12. Spieltag

SpVgg Greuther Fürth
2: 2
VfL Bochum 1848VfL Bochum 1848

Fr,  02.11.201818:30 Uhr2. Bundesliga

Zurück zu alter Stärke

So kann man die aktuelle Entwicklung am Fürther Ronhof getrost bezeichnen. Nach Jahren der unbefriedigenden Endplatzierungen – im vergangenen Sommer trudelte das Kleeblatt auf Rang 15 ein – scheint sich die Spielvereinigung gefangen zu haben. Ein Verdient von Cheftrainer Damir Buric, der übrigens eine ganz besondere Beziehung zu unserem Linienchef pflegt.

Robin Dutt und eben jener Buric kennen sich nämlich bestens. Der gebürtige Kroate arbeitete beim SC Freiburg, Werder Bremen und Bayer Leverkusen als Co-Trainer unter Dutt. „Damir ist ein akribischer Arbeiter, ein klasse Trainer und darüber hinaus ein ganz feiner Mensch“, fand unser Coach im Vorfeld nur lobende Worte für seinen Trainerkollegen. Seit etwas mehr als einem Jahr leitet Buric gemeinsam mit Rachid Azzouzi, Geschäftsführer Sport, die Geschicke am Ronhof. In der Vorsaison gelang nach großen Zittern der Nichtabstieg, in dieser Spielzeit startete die Spielvereinigung zu Beginn so richtig durch. Drei Siege, zwei Remis – so lautete die Ausbeute nach fünf absolvierten Partien. Ein Platz ganz oben im Tableau war die Folge. Hinzu kam ein starker Auftritt im DFB-Pokal, wo sich die Buric-Elf nach großem Kampf erst in der Verlängerung dem umgeschlagenen Spitzenreiter der Bundesliga, Borussia Dortmund, hatte beugen müssen.

Die starke Form hat das Kleeblatt auch in den Folgewochen konservieren können. Trotz der jüngsten Pleite gegen Darmstadt rangiert die Buric-Elf noch immer auf Platz vier, nur zwei Pünktchen hinter Tabellenführer Köln. Der Großteil der Fürther Stammformation ist eingespielt, Buric/Azzouzi mussten nur auf wenigen Positionen nachbessern. Die Abgänge der Offensivkräfte Narey (zum HSV) und Dursun (nach Darmstadt) konnten sehr gut kompensiert werden. In vorderster Front knipst nun Daniel Keita-Ruel die Buden. Der Angreifer kann eine beachtliche Vita vorweisen. Drei Jahre Gefängnis nach mehreren bewaffneten Raubüberfällen, der Traum vom Profifußball war eigentlich ausgeträumt. Doch der Stürmer kämpfte sich über die Oberliga zurück. Unser innerstädtischer Nachbar Wattenscheid 09 wurde auf Keita-Ruel aufmerksam, eine starke Spielzeit ließ Drittligist Fortuna Köln aufhorchen. Auch dort überzeugte der gebürtige Wuppertaler, Fürth schlug im Sommer zu und Keita-Ruel auch dort ein. Im sportlichen Sinne. Sechs Treffer stehen bereits zu Buche, schon genau so viele, wie der beste Fürther Knipser in der Vorsaison vorweisen konnte.

Ein feines Näschen bewiesen die Verantwortlichen auch bei Tobias Mohr. Der 23-Jährige kam aus der Regionalliga von Alemannia Aachen. Vier Tore, zwei Assists – eine starke Marke. Das Kleeblatt setzt auf junge, entwicklungsfähige Spieler. David Atanga (21) kam auf Leihbasis aus Salzburg, Fabian Reese (20) kickt auch weiterhin in Fürth, und nicht auf Schalke. Auch auf dem so beliebten asiatische Markt wurde die Spielvereinigung fündig. Yosuke Ideguchi (22), der eigentlich Leeds United gehört, kam kurz nach dem Saisonstart an den Ronhof. Allerdings verletzte sich der Japaner in seinem vierten Einsatz für das Kleeblatt schwer, fällt aufgrund eines Kreuzbandrisses lange aus.

Es läuft dennoch im Frankenland. Am vergangenen Spieltag hätte Fürth gar auf den Platz an der Sonne springen können. Ein Sieg in Darmstadt wäre dafür nötig gewesen. Allerdings brachte der bislang so starke Rückhalt Sascha Burchert seine eigene Elf auf die Verliererstraße. Mitte des ersten Durchgangs leistete sich der ehemalige Herthaner einen folgenschweren Blackout, als er einen eigentlich harmlosen Schuss von Kempe durch die Hosenträger rutschen ließ. Die zuvor sechs Mal sieglosen Lilien witterten Morgenluft, eine Viertelstunde vor dem Ende sorgte ausgerechnet der Ex-Fürther Dursun für die Vorentscheidung.

Nun geht es gegen den VfL. Der neutrale Beobachter wird sich bei einem Blick auf die Statistik wohl denken: Tippe ich doch heute mal auf ein Unentschieden. 20 Duelle gab es bislang in der 2. Bundesliga, die Hälfte davon fand keinen Sieger. So war es übrigens auch in der Vorsaison. 1:1 im Ruhrstadion, 1:1 am Ronhof. Zieht man alle 22 bisherigen Pflichtspiele zwischen dem VfL und dem Kleeblatt heran, dann ist die Bilanz gar völlig ausgeglichen. Jeweils sechs Siege pro Team, ein Torverhältnis von 31 zu 31. Unentschieden sind toll, geht aber auch schöner. Wir gehen also auf drei Punkte beim Kleeblatt!

 

Unfassbar! Der VfL Bochum 1848 musste binnen fünf Tag zum zweiten Mal in der Nachspielzeit den bitteren Ausgleich hinnehmen. Im Fürther Ronhof legte die Dutt-Elf eine bärenstarke erste Hälfte hin und führte durch Treffer von Robert Tesche und Lukas Hinterseer hochverdient mit 2:0. Doch nach dem Seitenwechsel machten die Hausherren, die vor dem Seitenwechsel komplett blass blieben, gehörig Druck. Gugganig sorgte per Kopf für den Anschluss. In der zweiten Minute der Nachspielzeit netzte der bis dato völlig unsichtbare Keita-Ruel zum 2:2-Endstand ein.

Spieltag zwölf in der 2. Bundesliga, der VfL Bochum 1848 war zu Gast bei der SpVgg Greuther Fürth. Und die Reise ins Frankenland trat das Team um Cheftrainer Robin Dutt äußerst ersatzgeschwächt an, gleich sieben VfL-Akteure fehlten im Sportpark Ronhof Thomas Sommer verletzungsbedingt. Im Vergleich zur Montagabend, als die Bochumer sich anne Castroper in letzter Minute mit einem 3:3-Remis gegen Regensburg begnügen mussten, fehlte auch noch Kapitän Stefano Celozzi mit muskulären Problemen. Der Trainer baute seine Startelf dementsprechend um: Youngster Tom Baack feierte sein Startelf-Debüt und begann auf der Position des rechten Außenverteidigers. Außerdem rückte Sidney Sam für Robbie Kruse in die erste Elf. SpVgg-Coach Damir Buric – alter Bekannter, ehemaliger Co-Trainer und guter Freund von Robin Dutt – veränderte sein Team im Vergleich zur 0:2-Niederlage in Darmstadt in der Vorwoche auf einer Position, Fabian Reese nahm zunächst auf der Bank Platz und wurde durch David Atanga ersetzt.

Die Bochumer, ganz in blau gekleidet, begannen mit viel Druck nach vorne. Erste Anläufe versandeten zwar, in der fünften Minute prüfte Chung Yong Lee Fürths Keeper Sascha Burchert aber dann mit einem Schuss vom linken Strafraumeck, der Schlussmann konnte das Geschoss nur nach vorne wegfausten. Auch drei Minuten später der VfL im Vorwärtsgang, der aufgerückte Tim Hoogland passte in den Lauf von Hinterseer, der am herauseilenden Burchert scheiterte, aber zuvor auch im Abseits gestanden hatte. Die Gastgeber auch in der Folge mit argen Problemen in der Defensive: Nur zwei Zeigerumdrehungen nach Hinterseers erster Chance fast die gleiche Aktion, dieses Mal der Steckpass von Sam. Der Österreicher lupfte die Kugel sehenswert aufs Tor, doch Verteidiger Maloca war bis zur Linie mitgeeilt und klärte per Fallrückzieher in höchster Not. Keine zehn Minuten waren durch, da hatte die Dutt-Elf die dritte Riesen-Chance: Nach Flanke von Hinterseer tauchte Weilandt frei vorm Tor auf, seine Direktabnahme aus spitzem Winkel konnte Burchert aber am zweiten Pfosten klären – Glanztat! Die Bochumer Führung wäre jetzt hochverdient gewesen. Auch, weil nach zwölf Minuten Debütant Baack fast per Kopf zur Stelle war, doch den zweiten Ball nach einer VfL-Ecke erreichte das Eigengewächs knapp nicht.

Erst nach einer Viertelstunde der erste Angriffsversuch der Gastgeber, Jan Gyamerah konnte diesen nur per Foul stoppen – Gelber Karton für den Verteidiger. Es sollte aber zunächst das einzige Aufbäumen der Kleeblätter sein, denn auch danach war lediglich der Gast in Aktion. Weder eine scharfe Hereingabe von Soares (20.) noch ein Freistoß aus aussichtsreicher Position von Hoogland (23.) fanden aber ihren Weg in den Fürther Kasten. Nach rund 25 Minuten flachte die Partie dann etwas ab, die Bochumer Bemühungen waren weniger zielstrebig als noch zu Beginn. Beinahe zehn Minuten lang war nichts los, ehe die SpVgg sich einen Eckball herausspielte, der aber keine Gefahr brachte. Ganz anders auf der gegenüberliegenden Seite. Und nach 37 Minuten stellte der VfL endlich die hochverdiente Führung her! Lee hatte sich den Ball auf der rechten Seite zurechtgelegt und dann maßgeschneidert auf den zweiten Pfosten geflankt, wo Tesche heranrauschte und per Direktabnahme aus kurzer Distanz einschob – das 1:0 für die Blau-Weißen!
Ganze sieben Minuten lang musste sich das Kleeblatt von dem Rückschlag erholen, erst kurz vor der Pause versuchte es Ernst mit einem Schuss aus der Distanz, der geblockt wurde. Und weil auch kurz darauf zwei Flanken der Gastgeber geklärt werden konnten, ging es mit der knappen Führung in die Kabinen.

In den zweiten Durchgang ging die Dutt-Elf mit einer personellen Veränderung: Für Soares, der in den ersten 45 Minuten sowohl die Gelbe Karte gesehen als sich auch eine leichte Knieprellung zugezogen hatte, stand nun Perthel auf dem Platz. Die Fürther blieben ohne Wechsel und hatten nach drei gespielten Minuten die erste Gelegenheit, ein schwacher Schuss von Green aus 22 Metern war aber kein Problem für VfL-Keeper Riemann. Der Druck der Grün-Weißen wurde nun erwartungsgemäß größer, die bis dato beste Chance des Spiels hatte Gugganig dann nach 53 Minuten, als er mit Wucht an eine Wittek-Ecke kam, den Ball aber gut einen Meter links neben den Pfosten drückte. Drei Minuten später dann der Anschlusstreffer: Nach einem fragwürdigen Pfiff von Schiedsrichter Patrick Alt nach leichtem Kontakt von Perthel an Keita-Ruel gab es Freistoß für die Fürther, den Wittek an den zweiten Pfosten brachte. Dort stand wieder Gugganig frei, dieses Mal brachte er die Kugel aus kurzer Distanz über die Linie (56.).

Im direkten Gegenzug dann die erste Bochumer Möglichkeit des zweiten Durchgangs. Nach einer VfL-Ecke kam der Ball an der Strafraumkante zu Sam, der direkt abzog, dabei aber den eigenen Mann traf (57.). In der Folge schlichen sich immer wieder Fehler in das Bochumer Aufbauspiel, die Defensive hatte jetzt keine ruhige Minute mehr. Richtig gut aufgepasst hatte Riemann, als nach einem Kurzpassspiel der Fürther plötzlich Atanga frei vor dem Bochumer Keeper auftauchte, der die Kugel aber weit außerhalb des eigenen Strafraums wegschlagen konnte. In der Folge gestalteten die Franken das Spiel, ohne aber weitere klare Torchancen kreieren zu können. Erst eine Viertelstunde vor dem Schluss gelang dem VfL wieder eine Art Befreiung, sodass man auch wieder den Weg in die gegnerische Hälfte fand. Die beste Bochumer Möglichkeit bot sich Hoogland nach einer tollen Ecke von Lee, doch der Kopfball-Versuch rauschte wenige Zentimeter über das Tor von Burchert (78.).

Die Schlussminuten begannen. Beide Trainer tauschten noch einmal das Personal aus. Bei Fürth kam Reese für die Offensive, beim VfL ersetzte Robbie Kruse Ex-Kleeblatt Weilandt. Die Blau-Weißen verteidigten nun wieder konsequenter, die Hausherren konnten sich kaum mehr in den Strafraum des VfL spielen. Bis zur Nachspielzeit. Eine erste Kopfballchance setzte der bis dahin blasse Keita-Ruel noch klar über den Querbalken (90.). Eine Minute später der nächste Ball auf den Toptorjäger. Perthel kam nicht entscheidend in den Zweikampf, Keita-Ruel dreht sich nach innen und schob am chancenlosen Riemann vorbei zum Ausgleich ein (90.+1). Unglaublich, wieder musste die Dutt-Elf den späten Ausgleich hinnehmen. Beinahe wären die Blau-Weißen gar ohne jegliche Punkte nach Hause gefahren. Keita-Ruel war nochmal auf und davon, nun konnte Perthel in allerhöchster Not soeben noch klären. Es blieb beim Remis. Das elfte in bislang 22 Duellen. Ein äußerst bitterer Abschluss am Ronhof.

Für den VfL geht es am übernächsten Montag weiter, wenn der SV Darmstadt 98 anne Castroper vorstellig wird.