13. Spieltag

FC St. Pauli
1: 1
VfL Bochum 1848VfL Bochum 1848

Fr,  08.11.201918:30 Uhr2. Bundesliga

Nächster Halt: Reeperbahn. Naja, fast. Wir spielen nämlich nebenan am Millerntor. Aber die drei blau-weißen Punkte kann man ja später auch noch auf dem Kiez feiern. Erstmal steht aber das Duell mit dem FC St. Pauli an. Wir blicken auf unseren kommenden Gegner.

Heimat

„Hamburg, meine Perle…“ – ach, nee. Falscher Verein! Trotzdem kommt der FC St. Pauli natürlich aus der Hansestadt Hamburg, genauer vom Kiez. In direkter Nachbarschaft zur legendären Reeperbahn ist der FCSP zuhause. Doch natürlich ist die Metropole an der Elbe nicht nur für das Paulianer Szeneviertel weltweit bekannt. Rund 1,8 Millionen Menschen leben in der Stadt, für die der Hafen und die Speicherstadt, die Musicals und die Elbphilharmonie stehen. Wasser ist in Hamburg allgegenwärtig: Die Stadt wird von Hunderten von Kanälen durchzogen, die zum Teil als Fleete bezeichnet werden, die Binnen- und Außenalster fungieren als Erholungsort mitten im Stadtzentrum.

Trainer

Seit April 2019 fungiert Jos Luhukay als Cheftrainer des FC St. Pauli. Und noch bevor die aktuelle Saison begonnen hatte, sorgte der 56-jährige Niederländer für den ersten großen Aufreger in den Reihen des Kiezklubs. „Ich nehme kein Blatt vor den Mund“, hatte Luhukay auf einer Pressekonferenz angekündigt. Und er sollte Recht behalten: Nach seinen Ausführungen, in denen er großen Teilen des Vereins „zu viel Bequemlichkeit, zu viel Komfortzone“ vorwarf, hätte einem als Fan des FCSP Angst und Bange werden können. Doch vielleicht hatte der holländische Fußball-Lehrer auch den Alarmknopf zur rechten Zeit gedrückt, schließlich starteten die Hamburger alles andere als schlecht in die Zweitliga-Saison. Es mag an der Erfahrung liegen, die Luhukay in seiner bisherigen Trainer-Laufbahn sammeln konnte: Auf insgesamt 485 Pflichtspiele als Coach verschiedener Erst- und Zweitligisten sowie ausländischer und unterklassigen Teams kommt der 56-Jährige bereits, dabei trainierte er unter anderem große Klubs wie Borussia Mönchengladbach, Hertha BSC Berlin oder den VfB Stuttgart.

Historie

Die Geschichte des FC St. Pauli von 1910 beginnt nicht, wie der Name vermuten lässt, im Jahre 1910, sondern mindestens drei Jahre früher. Seine Ursprünge sind untrennbar verbunden mit der des Hamburg - St. Pauli Turnvereins von 1862, der übrigens heute noch existiert. Dort wurde bereits ab 1907 gegen den Ball getreten, allerdings noch nicht im Rahmen eines geregelten Spielbetriebs. Erst 1910 traten die Kicker des Klubs dem Norddeutschen Fußball-Verband bei, 1911 bestritten sie die ersten Punktspiele, und 1924 trennten sie sich schließlich vom Turnverein und gründeten den FC St. Pauli.

Stadion

Die Spielstätte des FC St. Pauli befindet sich im Herzen des Hamburger Stadtteils, der in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kiez liegt. Heute fasst das Millerntor-Stadion 29.546 Zuschauer, das Ergebnis diverser Umbaumaßnahmen in den zurückliegenden gut 12 Jahren. 16.940 Stehplätze und 12.606 Sitzplätze – so sind die Ränge der in der Regel ausverkauften Heimat des FCSP ausgestattet. Der Gästebereich befindet sich auf der Nordkurve. Wer schon einmal dort zu Gast war, wird wohlwollend festgestellt haben, dass vor dem Anpfiff sogar die Hymne der Gastmannschaft gespielt wird. Ein feiner Schachzug. Im Jahr 2010 erhielt das Millerntor übrigens den PETA Progress Award als „tierfreundlichstes Fußballstadion“, es gibt eine große Auswahl an vegetarischen und veganen Gerichten. Richtig laut wird es schließlich, wenn der AC/DC -Klassiker „Hells Bells“ ertönt.

Duelle

10 Aufeinandertreffen in der Bundesliga, 20 im Unterhaus, 3 im Pokal. Zur gemeinsamen bisherigen Geschichte gibt es also schon die ein oder andere Story zu erzählen. Allerdings mehren sich die positiven darunter auf Hamburger Seite. Von den insgesamt 33 Begegnungen konnte der VfL nur 7 für sich entscheiden. Der letzte Sieg gegen die Kiezkicker ist bald schon sechs Jahre her. Im Februar 2014 erzielte Holmar Örn Eyjolfsson der Bochumer Siegtreffer am Millerntor. Seitdem folgten vier Remis und sechs Pauli-Siege. Das jüngste Bochumer Gastspiel bei den Braun-Weißen ist noch gar nicht so lange her, im vergangenen Mai holte der VfL immerhin ein torloses Remis im Norden. Eine Steigerung, gingen zuvor doch viermal am Stück die Kiezkicker als Sieger vom Feld. Es wird also mal wieder höchste Zeit für einen Bochumer Dreier gegen den FC St. Pauli!

Die Bilanz

Es ist eine Saison der Höhen und Tiefen beim FCSP. Unruhe rund um Aussagen des Chefcoachs inklusive. Der Start mit nur einem Punkt aus den ersten drei Ligaspielen ging in die Hose, daran änderte auch das knappe Weiterkommen im Pokal beim VfB Lübeck nichts (4:3 nach Elfmeterschießen). Nicht wenige Experten prophezeiten, dass Luhukay seinen Platz auf der Trainerbank bald räumen müsse. Doch die Kiezkicker fingen sich, vertrauten ihrem Führungspersonal und kamen zurück in die Spur. Heimsiege gegen Kiel, den großen Nachbarn HSV und Sandhausen katapultierten Pauli nach oben. Doch zuletzt reichte es nur noch für zwei Zähler aus vier Ligaspielen, zusätzlich musste man sich Eintracht Frankfurt im Pokal geschlagen geben. Teils späte Gegentreffer wie gegen Darmstadt und Karlsruhe verbauten unserem kommenden Gegner eine bessere Platzierung. Aktuell liegt Pauli mit 14 Zählern auf Platz 9. Ein Sieg und wir sind in der Tabelle vorbei!

 

Der VfL Bochum 1848 hat am Freitagabend durch ein 1:1-Unentschieden beim FC St. Pauli einen Punkt aus Hamburg mitgenommen. Beide Tore fielen dabei in der Anfangsphase: Simon Zoller brachte die Elf von Cheftrainer Thomas Reis früh in Führung (5.), doch Waldemar Sobota konterte nur fünf Minuten später zum 1:1 (10.). Je ein Pfostentreffer sowie weitere gute Chancen brachten für beide Teams nicht den erhofften Erfolg.

1´: Direkt eine gute Chance für die Bochumer! Ganvoula ist über rechts unterwegs und steckt in die Mitte auf Blum, der direkt abschließt. Daneben!

4´: Pfosten für die Gastgeber! Miyaichi tankt sich über rechts durch, passt auf Sobota. Dessen Schuss klatscht ans Aluminium.

5´: TOOOOOOOR für den VfL! Was für ein Auftakt hier in Hamburg! Blum geht über links zur Grundlinie, flankt flach ein. Erst verpasst Ganvoula, dann kommt Zoller an die Kugel und schiebt per Grätsche ein. Genau so soll das hier sein!

8´: Pauli-Keeper Himmelmann schlägt den Ball zu Blum, der wie im Bayern-Spiel direkt abzieht. Der Bochumer trifft aber volle Möhre einen Hamburger Abwehrspieler.

10´: TOR für den FC St. Pauli! Der schnelle Ausgleich. Sobota hat nach Zuspiel von Möller Daehli zu viel Platz und schießt unten links ein. Mist!

16´: Pfosten! Zweiter Ball nach einer Bochumer Ecke, Soares bringt das Teil butterweich rein. Losilla kommt mit den Haarspitzen dran, die Kugel streichelt das Aluminium. Schade!

22´: Wieder der VfL im Angriff. Soares raus auf Blum, der wieder mit Schmackes in die Mitte. Zoller kommt nicht entscheidend dran, Abstoß St. Pauli.

29´: Wieder Sobota mit dem Abschluss. Der Hamburger lässt Tesche aussteigen und zieht mit links ab, keine Gefahr!

32´: Wieder Pauli! Lorenz klärt zu kurz, Möller Daehli kommt dran, aber Tesche stört ganz stark! Das Publikum fordert Elfmeter, aber der Bochumer hat da glasklar die Kugel getroffen. Ecke im Anschluss, auch ein Abschluss aus zweiter Reihe rauscht vorbei. Jetzt kommen die Hausherren!

34´: Riesending! Eine Ecke der Gastgeber kommt rein, Östigard köpft aus kürzester Distanz. Aber Riemann reißt die Pranken hoch! Starke Parade!

37´: Gutes Ding! Soares im Doppelpass mit Lee, dann wird die Flanke von Danilo gefährlich abgefälscht! Ecke.

Halbzeit (1:1): Das war über weite Strecken ein munteres Spielchen hier am Millerntor in Durchgang eins! Frühe Bochumer Führung, die die Gastgeber aber schnell kontern konnten. Danach erst die Reis-Elf am Drücker, vor der Pause übernahm St. Pauli aber das Zepter. Gleich geht´s hier weiter!

47´: Oh man! Da war so viel mehr drin! Lee flankt aus dem rechten Halbfeld auf den zweiten Pfosten, wo Ganvoula ganz viel Platz hat. Sein Kopfball-Aufsetzer ist aber viel zu unplatziert. Schade!

50´: Gelber Karton für Soares. Fünfte Verwarnung, er fehlt somit gegen Osnabrück.

56´: Sobota mit der Ecke, Östigard schiebt vorbei und spielt dann den sterbenden Schwan. Da will er einen Elfmeter bekommen, aber da war nix!

58´: Der FCSP kann sich zu einfach über links durchkombinineren. Am Ende klärt Tesche zur Ecke.

68´: Puh! Flanke auf Diamantakos, der mit der Brust annimmt und dann abzieht! Aber Riemann mit einer starken Fußabwehr!

72´: Ziereis hält Ganvoula, der durchstarten will. Klare Gelbe Karte!

77´: Ouuuuh! Was für ein Zuckerpässchen von Lee in den Lauf von Zoller, aber der versucht´s mit der Direktabnahme. Der Ball geht ins Aus.

77´: Neiiiiin! Zoller schickt Lee stark, der scheitert aber aus spitzem Winkel freistehend an Himmelmann. Das wär´s gewesen!!!

81´: Kontermöglichkeit für den FCSP über Gyökeres, aber Zoller macht ganz stark mit und zwingt den Gegner zum Fehler. Abstoß Riemann!

86´: Blum sieht für ein Allerweltsfoul im Mittelfeld Gelb. Das ist sehr komisch...

89´: Riesen-Freistoß für den FCSP! Knoll haut den Ball wenige Milimeter am Pfosten vorbei ins Aus. Ganz enges Höschen!

90´: Erster VfL-Wechsel: Wintzheimer kommt für Zoller.

Ende (1:1): Kein Sieger also im Freitagabend-Spiel am Millerntor. Am Ende wohl eine gerechte Punkteteilung, beide Teams hatten zwar wenige, aber durchaus aussichtsreiche Chancen auf den Siegtreffer. Es gibt zurecht Applaus von und für die mitgereisten VfL-Fans!

Thomas Reis (Cheftrainer VfL Bochum 1848): Ich glaube, dass wir heute ein sehr intensives und ausgeglichenes Spiel gesehen haben. Auch nach der Statistik war es ausgeglichen, abgesehen von den Ecken. Der Punkt ist: Nach der Halbzeit haben wir uns das Leben schwer gemacht, haben viele Ecken verursacht. Der Gegner hatte schon einige Gelegenheiten. Nach der Führung hatten wir eine Phase, in der wir zu einfache Ballverluste hatten. Da kriegen wir auch den Ausgleich. In der zweiten Halbzeit sind wir auch wieder gut ins Spiel gekommen, das war ja sonst schon mal unser Manko. Die Jungs haben gut gearbeitet. In den letzten Wochen haben wir gezeigt, dass etwas zusammenwächst. Natürlich hätten wir gerne die drei Punkte mitgenommen, die Möglichkeiten dazu waren da. Aber das war auf beiden Seiten der Fall. Mit der Art und Weise, wie wir heute aufgetreten sind, können wir zufrieden sein. So muss es weitergehen, denn die Liga ist sehr eng. Hier entscheiden Kleinigkeiten.

Jos Luhukay (Cheftrainer FC St. Pauli): Ich kann mich den Worten meines Kollegen anschließen. Es war ein intensives Spiel, in dem sich beide Mannschaften wenig Spielraum gegeben haben. Das Spiel fängt eigentlich gut für uns an mit dem Pfostenschuss, aber im direkten Anschluss macht Bochum das Tor. Kurz darauf macht Waldemar Sobota den Ausgleich. Da dachte man, dass es heute wohl ein Spektakel gibt. Aber da wurden wir etwas betrogen. Nach einer Viertelstunde war es auf beiden Seiten schwierig, wir hatten durch den Kopfball die beste Chance. Im zweiten Durchgang haben wir viel versucht, aber in einigen Momenten fehlte uns das letzte Quäntchen Glück. Am Ende hatte Lee aber auch eine gute Chance für den VfL. Insgesamt ist es also ein gerechtes Ergebnis. Wie Thomas es sagt: Es ist sehr schwierig in der zweiten Liga, weil sie so ausgeglichen ist. Man muss auch den Gegner loben: Bochum steht auf dem drittletzten Platz, hat aber eigentlich eine viel höhere Qualität. Daran hat natürlich auch der Trainer einen großen Anteil. Für uns war es heute schwierig, das wussten wir vorher. Bochum hat für mich eine gute Mischung zwischen Alt und Jung, aber das haben wir auch. Vielleicht gab es deshalb heute ein Remis.

Danilo Soares (VfL Bochum 1848): Ich glaube, dass das keine gelbe Karte war. Ich bin gesperrt jetzt, aber wir werden sehen. Wir haben auf jeden Fall wieder besser gespielt, wie versuchen mehr Fußball zu spielen. Da ist Zug drin und diese Mentalität muss jetzt so bleiben.

Anthony Losilla (VfL Bochum 1848): Seit einigen Wochen haben wir wieder zu mehr Stabilität gefunden. Wir lassen deutlich weniger gegnerische Chancen zu, das ist positiv. Wir hätten dieses Spiel heute gewinnen können, aber am Ende können wir mit dem Punkt zufrieden sein. St. Pauli hätte zum Schluss auch noch treffen können. Es ging hin und her, beide Mannschaften hatten Chancen. Ich denke es ist ein gerechtes Unentschieden. Wir haben richtig gut angefangen, dann leider etwas nachgelassen. Trotzdem standen wir relativ sicher und haben nicht viel zugelassen. Das ist im Moment wichtig, dass wir nicht mehr so viele Tore kassieren. Das Spiel gegen Bayern hat uns richtig gut getan, wir haben gesehen was wir machen können. Wir wollen das jetzt jedes Spiel so umsetzen, gerade in den zwei Heimspielen können wir viele Punkte holen.

Simon Zoller (VfL Bochum 1848): Ich glaube, dass das eine gerechte Punkteteilung war. In der zweiten Hälfte standen wir ein bisschen tiefer, haben aber gut verteidigt. Ich denke beide Mannschaften hatten in einigen Situationen auch das Quäntchen Glück. In den letzten Wochen war es sehr schwer deswegen freuen wir uns auch über die Art und Weise, wie wir hier heute bestanden haben. Die Einstellung war auf jeden Fall in den letzten Spielen so, wie sie sein muss, wenn du in der zweiten Liga bestehen willst. Deswegen nehmen wir den Punkt gerne mit. Hier zu spielen ist generell nie so einfach. Mit dem Publikum im Rücken haben sie am Ende viel Druck gemacht. Auf beiden Seiten gab es gute Torhüter, die die Situationen entschärft haben.