20. Spieltag

SV Sandhausen
3: 0
VfL Bochum 1848VfL Bochum 1848

So,  03.02.201913:30 Uhr2. Bundesliga

Kampfgeist und Mut als Schlüssel zum Erfolg

Der VfL Bochum 1848 ist bekanntlich kein gemütlicher Gegner für den SV Sandhausen, denn die Bilanz spricht für die Blau-Weißen. Nur zwei Siege konnte der SVS in insgesamt 13 Spielen gegen den VfL holen, wohingegen die Bochumer Jungs bereits sechs Erfolge verbuchen konnten. 

Das letzte Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften im BWT-Stadion am Hardtwald mag den meisten VfL-Fans wohl besonders in Erinnerung geblieben sein. Wir blicken zurück auf eine 2:0-Führung des SVS, welche dank eines Dreierpacks von Lukas Hinterseer in ein 3:2 für den VfL umgemünzt wurde. Unterstützt wurden die Bochumer an diesem Tag von 1.000 Fans. Dank der Übernahme sämtlicher Anfahrtskosten durch den VfL war die Präsenz der Bochumer Fans im Stadion deutlich zu spüren. Auch in dieser Saison war die Mannschaft von Trainer Robin Dutt gegen Sandhasen siegreich: Im Hinspiel sorgte Robert Tesche für das Tor des Tages und bescherte seinem Team den Sieg. 

Für den SVS war es zu diesem Zeitpunkt die dritte Niederlage in Serie und auch im weiteren Saisonverlauf hatten die Jungs vom Hardtwald immer wieder Probleme. Nach dem neuten Spieltag – Sandhausen belegte zu diesem Zeitpunkt den 17. Tabellenplatz – musste Trainer Kenan Kocak gehen. Uwe Koschinat, der zuvor den SC Fortuna Köln coachte, übernahm das Ruder.  

Im Winter hat sich der SVS mit Sören Dieckmann von Borussia Dortmund II und Ex-HSV-Profi Dennis Diekmeier personell verstärkt. Letzterer holte beim Auftakt der Restrunde beim Hamburger SV am vergangenen Mittwoch einen Elfmeter raus, der für den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich sorgte. Jedoch konnte die Mannschaft aus dem Hardtwald den zahlreichen Angriffen des Tabellenführers nicht Stand halten und unterlag am Ende 1:2. Damit rutschte die Mannschaft von Trainer Uwe Koschinat auf den Relegationsplatz ab und ist nun punktgleich mit dem Vorletzten FC Ingolstadt und dem Tabellenschlusslicht MSV Duisburg. 

„Trotzdem gibt das Spiel Mut“, sagte Koschniat nach der Niederlage. „Man hat gesehen, dass wir Unterlegenheit durch Teamgeist in gewissen Phasen wettmachen können. Im Laufe des Spiels wurden wir mutiger – das muss auch der Schlüssel für das Spiel gegen Bochum sein. Es wird ein harter, schwieriger Weg.“ 

Gebrauchter Tag für den VfL. Beim SV Sandhausen mussten sich die Blau-Weißen letztlich klar mit 0:3 geschlagen geben. Die Dutt-Elf war im erste Durchgang überlegen, hätte bei einer Vierfach-Chance und einer hundertprozentigen Gelegenheit von Sam kurz vor der Pause in Führung gehen müssen. Nach dem Seitenwechsel nutzten die Hausherren die Bochumer Fehler eiskalt aus. Knipping, Wooten und Schleusener bedankten sich.

Spieltach am Hardtwald, der VfL Bochum 1848 zu Gast beim SV Sandhausen, der vor dem Spieltag mit 13 Punkten den Abstiegs-Relegationsrang belegte. VfL-Cheftrainer Robin Dutt nahm im Vergleich zum 2:1-Derbysieg über den MSV Duisburg unter der Woche nur eine Änderung in der Startelf vor: Routinier Tim Hoogland kehrte nach abgesessener Gelb-Sperre in die Innenverteidigung zurück und verdrängte Neuzugang Dominik Baumgartner zunächst auf die Bank. Den eingenommenen Kaderplatz von Hoogland musste Youngster Moritz Römling räumen. Die Gastgeber aus Sandhausen, die am Mittwoch knapp mit 1:2 beim Hamburger SV verloren hatten, gingen mit zwei Änderungen in die Partie: Für Paqarada (Bank) und Kulovits standen Karl und Schleusener von Beginn an auf dem Platz.

Zu Beginn der Partie verzeichneten die Blau-Weißen vor 5.524 Zuschauern gleich einmal viel Ballbesitz, beide Teams suchten aber gleich den Weg nach vorne, sobald die Kugel in den eigenen Reihen weilte. Und so verzeichnete der SVS nach fünf Minuten durch Dieckmann zwar den ersten Torschuss des Spiels, dieser war aber extrem ungefährlich. Bei einsetzendem Schneeregen übernahm der VfL aber auch im Anschluss die Kontrolle und versuchte, sich den Gegner zurechtzulegen. Und das klappte in der zwölften Minute hervorragend, woraus gleich eine riesige Möglichkeit resultierte. Besser gesagt drei, denn nach einem tollen Pass von Weilandt auf Zoller und dessen flacher Hereingabe waren es zunächst Hinterseer und Sam, die den Ball aus kurzer Distanz nicht im Tor unterbringen konnten, ehe Weilandts Direktabnahme von Hinterseer knapp über das Tor geköpft wurde.

In der Folge blieb es vor beiden Toren ungefährlich, bis Weilandt nach 25 Minuten auf dem rechten Flügel einen Freistoß herausholte. Diesen brachte Sam gefährlich an den zweiten Pfosten, doch da verpassten sowohl Hoogland als auch Tesche um Haaresbreite, sodass es mit Abstoß für SVS-Keeper Schuhen weiterging. Doch auch danach zeigten sich zwar beide Teams bemüht, blieben aber jeweils harmlos, wenn es in Richtung gegnerisches Tor ging. Erst kurz vor der Pause war es noch einmal Weilandt, der Schuhen aus der Distanz prüfte, dessen Versuch aber knapp links am Tor vorbeirauschte (42.). Auch nach einer Flanke von Gyamerah zwei Minuten später gab es noch eine Möglichkeit für die Bochumer, doch Hinterseers Kopfball mit dem Rücken zum Tor ging ebenfalls daneben. Aufs Tor ging hingegen im nächsten Angriff ein Abschluss von Sam aus spitzem Winkel, diesen konnte Schuhen aber ohne Mühe aufnehmen (45.). Die beste Gelegenheit hatten die Gäste aus dem Ruhrgebiet dann aber wenige Sekunden vor dem Pausenpfiff: Nach einem langen Freistoß legte Hinterseer per Kopf auf den durchgelaufenen Sam, der 31-Jährige legte die Kugel dann aber frei vor Schuhen am Pfosten vorbei – Riesending! (45.+1). So ging es ohne Treffer auf beiden Seiten zum Pausentee.

Eine Viertelstunde später ging es weiter, die Bochumer blieben personell unverändert, während der SVS mit Paqarada anstelle von Dieckmann verteidigte. Der VfL erhöhte nach dem Seitenwechsel zusehends die Schlagzahl, die erste Bochumer Chance hatte dann aber ein Sandhäuser: Nach einer Flanke von Tesche aus dem Halbfeld köpfte der Verteidiger auf das eigene Tor, wo aber Schuhen zur Stelle war. Besser machte es Knipping dann kurz darauf auf der anderen Seite. Nach einer Ecke von Gislason stieg er gegen zwei Blau-Weiße hoch und köpfte am herausgeeilten Riemann vorbei zum 1:0 für den SVS ein (54.). Bitter, das hatte sich keineswegs angedeutet.

Die Bochumer bäumten sich in der Folge gegen den durchaus unverdienten Rückstand. In der 68. Minute starteten Sam und der - wie Maier - nach einer Stunde eingewechselte Ganvoula einen guten Konter, doch zunächst konnte ein Sandhäuser Bein den Schuss des Kongolesen klären, im Anschluss legte der Stürmer auf Sam ab, dessen platzierter Direktschuss von der Strafraumkante zur Ecke geblockt wurde. Jetzt ging es hin und her: Zunächst konnte Riemann eine verunglückte Flanke gerade noch so an die Latte lenken, im Gegenzug wurde ein Kopfball-Versuch von Ganvoula gerade noch zur Ecke geklärt. Infolge dieser dann aber der zweite Treffer für den SVS: Nach einem langen Abschlag von Schuhen verschätzte sich Fabian, sodass Wooten frei vor Riemann auftauchen und die Kugel über den Bochumer Torhüter hinweg ins Tor heben konnte (75.).

In der Schlussviertelstunde warf der VfL dann noch einmal alles nach vorne, konnte sich aber nicht mehr belohnen. Verlaat konnte einen Hinterseer-Kopfball gerade noch so zur Ecke klären (79.), fünf Minuten vor dem Ende schwächte sich die Dutt-Elf dann nach einem unnötigen Platzverweis gegen Ganvoula selbst. Den Schlusspunkt setzte dann in der letzten Minute Schleusener, der mit dem 3:0 für den SVS den Endstand herstellte.

Ein gebrauchter Tag also für die Bochumer, die ohne Punkte im Gepäck die Heimreise antreten mussten. Weiter geht es für die Blau-Weißen am kommenden Samstag (13 Uhr), wenn der SC Paderborn zu Gast ist.

Robin Dutt  (Cheftrainer VfL Bochum 1848): Wir haben lange ein ordentliches Spiel gemacht, in dem wir den Gegner im Griff hatten und nicht viel zugelassen haben. Gerade in der Phase vor dem ersten Gegentor haben wir uns zwei, drei gute Chancen herausgespielt, die haben wir aber nicht verwandelt. Sandhausen hat es dann aber sehr gut gemacht, so wie man es im Abstiegskampf auch machen muss: Sie haben die Räume eng gemacht, Bälle erobert und gut umgeschaltet. Eine Standardsituation hat dann zum 0:1 geführt, danach wurde es ein anderes Spiel, sodass wir auch weniger Druck nach vorne entfachen konnten. Bei dem zweiten Gegentreffer gab es dann ein Missverständnis zwischen dem Torhüter und dem Innenverteidiger, sodass der Gegner nachlegen konnte. Die Rote Karte gab es natürlich völlig unnötigerweise. Dann geht es in der Zweiten Liga schnell, dass du solch ein Spiel mit 0:3 verlierst. Aufgrund der zweiten Halbzeit haben wir auch völlig verdient verloren.

Uwe Koschinat (Cheftrainer SV Sandhausen 1916): Mein Kollege hat es gerade angesprochen, man muss es aber noch einmal deutlich hervorheben: Tatsache ist, dass sich das Spiel irgendwann – auch schon vor dem 1:0 – verändert hat. Es war plötzlich mehr Krawall auf dem Platz, dafür weniger der fußballerischen Linie. Ich glaube, das hat uns enorm in die Karten gespielt. Auch nach einem Sieg muss man bei der Wahrheit bleiben: Wir sind lange Zeit extrem viel hinterhergelaufen, haben bei eigenem Ballbesitz keine Passsicherheit gehabt und haben viele leichte Fehler gemacht. Diese haben sich potenziert, wenn Bochum uns scharf angelaufen hat. Wir haben außerdem den Fehler gemacht, dass wir den Ball sehr häufig ganz schnell wieder abgegeben haben, wenn wir ihn gewonnen hatten. Da wir das Gegenpressing des Gegners nicht gut beantwortet haben, kamen Chancen des Gegners zustande. Wenn wir hier 0:1 in Rückstand geraten, wird es sicherlich ein ganz schwieriges Spiel. Im Verlauf der zweiten Halbzeit gab es aber einige Schlüsselszenen, in denen die Zweikämpfe dreckiger wurden und der Gegner nur noch einfachere Lösungen gefunden hat. In dieser Phase sind wir in Führung gegangen, danach war es ein typisches Sandhausen-Spiel. Stellvertretend dafür steht Tim Knipping, der sich toll zurückgekämpft hat und sicher mitentscheidend für den Sieg war, da er nicht nur das Tor erzielt, sondern auch in der Defensive viele Kopfballduelle gewonnen hat. Mit Dennis Diekmeier haben wir außerdem einen Mentalitätsspieler hinzugewonnen, der auch in schwierigen Phasen dem Rest der Mannschaft Halt gibt und zeigt, wie gespielt werden muss. So haben wir uns in dieses Spiel hereingearbeitet. Am Ende fühlt sich das 3:0 deutlich leichter an, als es über 60 Minuten war. Natürlich sind wir sehr erleichtert, weil wir die Augen nicht davor verschließen, dass das Schneckenrennen im Tabellenkeller Fahrt aufnimmt und andere Mannschaften auch punkten. Wir waren in der Pflicht nachzuziehen, das hat das Team aus meiner Sicht bravourös gemeistert.

Anthony Losilla (VfL Bochum 1848): Beim ersten Gegentor werde ich von hinten geschubst, sodass ich nicht zum Kopfball gehen kann. Danach haben wir nicht gut genug auf den Rückstand reagiert. Wir machen die Dinger vorne einfach nicht rein, dann kann das Spiel immer kippen. Heute ist es genau so passiert, nach dem Gegentreffer kam nichts von uns. Jetzt müssen wir das schnell gemeinsam analysieren. Auch wenn die erste Halbzeit eng war, haben wir eigentlich gut gespielt, haben aber gute Möglichkeiten nicht verwertet. Der Kopf geht hoch, der Blick geht auf das nächste Spiel.

Tom Weilandt (VfL Bochum 1848): Ich denke, wir haben eine ordentliche erste Halbzeit gespielt. Zum Schluss haben wir allerdings völlig den Faden verloren. Das ist sehr bitter jetzt. Auch, dass wir nach einem Standard das erste Gegentor bekommen, gerade in einer Phase, in der wir eigentlich näher dran waren am 1:0. Der Gegner spielt dann eklig und auf Zeit, das haben wir dann leider nicht mehr drehen können.

Patrick Fabian (VfL Bochum 1848): Hier zu verlieren ist nicht unser Anspruch, das ist ganz klar. Das Zustandekommen ist am Ende sehr frustrierend für uns. Aber jetzt ist es so, am Ende steht hier eine deutliche 0:3-Niederlage auf dem Papier, das müssen wir erst einmal schlucken. Wir hatten Möglichkeiten, vorne Tore zu erzielen. Die Tore, die wir hinten kassieren, waren natürlich absolut vermeidbar. So steht man am Ende als Verlierer hier. Der Standard und natürlich auch das 0:2 dürfen so natürlich nicht passieren. Beim zweiten Gegentreffer wurde mir das Signal gegeben, dass ich Zeit habe, soviel hatte ich dann aber scheinbar doch nicht. Es geht aber nicht darum, wer einen Fehler gemacht hat. In so einem Spiel werden diese halt sofort bestraft.

Manuel Riemann (VfL Bochum 1848): Es ist relativ einfach zu erklären: Bei einem eigentlich ungefährlichen Standard entscheide ich mich falsch, der Gegner kommt an den Ball und kann ihn irgendwie Richtung Tor bringen. Da ich nicht richtig stehe, geht der Ball dann rein. Es ist schade, dass so Fehler derzeit immer sofort bestraft werden, aber das ist in der zweiten Liga so. Nach der Sandhäuser Führung haben wir versucht alles nach vorne zu werfen. Beim zweiten Gegentor gilt Patrick Fabian kein Vorwurf, ich habe ihm von hinten zugerufen, dass er Zeit hat. Ich habe es so eingeschätzt, dass der Gegenspieler nicht so schnell dorthin kommt. Patti bleibt dann ganz weg, ich hatte eher damit gerechnet, dass er den Ball zu mir zurück köpft. So liegt man dann eben 0:2 hinten. Es ist ärgerlich, aber wir können es nicht mehr ändern. Wir reden jede Woche über das Gleiche. Heute haben wir ein Spiel verloren, jetzt gilt es, die Fehler wieder zu analysieren und uns gut auf den nächsten Gegner vorzubereiten. Es wird alles aufgearbeitet, dann geht es nächste Woche weiter.