7. Spieltag

VfL Bochum 1848
0: 1
SG Dynamo DresdenSG Dynamo Dresden

Di,  25.09.201818:30 Uhr2. Bundesliga

DYNAMO UND DIE DREI

Die Zahl Drei spielte dieses Jahr eine besondere Bedeutung bei Dynamo Dresden. „In den nächsten drei Jahren wollen wir das Level halten und stabilisieren, dann den nächsten Schritt gehen“, stellte Sportgeschäftsführer Ralf Minge Ende 2017 den Dynamo-Mitgliedern eine Bundesligarückkehr fürs Jahr 2021 in Aussicht. Bis dahin sollte es allerdings bedeutend runder laufen als in dieser Spielzeit, in der die Sachsen schon beim dritten Trainer angekommen sind.

Uwe Neuhaus, im benachbarten Hattingen geboren und einst für Bochums Lokalrivalen Wattenscheid 09 in der Bundesliga aktiv, durfte lediglich drei Spiele in dieser Saison als Dresden-Coach fungieren. Nach dem 1:0-Auftaktsieg gegen den MSV Duisburg wurden dem Westfalen zwei Gastspiele in Ostwestfalen zum Verhängnis. Dem 1:2 bei Arminia Bielefeld folgte das blamable Aus im DFB-Pokal beim SV Rödinghausen, derzeit Tabellenzehnter der Regionalliga West. Ralf Minge, nach rund viermonatiger Abwesenheit durch Burnout-Erkrankung wieder im Dienst, nahm als eine der ersten Amtshandlung die Demission von Neuhaus vor. Was ihm angesichts der Verdienste von Neuhaus spürbar schwer fiel, als er den „großen Anteil an den Erfolgen und der positiven sportlichen Entwicklung seit seinem Amtsantritt 2015“ würdigte. Unter Neuhaus war Dynamo 2015 in die 2. Bundesliga zurückgekehrt.

Es folgten unruhige Tage, ehe ein Nachfolger gefunden wurde. Cristian Fiel, von 2002/03 bis 2003/04 für den VfL aktiv (sechs Spiele), sprang interimsweise ein. Das Dynamo-Idol gehört zu den Aufstiegshelden der Generation 2015 und arbeitet derzeit als U17-Coach bei den Schwarz-Gelben. Parallel dazu baut er seinen Fußballehrer. Fiel schaffte zwar den Stimmungsumschwung, ein Zweitligasieg blieb ihm aber verwehrt. Unter seiner Regie verlor Dynamo zuhause mit 1:3 gegen Heidenheim. Ein zweites Spiel war ihm nicht vergönnt, denn das anschließende Heimspiel gegen den HSV fiel den Demonstrationen und Krawallen in Chemnitz zum Opfer, da die sächsische Polizei über nicht genügend Kapazitäten verfügte, um beide Veranstaltungen zu sichern.

So wurde Maik Walpurgis die Ehre zuteil, die Mannschaft gegen die Hanseaten zu betreuen. Der Einstand des ehemaligen Ingolstädter Cheftrainers verlief erfolgreich, auswärts gewann Dynamo bei Jahn Regensburg mit 2:0, Aias Aosman und Dario Dumic versüßten Walpurgis das Debüt. Vor Wochenfrist, gegen den HSV, lief es dann weniger prickelnd – die Rothosen nahmen beim 1:0-Auswärtssieg die Punkte mit die Elbe hinauf. Am vergangenen Wochenende setzte das Team dann den Matchplan von Walpurgis – tief stehen und blitzartig kontern – in beeindruckender Manier um und siegte gegen ein wiedererstarktes Darmstadt 98 deutlich mit 4:1. Dabei glänzte insbesondere der ehemalige Bundesligastar Patrick Ebert (121 Spiele für Hertha BSC) als Torschütze. Der 31-jährige, 2009 mit der DFB-Elf U21-Europameister geworden, soll als Senior die junge Truppe (Altersschnitt: 24,7 Jahre) anführen und so das Vakuum füllen, das zum Beispiel ein Spieler wie Andreas „Lumpi“ Lambertz hinterlassen hat. Man of the Match gegen Darmstadt war jedoch ein anderer: Moussa Koné. Der 21-jährige Senegalese, vergangene Saison für die Rekordablöse von 2,16 Millionen Euro vom FC Zürich losgeeist und gleich bei seinem Debüt (ausgerechnet gegen den VfL) erfolgreich (zum 2:0-Endstand), traf gegen die „Lilien“ zweimal und bereitete das Tor von Ebert vor. Auch Außenverteidiger Philip Heise trug sich gegen Darmstadt in die Torschützenliste ein.

Mit Rico Benatelli trägt seit dieser Saison nur noch ein ehemaliger VfLer das Dresdner Trikot; schließlich ist Peniel Mlapa in diesem Sommer in die Niederlande gewechselt, zum VVV Venlo. Umgekehrt kennt Anthony Losilla, von 2012 bis 2014 in Dresdens Diensten, vielleicht noch den einen oder anderen aus dem Dynamo-Staff. „Toto“ hat seinen Teil dazu beigetragen, dass die Statistik gegen Dynamo zugunsten des VfL spricht: fünf Siegen stehen bislang vier Remis und drei Niederlagen gegenüber. Der letzte Sieg war das 3:2 in der vergangenen Saison zuhause, als Lukas Hinterseer zwei Minuten vor Schluss den 3:2-Erfolg perfekt machte.

Unverdiente Niederlage innerhalb der Englischen Woche! Der VfL Bochum 1848 unterlag am Dienstagabend Dynamo Dresden im heimischen Vonovia Ruhrstadion mit 0:1. Beste Chancen blieben vor und nach dem Seitenwechsel ungenutzt. Dynamo hingegen zeigte sich in Person von Moussa Koné eiskalt. Der Stürmer der Sachsen verwandelte einen Handelfmeter kurz vor der Pause souverän zum spielentscheidenden Treffer (39.). Im zweiten Durchgang rannte der VfL vor 15.511 Zuschauern anne Castroper pausenlos an, hatte an diesem Tag aber einfach nicht das Matchglück auf seiner Seite.

Englische Woche, Teil zwei: Nur drei Tage nach dem späten Punktverlust bei Holstein Kiel ergab sich für den VfL Bochum 1848 am siebten Spieltag der Zweiten Bundesliga anne Castroper vor 15.511 Zuschauern gegen die SG Dynamo Dresden die Möglichkeit, sich die verloren gegangenen Punkte aus Kiel wiederzuholen. Doch Robit Dutt und Co. waren gewarnt: Die Gäste aus Elbflorenz sind mit Neu-Coach Maik Walpurgis klar im Aufwind und gewannen zwei von drei Spielen unter dessen Regie. Gezwungenermaßen änderte der VfL-Coach seine Formation auf zwei Positionen. Robbie Kruse und Danilo Soares, der sich im hohen Norden eine Innenbandzerrung zuzog, mussten passen, Silvère Ganvoula und Timo Perthel starteten.

Die Blau-Weißen kamen etwas schläfrig in die Partie und luden die Gäste aus Dresden in den ersten fünf Minuten mit unnötigen Ballverlusten zu Umschaltaktionen ein – die bis dato große Stärke Dynamos. Gefahr entstand dadurch zwar nicht, dennoch ein Spiel mit dem Feuer. Den ersten Torabschluss verzeichnete so auch die SGD, Aias Aosman verzog nach einer abgewehrten Ecke aber deutlich (10.). Der VfL versuchte sein Glück häufiger über die Außen, es fehlte in der Anfangsphase jedoch an Präzision. In Minute 14 beinahe die erste echte Gelegenheit für die Dutt-Elf, Tim Hooglands Steilpass für Ganvoula, der ordentlich Raum hatte, geriet eine Spur zu lang. Als die Partie vollends einzuschlafen drohte, weckte Sebastian Maier das Vonovia Ruhrstadion. Im Zentrum angespielt zog er entschlossen zwischen zwei Gegenspielern hindurch in den Strafraum und hielt drauf – Dresdens Schlussmann Markus Schubert reagierte prächtig (20.). Mit dieser Aktion war auch der 20-minütige Stimmungsboykott der Fanlager beider Seiten vorbei, es bebte anne Castroper. Nun nahm auch das Geschehen auf dem Rasen Fahrt auf. Dynamo hatte im Anschluss an einen Freistoß nahe der Seitenauslinie seinerseits den ersten Versuch (22.). Auf der Gegenseite folgte die nächste richtig dicke Chance für den VfL. Robert Tesche flankte präzise in den Lauf von Anthony Losilla, der Schubert mit artistischem Volley zur nächsten Glanztat zwang (24.).

Dynamo erwies sich aber trotz der zwei glänzenden Gelegenheiten als erwartet unangenehmer Widersacher. Hinten bissig und nach Ballgewinn blitzschnell im Umschalten. Moussa Koné kam so zum Abschluss, traf das Leder aber nicht richtig (31.). Auch zehn Minuten vor der Pause kam Gefahr vor Manuel Riemanns Kasten auf. Maxim Leitsch machte einen Ball unnötig scharf, Ex-Bochumer Rico Benatelli flankte in die Mitte, wo Aosman aus der Luft draufhielt und an Hooglands Kopfabwehr scheiterte (35.). Dresden blieb am Drücker. Zunächst hatte Linus Wahlqvist die bisher beste Gäste-Möglichkeit, blieb im Duell mit Riemann jedoch nur zweiter Sieger. Der Ball blieb aber im Spiel, landete wieder auf Dynamos rechter Seite, wo Patrick Ebert zur Flanke ansetzte. Der nach hinten geeilte Tom Weilandt blockte die Hereingabe mit ausgestrecktem Arm, es gab zurecht Elfmeter. Koné ließ sich da nicht zweimal bitten und traf links oben zum 0:1 (39.). Die defensive Taktik hatte sich vorerst ausgezahlt und wurde durch die Führung natürlich nur noch intensiviert. Kurz vor dem Pausenpfiff bot sich Losilla aber noch eine Chance, der Kapitän zielte aber in Bedrängnis nicht genau genug (45.). Es ging mit dem Rückstand in die Kabinen.

Mit frischem Wind begann der VfL den zweiten Spielabschnitt, Chung Yong Lee ersetzte Ganvoula auf der rechten Außenbahn. Die Bemühungen wurden intensiver, ein Freistoß sollte die erste Gefahr für Schuberts Tor heraufbeschwören. Der gefoulte Maier trat an, scheiterte aber an der Mauer, über Umwege landete das Spielgerät erneut bei ihm. Er hob die Kugel in den Strafraum, wo Hoogland hochstieg und diese per Kopf neben den Kasten beförderte (54.). Der Gast wurde hinten eingeschnürt, verteidigte den knappen Vorsprung mit Mann und Maus und suchte bei Gelegenheit ohne Umschweife den blitzschnellen Koné. Doch der Bochumer Druck stieg an, Maier prüfte Schubert aus der Distanz mit einem sich fies senkenden Schuss (57.). Die nachfolgende Ecke landete bei Weilandt, der einen schwer zu verarbeitenden Ball weit drüber schoss (58.). Immer wieder ging es über Maier, diesmal von Lee in Position gebracht. Der Ball war mit dem rechten Fuß nicht leicht abzufeuern, Schubert wurde so nicht vor allzu große Probleme gestellt (63.).
Wenig später probierte es der VfL über links, Weilandt flankte schließlich nach innen, die von einem Dresdner verlängerte Hereingabe wuchtete dann Lee mit dem Kopf auf’s Tor, aber zu zentral (65.).

Die Dresdner Gangart wurde ruppiger, erst Wahlqvist und dann Benatelli wurden verwarnt, selbiges galt auf Bochumer Seiten für Riemann, der meckerte (66.). Der überragende Maier zeichnete sich dann auch für das sportliche Highlight der zweiten 45 Minuten aus, sein fulminanter Hammer auf Ablage von Lukas Hinterseer klatschte nur ans Lattenkreuz (71.). Der Ausgleich wäre mittlerweile mehr als verdient gewesen, von Dynamo kam wenig bis gar nichts mehr. Weilandt brachte den nächsten Versuch, der zur Ecke abgefälscht wurde (72.). Die Zeit lief Dutts Mannen davon. Der Coach zog seinen zweiten Joker, Sidney Sam betrat für Tesche den Rasen (79.), kurz zuvor rauschte Philip Heises scharfe Hereingabe nicht allzu weit am langen Eck vorbei. Es wurde hektisch in den Schlussminuten. Ball um Ball segelte in den Dynamo-Strafraum, Sam bot sich die Einschusschance, der starke Schubert war mit einer Fußabwehr zur Stelle (86.). Wenige Augenblicke später preschte Losilla in den Strafraum und wurde von einem Abwehrspieler gelegt – der durchaus mögliche Strafstoßpfiff blieb jedoch aus (86.). Hinterseer war als nächstes an der Reihe, als er eine Flanke Lees mit dem Fuß erreichte, aber nicht mehr kontrolliert abschließen konnte (87.). Der Ausgleich lag sowas von in der Luft, die Kugel wollte aber partout nicht rein. Die vierminütige Nachspielzeit brach an, die nächste riesige Chance inklusive. Lee brachte den Ball hoch rein, Hinterseer legte ihn sich mit der Brust vor und verzog hauchzart. Es sollte einfach nicht sein, mit einem ärgerlichen 0:1 ging die Partie zu Ende.

Nächster Stopp: Samstag in Heidenheim (Anstoß: 13 Uhr).

Robin Dutt (Cheftrainer VfL Bochum 1848): Wir haben eine sehr schlechte erste Hälfte gespielt und sind überhaupt gut ins Spiel gekommen. Da muss ich einiges auf meine Kappe nehmen. Die Idee, gegen die Dreierkette von Dresden mit drei Stürmern zu spielen, die ständig die Positionen tauschen, ist nicht annähernd aufgegangen. Wir hatten ungewohnt viele leichte Fehler ohne Gegnerdruck. Die Raumaufteilung war nicht gut. Dennoch hatten wir vor der Pause die beiden besten Möglichkeiten durch Basti Maier und Toto Losilla. Wir haben dann in der Pause die Taktik korrigiert. Die Mannschaft hat alles versucht, alles nach vorne geworfen. Von der Intensität her hat es gepasst. Aber Dresden hat mittlerweile auch eine sehr gute Organisation. Hinzu kam unser Pech. Beim letzten Spiel hier gegen Ingolstadt war noch jeder Schuss drin, heute fehlte uns das Glück. Ich glaube aber nicht, dass es ein glücklicher Sieg für Dynamo war. Wenn die Heimmannschaft eine Halbzeit verschenkt, der Gegner alles andere wegverteidigt, dann haben sie auch diesen Erfolg verdient. Zu den Elfmetersituationen: Ich habe die Bilder im Anschluss gesehen, es war ein klarer Handelfmeter gegen uns, eine richtige Entscheidung. Allerdings habe ich noch nicht die Bilder zu der Aktion an Toto gesehen, auch da hätte ich aus meiner Position heraus sofort auf Strafstoß entschieden.

Maik Walpurgis (Cheftrainer SG Dynamo Dresden): Man muss schon sagen, dass wir einen glücklichen Sieg eingefahren haben. Wir sind aber sehr froh darüber, dass wir hier gewinnen konnten. Aufgrund des Spielverlaufs hätte Bochum mehr verdient gehabt. Wir standen in der 2. Halbzeit im Grunde unter Dauerbeschuss. Es waren eigentlich nur ein, zwei Situation dabei, in denen wir uns mal befreien konnten. Ansonsten musste die Mannschaft konsequent verteidigen, das hat sie aber mit großem Kampf und Engagement getan. Über diese Mentalität bin ich sehr froh. Man hat nach den vielen Spielen gemerkt, dass wir mit dem letzten Tropfen Sprit ins Ziel gekommen sind. Der VfL hat uns vor massive Aufgaben gestellt, sie haben es sehr sehr gut gemacht. Sie waren schwer zu verteidigen, gerade im Zwischenraumspiel. Wir hatten aber das Glück des Tüchtigen auf unserer Seite.  

Tom Weilandt (VfL Bochum 1848): Für mich ist das kein Elfmeter. Das ist Fußball, wo sollen die Arme hin? Wir wollten sie in der ersten Halbzeit voll pressen, das ist uns nicht so gut gelungen. Dann haben wir in der Halbzeit die Formation wieder geändert, das hat super geklappt, nur haben wir uns nicht belohnt. Wir müssen das nächste Spiel jetzt unbedingt gewinnen, damit wir gut aus der Englischen Woche rauskommen. Sonst war es nicht sehr befriedigend. Wir müssen zusehen, dass wir uns regenerieren und wieder Vollgas geben.

Jan Gyamerah (VfL Bochum 1848): Vor allem in der zweiten Halbzeit haben wir ein richtig gutes Spiel gemacht, anders als in der ersten. Da waren wir noch nicht so da und habe ein bisschen geschlafen. Dank der zweiten Halbzeit hätten wir mindestens einen Punkt verdient gehabt. Wir hatten eine ganz andere Körpersprache, am System würde ich den Aufschwung nicht festmachen. Ich kann nicht verstehen, wie es da einen Elfmeter geben kann. Dresden hat es aber gut gemacht und hat Qualität nach vorne hin. Nach der Pause kamen nur noch ein paar Konter, die wir gut verteidigt haben. Es ist einfach bitter. Aber wir wissen, wenn wir so spielen, wie in der zweiten Halbzeit, können wir jeden Gegner schlagen. Das gilt es dann in Heidenheim ab der ersten Minute auf den Platz zu bringen, dann können wir da was holen.

Sebastian Maier (VfL Bochum 1848): Es gibt so Spiele, da betreibt man Aufwand probiert man alles und hat Pech. Die erste Halbzeit war nicht gut genug, um hier heute zu gewinnen, einen Punkt hätten wir aber mit der zweiten Halbzeit mehr als verdient gehabt. Wir hatten aber etwas zu wenig klare Abschlüsse in der Box. Dennoch war es ein ordentliches Spiel, dass wir nicht verlieren mussten. Es nervt, durch so einen Elfmeter zu verlieren. Anfangs ist nicht alles aufgegangen, wir sind nicht ins Spiel und in die Zweikämpfe gekommen. Dann läuft man dem Rückstand hinterher, machen es viel besser, es ist aber keiner reingefallen. Fällt einer rein, drehen wir es mit dem Publikum im Rücken vielleicht noch, es sollte aber nicht sein. Wir sind jetzt aber trotz der schwierigen Woche nicht die Schlechtesten, genau wie wir nach Ingolstadt nicht die besten waren.