10. Spieltag

Hamburger SV
0: 0
VfL Bochum 1848VfL Bochum 1848

So,  21.10.201813:30 Uhr2. Bundesliga

SCHWIERIGE ZEITEN FÜR DEN DINO

Fast neun Jahre ist es her, dass der VfL Bochum 1848 im Volksparkstadion zuletzt gegen den Hamburger SV angetreten ist. Am Sonntag (13:30 Uhr) kommt es im Rahmen des zehnten Zweitliga-Spieltags zum nächsten Duell zwischen dem großen HSV und der Mannschaft von VfL-Cheftrainer Robin Dutt. Auch wenn die Norddeutschen als Bundesliga-Absteiger – und das auch noch zum ersten Mal überhaupt – neben dem 1. FC Köln als haushoher Favorit auf den direkten Wiederaufstieg in die Fußball-Beletage in die Saison gestartet sind, ist der Ausgang der Partie am Sonntag in der Elbmetropole absolut offen.

Denn das Team um Chefcoach Christian Titz, der die Geschicke des HSV in der vergangenen Saison am 27. Spieltag übernommen hatte, steht zwar mit nur zwei Zählern Rückstand auf den Tabellenführer aus Köln auf Rang drei, doch ruhige Zeiten sind bei den Hanseaten auch nach dem Abstieg nicht eingekehrt. Schon jetzt wurde von den Medien die Trainerfrage gestellt, und das obwohl Titz und seine Spieler nur zwei der bisher neun Zweitliga-Partien verloren haben. Diese Niederlagen hatten es allerdings in sich: Gleich zum Auftakt in die erste Spielzeit in der 2. Bundesliga der Klub-Geschichte gab es ausgerechnet gegen den Nord-Rivalen Holstein Kiel eine empfindliche 0:3-Pleite vor heimischer Kulisse. Noch demütigender war aber das 0:5, ebenfalls im Volksparkstadion, gegen den SSV Jahn Regensburg. Da verlor der HSV gegen einen Klub, dessen finanzielle Möglichkeiten nur ein Minimum der eigenen betragen, ohne den Hauch einer Chance zu haben.

Nicht nur die finanziellen Möglichkeiten der Norddeutschen liegen weit über jenen eines Großteils der übrigen aktuellen Zweitligisten, auch die sportlichen dürften unter normalen Umständen größer sein. Schließlich konnte der HSV viele gestandene Bundesliga-Spieler davon überzeugen, den Schritt ins Fußball-Unterhaus mitzumachen und den Rothosen treu zu bleiben. Allen voran wären da Namen wie Kapitän Aaron Hunt oder Gotoku Sakai zu nennen, auch der ehemalige VfLer Lewis Holtby blieb trotz sportlich wohl ambitionierterer Ziele in Hamburg und will versuchen, den in den vergangenen Jahren immer mehr in Schieflage geratenen Bundesliga-Dino wieder in die Spur zu bringen. In der Offensive hat Titz zumindest im Normalfall die Qual der Wahl: Pierre-Michel Lasogga befindet sich derzeit in guter Form und trifft – sofern er denn spielt – fast nach Belieben, mit Jann-Fiete Arp sitzt dem bulligen Stürmer aber ein blutjunges Talent im Nacken, das im vergangenen Sommer von vielen Experten schon als Wunschtransfer Nummer eins beim FC Bayern München gehandelt wurde. Arp laborierte zuletzt aber an einem Teilriss des Außenbandes im Knöchel, ein Einsatz am Sonntag im Heimspiel gegen den VfL ist noch fraglich.

Die Bochumer Spieler sowie das Trainerteam um Robin Dutt können sich dabei übrigens auf eine starke Kulisse freuen. Über 50.000 Zuschauer werden im Hamburger Volksparkstadion erwartet, wenn die Partie zwischen dem HSV und dem VfL von Schiedsrichter Christof Günsch angepfiffen wird. Im Schnitt 50.206 Zuschauer kamen in der laufenden Saison bisher zu den Heimspielen der Norddeutschen – ein Spitzenwert: Als einziger Zweitliga-Klub Europas knackt der HSV nämlich bisher die 50.000-Zuschauer-Marke.

Kein Grund nervös zu werden für die Bochumer. Schließlich reisen auch über 3.000 Bochumer Fans mit in die Elbmetropole, um ihre Mannschaft lautstark zu unterstützen. Und dass der VfL beim Hamburger SV gewinnen kann, hat er bei seinem letzten Gastspiel unter Beweis gestellt. Gut, der 1:0-Auswärtssieg der Blau-Weißen im Volksparkstadion im November 2009 ist fast neun Jahre her, damals schoss Dennis Grote die Bochumer zum Dreier. Dennoch: Dass der Absteiger vor heimischer Kulisse trotz Rekordwerten auch mal sportlich daneben greift, haben die beiden Auftritte gegen Kiel und Regensburg gezeigt. Und vielleicht kommt am Sonntag ja der nächste Ausrutscher hinzu.

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Am 10. Spieltag der laufenden Zweitliga-Saison gastierte der VfL Bochum 1848 beim Bundesliga-Absteiger Hamburger SV. Am Ende trennten sich das Team von VfL-Trainer Robin Dutt und die Hanseaten mit einem torlosen Remis. Bei dem 0:0-Unentschieden ließ der VfL in der Defensive extrem wenig zu, lediglich durch Distanzschüsse wurde es hier und da gefährlich für Bochum-Keeper Manuel Riemann. In der Offensive konnten die gesetzten Nadelstiche nicht in Tore umgemünzt werden.

Bundesliga-Feeling im Hamburger Volksparkstadion. Nach fast exakt neun Jahren war der VfL mal wieder im Volksparkstadion zu einer Pflichtspielbegegnung zu Gast. Über 3.000 Blau-Weiße unterstützten ihre Farben vor Ort – erstligareif! Chefcoach Robin Dutt nahm nach der Länderspielpause zwei Wechsel im Vergleich zum wichtigen Heimsieg gegen Bielefeld vor. Der zuletzt gesperrt fehlende Toto Losilla kehrte in die Stammformation zurück, dort fand sich auch der wiedergenesene Danilo Soares wieder. Sebastian Maier und Timo Perthel mussten dafür weichen.

Beide Fanlager gaben von Beginn an Vollgas. Und auch auf dem Feld suchten die Teams gleich den Weg nach vorne. Die erste gute Gelegenheit bot sich den Gästen. Robbie Kruse brach nach Doppelpass mit Tom Weilandt auf der rechten Bahn durch, die flache Hereingabe verpassten Losilla und Lukas Hinterseer nur knapp, im Anschluss rollte der Versuch von Ex-HSVer Robert Tesche am linken Torpfosten vorbei (3.). Die erste Annäherung auf Seiten der Gastgeber konnte wenig später Khaled Narey verbuchen. Nach Balleroberung von Lewis Holtby schloss der ehemalige Fürther ab, Manuel Riemann allerdings hatte mit dem Ball keinerlei Probleme (5.). So war es auch beim satten Abschluss von Holtby fünf Minuten darauf, allerdings resultierend daraus, dass Soares den Fuß rechtzeitig reinhielt (10.).

Der HSV übernahm in den Folgeminuten etwas das Kommando. Allerdings verteidigte die VfL-Defensive geschickt alle Angriffsbemühungen der Hanseaten weg, im Gegenzug lauerten die schnellen Kruse und Lee auf Kontermöglichkeiten. Bei der dicksten Chance der Anfangsphase musste dann aber doch Riemann retten. Hwang bekam die Kugel zentral vor dem Sechzehner und feuerte drauf, der Schlussmann hielt stark (22.). Mitte des ersten Durchgangs wurde dann auch der VfL wieder offensiv aktiver. Gefährlich wurde es u.a. bei einer Freistoßflanke von Weilandt, die Tesche im Luftduell an die Fünfmeterlinie brachte – der HSV konnte klären (25.). Deutlich mehr war zwei Minuten später drin, als sich die Dutt-Elf gefällig durch die Hamburger Hintermannschaft kombinierte. Flanke Weilandt, Kopfball Hinterseer – die VfL-Fans hatten schon den Torschrei auf den Lippen (27.). So wie auch weitere zwei Minuten später. Die immer nervöser werdenden Hausherren verloren das Spielgerät im Aufbau, Hinterseer probierte den Heber aus großer Entfernung. Der Ball aber flog zwei Meter am verwaisten Kasten vorbei – die größte Chance bis dato (29.)!

Doch auch der HSV kämpfte sich zurück in diesen ersten Durchgang, ein offener Schlagabtausch zweier hochengagierter Teams entwickelte sich. Der dribbelstarke Ito flankte von der linken Hamburger Offensivbahn, die Kugel wurde länger und länger und rauschte am langen Pfosten vorbei (36.). Eine Eckenvariante brachte kurz darauf HSV-Kapitän Hunt in Schussposition – drei Meter am Kasten vorbei (40.). Wenig später startete erneut Ito durch, setzte zum Solo und final zum Torschuss an. Doch Riemann war auf seinem Posten (42.). Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit musste Riemann dann erneut dien Riesentat auspacken. Ein Schuss von Hunt wurde brandgefährlich abgefälscht, der Keeper rettete spektakulär (45.). Kurz darauf pfiff Referee Christof Günsch die unterhaltsame erste Hälfte ab.

Ohne personelle Wechsel ging es in die zweiten 45 Minuten. Für den ersten Versuch brauchte Narey gerade mal 50 Sekunden, das Leder flog allerdings deutlich drüber (46.). Richtig knapp wurde es wenig später auf der anderen Seite. Tesche steckte für Kruse durch, der schob den Ball nur Zentimeter am langen Pfosten vorbei (48.). Ein Kopfball von Losilla landete im Anschluss in den Armen von Pollersbeck (50.). Es ging also direkt munter weiter im Volksparkstadion. Und zwar vor beiden Toren. Ito zog mit einer blitzschnellen Bewegung ins Zentrum, der satte Abschluss segelte am langen Eck vorbei (53.). Nach etwas mehr als einer Stunde kündigten sich die ersten Wechsel an. HSV-Coach Titz brachte mit Lasogga und Janjicic frische Kräfte, Hunt und Ito machten Platz (63.).

Die neuen HSVer sahen gleich mal eine richtig gute Chance der Gäste. Hinterseer auf Kruse, der legte für Weilandt ab. Nach starker Finte hatte der Schuss mit links aber etwas zu wenig Power (66.). Wenig später war Schluss an alter Wirkungsstätte für Tesche, Sebastian Maier sollte neue kreative Impulse setzen (69.). Jatta für Hwang, das Wechselkontingent der Gastgeber war kurz darauf bereits erschöpft (70.). Die Schlussphase begann, das machte sich sowohl auf als auch neben dem Feld bemerkbar.

Sakai eröffnete mit einem Sololauf die Schlussviertelstunde, zielte mit links zu hoch (76.). Kurz darauf brachte Dutt mit Sidney Sam den nächsten Ex-Hamburger, Weilandt ging vom Platz (79.). Lange dauerte es bis zum nächsten nennenswerten Abschluss. Jatta probierte es mit links, zielte aber zu ungenau (84.). Auch Narey setzte die Kugel zu hoch an (87.). Der HSV warf noch einmal alles nach vorne. Wieder Narey, diesmal entscheidend geblockt (89.). Zwei Minuten Nachspielzeit hatte der VfL noch zu überstehen. Und es sollte für den Punktgewinn reichen. Ein Zähler in Hamburg, den kann man mal mitnehmen!

Für den VfL geht es nun am übernächsten Montag gegen den SSV Jahn Regensburg weiter. Anstoß ist um 20:30 Uhr im Vonovia Ruhrstadion.

Robin Dutt (Cheftrainer VfL Bochum 1848): Der Spielverlauf hat viel von dem wiedergegeben, wie wir das Spiel zuvor erwartet haben. In der ersten Halbzeit hatten wir viele gute Balleroberungen im Mittelfeld, waren griffig und konnten gute Umschaltaktionen kreieren. Da war unter anderem die Chance für Lukas da. Auch nach der Pause durch Robbie. Das Spiel war sehr intensiv. Der HSV hat natürlich auch viel Druck ausgeübt. Ich hatte aber dennoch lange Zeit das Gefühl, dass wir hier den Lucky Punch setzen können. Aber in den Schlussminuten hätten wir auch gut und gerne noch als Verlierer dastehen können, da waren wir nochmal richtig unter Druck. Letztlich ist es ein gerechtes Remis, mit dem wir leben müssen. Die Mischung bei uns war heute gut. Wir haben gegen den Ball gearbeitet, haben aber auch immer wieder Option gefunden, hinten raus zu kombinieren. Das Spiel heute hätte definitiv mehr Tore verdient gehabt.

Christian Titz (Cheftrainer Hamburger SV): Auch wir müssen mit diesem Punkt leben. Es war ein Unentschieden der besseren Art. Gegen einen guten Gegner, der gut verteidigt hat und sehr ballsicher spielt. Wir mussten immer aufpassen, dass wir nicht in Konter laufen. Ab und an hat der schnellere Abschluss gefehlt. Wir haben aber viel versucht. Was uns im Moment fehlt, ist mal ein frühes Tor. Dann würde es ein Stück weit leichter werden.  

Stefano Celozzi (Kapitän VfL Bochum 1848): Ich bin ein bisschen zwiegespalten nach diesem Spiel. Ich glaube, dass wir insgesamt kein gutes Spiel gemacht haben. Gerade aufgrund der zweiten Halbzeit. Unser Anspruch ist ein anderer. Aber man muss natürlich auch sagen, dass es uns der Gegner sehr schwer gemacht hat. Vor dem Wechsel ging unser Plan sehr gut auf. Da hätten wir uns eigentlich schon belohnen können. Nach der Halbzeit hatte der HSV viel mehr Spielanteile, ohne dass sie die ganz großen Chancen hatten. Es war aber irgendwie immer Gefahr da. Wir haben aber alles wegverteidigt, trotzdem blieb es bis zum Ende brenzlig.  

Lukas Hinterseer (VfL Bochum 1848): Wichtig ist, dass wir uns von Spieltag zu Spieltag gesteigert haben. Klar kann ich heute das Tor machen. Wir haben natürlich auch darauf spekuliert, die Bälle früh zu erobern. Es war intensiv heute, es ging hin und her. Der HSV hat auch einige Chancen, bei denen Manu sehr gut hält. Ich bin zufrieden. Die Fans haben uns gepusht, das hat sehr geholfen.  

Robert Tesche (VfL Bochum 1848): Es war mehr drin heute, denn wir hatten die Chancen. Ich denke aber, dass es insgesamt ein gerechtes Unentschieden war. Klar, dass der HSV am Ende als Heimmannschaft hier nochmal richtig Druck macht. Wir haben aber dagegen gehalten und alles reingehauen, unsere Leistung konnten wir immerhin mit dem einen Punkt belohnen. Für mich war es natürlich ein besonderes Spiel, ich habe lange hier gespielt. Ich kenne noch den ein oder anderen Spieler und auch Offiziellen vom HSV.

Jan Gyamerah (VfL Bochum 1848): Wir haben jetzt zwei Spiele hintereinander nicht verloren, dabei vier Punkte geholt. Darauf kann man aufbauen. Mich freut es sehr, dass wir nun zwei Mal in Folge zu Null geblieben sind. Dass ich dabei in der Viererkette mithelfen konnte, ist umso schöner. Aber der Fokus liegt jetzt direkt wieder auf dem nächsten Spiel. Mit Jahn Regensburg kommt ein ganz schwerer Gegner auf uns zu, die haben hier schließlich mit 5:0 gewonnen.