30. Spieltag

SV Darmstadt 98
0: 0
VfL Bochum 1848VfL Bochum 1848

So,  21.04.201913:30 Uhr2. Bundesliga

Großes Wiedersehen mit „Dimi“ und Co. 

Es gab einige Parallelen zwischen dem 3:2-Sieg des VfL gegen Greuther Fürth und dem 1:0-Erfolg des SV Darmstadt 98 am vergangenen Spieltag beim 1. FC Magdeburg. Beide Mannschaften schossen sich in den letzten Spielminuten ins Glück – und gingen damit ein wichtiger Schritt in Richtung des sicheren Klassenverbleibs.

Ebenso wie die VfL-Fans mussten die Fans des SV Darmstadt 98 lange zittern. Noch in der ersten Halbzeit beherrschte der 1. FC Magdeburg die torlose Partie. Auch im zweiten Durchgang taten sich die Lilien schwer, klare Chancen zu erspielen. Doch dann passiere es: In der 88. Minute landete der Ball nach einem Freistoß von Tobias Kempe über Umwege bei Marcel Haller, der die Gäste aus dem Nichts zum Sieg schoss. 

Dank des Last-Minute-Sieges sind die Darmstädter ins Mittelfeld der Tabelle geklettert. Mit 36 Punkten auf dem Konto haben sie nun neun Zähler Vorsprung vor dem 1. FC Magdeburg auf dem Relegationsplatz. „Der Freistoß war eine einstudierte Variante“, verriet Torjäger Heller nach dem Erfolg in Magdeburg. „Ich habe einfach abgezogen und Glück gehabt, dass der Ball durch die Beine eines Verteidigers in die lange Ecke geht. Es ist sehr schön, dass auch so eine Variante aus dem Training klappt, auch da haben die Trainer immer neue Ideen.“ 

Es war der dritte Sieg der Lilien im sechsten Spiel unter dem neuen Trainer Dimitrios Grammozis. Trotz des Vorsprungs auf den Relegationsplatz gibt ehemalige VfL-Jugendcoach keine Entwarnung: „Es war ein kleiner, ein wichtiger Schritt. Sandhausen hört nicht auf zu punkten, auch die anderen beißen. Wir werden einen Teufel tun, uns jetzt in Sicherheit zu wiegen.“ „Dimi“ musste bei seinem Debüt als Cheftrainer Anfang März zwar eine knappe 0:1-Niederlage bei Arminia Bielefeld hinnehmen, doch danach landete er mit seinem Team zwei Siege in Serie. Sowohl gegen Holstein Kiel als auch beim Hamburger SV siegte Darmstadt 3:2. Ein 1:1 gegen Regensburg, eine 1:2-Niederlage in Fürth sowie der 1:0-Sieg in Magdeburg vervollständigen seine bisherige Bilanz und weisen einen Schnitt von 1,67 Punkten pro Spiel aus – Platz sechs im Vergleich mit allen Zweitligatrainern.  

„Ich fordere die Jungs auf, mutiger zu sein“, beschreibt „Dimi“ seine Philosophie als Cheftrainer und erklärt: „Ich bin der Meinung, dass wir mehr Fußball spielen müssen. Mut gehört dazu, denn man kann nicht gleichzeitig Angst haben und versuchen, mit spielerischen Mitteln hinten raus zu spielen.“ In Darmstadt hat der 40-Jährigen schon einiges bewegt, der vorzeitige Klassenerhalt dürfte bald gefeiert werde. Doch verriet er in einem Interview auch, dass er einiges aus seiner Zeit beim VfL mit nach Darmstadt genommen hat: „Parallel zu meiner Tätigkeit bei der U19 des VfL Bochum war ich auch bei den Profis und in deren Spielvorbereitungen involviert. So war ich mit der zweiten Liga vertraut.“ Auf Seiten des VfL ist die Vorfreude auf jeden Fall groß „Dimi“ und seine Co-Trainer Sven Thur und Iraklis Metaxas – ebenfalls ehemalige VfL-Trainer – wieder zu sehen. Doch nicht nur im Trainerteam der Lilien steckt viel VfL-Erfahrung, auch im Kader gibt es drei Spieler, die bereits ihre Schuhe für die Bochumer geschnürt haben: Torhüter Daniel Heuer Fernandes, Sören Bertram, Johannes Wurtz sowie der derzeit verletzte Selim Gündüz. 

Da gingen keine Eier ins Nest: Der VfL Bochum 1848 trennte sich vom gastgebenden SV Darmstadt 98 an diesem Ostersonntag torlos. Lukas Hinterseer hatte die beiden besten Gelegenheiten auf dem Fuß, bzw. auf dem Kopf. In Durchgang eins rettete Keeper Heuer Fernandes beim Kopfball aus kurzer Distanz, nach dem Seitenwechsel setzte der Toptorjäger eine perfekte Baumgartner-Flanke volley über den Querbalken. So gab es beim Wiedersehen mit Dimitrios Grammozis und Co. keinen Sieger.

VfL-Cheftrainer Robin Dutt nahm eine Änderung im Vergleich zum 1:0-Sieg gegen die SpVgg Greuther Fürth vor: Kapitän Stefan Celozzi musste aufgrund eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel passen, dafür rückte Dominik Baumgartner in die erste Elf. Auf der anderen Seite wartete Lilien-Trainer Dimitrios Grammozis ebenfalls mit einer Änderung im Vergleich zum 1:0-Erfolg in Magdeburg auf: Mathias Wittek fehlte aufgrund einer Gelbsperre in der Startelf, Yannick Stark durfte für ihn beginnen.

Die Vorzeichen vor dem Duell beim SV Darmstadt 98 waren gut: Die vergangenen drei Duelle konnte der VfL allesamt für sich entscheiden. Doch dass der Gastgeber die Punkte nicht einfach so herschenken wird, machten die Darmstädter von Beginn an deutlich. In der Anfangsphase beherrschten die Lilien mit viel Ballbesitz das Spielgeschehen, zunächst ohne wirklich zwingende Torchancen. Brandgefährlich wurde es erst nach einer knappen Viertelstunde: Eine Flanke von Marcel Heller landete über Umwege bei Fabian Holland, der es mit einem Fallrückzieher probierte und den Ball aus kurzer Distanz knapp neben den Kasten von Manuel Riemann setzte. Auch danach dominierte der Gastgeber und prüfte die Hintermannschaft des VfL immer wieder mit schnellen Kontern.

Die Dutt-Elf machte zum ersten Mal in der 22. Minute so richtig auf sich aufmerksam: Nach einer starken Flanke von Dominik Baumgartner kam Lukas Hinterseer im Fünfmeterraum frei zum Kopfball – doch SVD-Keeper Heuer Fernandes zeigte einen beachtlichen Reflex und entschärfte die Situation. Wenig später fasste sich Chung Yong Lee aus gut 25 Metern ein Herz, setzte den Ball aus halblinker Position jedoch knapp am Gehäuse vorbei (26.). Beide Teams begegneten sich nun auf Augenhöhe und kämpften um ihre Chancen. Zehn Minuten vor der Halbzeitpause wurde es für den VfL jedoch noch einmal brenzlich. Nach einem Eckball von links stieg Serdar Dursun am höchsten, setzte die Kugel aber zum Glück am Kasten vorbei.

Hinterseer-Großchance die Zweite

Personell unverändert starteten beide Mannschaften in den zweiten Durchgang. Auch in Halbzeit zwei gehörte die erste Torchance den Hausherren, doch Patrick Fabian warf sich mit voller Wucht in den Ball und klärte somit zur Ecke (51.). In der Folge plätscherte die Partie vor sich hin, ohne dass sich beide Teams zwingend Möglichkeiten erspielten. Ein Freistoß von Görkem Saglam, den Baumgartner mit dem Kopf verlängerte, jedoch über den Kasten setzte, sorgte für einen kleinen Lichtblick (65.). Nur fünf Minuten später wollten die mitgereisten VfLer schon zum Jubel ansetzen: Lukas Hinterseer rauschte am zweiten Pfosten herbei, hämmerte die gute Hereingabe von „Baumi“ aber über den Querbalken. In der Schlussphase mühten sich der VfL zwar nach Kräften, den Lucky Punch zu setzen, doch fehlte es weiterhin an gefährlichen Aktionen, obwohl die Lilien sichtlich einen Gang rausnahmen. So blieb es beim torlosen Remis am Böllenfalltor.

Robin Dutt (Cheftrainer VfL Bochum 1848): Darmstadt kam heute besser ins Spiel. Die ersten zehn bis fünfzehn Minuten haben sie das Spiel gemacht, danach haben wir sie besser zugestellt bekommen. Es entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel. Wir hatten zwei sehr gute Chance durch Lukas Hinterseer nach tollen Flanken von Dominik Baumgartner. Das Spiel war ausgeglichen, doch in den letzten zwanzig Minuten haben wir das Heft noch einmal in die Hand genommen. Unterm Strich geht das Unentschieden in Ordnung.

Dimitrios Grammozis (Cheftrainer SV Darmstadt 98): Ich fand auch, dass wir am Anfang gut im Spiel und griffig waren. Heute hat uns in der Box ein wenig die Positionierung gefehlt. Wenn wir mal eine gute Möglichkeit hatten – wie beim Fallrückzieher von Fabian Holland – fehlte ein wenig das Spielglück. Beide Mannschaften sind sich heute auf Augenhöhe begegnet. Dieser Punkt geht für beide heute in Ordnung. Wenn man so ein Spiel heute nicht gewinnen kann, muss man auch mit einem Unentschieden zufrieden sein.

Patrick Fabian (VfL Bochum 1848): Ich finde, dass wir insgesamt ein gutes Spiel gemacht haben. Bei den Temperaturen war es für beide Mannschaften nicht so einfach. Die klareren Chancen hatten wir heute, wenn wir eine davon genutzt hätten, wären wir jetzt als Sieger nach Hause gefahren. Am Ende hatten wir noch mehr Körner im Tank als Darmstadt, doch es fehlte uns an Durchschlagskraft. So geht es mit einem Punkt zurück nach Bochum.

Görkem Saglam (VfL Bochum 1848): Ich denke, dass der Punkt hier in Ordnung geht. Es war ein sehr anstrengendes Spiel mit vielen hohen und langen Bällen. Wir mussten kämpferisch dagegenhalten. Das 0:0 steht heute für unsere gute Defensivarbeit. Wir sind mit dem Punkt zufrieden.

Anthony Losilla (VfL Bochum 1848): Ich glaube, dass wir – abgesehen von den ersten zehn, fünfzehn Minuten – heute alles im Griff hatten. Wir haben ein ordentliches Auswärtsspiel gemacht. Mit etwas Glück hätten wir die drei Punkte mitnehmen können, doch auch mit dem Unentschieden sind wir zufrieden. Wir wussten schon vor dem Spiel, dass die Qualität der Darmstädter auf den Außenbahnen liegt. Am Anfang hatten wir etwas Schwierigkeiten dagegenzuhalten, haben es aber dann im Spielverlauf in den Griff bekommen.