17. Spieltag

1. FC Union Berlin
2: 0
VfL Bochum 1848VfL Bochum 1848

Sa,  15.12.201813:00 Uhr2. Bundesliga

Eiserne Defensive

Eine halbe Saison ohne eine einzige Niederlage – das ist eine Bilanz, von der die meisten Klubs nur träumen können. Der 1. FC Union hat es geschafft, zumindest schon saisonübergreifend. Seit dem 33. Spieltag der Vorsaison hat Union nicht mehr verloren, ist aktuell seit 18 Spielen in Folge ungeschlagen. Tatsächlich sind die Berliner die einzigen in der 2. Liga, die in der laufenden Spielzeit noch keinen Rückschlag hinnehmen mussten. 

Das Fundament dieser guten Bilanz bildet die Defensive der Köpenicker. Nur zwölf Gegentreffer musste die Mannschaft von Trainer Urs Fischer bislang hinnehmen – Ligabestwert. Besonders die erfahrenen Neuzugänge Ken Reichel (Eintracht Braunschweig), Manuel Schmiedebach und Florian Hübner (beide Hannover 96) verleihen der Berliner Hintermannschaft Stabilität. Auch zwischen den Pfosten steht seit dieser Spielzeit eine neue Nummer eins: Rafal Gikiewicz wechselte vom SC Freiburg nach Berlin und mutierte vom Reservisten zum sicheren Rückhalt.

Mit sechs Siegen und zehn Remis belegen die Hauptstädter den dritten Rang in der Tabelle und sind dem Spitzenreiter aus Hamburg und dem zweitplatzierten 1. FC Köln auf den Fersen. „Diese Spiele ohne Niederlage sind kein Glück, die haben wir uns erarbeitet. Die Mentalität ist auch gut“, sagt Kapitän Christopher Trimmel. Trainer Fischer, der seit dieser Saison die Eisernen coacht, hat nach Ansicht des Kapitäns großen Anteil an der aktuellen Erfolgsserie: „Unser neuer Trainer lässt das Negative nicht an uns heran, er gibt uns viel von seiner Ruhe mit – das ist wichtig. Auch während des Spiels: Man merkt, dass wir ruhiger Fußball spielen. Das hat sich sehr gut entwickelt.“

Heimmacht An der Alten Försterei

Zu Hause haben sich die Eisernen gar eine Festung errichtet. Erst eine einzige Niederlage musst der FCU im Kalenderjahr 2018 dort hinnehmen. Zuletzt sahen die Berliner Fans am 26. Januar eine Niederlage im Stadion An der Alten Försterei – 0:1 gegen den 1. FC Nürnberg. Auch der VfL hat die Heimstärke der Köpenicker schon oft zu spüren bekommen: Der letzte Sieg in Berlin liegt schon über fünf Jahre zurück. Damals schoss Marcel Maltritz die Blau-Weißen in der 88. Minute mit einem verwandelten Elfmeter zum 2:1-Auswärtserfolg. Auch die Gesamtbilanz spricht den Gastgebern einen Vorteil aus: Aus 19 Spielen gegen Union holte der VfL sieben Siege und zwei Remis. Zehnmal verloren die Bochumer gegen den Hauptstadtklub.     

„Es sind erst 16 Runden gespielt, es gibt noch 18 und damit sehr viele Punkte. Zehn Unentschieden, sechs Siege – es ist wie es ist“, bewertet Fischer die aktuelle Erfolgsserie sachlich. Während er und die Mannschaft sich darum bemühen, die Euphorie und die Hoffnungen auf einen möglichen Aufstieg nicht zu groß werden zu lassen, singen die Fans in der Kurve im Stadion An der Alten Försterei bereits: „Union du wirst Siegen, glaub an dich und es wird wahr, die erste Bundesliga ist für uns zum Greifen nah.“ Wenn die Hauptstädter ihre Bilanz fortsetzen können, ist das gar nicht so unrealistisch. 

Ein bärenstarker Auftritt vor der Pause, aber letztlich keine Punkte für Blau-Weiß. Der VfL hat zum Abschluss der Hinserie beim ungeschlagenen 1. FC Union Berlin vor der Halbzeitunterbrechung gezeigt, dass er zu den Topteams der Liga gehört. Zweimal Pfosten, weitere Großchancen - einzig der Treffer für die Dutt-Elf fehlte. Nach dem Seitenwechsel brachte ein schmeichelhafter Elfmeter die Eisernen auf die Siegerstraße. Polter verwandelte sicher. In der Schlussphase fuhr Union ein Konter perfekt aus, Zulj traf zur Vorentscheidung. Der VfL beendet die erste Saisonhälfte somit mit 24 Zählern auf der Habenseite.

Hinrunden-Abschluss in der Bundeshauptstadt. Am Samstagmittag war der VfL Bochum 1848 beim 1. FC Union Berlin zu Gast, der bis dahin in den 16 ersten Saisonspielen ungeschlagen geblieben war. VfL-Cheftrainer Robin Dutt musste verletzungsbedingt weiterhin auf viele Akteure verzichten. Chung Yong Lee rotierte nach abgesessener Gelbsperre wieder in die Startelf, Görkem Saglam nahm dafür zunächst auf der Bank Platz. Außerdem begann Routinier Patrick Fabian in der Innenverteidigung, Stefano Celozzi rotierte aus der Startelf, Jan Gyamerah nahm dessen Position auf der rechten Abwehrseite ein. Urs Fischer, Cheftrainer der Köpenicker, nahm im Vergleich zum 1:1-Remis beim 1. FC Magdeburg in der Vorwoche vier Änderungen vor: Hartel, Polter, Reichel und Parensen rotierten in die erste Elf, Kroos und Andersson blieb ein Bank-Platz, Hübner und Lenz standen nicht im Kader.

Die ersten Minuten gingen vor 20.728 Zuschauern an die Gastgeber – einen ersten Abschluss verzeichnete Robert Zulj im Anschluss an eine Ecke, doch sein Direktversuch ging meilenweit am Kasten von VfL-Keeper Manuel Riemann vorbei. Gleiches galt auch eine Minute später für einen Linksschuss von Gyamerah, der vom rechten Strafraumeck abgezogen hatte. Beide Teams suchten in Ballbesitz schnell den Weg zum gegnerischen Tor, und so zog Hartel nach sieben Minuten von der Strafraumkante ab, aber Soares blockte stark. Die beste Gelegenheit hatte dann Lee (14.): Nach einem geblockten Eckball schloss der Südkoreaner aus der Distanz direkt ab, im Strafraum fälschte ein Unioner die Kugel dann an den Pfosten ab – Riesending! Nur drei Minuten später der nächste Alu-Treffer für die Blau-Weißen! Nach einer Ecke verlängerte Losilla auf den zweiten Pfosten, wo Hinterseer lauerte - FCU-Keeper Ginkiewicz rettete aber auf der Linie. In der Folge flachte die Partie etwas ab und spielte sich eher zwischen den Sechzehnern ab.

Rund eine halbe Stunde war gespielt, da hatte Soares eine gute Idee: Aus der Distanz zog der Außenverteidiger einfach mal ab, Ginkiewicz konnte den Strahl nur nach vorne abklatschen lassen, wo aber ein Berliner Bein vor dem einschussbereiten Hinterseer zur Ecke klärte (29.). Auch die nächste Gelegenheit gehörte den Gästen aus dem Ruhrpott: Dieses Mal wurde ein Schuss aus der Drehung von Hinterseer zunächst geblockt, die anschließende Flanke von Gyamerah drückte der Österreicher per Kopf über die Querlatte (35.). Kurz darauf dann der erste Schuss auf das Tor für die Berliner, Zuljs Versuch aus rund 18 Metern war aber kein Problem für Riemann. Kurz vor der Pause dann wieder Union: Parensen flankte auf Hartel, dessen Kopfball aber genau in den Armen des Bochumer Schlussmanns landete – erneut keine große Gefahr! Wenige Sekunden vor dem Pausenpfiff sah das auf der Gegenseite anders aus: Lee tankte sich über links stark in den Strafraum und legte in die Mitte, wo aber zunächst Hinterseers Schuss geblockt wurde, den
Nachschuss setzte Losilla dann mit Wucht über den Kasten (45.+1). So ging es ohne Treffer in die Kabine, der VfL präsentierte sich aber ganz stark und verzeichnete die besten Chancen für sich.

In die zweite Halbzeit gingen beide Teams bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ohne personelle Wechsel. Die Berliner machten von Beginn an mehr Druck, konnten aber zunächst keine Gefahr herstellen. Dafür fasste sich Soares nach 52 Minuten einfach mal ein Herz und schloss aus der Distanz ab, der Flachschuss wurde aber gerade noch so zur Ecke abgefälscht. Nach einer Stunde gab es dann einen – erneut  fragwürdigen – Elfmeter für die Gastgeber. Hoogland soll da im Strafraum Polter getroffen haben, der theatralisch zu Boden ging. Der Gefoulte schoss selber und traf zum 1:0 für Union (60.). Zehn Minuten später fast das 2:0! Nach einem schnell ausgeführten Freistoß hatte die VfL-Abwehr nicht aufgepasst, sodass der kurz zuvor eingewechselte Andersson frei auf Riemann zulaufen konnte, der Bochumer blieb aber Sieger des Duells. Auch die nächste Gelegenheit gehörte Berlin, Zulj setzte einen direkten Freistoß in der 74. Minute aber knapp links neben den Pfosten.

Für die Schluss-Viertelstunde brachte Dutt dann Saglam für Sam, der Youngster rückte in die Mitte, Lee dafür auf die Außenposition. Kurz darauf endlich wieder die Blau-Weißen im Vorwärtsgang, doch nach einer maßgeschneiderten Flanke von Soares bekam Hinterseer nicht genügend Druck hinter den Kopfball, sodass Ginkiewicz im Union-Kasten keine Mühe hatte (78.). Ebenso fünf Minuten vor dem Ende, als der aufgerückte Hoogland eine Lee-Flanke direkt auf den Keeper köpfte. Die Berliner ließen die Gäste jetzt gewähren und standen sehr tief, noch blieben die Versuche der Dutt-Elf aber ohne Glück. Das hatte kurz vor Schluss noch einmal Union: Nach einem Konter war Zulj plötzlich frei durch und konnte den Ball an Riemann vorbei ins Netz spitzeln – 0:2 (88.). Einmal zappelte der Ball dann doch im Berliner Tor, die Aktion war aber aus einer Abseitsstellung heraus entstanden, sodass das Schiri-Gespann etwas dagegen hatte. So blieb es am Ende bei der 0:2-Niederlage – wieder einmal präsentierte sich der VfL dabei zwar spielstark und über weite Strecken dominierend, nutzte seine Chancen aber nicht und hatte – wie beim Elfmeter-Geschenk – auch das nötige Matchglück nicht auf seiner Seite.

Zum Jahresabschluss geht es für die Bochumer am kommenden Freitagabend (18:30 Uhr) zum 1. FC Köln.