18. Spieltag

VfL Bochum 1848
2: 3
SSV Jahn RegensburgSSV Jahn Regensburg

So,  22.12.201913:30 Uhr2. Bundesliga

Der Jahn: Bekannte Ziele! Neue Probleme?

Dieser Erfolg ist gleichzusetzen mit einer Meisterschaft! Gern gezogene Floskel, wenn Teams in den Profiligen der Bundesrepublik teils weit über ihren Erwartungen hinaus im Saisonziel einlaufen. Durchaus verständlich aber diese Umschreibungen, nehmen wir doch mal unseren Auftaktgegner in die Spielzeit 2019/20. Zwei Mal in Folge gingen der SSV Jahn Regensburg mit dem Ziel Klassenerhalt ins Rennen. Zwei Mal in Folge waren die Bayern meilenweit von den gefährlichen Abstiegsregionen entfernt.  

Ein sensationeller fünfter Platz im ersten Jahr nach der Zweitligarückkehr, ein starker achter Platz in der letzten Saison. Wer hätte das zuvor gedacht!? Auch beim Jahn selbst wohl nur die kühnsten Optimisten. Schließlich spielte Regensburg noch im Sommer 2016 in der Regionalliga Bayern. Heiko Herrlich, durchaus bekannt anne Castroper, formte unseren künftigen Ligakonkurrenten. Achim Beierlorzer führte diese erfolgreiche Arbeit in den vergangenen beiden Jahren fort.

Gefragtes Personal

Solche Leistungen wecken Begehrlichkeiten. Nicht nur, was das Personal auf dem Rasen betrifft. Auch der Linienchef war gefragt. Und so wechselte der ehemalige Leipziger Beierlorzer in diesem Sommer ins Rheinland, wo er den 1. FC Köln nach dem Wiederaufstieg in der Bundesliga etablieren soll. Einer der entscheidenden Erfolgsgaranten der vergangenen beiden Jahre also weg, neue Probleme für den Jahn? Die „Trainerproblematik“ jedenfalls hat man clever beiseite geschoben und sich der naheliegendsten Lösung bedient. Mersad Selimbegovic heißt der neue Chefcoach, zuvor als „Co“ von Beierlorzer direkt am Erfolgsweg der Bayern beteiligt. Hier dürfte es schon mal keinerlei Findungsprobleme geben, will der neue Übungsleiter doch am bewährten System festhalten.

Entscheidend dafür allerdings: Das Spielerpersonal. Auch hier musste der Jahn den jüngsten Leistungen Tribut zollen. Sargis Adamyan, u.a. HSV-Schreck der Vorsaison, wurde von Bundesligist Hoffenheim abgeworben. Hamadi Al Ghaddioui, Torschütze des ganz späten Ausgleichs beim 3:3 anne Castroper im letzten Jahr, stürmt nun für den VfB Stuttgart. Auch Stamm- und Aufstiegskeeper Phillip Pentke ist nicht mehr am Start, steht nun ebenfalls in Sinsheim unter Vertrag.

Neu sind dafür neben dem VfL-Eigengewächs Tom Baack u.a. Torwart Alexander Meyer (VfB Stuttgart), Tim Knipping (SV Sandhausen, fällt allerdings mit Bandscheibenvorfall aus), Max Besuchkow (Eintracht Frankfurt), sowie die Stürmer Erik Wekesser (Astoria Walldorf), Jan-Marc Schneider (Pauli) und der Däne Andreas Albers (Viborg FF). Der ein oder andere davon soll die Stützen des Teams ergänzen. Schließlich verfügt der Jahn in Marcel Correia, Andreas Geipl, Marc Lais und allen voran Kapitän Marco Grüttner auch über reichlich Wettkampferfahrung.

Statistik: Ausgeglichen!

Das musste auch der VfL in der Vorsaison feststellen. Beim bereits erwähnten 3:3 in der vergangenen Hinrunde mussten die Blau-Weißen in buchstäblich letzter Sekunde den Ausgleich hinnehmen. In Regensburg führte der VfL zwar ebenfalls, am Ende jubelte aber der Jahn über einen 2:1-Heimsieg. Insgesamt traf man bis dato sechs Mal in der 2. Bundesliga aufeinander. Die Bilanz ist dabei ausgeglichen. Je zwei Siege pro Team, hinzu kommen zwei Remis. Interessante Randnotiz: Beide Siege fuhren die Blau-Weißen dabei in der Ferne ein, jeweils per 1:0-Erfolg. Würden wir diesmal definitiv auch so nehmen!

Müssen wir nur noch den passenden Torschützen in den schicken blauen Auswärtstrikots finden. Simon Zoller steigt nach seiner Schnittwunde voraussichtlich erst gegen Ende der Woche ins Training ein. Silvère Ganvoula muss nach seiner Gelb-Roten Karte im letzten Spiel der Vorsaison passen. Die nominellen Stürmer machen’s also (womöglich) nicht. Gibt ja noch andere Kandidaten. Milos Pantovic glänzte als Toptorschütze der Vorbereitung (7 Treffer), Danny Blum zeigte u.a. im letzten Test gegen Hertha noch einmal, dass er absolut weiß, wo die Kiste steht. Wir sind gespannt und haben Bock auf die erste Auswärtsfahrt der Saison!

Der VfL Bochum 1848 hat das letzte Pflichtspiel des Jahres verloren. Gegen den SSV Jahn Regensburg mussten sich die Blau-Weißen trotz Überlegenheit und der Mehrzahl an Torchancen mit 2:3 geschlagen geben. Die Gäste zeigten sich äußerst effektiv, nutzten ihre beiden Chancen vor der Pause für zwei Treffer. Silvère Ganvoula brachte die Reis-Elf wieder ran (42.). Im zweiten Abschnitt deziminierte sich der Jahn zunächst selbst (Gelb-Rot Geipl), traf in Unterzahl aber zum 1:3. Der Treffer von Anthony Losilla (83.) änderte nichts mehr am Ausgang. Ausgerechnet im letzten Heimspiel reißt die Serie von 14 ungeschlagenen Partien im Vonovia Ruhrstadion.

Angesichts der stimmenden Formkurve und der Leistung gerade in der ersten Hälfte gegen 96 gibt es für VfL-Trainer Reis auch keinen Grund, die Startelf zu verändern. Lediglich Armel Bella Kotchap erhält die angekündigte Pause, seinen Platz auf der Bank nahm Stefano Celozzi ein. Mersad Selimbegovic auf der Gegenseite beließ es nach der 0:1-Niederlage beim FC Erzgebirge Aue bei einer Änderung, Andreas Geipl spielte für den gelbgesperrten Max Besuschkow in der Anfangsformation der Gäste.

1. Die ersten Abschlüsse gehören dem VfL. Silvére Ganvoula versucht es nach 20 Sekunden aus der Distanz – drüber und Ecke. Daraufhin kommt Simon Zoller zum Schuss, der zu zentral abschließt.

3. Dauerdruck er Bochumer. Ganvoula holt auf links den Freistoß raus, den Blum bringt und wieder den Kongolesen findet. Der schraubt sich hoch, setzt den Kopfball aber einen halben Meter neben den Kasten.

7. Dauerfeuer auf das Jahn-Gehäuse. Danny Blum, Manuel Wintzheimer und erneut Blum hauen aus der Distanz drauf, treffen allerdings jeweils nur Regensburger Abwehrbeine.

15. TOR für Regensburg – 0:1. Der Jahn eiskalt. Erste ernste Torannäherung, erstes Tor. Nach einem Ball in die Mitte kommt Sebastian Stolze zu leicht zwischen Saulo Decarli und Cristian Gamboa hindurch und spitzelt dann das Leder am herausstürmenden Manuel Riemann vorbei ins Netz. Unnötiges Ding.

32. TOR für Regensburg – 0:2. Die Führung tat dem Jahn gut, der Elan des VfL ist abgeebbt und das Spiel weitestgehend eingeschlafen. Vorne bleiben Selimbegovics Mannen obendrein gnadenlos. Stolze hat nach einem Pass von Geipl die komplette VfL-Hälfte für sich, zieht zum Tor und legt für den mitgelaufenen Albers quer. Der muss nur noch einschieben. Das geht viel zu einfach.

34. Die Chance zur prompten Antwort. Blum bringt die Flanke an den kurzen Pfosten, wo Wintzheimer lauert, aber nur das Außennetz trifft.

42TOOOR für den VfL – 1:2. Der verdiente Lohn in Form des Anschlusstreffers – und der war kurios und herrlich zugleich. Saulo Decarli gewinnt das wichtige Kopfballduell, Anthony Losilla verlängert mit der Hacke. Benedikt Gimber will klären, verlängert aber nochmal per Kopf für Zoller, der den Überblick bewahrt und Ganvoula bedient. Da SSV-Keeper Alexander Meyer beim Rauskommen ausrutscht, kann der Kongolese seelenruhig einschieben. Wichtig vor der Pause.

Pause: Nach starker Anfangsphase stellten die Gäste den Spielverlauf mit der Führung auf den Kopf und den geschockten VfL damit zunächst etwas kalt. Doch die Elf von Reis raffte sich auf, ließ sich auch vom 2:0 nicht unterkriegen und kam durch Ganvoula zum wichtigen Anschluss. Noch alles drin für den zweiten Durchgang.

55.Nicht viel los bisher, die Gäste verschleppen bei jeder Gelegenheit das Tempo. Dann mal ein Ballgewinn vom Jahn, Stolze kommt letztlich zum Schuss – Riemann ist zur Stelle.

57. Platzverweis für den Gast. Geipl hatte gerade erst für einen rücksichtslosen Einsatz gegen Robert Tesche den Gelben Karton gesehen, eine Minute später flext er auch noch Decarli um. Macht in der Summe einen vorzeitigen Feierabend für Geipl. Eine gute halbe Stunde Überzahl also.

61. Den ersten Wechsel des Spiels nimmt der VfL vor. Chung Yong Lee kommt rein, Wintzheimer geht runter.

63. Losilla mit der ersten Gelegenheit. Blum mal über rechts, seine Flanke findet den Franzosen. Der Kopfball segelt aber über das Tor.

64. Tor für Regensburg – 1:3. Dritte gute Chance, drittes Tor. Jann George setzt Stolze ein, der wieder viel zu viel Platz hat und allein vor Riemann platziert vollstreckt. Jetzt wird es zur Herkulesaufgabe, da Regensburg hier die entscheidenden Zweikämpfe für sich entscheidet.

73. Die Zeit rennt dem VfL weg, Reis wirft alles nach vorn. Simon Lorenz verlässt das Feld, für ihn mischt nun Jordi Osei-Tutu mit.

76. Nun wechselt auch Selimbegovic erstmals und bringt einen Bochumer Jungen. Tom Baack ersetzt Doppeltorschützen Stolze für die Schlussviertelstunde.

82. Reis‘ letzte Patrone: Tesche geht runter, Tom Weilandt ist fortan drin.

83TOOOR für den VfL. Eine der gefühlt 40 Ecken sitzt. Blum an den kurzen Pfosten, Losilla steigt hoch und befördert das Leder in die Maschen. Gas geben, jetzt!

85. Fast der Ausgleich. Osei-Tutu mit dem herrlichen Chip zum langen Pfosten, wo Blum herangerauscht kommt und mit Volldampf das lange Eck anvisiert. Sein wuchtiger Kopfball saust vorbei.

87. Osei-Tutu bringt Schwung, holt sich damit aber auch eine Verwarnung, als er etwas übermotiviert in Marcel Correia rauscht.

88. Regensburg wechselt. George geht, in Tim Knipping kommt ein Leuchtturm für hohe Bälle. Verständlich.

90. Der Ball zappelt im Netz, doch Schiedsrichter Tobias Reichel verwehrt Zollers Hammer die Anerkennung. Wie bitter. Ganvoula hatte zum Fallrückzieher angesetzte, das wertete der Schiri als gefährliches Spiel. Naja…

90.+2 Das kann nicht wahr sein. Gamboa mit überragendem Einsatz der Blum ins Spiel bringt. Seine Hereingabe lenkt Zoller irgendwie zu Osei-Tutu, der völlig freistehend über den Kasten zielt. Das hätte es sein MÜSSEN.

90.+4 Ein letzter Freistoß von der rechten Seite dann ist die Partie vorbei.

Ende: Der VfL unterliegt im letzten Spiel des Jahres dem SSV Jahn Regensburg mit 2:3 und überwintert damit auf Rang 14. Zu viele defensive Fehler, inkonsequentes Zweikampfverhalten und am Ende auch ein wenig Pech geben am Ende den Ausschlag. Weiter geht es Ende Januar mit einem Gastspiel beim DSC Arminia Bielefeld.

Thomas Reis (Cheftrainer VfL Bochum 1848): Erst einmal Glückwünsche an Regensburg. Man heute wieder das gesehen, worunter unser Spiel schon in der gesamten Saison leidet: Das individuelle Zweikampfverhalten war bei den Gegentoren nicht so präsent, um die Tor zu verhindern. Dann kommen wir kurz vor der Pause noch einmal in Spiel rein. Letztendlich war der Ball von Simon Zoller schön quergelegt auf Silvère Ganvoula. Wir sind mit einem guten Gefühl in die Pause gegangen und auch danach hatte man das Gefühl, dass es für uns läuft. Der Gegner bekommt die Gelb-Rote Karte, doch dann ist es wieder fahrlässig von uns – wenn du sechs gegen drei verteidigst, dann kannst du noch so viel von Taktik sprechen oder das System umstellen – es muss im nächsten Jahr einfach besser werden. Wenn man drei Tore im eigenen Stadion bekommt, ist die Niederlage auch nicht unverdient. Natürlich hätten wir gerne einen Punkt mitgenommen – die Chance war da durch Jordi Osei-Tutu.

Mersad Selimbegović (Cheftrainer SSV Jahn Regensburg): Das war heute eine sehr intensive Zeitliga-Partie. Es war mit das Intensivste, was wir in dieser Saison bislang erlebt haben – besonders in der ersten Halbzeit. Mit Zeit konnten wir dynamischer umschalten, waren sehr gefährlich und sind dann auch 2:0 in Führung gegangen. Leider haben wir dann den Anschlusstreffer kassiert, der mehr oder weniger ein Zufallsprodukt war. Es war klar, dass wir uns in der zweiten Halbzeit genauso anstrengen mussten und das haben wir auch getan. Wir haben clever verteidigt und immer wieder gut nach vorn gespielt. Nach der Gelb-Roten Karte haben wir uns nicht komplett zurückgezogen, sondern versucht höher zu verteidigen. Nach einem Standard bekommen wir wieder den Anschluss und in den letzten Minuten wurde es noch einmal brenzlich.

Anthony Losilla (VfL Bochum 1848): Es ist eine große Enttäuschung. Bei allen drei Toren verteidigen wir schlecht. Wir haben die Niederlage heute verdient. Aus meiner Sicht war das heute zu wenig. Wir haben in der Hinrunde so viele Tore kassiert – das müssen wir auf jeden Fall abstellen, daran werden wir in der Pause hart arbeiten.

Sebastian Schindzielorz (Geschäftsführer Sport VfL Bochum 1848): „Wir haben die Tore viel zu einfach hergeschenkt, gerade das dritte darf überhaupt nicht passieren. Wir waren nach der Gelb-Roten Karte gerade zurück und hatten ein, zwei gefährliche Situationen. Nach dem 1:3 war ein wenig Frustration da und erst spät ist von uns wieder mehr gekommen. Alles in allem war es ein enttäuschender Abschluss mit der ersten Niederlage vor eigenem Publikum. Das war vor der Winterpause bitter und total unnötig. Wir haben insgesamt zu viele Gegentore bekommen, da müssen wir geschlossener nach hinten arbeiten.“

Manuel Wintzheimer (VfL Bochum 1848): „Wir sind alle enttäuscht. Die Pause müssen wir nutzen, um den Kopf frei zu bekommen. Regensburg hat es bei langen Bällen gut gemacht. Dabei haben wir stark angefangen, geraten dann in Rückstand und dachten, nach dem Anschluss und der Roten Karte, dass wir wieder mehr Druck machen können. Das haben wir leider nicht ganz geschafft. Jetzt müssen wir zur Rückserie dann neu angreifen. Das eine Spiel macht jetzt nicht alles schlecht, in den Wochen davor haben wir ja teilweise ordentlich gespielt. Da müssen wir anknüpfen und dann werden wir 2020 auch mehr punkten. Jedes Spiel wird aber sehr schwer.“

Danny Blum (VfL Bochum 1848): „Es muss sich jeder an die eigene Nase fassen und sich hinterfragen, ob die Leistung der Vorrunde der Anspruch ist, um hier Fußball spielen zu dürfen. In der Winterpause kann man einiges korrigieren und aufarbeiten. Man ist mit der Mannschaft zusammen, hat mehr Training und keine Spiele. Wir haben einfach zu viele Gegentore schlucken müssen und wenn das immer wieder der Fall ist, kann man schwer punkten. Wir haben arge Probleme, die Viererkette stabil zu halten und müssen diese Fehler so schnell es geht abstellen. Sonst wird es hart. Der Fußball ist so eng. Machst du Fehler, wird es auch bestraft. Es gehören immer alle dazu, wir sind alle in einem Boot.“