26. Spieltag

DSC Arminia Bielefeld
3: 1
VfL Bochum 1848VfL Bochum 1848

So,  17.03.201913:30 Uhr2. Bundesliga

In Angriffsstimmung 

Nach der jüngsten 1:5-Niederlage beim 1. FC Köln ist Arminia Bielefeld in Alarmbereitschaft. Die Ostenwestfalen wollen im Derby gegen den VfL am Sonntag (13:30 Uhr) Wiedergutmachung leisten. 

Nach der bitteren 1:5-Pleite beim 1. FC Köln zeigte sich Arminia Bielefeld vor allem selbstkritisch. „Wir haben gespielt wie das Kaninchen vor der Schlange“, fand Trainer Uwe Neuhaus deutliche Worte. Auch Top-Torjäger Fabian Klos pflichtete seinem Coach bei: „Wir sind von der ersten Minute an nicht ins Spiel gekommen. Es gibt einfach so beschissene Tage.“ Zudem warnt der 31-Jährige: „Es ist sehr wichtig, dass wir uns durch die Niederlage nicht in einen Negativlauf begeben. Das Heimspiel gegen Bochum ist daher von hoher Bedeutung – auch für die Fans und das habe ich der Mannschaft auf dem Platz gerade noch gesagt.“

Zu Hause auf der „Alm“ lief es in dieser Saison bislang noch nicht so rund bei der Arminia. Erst vier Siege durften die Fans der Ostwestfalen dort bejubeln. Sechs Niederlagen und zwei Unentschieden machen die Neuhaus-Elf zu einer der schwächsten Heimmannschaften der Zweiten Bundesliga – nur die abstiegsbedrohten Klubs aus Magdeburg, Sandhausen, Ingolstadt und Duisburg punkteten zu Hause noch seltener. In der Fremde läuft es hingegen – abgesehen von der 1:5-Niederlage – wie am Schnürchen. Seit Uwe Neuhaus die Mannschaft im Dezember 2018 als Cheftrainer übernommen hat, verloren die Bielefelder nur ein Auswärtsspiel. 17 ihrer aktuell 31 Punkte holte der DSC auf fremden Plätzen – nur dreimal verlor er ein Gastspiel. Zuletzt erkämpfte sich die Arminia ein 1:1 beim 1. FC Union Berlin. Davor gab es einen 3:0-Erfolg beim SSV Jahn Regensburg sowie ein 4:3 bei Dynamo Dresden.

Philosophie hat gefruchtet

Nach neun sieglosen Spielen in Serie zog der Verein Ende des vergangenen Jahres die Reißleine und beurlaubte den Trainer Jeff Saibene. Uwe Neuhaus, der bis zum Sommer noch Cheftrainer in Dresden war, übernahm das Kommando und landete bei seinem Debüt sogleich einen 2:1-Sieg bei Holstein Kiel. „Ich stehe für Ballbesitzfußball, aber es soll trotzdem zielstrebig Richtung gegnerisches Tor gehen“, erklärte Neuhaus seine Art des Fußballs bei seiner Vorstellung. „Der Gegner soll beherrscht werden, auch durch hohes Pressing. Im Grunde genommen stehe ich für offensiven Fußball, der sicher das eine oder andere Risiko beinhaltet, aber auch viele Chancen.“ Und genau das haben seine Spieler auch umgesetzt: Mit durchschnittlich 14 abgegebenen Torschüssen pro Spiel, sind die Ostwestfalen das Team mit den meisten Chancen in der Zweiten Bundesliga.

Auch im Hinspiel beim VfL erspielte sich die Arminia mehr Torchancen (20) als die Bochumer (11). Am Ende waren es dennoch die Jungs vonne Castroper, die dank eines exzellenten Solos mit anschließendem Kopfballtor von Tom Weilandt, den Platz als Sieger verließen. 
 

Der VfL Bochum 1848 musste sich am Sonntagnachmittag auf der Bielefelder Alm geschlagen geben - und das nach einem äußerst bitteren Spielverlauf. Nach torlosem ersten Durchgang brachte Urgestein Patrick Fabian seine Farben in Führung (63.). Die Antwort der Hausherren ließ nicht lange auf sich warten, Voglsammer traf zum 1:1 (68.). Ein äußerst zweifelhafter Handelfmeter, von Klos verwandelt (78.), und der dritte Treffer durch Clauss (79.) besiegelten binnen einer Minute die Bochumer Niederlage. Zu allem Überfluss musste auch noch Jan Gyamerah nach einer Notbremse vorzeitig vom Feld (82.).

VfL-Cheftrainer Robin Dutt setzte sein Vertrauen in die gleiche Startelf wie schon beim jüngsten 1:0-Heimerfolg gegen den 1. FC Heidenheim. Nur eine Änderung gab es im Kader: Rückkehrer Danilo Soares ersetzt Dominik Baumgartner, der aufgrund eines grippalen Infekts aussetzen musste. Für Lukas Hinterseer, der erst in dieser Woche wieder in das Mannschaftstraining einsteigen konnte, hat es für die heutige Partie in Bielefeld hingegen nicht gereicht. Arminia-Trainer Uwe Neuhaus veränderte seine Mannschaft nach der 1:5-Niederlage beim 1. FC Köln auf vier Positionen für Jonathan Clauss, Florian Hartherz, Manuel Prietl und Reinhold Yabo rückten Anderson Lucoqui, Kapitän Julian Börner, Nils Seufert und Cédric Brunner in die erste Elf.

Gleich nach dem Anpfiff war zu spüren, dass der DSC seine 1:5-Pleite beim 1. FC Köln vor heimischer Kulisse wiedergutmachen will. Bereits nach drei Minuten hatten die Hausherren eine gute Chance, um in Führung zu gehen. Eine Hereingabe von Brunner über rechts konnte Simon Zoller zunächst blocken. Brunners zweiter Versuch aus spitzem Winkel schlug ans Lattenkreuz. Aluminium und eine schnelle Reaktion von Manuel Riemann, der noch mit den Fingerspitzen an den Ball kam, bewahrten den VfL vor einem frühen Rückstand. Nach dieser ersten brenzlichen Situation beruhigte sich das Spiel zunächst. Die erste zwingende Aktion der VfLer ergab sich in der 13. Minute: Chung Yong Lee flankte aus dem Halbfeld auf Zoller, der den Ball knapp über die Latte köpfte. Danach spielte sich die Partie zumeist im Mittelfeld ab. Zwar versuchten beide Mannschaften Akzente zu setzen, doch blieben ihre Offensivaktionen zumeist ungenau. 

Doch dann waren es erneut die Arminen, die für eine Großchance sorgten: Brunner bekam im VfL-Strafraum die Kugel und legte zurück auf Klos, der mit einem satten Schuss abzog, doch das Leder knapp neben den Kasten von Riemann setzte (22.). Nur wenige Augenblicke später setzten die rund 2.500 VfL-Fans im Gästeblock schon zum Jubel an, doch der Treffer von Zoller nach Zuspiel von Vitaly Janelt wurde wegen einer Abseitsstellung des Offensivmanns abgepfiffen. 

In der Folge war der VfL am Drücker: Tim Hoogland machte das Spiel der Bochumer mit einem schönen Diagonalball auf Jan Gyamerah schnell. Dessen Hereingabe landete bei Miloš Pantović, der den Ball aus der Drehung aufs Tor hämmerte – Ortega parierte jedoch (30.). Der VfL witterte seine Chance und stürmte immer wieder auf das Ortega-Gehäuse und zwang den DSC zurück in seine eigene Hälfte. Ein erster Befreiungsschlag gelang den Gastgebern allerdings in der 37. Spielminute: Volsammer köpfte eine Hereingabe von Brunner knapp neben das VfL-Tor. Noch vor dem Halbzeitpfiff war der DSC zum Wechseln gezwungen: Nils Seufert musste verletztungsbedingt vom Feld, für ihn kam Tom Schütz in die Partie. Kurz vor der Pause wurde es noch einmal hektisch: In letzter Not hinderte Gyamerah Voglsammer an einem präzisen Abschluss. So blieb es beim 0:0 zur Halbzeit. 

Auch in Durchgang zwei gehörte die erste gute Möglichkeit den Ostwestfalen: Klos tauchte frei im Bochumer Strafraum auf, doch Riemann war zur Stelle und hielt den Linksschuss des DSC-Stürmers fest. Nach einem Ballverlust der Arminen war es dann an den Bochumer, sich die erste Chance zu erspielen. Der schnelle Konter wurde allerdings jäh unterbrochen, als Behrendt Zoller kurz vor dem Strafraum unsanft zu Fall brachte. Der Bielefelder sah dafür die Gelbe Karte. Den fälligen Freistoß setzte Pantović jedoch flach in die Mauer.  

In der 62. Minute schallte erneut lauter Jubel der VfL-Fans durch die Bielefelder Arena: Doch erneut stand Zoller im Abseits. Doch nur wenige Sekunden später zählte es dann endlich: Eine schnell ausgeführte Ecke von Gyamerah landete bei Pantović, dessen Schuss geblockt wurde und genau vor den Füßen von Patrick Fabian landete, der den Ball zu 1:0 für den VfL in die Maschen haute (63.)! Doch die Führung währte nicht lange: Andreas Voglsammer glich nach Vorarbeit von Klos für die Gastgeber aus (68.). Und fast hätte der DSC das Spiel innerhalb weniger Minuten komplett gedreht: Riemann machte sich bei einem Schuss von Klos ganz lang und klärte den Schuss zur Ecke. 

Der VfL, geschockt von dem schnellen Ausgleich, verlor für einige Minuten den Zugriff auf das Spiel. Cheftrainer Dutt reagierte und brachte Thomas Eisfeld für Tom Weilandt neu in die Partie. Doch in der 78. Minute kam es knüppeldick für den VfL: Janelt bekommt im Strafraum die Kugel sehr unglücklich an den Arm – der Schiedsrichter entschied auf Elfmeter. Den fälligen Elfer verwandelte Klos sicher zur 2:1-Führung für die Arminia. Und es wurde noch bitterer: Der nächste Angriff der Gastgeber war direkt wieder erfolgreich. Der eingewechselte Jonathan Clauss erhöhte auf 3:1 (79.). Das Spiel geriet immer mehr außer Kontrolle: Gyamerah sah für eine Notbremse an Weihrauch die Rote Karte – der VfL war für die letzten Minuten nur noch zu Zehnt. Fast hätte es noch das vierte Gegentor gegeben, doch Tim Hoogland kratzte die Kugel als letzter Mann noch von der Linie. 

Robin Dutt (Cheftrainer VfL Bochum 1848): Ich habe lange ein ausgeglichenes Spiel gesehen. Bielefeld hatte die ersten Torchancen, danach ging es immer mal wieder hin und her. Es war ein anspruchsvolles Spiel, vielleicht nicht unbedingt für die Zuschauer, aber aus taktischer Sicht. Es war für beide Teams nicht einfach, das zu lösen. Beide hatten ein mutiges Positionsspiel, das aber auch von Fehlern geprägt war. So hat sich dieses Spiel entwickelt. Wenn du aber zwanzig Minuten vor dem Ende auswärts in Führung gehst, musst du auch gewinnen. Es kommen zwei lange Bälle, so geraten in Rückstand. Das darf dir nicht passieren, das muss man besser verteidigen. Dadurch gehen wir als Verlierer vom Platz. Zu dem Handspiel vor dem 2:1 kann ich mich nicht wirklich äußern. Ich war weit weg, aber auch wenn ich es gesehen hätte: Man weiß doch aktuell gar nicht, wie die Regel überhaupt lautet. Da bin ich genau so verunsichert wie jeder andere auch.

Uwe Neuhaus (Cheftrainer Arminia Bielefeld): Ich sehe es ähnlich wie Robin. In den ersten 30 Minuten war das ein richtig gutes Spiel von uns, wir haben nur die Chancen nicht verwertet. Manchmal reicht dann eine Aktion, die dich zurückwerfen kann. Daran müssen wir arbeiten. In dieser Phase haben wir uns etwas versteckt. Die Ecke zum 0:1 haben wir komplett verschlafen. Natürlich mussten wir danach umstellen, mit Voglsammer und Klos haben wir da vorne die Qualität, um auch mal lange Bälle an den Mann zu bringen. Ein Funke kann manchmal einen Flächenbrand auslösen, das haben wir vor dem Spiel gesagt. Das 2:1 war so ein Fall, nach dem Doppelschlag war das Spiel entschieden. Diese drei Punkte waren für uns natürlich sehr wichtig vor der Länderspielpause.

Simon Zoller: Ich finde, dass wir in der zweiten Halbzeit nochmal eine Schippe draufgelegt haben. Wir haben gut gespielt, machen zwei Abseitstore und bekommen dann einen Elfmeter, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob es einer war, weil Vitaly in der Rückwärtsbewegung war. Bis dahin waren wir gut im Spiel. Es war eine intensive Partie, doch wir waren heute fünf Minute nicht wachsam genug und kassieren so zwei Tore – das ist sehr ärgerlich, weil wir meiner Meinung nach ordentlich gespielt haben. Am Ende 1:3 zu verlieren, ist bitter. 

Tom Weilandt: Es war sehr bitter heute. Ich finde, wir haben gut gegen den Ball gearbeitet. Spielerisch haben wir nicht so sehr geglänzt, waren aber zu jeder Zeit gefährlich und machen auch das 1:0. Wie es dann dazu kommt, dass wir so eine Phase erleben, kann ich mir nicht erklären. Das Handspiel habe ich nur von Weitem gesehen, aber ich glaube nicht, dass man so eine Situation pfeifen muss. Vitaly steht mit dem Rücken zum Feld und sieht den Ball nicht. Aber ich schätze, dass die Schiedsrichter das in einer Schulung hatten und der Elfmeter deshalb gegeben wurde. Diese Niederlage bedeutet, dass wir nun noch härter arbeiten müssen.

Patrick Fabian: Wir gehen aktuell ein Stück weit auf dem Zahnfleisch: Aktuell sind einige Spieler mit kleineren Verletzungen dabei, zudem haben wir unter der Woche immer wieder mit Krankheiten zu kämpfen. Ich glaube, dass uns die Länderspielpause guttun wird. Wir haben in zwei Wochen ein super Heimspiel vor ausverkauftem Haus gegen den Hamburger SV – darauf müssen wir uns nun fokussieren.