit…

Riesenchance, 1:0-Führung nach der Pause (Torschütze: Ganvoula), und doch nicht der erste Saisonsieg für den VfL! In Sandhausen betrieb die Reis-Elf Chancenwucher. Gleich mehrfach hätten Zoller, Ganvoula und Co. eine klare Führung herausschießen können. Zwei Minuten vor dem Ende nutzte schließlich Bouhaddouz irgendwie eine der ganz wenigen SVS-Gelegenheiten zum Ausgleich.

Sonnenschein, 25 Grad – perfekte Bedingungen für die Auswärtspartie beim SV Sandhausen. VfL-Cheftrainer Thomas Reis nahm im Vergleich zum zurückliegenden 2:2 gegen die SG Dynamo Dresden zwei Änderungen an der Startformation vor: Für den erkrankten Sebastian Maier rückte Simon Zoller in die erste Elf. Danny Blum startete für Thomas Eisfeld, der zunächst auf der Bank Platz nahm.

2.: Erste Ecke für den VfL und sogleich die erste richtig dicke Chance! Danny Blum bringt die Kugel in den Strafraum, wo Saulo Decarli zwei Meter vor dem Tor genau richtig steht, doch das Spielgerät nicht an SVS-Keeper Fraisl vorbeibringen kann. Auch der Nachschuss von Simon Lorenz wird geblockt.

6.: Der VfL, heute zum ersten Mal in dieser Saison komplett in Rot spielend, startet aktiv, mit viel Tempo in die Partie und stößt immer wieder in die Sandhäuser Hälfte vor. 

10.: Auf der linken Außenbahn startet eins ums andere Mal Blum. Seine scharfe Flanke findet jedoch nicht Silvère Ganvoula, der in der Mitte lauert. 

17.: Miloš Pantović bringt die Kugel vom linken Strafraumeck mit einer schönen Hereingabe vor den SVS-Kasten. Dort lauert Zoller, der zum Kopfball hochsteigt und den Ball gut trifft, doch Fraisl fliegt und bekommt noch die Hand dazwischen. 

24.: Danilo Soares bringt den Ball von der linken Seite in die Mitte, wo Vitaly Janelt komplett freisteht, die Kugel aber nicht richtig trifft und neben den Kasten setzt!

26.: Auch der SVS kommt zu seinen Chancen: Engels marschiert und hält aus 18 Metern von halblinker Position drauf. Doch Manuel Riemann reagiert schnell und begräbt den Ball sicher unter sich.

31.: Nächste gute Flanke von Soares aus dem Halbfeld – und Zoller ist zur Stelle, doch setzt seinen Kopfball knapp neben das Tor. Da fehlte nicht viel!

38.: Pantović fasst sich aus der Distanz ein Herz und zieht aus 25 Metern wuchtig ab, doch die Kugel segelt über den Querbalken. 

41.: Nächste Gelegenheit für den VfL! Nachdem sich die Schützlinge von Coach Reis über mehre Stationen durch die Sandhäuser Hälfte kombiniert haben, landet der Ball bei in zentraler Position gut 20 Meter vor dem Tor bei Toto Losilla, der abzieht, doch das Leder knapp links neben das Gehäuse setzt. 

45.: Kurz vor der Pause die wohl beste Chance für den VfL: Zoller läuft frei auf Fraisl zu, schießt jedoch den SVS-Keeper an! 

Pause: Der VfL startete sein Auswärtsspiel im Hardtwald mit viel Tempo und erspielte sich so etliche Möglichkeiten. Doch die richtig großen Chancen auf die verdiente Führung wurden von Decarli, Losilla und Zoller (3) ausgelassen. Motto für die zweite Halbzeit: So weitermachen, aber die Chancen besser nutzen. 

46.: Die Hausherren wechseln zum zweiten Durchgang einmal: Für Rurik Gislason kommt Robin Scheu ins Spiel. VfL-Chefcoach Reis nimmt zunächst keinen personellen Änderungen vor. 

50.: Die erste Gelegenheit nach dem Wiederanpfiff gehört dem SVS: Nach einem Eckball der Gastgeber landet die Kugel bei Engels, der abschließt, doch Riemann hat den Ball sicher. 

57.: TOOOOOOR für den VfL! Ecke für den VfL: Dieses Mal legt sich Pantović den Ball zurecht und bringt das Ding genau auf Ganvoula in der Mitte hinein, der zum 1:0 verwandelt! 

60.: Pantović lässt sich im Strafraum fallen und sieht für die Schwalbe Gelb. 

62.: Der SVS wechselt zum zweiten Mal: Besar Halimi macht Platz für Julius Biada. 

67.: Freistoß aus halblinker Position für die Gastgeber: Philip Türpitz versucht es direkt – überhaupt kein Problem für Riemann.  

71.: Der SVS macht jetzt Dampf und wirft alles nach vorne. Der VfL hält dagegen und die Gäste vom Tor fern.

76.: Erster Wechsel beim VfL: Robert Tesche kommt für Pantović in die Partie.

78.: Ganvoula nimmt die Kugel mit der Brust an, geht den Schritt in Richtung Sechzehner und zieht ab: Sein wuchtiger Schuss landet allerdings neben dem Tor. 

79.: Letzter Wechsel auf Seiten der Gastgeber: Aziz Bouhaddouz für Mario Engels. 

83.: Auch Reis wechselt nochmal: Cristian Gamboa ist angeschlagen, weicht für Stefano Celozzi. 

85.: Tesche sieht für ein Foul die Gelbe Karte. Den fälligen Freistoß aus zentraler Position setzt Türpitz weit über den Kasten von Riemann.

88.: Tor! Das ist der Ausgleich für den SVS. Der eingewechselte Bouhaddouz staubt nach einigem Gewühle im Strafraum ab. Das Tor wurde vom Videoassistenten noch einmal überprüft, sowohl auf Handspiel als auch auf Abseits, zählt aber. 

90.+2: Und fast noch das 2:1 für den SVS. Riemann rettet einen Schuss von Diekmeier aus Nahdistanz in letzter Not zur Ecke. 

Ende: Ja, bitter. Ja, unnötig. Aber: Die Fortschritte, die die Mannschaft unter der Regie von Thomas Reis sind unverkennbar. In der ersten Halbzeit erarbeitet sich der VfL ein Chancenplus von 8:2, ohne jedoch selbst hundertprozentige Gelegenheiten nutzen zu können. Im zweiten Abschnitt ist die Partie weniger einseitig, dafür aber endlich mit dem hochverdienten Führungstreffer für die Blau-Weißen. Leider reicht die knappe Führung nicht zum Sieg, Sandhausen wirft in den letzten zehn Minuten alles nach vorne, erzielt den Ausgleich. In der Nachspielzeit hält Manuel Riemann den einen Punkt fest. Die Mannschaft ist enttäuscht, ohne zu enttäuschen. Nächste Woche geht es gegen den SV Darmstadt 98, der mit dem Ex-VfL-Coach Dimitrios Grammozis an die Castroper Straße kommt. Dann gilt es, die sich bietenden Chancen besser zu nutzen als heute.

Thomas Reis (Cheftrainer VfL Bochum 1848): Es ist schwierig, dieses Spiel heute richtig einzuordnen. Wir haben eine tolle erste Halbzeit gespielt, in der wir uns ein Chancenplus erarbeiten konnten. Leider haben wir es da noch verpasst in Führung zu gehen. Das haben wir dann im zweiten Durchgang geschafft. Danach war uns bewusst, dass Sandhausen alles nach vorne werfen und große Spieler für die Offensive bringen wird. Wir konnten dann nicht mehr so für Entlastung sorgen und haben den ein oder anderen Konter nicht gesetzt. Insgesamt haben wir dann nicht mehr gut verteidigt, sodass das Gegentor fällt. Wir können dann zum Schluss noch froh sein, dass wir nicht noch den zweiten Gegentreffer kassieren, da haben wir grob fahrlässig verteidigt. Natürlich ist die Enttäuschung groß, weil ich glaube, dass wir heute einen Dreier hätten mitnehmen können. Natürlich reicht es nicht, wenn man als Tabellen-17. in das Spiel geht und nur einen Punkt holt. Trotzdem stimmt mich die Art und Weise, wie sich die Truppe heute und auch letzte Woche präsentiert hat, positiv. Wir werden weiterhin hart daran arbeiten, dass wir den ersten Dreier möglichst schon nächste Woche gegen Darmstadt holen.

Uwe Koschinat (Cheftrainer SV Sandhausen 1916): Ohne Wenn und Aber müssen wir heute über einen absolut glücklichen Punktgewinn reden. Aus meiner Sicht war die Leistung des VfL sehr gut, aber auf uns bezogen haben drei Faktoren dazu geführt, dass wir heute unheimliche Probleme hatten: Wir haben die taktische Ausrichtung nicht gut umgesetzt. Gerade in der ersten Halbzeit hatten wir große Probleme, die Breite in der vordersten Angriffslinie abzudecken. Simon Lorenz konnte beispielsweise immer wieder bis in unsere Hälfte andribbeln. Wir haben keinen guten Zugriff gefunden und mussten immer nachschieben, sodass der VfL ein fußballerisches Übergewicht hatte. Der zweite Punkt ist die Laufleistung, auch da habe ich heute Defizite gesehen. In vielen Situationen hat man von draußen regelrecht darauf gewartet, dass meine Spieler zugreifen und offensiv verteidigen. Wir waren viel zu zögerlich, Bochum konnte sich so oft aus Pressing-Situationen rausspielen und schnell auf der anderen Seite für Gefahr sorgen. Das hat mir überhaupt nicht gefallen. Darüber hinaus haben wir eine hohe Zahl an technischen Unzulänglichkeiten gehabt, einfache Passstafetten waren bei uns holprig. Wir haben sehr viel rückwärts und zögerlich gespielt, die Genauigkeit fehlte auch. Das bedeutet gegen eine gute Mannschaft wie den VfL – und das ist sie unabhängig vom Tabellenplatz – dass es sehr unruhig wurde. Deshalb war ich froh, dass wir zum einen mit einem 0:0 in die Pause gehen konnten und zum anderen in der zweiten Halbzeit zumindest phasenweise die deutliche Bochumer Überlegenheit eindämmen konnten. Trotzdem ist das 0:1 gefallen. Ehrlicherweise brauchte man dann viel guten Glauben an die eigene Mannschaft, dass wir nochmal zurückkommen. Aber die Truppe hat daran geglaubt. In der Endphase können wir fast noch einen Dreier landen, aber lassen wir die Kirche im Dorf: Das wäre heute in Summe zu viel des Guten gewesen. Es war ein glücklicher Punkt für uns, mit dem wir heute gut leben müssen und können.

Anthony Losilla (VfL Bochum 1848): So ist es im Fußball – wer seine Chancen nicht nutzt, der wird bestraft. Wir hätten heute in der ersten Halbzeit zwei, drei Tore erzielen müssen. Dann machen wir die Dinger nicht rein und am Ende kassieren wir noch das Tor. Wir können viel Positives aus dem Spiel ziehen, doch irgendwann müssen wir auch anfangen zu punkten. Ich sehe es so, dass wir heute zwei Punkte verloren haben. Es tut einfach weh, doch wir werden weiter an uns arbeiten. Wir können die Situation immer noch drehen. Ich glaube an uns, ich vertraue der Mannschaft. Ich glaube, dass wir heute das bessere Team waren, jetzt müssen wir an unserer Effizienz arbeiten. Es reicht nicht mehr, nur gut Fußball zu spielen. Jetzt müssen wir die Tore machen und dürfen keine mehr bekommen. 

Danny Blum (VfL Bochum 1848): Natürlich ärgert es uns sehr, dass wir uns heute die Punkte teilen müssen. Aufgrund der ersten Halbzeit waren wir klar die bessere Mannschaft – haben hinten wenig zugelassen und hatten vorne drei, vier richtig gute Möglichkeiten. Auch in der zweiten Halbzeit kommen wir gut aus der Pause und haben meiner Meinung nach das Spiel auch gut im Griff. Nach der Führung hatte ich das Gefühl, dass uns ein wenig das Selbstbewusstsein abhandengekommen ist. Wir haben nicht mehr so klar noch vorne gespielt und kriegen dann auch noch in der 88. Minute den Ausgleich. Das ist so unnötig, so bitter, dass wir die Punkte hergeschenkte haben. 

Sebastian Schindzielorz (Geschäftsführer Sport VfL Bochum 1848): Ich denke, dass wir in der ersten Halbzeit ordentlich gespielt haben und einige Chancen hatten. Aus meiner Sicht hätten wir in Führung gehen müssen, doch das ist uns leider nicht gelungen. In Durchgang zwei machen wir dann das Tor, doch in der aktuellen Situation ist es leider typisch für uns, dass wir den Sieg noch hergeben. Wir hätten hier heute als Sieger vom Platz gehen müssen. Wir haben zu wenig Punkte, deshalb sind wir natürlich alle enttäuscht. Wir müssen uns der Situation stellen und versuchen, unser nächstes Heimspiel gegen Darmstadt zu gewinnen.