32. Spieltag

VfL Bochum 1848
4: 2
1. FC Magdeburg1. FC Magdeburg

Sa,  04.05.201913:00 Uhr2. Bundesliga

Beck in Business

Der 1. FC Magdeburg kämpft um den Verbleib in Liga zwei. Dabei gelang den Sachsen-Anhaltern am vergangenen Wochenende ein eminent wichtiges 2:1 gegen die SpVgg Greuther Fürth. Unter den Torschützen: Christian Beck. Der Magdeburger Kapitän ist seit sechs Jahren bei den Blau-Weißen und so etwas wie die personifizierte Torgefahr. In 233 Spielen für den Club hat er 116 Treffer erzielt und ist mit dem FCM von der Regionalliga bis in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Mit dem einzigen Fußball-Europapokalsieger der DDR-Geschichte (1974, Pokalsieger-Cup, 2:0 gegen AC Mailand) möchte der 31-Jährige auch im kommenden Jahr das Bundesliga-Unterhaus bereichern. Ein Gastspiel in Bochum gab es für Magdeburg noch nie, wobei der Coach die Castroper Straße gut kennt.

Michael Oenning ist November vergangenen Jahres Trainer in Magdeburg. Der 53-Jährige, von Juli 2007 bis Februar 2008 beim VfL als Leiter des Talentwerks und Trainer der U19 angestellt, weist derzeit einen Punkteschnitt von 1,17 auf. Zum Vergleich: Sein Vorgänger Jens Härtel, unter dem der FCM den Durchmarsch von der Regionalliga bis in die 3. Liga schaffte, kam lediglich auf 0,69 Punkte – und blieb zudem in der als Festung gefürchteten heimischen MDCC-Arena ohne Sieg. Unter Oenning gewann der FCM dann endlich erstmals in seiner Zweitliga-Historie zuhause, wenn auch erst in diesem Jahr: Ende Januar schoss Felix Lohkemper das entscheidende 1:0 gegen Erzgebirge Aue, auf Vorlage von Christian Beck.

Knapp drei Monate später waren es erneut die beiden, die den zweiten Heimsieg herausschossen, allerdings unter gütiger Mithilfe der Fürther Gäste: Erst patzte Keeper Sascha Burchert doppelt und ermöglichte so den Ausgleich durch Beck. Anschließend passte Fürths Paul Seguin, Sohn von FCM-Legende Wolfgang Seguin, völlig unbedrängt am Strafraum zurück in Richtung eigenes Tor, genau in den Lauf von Marius Bülter. Dessen Querpass vollendete Lohkemper zum 2:1-Siegtreffer.

Dass die Magdeburger Hoffnungen auf den Klassenerhalt wieder gestiegen sind, hat auch mit der Rückkehr von Christian Beck zu tun. Anfang März, bei der 0:1-Niederlage im Kellerduell beim MSV Duisburg, zog sich Beck einen Jochbeinbruch zu und fiel drei Spiele lang aus. In diesem Zeitraum: Kein Sieg für Magdeburg. Nach rasend schneller Genesung und mit Schutzmaske spielend, gab Beck nur einen Monat später sein Comeback in Hamburg und half mit, den HSV mit 2:1 zu bezwingen. Ganz Magdeburg auf Wolke Sieben, der Club sozusagen „Beck in Business“.

Die Landung sollte allerdings hart ausfallen, denn es folgten zwei 0:1-Niederlagen gegen Darmstadt und Regensburg. Auch nach dem Sieg über Fürth verharrt der FCM auf dem Relegationsplatz 16, nachdem man schon von Anfang Februar bis Ende März auf dem rettenden 15. Platz gestanden hatte. Der SV Sandhausen hat vier Punkte Vorsprung, der FC Ingolstadt eine Aufholjagd gestartet und liegt nur noch einen Zähler hinter Magdeburg.

An Unterstützung wird es nicht mangeln, mehrere tausend FCM-Fans werden den Weg nach Bochum antreten, um bei Magdeburgs Premiere im Vonovia Ruhrstadion live dabei zu sein. Im Hinspiel trennte man sich torlos, was Magdeburg vor allem Keeper Alexander Brunst zu verdanken hatte. Ob der am Samstag zwischen den Pfosten steht, ist hingegen fraglich. Eine Knieblessur zwang ihn gegen Fürth zum Zuschauen, sein Ersatzmann Mario Seidel hielt tadellos. Da auch Stammkeeper Giorgi Loria (Adduktorenprobleme) zuletzt ausfiel, könnte es auf dieser Position im Saisonendspurt kribbelig werden. In Bochum definitiv nicht dabei: Philipp Türpitz (schwere Muskelverletzung) sowie Rico Preißinger und der Ex-VfLer Timo Perthel – beide sahen gegen Fürth die fünfte Gelbe Karte.

 

Spektakel nach dem Seitenwechsel! Der VfL Bochum 1848 konnte Neuling Magdeburg mit 4:2 besiegen, fünf der sechs Tore fielen nach dem Seitenwechsel. In einer intensiven Partie brachte Silvère Ganvoula die Blau-Weißen kurz vor der Pause in Führung (42.). Nach der Unterbrechung nahm die Begegnung dann so richtig an Fahrt auf. Dominik Baumgartner (50.) mit seinem ersten Pflichtspieltreffer sowie Comebacker Tom Weilandt (61.) stellten auf 3:0. Nach dem Anschluss von Bülter (64.) machte Weiandt mit seinem zweiten Treffer alles klar (84.). Der erneute Anschluss durch Beck blieb nur noch Ergebniskosmetik (87.). Durch die Niederlage rutschte der FCM auf einen direkten Abstiegsplatz.

Ein vorletztes Mal anne Castroper, am 32. Spieltag der 2. Bundesliga war der 1. FC Magdeburg erstmals im Vonovia Ruhrstadion zu Gast und wollte respektive musste angesichts der Tabellensituation nach der Nullnummer im Hinspiel auch im Rückspiel punkten, am besten dreifach. Vor dem Spiel bekleidete der Aufsteiger den Relegationsrang, wies jedoch vier Zähler Rückstand auf das rettende Ufer auf, während der direkte Abstiegsrang 17, wo der formstarke FC Ingolstadt 04 lauert, nur einen Punkt dahinter droht. Der VfL Bochum 1848 hatte vor Beginn als Elfter neun Zähler mehr als der 1. FCM und wollte natürlich verhindern, dass daraus sechs werden.

Für den VfL setzte es in der Vorwoche einen bitteren Last-Minute-K.o. beim FC Erzgebirge Aue, nun wollte VfL-Coach Robin Dutt eine Reaktion sehen und änderte seine Formation dementsprechend auf vier Positionen. Für Stelios Kokovas, Tim Hoogland, Robert Tesche und Görkem Saglam durften gegen die Magdeburger Jannik Bandowski, Patrick Fabian, Thomas Eisfeld und Silvère Ganvoula von Beginn an ran, zudem rückte Tom Weilandt als Alternative in den Kader. Das hieß auch, dass die Hausherren mit einer Doppelsitze agierten. Dutts Gegenüber auf Seiten des Gastes, Michael Oenning, war nach dem eminent wichtigen 2:1-Sieg über Fürth zu zwei Wechseln gezwungen: Ex-VfLer Timo Perthel musste an alter Wirkungsstätte genauso gelbgesperrt passen wie Rico Preißinger, zudem rückte der genesene Alexander Brunst für Mario Seidel in den Kasten.

Fehlende Präzision auf beiden Seiten

Während sich die ersten fünf Minuten ausschließlich im Mittelfeld abspielten, kam der Gast nach einem ersten Eckball zur ersten Torannäherung – Jan Kirchhoff köpfte jedoch ein Stück neben den Kasten von Manuel Riemann (6.). Auch die zweite nennenswerte Aktion entsprach diesem Muster, Kirchhoff konnte die Kugel diesmal jedoch nicht voll treffen und aus Riemanns Irrflug kein Kapital schlagen (10.), der VfL konnte klären und wurde seinerseits aus dem folgenden langen Ball erstmals auffällig – Ganvoula fackelte nicht lange und hielt volley aus gut 20 Metern drauf, Brunst konnte das Geschoss abwehren (11.). Es war die erwartet intensive und zerfahrene Partie mit vielen Zweikämpfen und kleinen Fouls. Also mussten Standards herhalten, nun auch für den VfL: Ganvoula stieg völlig frei hoch, wuchtete das Leder jedoch ebenso vorbei wie zuvor Kirchhoff (16.). Nach einem Weilchen Leerlauf in den Strafräumen fasste sich Eisfeld mal ein Herz und schloss aus der Distanz ab, stellte Brunst jedoch nicht vor Probleme (26.). Es blieb jedoch dabei: Es war intensiv, ein Augenschmaus bot sich den 17.339 Zuschauern aber nicht. Beide Seiten agierten fahrig und bereiteten sich gegenseitig Probleme, zu einem geordneten Aufbau zu kommen. 

Ganvoula sticht doch noch

Der FCM strahlte dabei mit einigen Annäherungen etwas mehr Torgefahr aus, doch fast alles blieb Stückwerk. Passend zum tristen Spiel setzte gegen Ende der ersten Halbzeit fieser Nieselregen ein. Fünf Minuten vor der Gang in die Kabinen ging doch nochmal ein Aufschrei durchs Rund – Marius Bülter kam auf links ans Spielgerät und visierte das rechte untere Eck an, Riemann streckte sich und wehrte ab (40.). Und auch der VfL hatte noch einen Pfeil im Köcher: Einen langen Schlag Riemanns brachte Lukas Hinterseer unter Kontrolle und legte unter Bedrängnis clever für den mitgelaufenen Ganvoula ab, der cool blieb und souverän seinen vierten Saisontreffer markierte (42.). Und der VfL legte beinahe noch nach. Miloš Pantović flankte von links, wo Ganvoula am langen Pfosten wartete und die Übersicht für Anthony Losilla behielt, dessen Abschluss von Dennis Erdmann aber gerade noch so abgewehrt wurde (45.). Die letzte Aktion einer gegen Ende auch mit Torraumszenen ausgestatteten Partie – der VfL nahm eine 1:0-Führung mit in die Unterbrechung.

Baumgartner und Hille legen nach

Aus dieser kam der VfL mit einem Wechsel, Dutt musste den angeschlagenen Fabian durch Hoogland ersetzen (46.), der Gast blieb unverändert. Und der VfL nahm den Schwung vom Ende der ersten Halbzeit mit in die zweiten 45 Minuten. Ganvoula gewann das Sprintduell gegen Erdmann deutlich und zog den Freistoß, mit dem Pantović gefühlvoll Baumgartner in der Mitte fand – Kopfball, drin, 2:0 für den VfL (50.). Kurz darauf holte sich Aleksandar Ignjovski den Gelben Karton ab (52.) – es war die zweite Verwarnung des Spiels, vor der Pause erwischte es bereits Losilla (19.). Magdeburg war ob des zweiten Gegentreffers zunehmend gefrustet, auch Charles-Elie Laprévotte wurde nach einem Einsteigen gegen Pantović verwarnt (59.). Der Vorbereiter zum 2:0 hatte dann auch Feierabend, Comebacker Weilandt rückte rein (59.) – und der brauchte gefühlt zehn Sekunden, um seine Präsenz gleich deutlich zu machen. Der starke Ganvoula schirmte für Losilla ab, der den startenden „Hille“ wunderbar bediente. Alleine vor Brunst hob er die Kugel dann ganz frech über den Schlussmann hinweg ins Netz (61.). 

Anschluss bringt Feuer rein

Oenning wechselte nun auch erstmals und brachte Steven Lewerenz für Felix Lohkemper (61.). Aufgeben tat sich der Gast auch nach dem dritten Gegentreffer nicht, zunächst musste Hoogland auf der Linie klären, wenig später kam der FCM durch Bülter aber doch zum Anschlusstreffer (65.). Nach der eher lahmen ersten Halbzeit war hier nun richtig Pfeffer drin, Joker Lewerenz verzeichnete gleich die nächste gute Gelegenheit für den Gast, Riemann parierte aufmerksam (66.). Laprévotte musste verletzt raus, Richard Weil kam neu rein auf Seiten des Gastes (70.). Ganvoula war weiter richtig on fire und beschäftigte die FCM-Abwehr und Keeper Brunst mit weiteren Abschlüssen, sein zweites Tor wollte jedoch vorerst nicht fallen (71., 74.). Auf der Gegenseite fabrizierte Bella Kotchap beinahe ein Eigentor, seine Klärungsaktion rauschte jedoch vorbei (75.). Die zweite Halbzeit entschädigte immer mehr für die eher maue erste – Lee brach über rechts durch und gab flach herein. Ganvoula verpasste, am langen Pfosten stand jedoch Eisfeld sträflich frei, brachte das Spielgerät jedoch aus vollem Lauf nicht im Tor unter (76.). Dutt vollzog im Anschluss seinen letzten Wechsel: Der wie immer viel ackernde Hinterseer ging entkräftet runter, Saglam war fortan mit von der Partie (77.).

Weilandt besorgt die Entscheidung

Gut zehn Minuten plus Nachspielzeit verblieben dem Gast aus Sachsen-Anhalt noch und sie versuchten es. Schließlich hatte der FC Ingolstadt beim Hamburger SV zwischenzeitlich auf 3:0 erhöht und war vorbeigezogen. Kirchhoff verzog nach einem Ballverlust im Aufbau (79.). Doch es sollte nicht sein, stattdessen legte der VfL die Vorentscheidung nach. Bandowski flankte auf den langen Pfosten, ein Magdeburger unterlief und Weilandt nagelte den Ball wuchtig in den Knick – sein zweites Traumtor, das nennt man wohl Comeback (84.). Das letzte Tor des Tages war dies aber noch nicht, Christian Beck verkürzte nach einem Eckball nochmals auf 4:2 (87.). Allein der zweite Durchgang bot Material für mehrere Spiele. Auch Chung Yong Lee konnte sich beinahe als Torschütze feiern lassen, nachdem Ganvoula ihn toll einsetzte, den Abschluss lenkte Brunst aber sensationell noch an den Innenpfosten (90.). Das sollte es dann aber gewesen sein, der VfL zeigte letztlich eine starke Reaktion auf die Niederlage in Aue, besiegte den 1. FC Magdeburg verdient mit 4:2 und kletterte auf Position zehn. Für den FCM wird’s zunehmend eng.

Am kommenden Wochenende ist Bochum dann beim FC St. Pauli zu Gast (So. 15:30 Uhr), bevor es am letzten Spieltag im abschließenden Heimspiel zum Duell mit Aufstiegsaspirant 1. FC Union Berlin kommt.