2. Spieltag

MSV Duisburg
0: 2
VfL Bochum 1848VfL Bochum 1848

Sa,  11.08.201813:00 Uhr2. Bundesliga

Zebras auf der Suche nach Stabilität

Als Aufsteiger hat der MSV Duisburg eine ansprechende Saison hinter sich, schloss die Spielzeit 2017/18 punktgleich mit dem VfL Bochum 1848 auf Rang sieben ab. Dabei pendelten die Meidericher wie die halbe Liga zwischen zarten Aufstiegshoffnungen und prekärer Abstiegsangst. Bis Mitte der Rückrunde hielt sich die Mannschaft von Trainer Ilia Gruev im oberen Drittel, musste dann aber abreißen lassen und stand nach Spieltag 30 nur noch einen Zähler vor dem Relegationsrang. Mit dem Abstieg hatte man dank eines starken Zielsprints (3 Siege, 1 Remis) letztlich dennoch nichts zu tun. Der Schwachpunkt der jüngsten Vergangenheit ist schnell ausgemacht: Die Defensive, die mit 56 Gegentreffern die meisten der Liga zuließ, soll unbedingt stabilisiert werden.

Déjà-vu vor dem Ruhrpott-Derby. Fast auf den Tag genau treffen MSV und VfL, analog zum Vorjahr, bereits am zweiten Spieltag in der schauinsland-reisen-arena aufeinander – das Endergebnis vor Jahresfrist lautete dabei 1:1. Zweite Parallele: Auch zum Auftakt der gerade gestarteten Saison unterlagen beide Kontrahenten in ihrer ersten Partie, ohne dabei einen eigenen Treffer zu erzielen. Der MSV verlor sogar mit dem gleichen Ergebnis (0:1) gegen den gleichen Gegner, selbst der Dresdner Siegtorschütze Lucas Röser war derselbe. Und die dritte Überschneidung: Auch gut 30 Kilometer westlich des Vonovia Ruhrstadions verlief die Vorbereitung ruhig und ohne Störfeuer. Die Duisburger wollen und können auf dem gelegten Fundament der Vorsaison aufbauen. Das Durcheinander der Jahre zuvor ist ad acta gelegt, eine schrittweise Entwicklung zur festen Unterhaus-Größe angepeilt.

Dazu wurde der bewährte Kader gehalten, punktuell verstärkt und zudem fleißig an einer taktischen Formation, die schon letzte Saison vereinzelt zum Einsatz kam, gefeilt. Lediglich Schlussmann Mark Flekken zog aus dem Stammkader von dannen, er unterschrieb in der Bundesliga beim SC Freiburg. Schlüsselspieler wie Moritz Stoppelkamp, Lukas Fröde, Kevin Wolze und Fabian Schnellhardt konnten gehalten werden. Die weiteren Abgänge waren eher ersetzliche Akteure aus der zweiten Reihe, auch wenn Branimir Bajic und Kingsley Onuegbu schon fast zum Inventar gehörten. Im letztjährigen Ersatzmann Daniel Davari steht ein erfahrener Zweitliga-Keeper als neue Nummer eins parat, mit Daniel Mesenhöhler wurde ein junger Konkurrent addiert. Sebastian Neumann kam als Führungsspieler der Würzburger Kickers aus Liga drei für das Abwehrzentrum und gesellte sich in Dresden auch gleich zum bisherigen Stammduo Dustin Bomheuer und Gerrit Nauber, um den Mittelblock der intensiv einstudierten Fünferkette zu komplettieren. Eine Variante, die nicht nur den drei Angreifern der Dresdener geschuldet war und auch gegen den VfL eine Option ist. Das Ziel Stabilisierung der Defensive wurde über große Strecken erreicht, dafür stockte jedoch das Spiel nach vorn - im Vorjahr bei 52 erzielten Toren noch die Stärke der Meidericher. Ein Spiel ist aber natürlich eine wenig stichhaltige Probe.

Der einzige weitere Neuzugang in der Startelf gegen Dresden war John Verhoek, der aus Heidenheim kam, an der Seite von Boris Tashchy stürmte und mit einem Lattentreffer Pech hatte. Er erhielt den Vorzug vor einem weiteren Neuen, dem ehemaligen VfLer Richard Sukuta-Pasu, der gar nicht im Kader stand. Auf Bochumer Seite steht mit Timo Perthel ein ehemaliges Zebra im Kader. Joseph-Claude Gyau (SG Sonnenhof Großaspach), Yanni Regäsel (vereinslos) und der Südkoreaner Young-jae Seo (Hamburger SV II) komplettieren die überschaubare Liste externer Neuverpflichtungen.

Beide Mannschaften setzen also auf Kontinuität und wollen einen Fehlstart selbstredend vermeiden. Die Statistik spricht in jedem Fall für die Jungs vonne Castroper, die im Unterhaus doppelt so viele Dreier einfahren konnte (sechs Siege für Bochum, drei für die Zebras). Auch die gesamte Pflichtspielstatistik fällt zugunsten des VfL aus. Hier stehen 18 Bochumer Siege 14 Duisburger Erfolgen gegenüber. In der Vorsaison sah das anders aus. Das 1:1 im Hinspiel war der einzige Punkt des VfL in zwei Spielen, es gilt für die Elf von Cheftrainer Robin Dutt die 0:2-Rückrundenpleite wettzumachen und das Gleichgewicht im Pott wiederherzustellen. Mit einer leidenschaftlichen Leistung wie gegen Köln brauchen sich Dutts Mannen nicht zu verstecken. Ein wenig kaltschnäuziger darf es dann aber schon sein, auch wenn das Matchglück, wovon man nicht abhängig sein will, ebenfalls ein Thema war.
 

Die ersten drei Punkte sind eingetütet! Der VfL Bochum 1848 hat sich nach einem großen Fight den Sieg im Ruhrgebietsderby beim MSV Duisburg gesichert. Sidney Sam brachte die Blau-Weißen nach torlosem ersten Durchgang per Freistoß in Führung (55.). Zehn Minuten später erhöhte Neuzugang Silveré Ganvoula mit einem mustergültigen Kopfball für die Dutt-Elf (65.). Der VfL erkämpfte sich in den verbleibenden 20 Minuten in Unterzahl - Sam sah den Roten Karton - den umjubelten Auswärtssieg!

Ruhrgebiets-Derby in Duisburg! Am Samstagmittag war der VfL Bochum 1848 bei den Zebras des MSV zu Gast, wie bereits am zweiten Spieltag der Vorsaison – damals trennten sich beide Teams mit einem 1:1-Unentschieden. Im Vergleich zum Saisonauftakt gegen den 1. FC Köln änderte VfL-Cheftrainer Robin Dutt seine Startelf auf einer Position, Kapitän Stefano Celozzi kehrte für Jan Gyamerah in die Abwehrkette zurück. Im 18-Mann-Kader auch eine Änderung, Johannes Wurtz musste für Tom Weilandt weichen. MSV-Coach Ilia Gruev änderte seine erste Elf nach der 0:1-Auftaktpleite bei der SG Dynamo Dresden auf zwei Positionen: Für John Verhoek stürmte Stanislav Iljutcenko, außerdem ersetzte Cauly Souza Oliveira in der Defensive Dustin Bomheuer.

Mit bester Stimmung auf den Rängen, aber einer verhaltenen Anfangsphase auf dem Rasen ging es ins Ruhrpott-Duell. Der VfL in den grünen Auswärtstrikots übernahm zwar das Kommando und hatte mehr Ballbesitz, konnte aber zunächst keinen Zug zum Tor entwickeln. So dauerte es bis zur 13. Minute, ehe der erste Abschluss erfolgte – dabei jedoch vom MSV. Einen Flachschuss aus der Distanz konnte Manuel Riemann zur Ecke abwehren, diese brachte den Gastgebern nichts ein. Nach einer Viertelstunde dann eine kurze Unordnung in der VfL-Defensive, doch Soares und Leitsch konnten im Verbund zur Ecke klären. In der Folge übernahmen die Zebras die Initiative und kamen zu einer weiteren Torchance. Nach einer Flanke auf den zweiten Pfosten hatte ein MSV-Angreifer auf Lukas Fröde abgelegt, dessen direkte Abnahme aber in den Armen von Riemann landete. Auch nach 26 Minuten wartete die Dutt-Elf weiter auf den ersten eigenen Torabschluss, während der MSV sich dem VfL-Tor immer wieder näherte – ein Distanzschuss von Boris Tashchy flog jedoch weit über den Kasten.

Erst in der 30. Minute wurde es zum ersten Mal richtig brenzlig vorm MSV-Tor: Nach einem Ballgewinn von Soares trieb Losilla den Ball durch das Mittelfeld und setzte dann Pantovic in Szene. Der Neuzugang umkurvte dann Keeper Daniel Davari, wurde aber zu weit an die Grundlinie gedrängt, sodass die Flanke des Außenstürmers zur Ecke geklärt werden konnte. Die nächste Möglichkeit ging dann wieder auf das Zebra-Konto, als Stoppelkamp sich in die Mitte durchgetankt und abgeschlossen hatte (33.), der Ball aber von Riemann aufgenommen wurde. Auch wenige Minuten später stand Stoppelkamp im Fokus: Nach einem abgewehrten Freistoß von Sam konterte der MSV schnell, am Ende kam die Nummer 33 zum Abschluss, doch die Kugel landete im Fangnetz (38.). Nur eine Minute später folgte Stoppelkamps dritter Versuch, dieses Mal rauschte der Ball knapp am Pfosten vorbei. Bis zur Pause blieb es dann vor beiden Toren ruhig, sodass es ohne Treffer in die Kabinen ging.

Robin Dutt wollte für die zweiten 45 Minuten mehr Durchschlagskraft für die Offensive bringen, für Milos Pantovic war nun Silvère Ganvoula aktiv. Auch nach dem Seitenwechsel ging die erste Aktion aber an die Zebras: Nach einer Flanke aus dem rechten Halbfeld verschätzte Hoogland sich, sodass Boris Tashchy per Kopf an den Ball kam, doch aus kurzer Distanz scheiterte auch er an Riemann (48.). Sieben Minuten waren gespielt, da versuchte es Oliveira Souza aus der Distanz, sein schwacher Abschluss kullerte aber in die Arme des VfL-Schlussmanns. Nur eine Zeigerumdrehung später dann Aufregung vor dem MSV-Strafraum: Nach einem Foul an Danilo Soares protestierten die Gastgeber vehement, aber Schiedsrichter Dingert blieb bei seiner Meinung. So bekam Sidney Sam die Gelegenheit zum direkten Freistoß – und diesen verwandelte die Nummer 13 mit einem Schlenzer durch die Mauer zur 1:0-Führung (55.)! Keine drei Minuten später fast der Ausgleich, doch Oliveira Souza verzog freistehend aus aussichtsreicher Position, sein Schuss ging weit am Pfosten vorbei.

Die Duisburger erhöhten nun naturgemäß den Druck und kam nach rund einer Stunde Spielzeit zu einer Doppelchance: Zunächst wurde ein Abschluss von Tashchy zur Ecke geblockt, diese landete dann auf dem Kopf von Fröde, doch sein Versuch ging klar über den Querbalken. Zehn Minuten nach dem Führungstreffer konnte die Dutt-Elf nachlegen – und mit Ganvoula traf ein Neuzugang! Soares hatte den Ball in die Mitte geflankt, dort stieg der Kongolese am höchsten und drückte den Ball druckvoll in die Maschen – 2:0 (65.)! Kurz darauf schwächte Sidney Sam die Bochumer dann selber, er hatte sich zu einer Tätlichkeit gegen Wolze hinreißen lassen und den Roten Karton gesehen. Für die letzten rund 20 Minuten musste der VfL so in Unterzahl agieren, die Gastgeber machten weiter mächtig Druck. Doch die Dutt-Elf agierte clever, hielt den Ball oft und lange in den eigenen Reihen und ließ den Gegner hinterherlaufen.

Die dickste Möglichkeit bot sich dann in der 79. Minute Gerrit Nauber, der nach einem Freistoß im Rückraum an den zweiten Ball kam, diesen dann aber per Direktabnahme in den Duisburger Himmel drosch. Fünf Minuten vor Ende der regulären Spielzeit musste der VfL noch einmal tief durchatmen: Nach einer Flanke kam Fröde wenige Meter vor dem Tor an den Ball, am Ende konnten zwei Bochumer Beine aber entscheidend stören, sodass es Abstoß für Riemann gab. In der Schlussphase versuchten es die Zebras dann noch einmal mit allen Mitteln, aber gefährlich wurde es vor dem VfL-Kasten nicht mehr. Daran änderte auch ein Schlenzer von Stoppelkamp nichts mehr, sein Versuch in der Nachspielzeit ging am Kasten vorbei und besiegelte so den 2:0-Auswärtssieg im Ruhrpott-Derby. Der Auswärtssieg war unter Dach und Fach!

Weiter geht es für den VfL am Sonntag, dann steht die erste Runde des DFB-Pokals an. Gegner ist im hohen Norden der Regionalligist SC Weiche Flensburg 08.

Robin Dutt (Cheftrainer VfL Bochum 1848): „In der ersten Halbzeit sind wir nicht so gut ins Spiel gekommen, wie wir das gewohnt sind und es uns gewünscht hätten. Es war ein Spiel des Kampfs um die zweiten Bälle, das hat Duisburg zunächst für sich entschieden. Dementsprechend konnte der Gegner besser nach vorne umschalten. Ich denke, dass wir da schon ein Stück weit Glück hatten, dass wir nicht in Rückstand geraten sind. Wir haben dann im zweiten Durchgang das System auf ein 4-4-2 umgestellt und waren wesentlich präsenter. Die Bälle haben wir dann besser festgemacht, wir hatten selber Umschaltaktionen. Nach dem 2:0 und der Roten Karte waren die Rollen klar verteilt: Wir mussten im Achterblock plus Stürmer verteidigen, Duisburg musste anrennen. Wir kennen es aus der letzten Woche, da war es andersherum. Die Jungs haben es dann bis auf zwei, drei Situationen gut nach Hause gebracht. Es war ein Arbeitssieg heute, nichtsdestotrotz war er sehr wichtig für uns.“

Ilia Gruev (Cheftrainer MSV Duisburg): „Ich sehe das Spiel genauso wie mein sehr erfahrener Kollege. Es ist schade, dass wir viel investiert, dafür aber keinen Ertrag bekommen haben. Wir haben den Freistoß zum 0:1 nicht gut verteidigt, sind dadurch in Rückstand geraten. Danach wurde es für uns sehr schwierig. Wir hatten aber vorher schon genug Chancen, um in Führung zu gehen. Das ist uns nicht gelungen. Also ist es so gekommen, wie ich es schon eingangs gesagt hatte: Es war heute von uns sehr viel Aufwand und viel zu wenig Ertrag.“

Lukas Hinterseer (VfL Bochum 1848): „Die erste Halbzeit war ein Spiel mit wenigen zwingenden Chancen. Beide Teams haben im Spielaufbau viele Fehler gemacht, daher war es sehr zerfahren. Dann sind wir in Führung gegangen, das Tor von Sidney war natürlich etwas glücklich. Aber das braucht man eben auch manchmal. Das 2:0 war dann super gemacht von Silvère, der Angriff war generell stark. Die Rote Karte darf uns nicht passieren, da muss man ruhig bleiben. So ist es klar, dass man in Unterzahl noch einmal etwas schwimmt und dass der Gegner nochmal drückt. Zum Glück hat Duisburg das heute nicht ausnutzen können, sodass wir die drei Punkte mitnehmen konnten.“

Silvère Ganvoula (VfL Bochum 1848): „Leider war meine Familie heute nicht im Stadion, dann hätte ich mich noch mehr über mein Tor gefreut. Aber auch so war die Freude riesig, dass ich heute mein erstes Tor für die Mannschaft erzielen konnte. Das war heute unbedingt mein Ziel, darauf bin ich sehr stolz. Vor dem Treffer habe ich schon gesehen, dass Danilo ganz frei stand. Ich habe mich dann in der Mitte positioniert und mich auf die Flanke vorbereitet. Es war ein wichtiges Tor für die Mannschaft, deshalb habe ich auch emotional reagiert.“

Maxim Leitsch (VfL Bochum 1848): „Es war von uns spielerisch sicherlich keine besonders gute Leistung, aber im Vordergrund stehen heute ganz klar die drei wichtigen Punkte. Die haben wir uns aber auch durch einen tollen Kampf in der Schlussphase verdient. Wir haben in der ersten Halbzeit zu viele lange Bälle geschlagen und sind dadurch nicht zu unserem Spiel gekommen. Dass wir das erste Spiel nach meiner Vertragsverlängerung gewinnen, macht diese Woche für mich perfekt. Darüber freue ich mich sehr.“

Anthony Losilla (VfL Bochum 1848): „Wir haben über weite Strecken des Spiels nicht zu unserem Rhythmus gefunden. Deshalb war es auch kein gutes Spiel von uns. Aber nach der Auftaktniederlage war es für uns sehr wichtig, dieses Spiel zu gewinnen. Das ist uns gelungen. Ich habe die Szene mit Sidney überhaupt nicht mitbekommen, habe nur gehört, dass er seinen Gegenspieler geschubst haben soll. Dass wir danach kämpferisch und läuferisch alles gegeben haben, was in uns steckte, war der Schlüssel zum Erfolg. Diesen Weg müssen wir jetzt weitergehen. Schon in der kommenden Woche haben wir ein schwieriges Pokalspiel vor uns.“