31. Spieltag

FC Erzgebirge Aue
3: 2
VfL Bochum 1848VfL Bochum 1848

So,  28.04.201913:30 Uhr2. Bundesliga

AUF DER ZIELGERADEN

Zwölf Punkte sind in dieser Zweitliga-Saison noch zu vergeben, der Abstand des FC Erzgebirge Aue auf den Abstiegs-Relegationsplatz beträgt sechs Zähler inklusive besserem Torverhältnis. Wenn der VfL Bochum 1848 am Sonntag (13:30 Uhr) auf die „Veilchen“ aus Aue trifft, dann ist man bei einem Team zu Gast, das zwar das Ziel vor Augen, den Klassenerhalt aber noch nicht eingetütet hat.

Auf der Zielgeraden ging der Mannschaft von Cheftrainer Daniel Meyer zuletzt etwas die Puste aus. Aus den vergangenen zehn Zweitliga-Partien konnten nur drei Siege eingefahren werden, in den letzten fünf Duellen blieb man sogar ohne dreifachen Punktgewinn. Vier Niederlagen gegen Kiel, Dresden, Bielefeld und Heidenheim, bei denen es insgesamt elf Gegentreffer hagelte, sorgten für mächtig Zündstoff rund um das Erzgebirgsstadion. Lautstark forderten einige Auer Anhänger nach dem 0:1 gegen den FCH vor rund zwei Wochen die Entlassung des Trainers, der allerdings präsentierte sich kampflustig – und bekam die Rückendeckung der Vereinsführung.

So saß Meyer auch am Osterwochenende auf der Trainerbank der Lila-Weißen, als man beim Aufstiegsaspiranten Hamburger SV antreten durfte. Und dabei gelang es, dem ehemaligen Bundesliga-Dino im Kampf um Platz zwei erneut ein Beinchen zu stellen. Philipp Zulechner brachte den FC Erzgebirge im ersten Durchgang sogar in Führung, der Treffer von Hamburgs Manuel Wintzheimer kurz nach dem Seitenwechsel besiegelte den Endstand zum 1:1-Unentschieden. Klar, dank zweier Alu-Treffer der Hanseaten in den letzten Spielminuten fiel das Remis im Norden natürlich etwas glücklich aus, doch insbesondere die kämpferische Leistung stimmte, sodass der Auswärtspunkt schlussendlich nicht unverdient war. Und dazu noch so wichtig, wenn man auf die Tabelle schaut – schließlich konnte so der Abstand auf die beiden direkten Verfolger aus Sandhausen und Magdeburg gehalten werden.

Einen weiteren großen Schritt auf der bereits erwähnten Zielgeraden würden die Veilchen natürlich liebend gerne am Sonntag machen, doch da hat der VfL rund um Cheftrainer Robin Dutt ja glücklicherweise auch noch ein Wörtchen mitzureden. Aus Bochumer Sicht dürfte es in Aue gerne so laufen wie im Hinspiel anne Castroper, als die Blau-Weißen einen 2:1-Heimsieg in letzter Sekunde feiern durften. Nach einem denkbar schlechten Start und dem frühen Gegentreffer durch Pascal Testroet (2.) schoss im zweiten Durchgang zunächst Lukas Hinterseer einen Elfmeter an den Pfosten. Doch dann schlug die Stunde von Offensivmann Tom Weilandt, der erst in der 73. Minute den hochverdienten Ausgleich markierte und dann in der dritten Minute der Nachspielzeit nicht nur den 2:1-Siegtreffer erzielte, sondern mit seinem sehenswerten Tor das komplette Stadion in Ekstase und nicht enden wollenden Jubel versetzte.

Wenn der VfL mit dem Trend geht, dann dürfte es für die mitreisenden Bochumer Fans auch am Sonntag etwas zu feiern geben. Denn die letzten acht Zweitliga-Partien gegen die Veilchen hat der Klub aus dem Ruhrpott nicht verloren, in den letzten drei Spielen im Erzgebirge traf der VfL gleich zehn Mal – das kann gerne so weitergehen. Langweilig dürfte es auf keinen Fall werden, denn noch nie endete ein Duell zwischen den beiden Kohle-Klubs mit 0:0. Na dann: Glück auf!

Es ging hin und her an diesem 31. Spieltag. Der VfL Bochum 1848 lag in Aue zwischenzeitlich mit 0:2 zurück, half bei den Toren von Zulechner (7.) und Testroet (38.) eifrig mit. Doch Goalgetter Lukas Hinterseer konnte noch vor dem Seitenwechse verkürzen (44.). Im zweiten Durchgang nickte der eingewechselte Silvère Ganvoula mustergültig zum Ausgleich ein (76.). Der VfL wollte mehr, doch den Siegtreffer erzielten die Veilchen. Hoogland riss Iyoha um, Nazarov blieb vom Punkt aus eiskalt (90.+3). Die Entscheidung im Erzgebirge. 

Auswärtsspiel beim FC Erzgebirge Aue, zum ersten Mal ging es für den VfL Bochum 1848 im fertiggestellten Umbau des Erzgebirgsstadions ran. Noch immer mit großen personellen Sorgen im Nacken baute VfL-Cheftrainer Robin Dutt seine Startelf im Vergleich zum 0:0 beim SV Darmstadt 98 in der Vorwoche auf zwei Positionen um: Robert Tesche rückte für Thomas Eisfeld ins zentrale Mittelfeld, außerdem nahm Patrick Fabian zunächst auf der Bank Platz. Für ihn feierte VfL-Youngster Armel Bella Kotchap aus der eigenen U19 sein Profidebüt – bereits der fünfte Nachwuchskicker der Blau-Weißen, der in der laufenden Saison zum ersten Mal für die Dutt-Elf auflaufen durfte! Aues Coach Daniel Meyer ebenfalls mit zwei Änderungen: Nach dem 1:1-Remis beim Hamburger SV am Osterwochenende rutschten Testroet und Kral für Kempe und Krüger in die erste Elf.

Die in grün spielenden Bochumer hatten vor 10.150 Zuschauern die erste Möglichkeit, doch nach einer Pantovic-Eckte konnte FCE-Keeper Martin Männel das Leder aufnehmen. Gefährlicher wurde es dann nach fünf Minuten: Nach einem rüden Foul von Kral an Baumgartner, das nicht mit dem Gelben Karton geahndet wurde, brachte Saglam den Ball aus dem Halbfeld genau auf den Kopf von Hoogland, der schloss aber mittig in die Arme von Männel ab. Bitter, das war eine richtig gute Gelegenheit – und gleich im Anschluss fiel dann der Führungstreffer für die Erzgebirgler. Die siebte Spielminute war gerade angebrochen, da tauchte Zulechner plötzlich im Eins-Gegen-Eins vor Baumgartner auf, drehte sich geschickt um den VfL-Verteidiger und schloss dann aus der Distanz ab. Keine Chance für Riemann, der Ball klatschte vom Innenpfosten ins Netz – 1:0 für die Gastgeber. Der VfL, der zuvor die Spielkontrolle auf seiner Seite hatte, in der Folge mit einigen Nachlässigkeiten. So ging auch der nächste Abschluss auf das Konto der Veilchen, ein Schuss von Rizzuto nach 13 Minuten ging aber weit über den Kasten von Riemann.

Erst nach 20 Minuten kam der VfL mal wieder vor die Auer Kiste, ein Schuss von Tesche bekam Kapitän Männel aber im Nachfassen zu packen. Insgesamt präsentierten sich die Bochumer aber zu fahrig, sodass die Gastgeber wenig Mühe hatten, die Versuche der Dutt-Elf zu stoppen. Ein erster Wechsel folgte kurz darauf, beim FC Erzgebirge ging es nach 23 Minuten für den Torschützen Zulechner nicht mehr weiter, er wurde durch Emmanuel Iyoha ersetzt. In der Folge wieder ein Saglam-Freistoß, dieses Mal hielt Baumgartner seinen Kopf rein, doch die Kugel ging weit drüber (27.). Zehn Minuten vor der Pause dann wieder der FCE, nach einem einfachen Ballverlust des VfL war Iyoha durch, doch Riemann parierte per Faustabwehr. Da war mehr drin für das Team von Meyer.

Vor der Pause ging es dann auf beiden Seiten noch einmal rund. Zunächst ein haarsträubender Fehler in der VfL-Defensive, der zum 2:0 für Aue sorgte: Tesche vertendelte den Ball leichtfertig, sodass Testroet ohne Gegenwehr zum Schuss kommen konnte. Sein Versuch war zwar hart, aber eigentlich unplatziert – Riemann griff leider daneben, sodass die Kugel zum Zwei-Tore-Vorsprung einschlug. Bitter: Defensivmann Baumgartner musste zu der Zeit gerade draußen behandelt werden, da er nach einem Schlag von Iyoha eine blutige Lippe hatte. Kurz vor der Pause dann aber der Anschlusstreffer für die Bochumer! Tesche schickte Pantovic über die rechte Seite auf die Reise, der schnelle Offensivmann löffelte geschickt auf Hinterseer, der in der Mitte nur noch den Kopf hinhalten musste. Das 2:1 hatte sich nicht angekündigt, umso wichtiger war der Treffer aber, um im zweiten Durchgang noch eine Chance zu haben, hier etwas mitzunehmen.

Ohne personelle Wechsel ging es in die zweiten 45 Minuten. Und die begannen mit einem echten Paukenschlag, doch ein ganz schicker Distanzschuss von Lee klatschte nur an die Oberkante der Latte (47.) – schade! Zwei Minuten später versuchte es Fandrich auf der anderen Seite aus ähnlicher Position wie zuvor der Bochumer, sein Versuch landete aber im Fangnetz. Zehn Minuten rum in Durchganz zwei, da brannte es plötzlich lichterloh im VfL-Strafraum. Am Ende kam Testroet aber nicht an den Ball, stattdessen konnte Riemann zupacken – dieser Konter hätte auch ins Auge gehen können aus Bochumer Sicht. In der Folge blieben echte Torchancen auf beiden Seiten Mangelware. Dutt reagierte innerhalb von ein paar Minuten dreimal, zunächst ersetzte Eisfeld Saglam in der Zentrale. Wenig später dann ein eine erfreuliche Personalie: Jannik Bandowski feierte sein Comeback nach langer Verletzungspause, für ihn machte Kokovas auf der linken Abwehrseite Platz. Zuletzt brachte der Bochumer Trainer für die letzten 20 Minuten Ganvoula für Baumgartner, volle Offensive also für den Schlussspurt.

Die letzten 15 Minuten leitete Aues Hochscheidt mit einem Schlenzer aus 20 Metern ein, aber keine Gefahr für Riemann. In der 76. Minute dann aber der Ausgleich – und Dutt sollte ein goldenes Näschen beweisen. Eine perfekte Flanke von Bandowski verwertete Ganvoula in der Mitte per Kopf – noch schöner als der Treffer selber war dann nur der formvollendete Torjubel inklusive Salto – ganz stark! Danach nur noch der VfL am Drücker, doch die Chancen wurden nicht genutzt. Stattdessen sollte die Partie noch einmal eine ganz böse Wendung nehmen. Die letzte der drei Minuten Nachspielzeit war bereits angebrochen, da riss Hoogland im Strafraum Iyoha um – klare Sache, Elfmeter. Nazarov blieb eiskalt und schickte Riemann in die falsche Ecke. Somit behielten die Veilchen die drei Punkte im Erzgebirge, am Ende durften sie einen 3:2-Erfolg bejubeln.

Für den VfL geht es am kommenden Samstag (13 Uhr) mit dem Heimspiel gegen den 1. FC Magdeburg weiter.

Robin Dutt (Cheftrainer VfL Bochum 1848): Glückwunsch an Aue und den Kollegen zum Sieg. Aue hat uns zum Spielbeginn etwas den Ballbesitz überlassen, wir haben im Ballbesitz sehr viele Unkonzentriertheiten gehabt. Vor dem 1:0 haben wir unnötigerweise die letzte Reihe aufgemacht, nach dem langen Ball kriegen wir das Tor. Das 2:0 war natürlich ein Geschenk. Es war ein leichter Fehler im Spielaufbau, so liegen wir mit zwei Toren zurück. Die Stimmung hier war dementsprechend, wir sind aber durch den Anschlusstreffer im Spiel geblieben. Das war eine gute Situation über die rechte Seite. In der zweiten Halbzeit haben wir das Heft in die Hand genommen, haben immer mehr Druck gemacht und Ball und Gegner laufen lassen. Wir hatten Glück mit unseren Einwechslungen, nach der Flanke von Jannik Bandowski hat Silvère Ganvoula das Tor gemacht. Was dann am Schluss passiert ist, ist so langsam aber sicher nicht mehr zu akzeptieren. Es war nicht das erte Mal, es wiederholt sich immer wieder. Das dürfen wir so auf Dauer nicht durchgehen lassen, das müssen wir grundsätzlich ändern. Wenn man hier mit solch einem Aufwand zurück kommt und ausgleicht, kann es nicht sein, dass man in der Schlussminute so einen leichten Fehler macht und einen Elfmeter verursacht.

Daniel Meyer (Cheftrainer FC Erzgebirge Aue): Glück auf und vielen Dank an Robin Dutt für die Glückwünsche. Es war ein wildes Spiel, wir sind nicht so gut reingekommen wie wir es uns vorgestellt hatten. Wir haben durch das Erfolgserlebnis des 1:0 ins Spiel hereingefunden. Nach dem Nackenschlag, dass Philipp Zulechner verletzt den Platz verlassen musste, mussten wir uns etwas neu sortieren. Wir hatten heute ein etwas atypisches Muster, die Bälle in die letzte Reihe reinzuspielen. Es war einfach strukturiert, wir sind aber zu Torabschlüssen und zum 2:0 gekommen. Danach waren wir aus meiner Sicht wieder zu euphorisch, haben zu früh geschossen und mit zu vielen Leuten angegriffen. So haben wir die Balance verloren, das wird sofort bestraft. So bekommen wir zu einem katastrophalen Zeitpunkt den Anschlusstreffer. In der zweiten Halbzeit wollten wir aufs dritte Tor spielen, Bochum war dann aber besser drin und wir hatten nicht mehr so den Zugriff. Trotzdem haben wir es über weite Strecken gut verteidigen können, wir hatten viele ordentliche Umschaltaktionen. Da haben wir zu viel liegen gelassen. Das zweite Gegentor war nicht einfach zu verkraften, wir sind vorher viel gelaufen. Das Momentum lag dann beim Gegner, wir haben eine Weile gebraucht um das zu verarbeiten. Zum Glück konnten wir dann in der Nachspielzeit die Möglichkeit nutzen, die sich uns geboten hat. Es war heute sehr wichtig für uns, in dieser Phase geht es nur um die nackten Punkte und die tun uns heute sehr gut.

Anthony Losilla (VfL Bochum 1848): Das ist heute ganz bitter, schon wieder. Wir haben nach den Rückschlägen alles gemacht, um das Spiel zu drehen nach einer schlechten Anfangsphase. Kurz vor der Pause haben wir noch das 2:1 erzielt, das hat uns gut getan. Dann haben wir versucht Druck zu machen und haben uns mit dem 2:2 belohnt. Danach hatten wir das Gefühl, dass wir alles im Griff hatten. Vielleicht wollten wir etwas zu viel heute. Wir wollten das Spiel noch gewinnen, stattdessen kassieren wir noch den Gegentreffer. Das tut richtig weh. Ein Ballverlust kann passieren, aber das muss dann abgesichert werden. So war zu viel Platz da, Tim hat versucht uns mit einem Foul vor dem Strafraum zu retten. Es waren Kleinigkeiten, die uns heute wehtun.

Jannik Bandowski (VfL Bochum 1848): Das tut natürlich weh. Ich hatte das Gefühl, dass wir am Drücker waren. Aue stand hinten drin und hat versucht zu kontern mit langen Bällen, die wir aber eigentlich gut unter Kontrolle hatten. Wir hätten den Siegtreffer noch machen können. Umso ärgerlicher ist es natürlich, dass man hinten raus noch das 3:2 kassiert. Ich kann nur für mich sprechen: Ich wollte auf Sieg spielen, nicht auf Unentschieden. Wir hatten aber trotzdem noch genügend Spieler in der Defensive. Ich persönlich fühle mich gut. Ich habe lange auf mein Comeback hingearbeitet und war froh, dass ich heute ein paar Minuten bekommen habe.

Sebastian Schindzielorz (Geschäftsführer Sport VfL Bochum 1848): Das war heute bezeichnend für die gesamte Saison. Wir haben erneut kurz vor Schluss einen groben individuellen Fehler gemacht. Wir hatten zwischendurch einige ordentliche Phasen, aber wir sind schlecht ins Spiel gekommen und lagen mit 0:2 in Rückstand. Es ist offensichtlich, dass wir perspektivisch etwas verändern müssen, und bezeichnend, dass wir in den vergangenen Jahren immer wieder gute Phasen haben, die sich mit ganz schlechten Spielen abwechseln. So bekommt man kein kontinuierliches Wachstum hin, daher müssen wir daran arbeiten. Wenn man in der letzten Minute verliert, kann man natürlich erst einmal wenig aus dem Spiel mitnehmen. Wenn man das Positive sehen möchte, kann man festhalten, dass die Mannschaft nach dem 0:2 gut zurückgekommen ist. Insgesamt überwiegt aber natürlich das Negative. Es gilt jetzt zu vermeiden, dass wir solche Fehler machen, wir müssen auch mal kontinuierlich die guten Phasen halten.