6. Spieltag

Holstein Kiel
2: 2
VfL Bochum 1848VfL Bochum 1848

Sa,  22.09.201813:00 Uhr2. Bundesliga

Märchenhaft, so kann man die jüngste(n) Entwicklung(en) an der Kieler Förde beschreiben. Zumindest was den Fußballsport betrifft. Beinahe hätte sich der rasante Aufstieg Holsteins sogar mit dem Sprung in die Bundesliga gekrönt. Nicht wenige Experten haben dem kommenden Gegner des VfL in diesem Sommer allerdings eine schwere Spielzeit prophezeit. Scheint nach den ersten Eindrücken aber keineswegs der Fall zu sein. Die Uhren ticken anders im Norden. Nicht nur beim HSV.

Im Sommer 2016 lief der KSV auf Rang 14 der 3. Liga ein, hinter dem Halleschen FC oder der Zweitvertretung von Mainz 05. Die allerwenigsten hätten nach diesem letzten Spieltag wohl damit gerechnet, dass Holstein nur knappe zwei Jahre später mit ordentlich Schmackes an die Tür zur Bundesliga klopft. Beinahe wären die Norddeutschen sogar hindurchmarschiert, doch in den beiden Relegationsspielen stellte sich der VfL Wolfsburg als zu abgezockt dar. Schon vor den beiden Duellen war klar, dass sich in Kiel in den Monaten danach einiges ändern dürfte. Der steile Aufstieg hatte Begehrlichkeiten geweckt. Nicht nur in Spielerkreisen. Das Erfolgsduo bestehend aus Trainer Markus Anfang und Sportdirektor Ralf Becker ist längst nicht mehr beim KSV angestellt. Die beiden Ex-Profis sind zwar ligatechnisch nicht vorwärts gekommen, haben nun allerdings mit dem 1. FC Köln und dem Hamburger SV die beiden Schwergewichte der 2. Bundesliga unter ihrem Hut.

Selbstredend, dass auch die Leistungen auf dem Rasen für Aufmerksamkeit, sprich Interesse gesorgt haben. Toptorjäger Marvin Ducksch stürmt mittlerweile für den Bundesliga-Aufsteiger aus Düsseldorf. Rafael Czichos und Dominick Drexler sind ihrem Erfolgscoach in Richtung Domstadt gefolgt. Drei absolute Leistungsträger plus sportliche Führung weg, Kiel musste sich innerhalb kürzester Zeit weitgehend neu aufstellen. Das hat geklappt. Die verantwortlichen Positionen besetzen zwei Herren, die der breiten Masse an Fußballfans hierzulande noch nicht allzu bekannt waren. Neuer Sportchef ist Fabian Wohlgemuth, der 39-Jährige leitete zuvor sieben Jahre lang die Geschicke in Wolfsburgs Nachwuchsabteilung. Auf der Trainerbank sitzt nun Tim Walter, der in der Vorsaison die Zweitvertretung des FC Bayern coachte.

Auch in Sachen Spielerverpflichtungen hat man sich auf die Suche nach Talenten gemacht. Die jungen Jannik Dehm (22, TSG Hoffenheim), Matthias Honsak (21, RB Salzburg) oder der Ex-Bochumer Janni Serra (20) sind gleich zu festen Größen geworden. Hauke Wahl (24, FC Ingolstadt) und Jonas Meffert (24, SC Freiburg) haben da schon etwas mehr Profierfahrung vorzuweisen, sind aber auch nicht viel älter. Der „Königstransfer“ allerdings kam im Sommer aus Südkorea. Dürfte den VfL-Fans irgendwie bekannt vorkommen. Noch mehr, wenn man sich den Nachnamen des Herren anschaut. Jae-Sung Lee, 38-facher Nationalspieler seines Landes, ist neu an der Kieler Förde. Der hochveranlagte Techniker überzeugte vom Start weg, lieferte beim großen HSV gleich mal eine Sahneleistung ab und ließ eine Woche später gegen Heidenheim seinen Premierentreffer folgen.

Gerade der abgeklärte Auftritt im Volksparkstadion am 1. Spieltag hat Eindruck hinterlassen. Der HSV, mit größtmöglichen Ambitionen in die erste Zweitligasaison der Vereinsgeschichte gestartet, wurde regelrecht abgefrühstückt. Nicht nur Lee überzeugte, die Neuzugänge Meffert und Honsak trugen sich direkt mal in die Torschützenliste ein. Acht Punkte aus den ersten vier Spielen bedeuteten einen Start nach Maß, auch im Pokal löste Holstein die schwierige Aufgabe beim TSV 1860. Einzig der zurückliegende Spieltag befleckte die weitgehend reine Weste der Störche. Bei der extrem formstarken Spielvereinigung aus Fürth setzte es eine 1:4-Pleite. Schlecht hatte der KSV dabei gar nicht mal begonnen, verpasste selbst die Führung, ließ sich dann nach dem Seitenwechsel aber von den Kleeblättern abkochen.

Dennoch muss der VfL am Samstag im Holstein-Stadion gehörig aufpassen. Der letzte Auftritt in Kiel dürfte Warnung genug sein. Mit 0:3 mussten sich die Blau-Weißen geschlagen geben, auch wenn sie bei den Gegentoren, speziell beim Slapstick-Eigentor zum 0:1, ordentlich mithalfen. Im Rückspiel gab es anne Castroper ein 1:1-Remis. Die frühe Führung durch Kevin Stöger glich sein aktueller Teamkollege Ducksch im zweiten Durchgang zum schmeichelhaften Endstand aus. Bedeutet: Der VfL wartet noch auf den ersten Ligasieg gegen die Störche. Wird Zeit! 

Kein Sieger zwischen dem VfL Bochum 1848 und der KSV Holstein Kiel! Am Ende einer spannenden Partie, in der die Bochumer gleich zweimal in Führung gehen konnten, trennten sich beide Teams mit einem 2:2-Remis. Lukas Hinterseer hatte für die Pausenführung des VfL gesorgt, Tom Weilandt sorgte für den zweiten Bochumer Treffer. Doch der Ex-VfLer Janni Serra köpfte die Störche wenige Minuten vor Schluss zum Remis.

Neuer Versuch im hohen Norden. Nachdem es im DFB-Pokal in Schleswig-Holstein nicht sein sollte, trat der VfL Bochum 1848 am 6. Spieltag der 2. Bundesliga bei Holstein Kiel an. Nach der Gala aus der Vorwoche sah Cheftrainer Robin Dutt keinen Anlass, seine Startelf zu verändern – das hieß, auch Robbie Kruse wurde rechtzeitig fit. Auf Seiten der Gastgeber stand in Janni Serra, der in der letzten Spielzeit noch anne Castroper kickte, ein alter Bekannter in der Anfangsformation. Das galt auch andersrum, da Tom Weilandt an seine alte Wirkungsstätte, für die er im Vorjahr leihweise spielte, zurückkehrte.

Die Anfangsphase gehörte den aggressiven Hausherren, die die erstmals in grau antretenden Bochumer früh attackierten und nach einer Ecke auch die erste gefährliche Szene verbuchten. Dominik Schmidt kam aus kurzer Distanz zum Flugkopfball, drückte den aber knapp an Manuel Riemanns Gehäuse vorbei (5.). In Minute neun dann beinahe die erste Gelegenheit für Bochum. Weilandt spekulierte beim Pass von Kiels Schlussmann Kenneth Kronholm, wurde aber gerade noch von Schmidt abgegrätscht – der Weg zum Tor wäre frei gewesen. Der VfL befreite sich zunehmend vom Anfangsdruck der Störche, Kruses Schuss landete in den Armen Kronholms (11.). Dann der 100%er für Sebastian Maier, der Schmidt die Kugel abjagte, frei vor dem Tor jedoch verzog – das hätte das 1:0 sein müssen (12.). Der VfL machte in dieser Phase Dampf, Tim Hoogland kam im Anschluss an eine Ecke zum Schuss (13.). Aber auch Kiel blieb gerade über seine linke Seite gefährlich, eine flache Hereingabe bereinigte Danilo Soares abgeklärt am langen Pfosten. Der VfL war nun aber richtig drin. Besonders Weilandt war gegen die Ex-Kollegen hochmotiviert, tänzelte durch die Defensive und zwang Kronholm aus 16 Meter zur Parade (16.). Es wogte hin und her, nun wieder die Gastgeber, Serra verfehlte mit dem langen Bein (18.). Die ersten 20 Minuten hatten was zu bieten.

Nach dem rasanten Beginn nahm sich die Partie fortan zumindest in den Strafräumen eine kleine Pause, blieb aber unheimlich intensiv. David Kinsombi rauschte in Soares und sah den ersten gelben Karton der Begegnung (26.). Die Torraumszenen wurden weniger, die Zweikämpfe mehr, Hoogland wurde nach einer Grätsche ebenfalls verwarnt. Aus dem fälligen Freistoß entstand mal wieder Gefahr, Alexander Mühlings Hereingabe rutschte durch und wäre eingeschlagen, doch Riemann klärte aufmerksam zur Ecke (34.). Nach dieser wurde es richtig brenzlig, Serra kam im zweiten Anlauf aus Nahdistanz mit dem Kopf an den Ball, hatte jedoch etwas Rücklage und drückte die Kugel drüber (35.). Nach der Auszeit auch wieder der VfL – und wie. Maier trieb das Spielgerät bei einem Konter in die Kieler Hälfte und legte dann raus zu Lukas Hinterseer. Kurzer Wackler, präziser sowie kräftiger Abschluss in die kurze Ecke und drin das Ding (38.). Das pure Selbstbewusstsein nach dem Dreierpack aus der Vorwoche. Den 1:0-Vorsprung brachte die Dutt-Elf dann auch in die Pause.

Ohne personelle Wechsel ging es dann auf beiden Seiten in die zweiten 45 Minuten. Keine drei Minuten waren da vergangen, da wäre Holstein fast zurückgekommen. Wieder über links brachte diesmal Jae Sung Lee das Spielgerät in die Mitte, wo es nicht ausreichend geklärt werden konnte und Serra vor Serras Füßen landete. Riemann parierte den Flachschuss stark (48.). Die Hausherren suchten weiter den Weg nach vorne, während die Bochumer sich zu sehr in die Defensive drängen ließen. Das rächte sich schnell, Kiel kam zum Ausgleich. Kinsombi stürmte in den Sechzehner und nahm Mathias Honsak mit. Dieser hielt drauf, Soares wollte (und musste) klären und verlängerte den Ball dabei jedoch unglücklich ins eigene Netz (57.). Unglücksrabe Soares verletzte sich kurz darauf auch noch und wurde durch Timo Perthel ersetzt (62.). Vom Schock erholten sich Dutts Manen aber flott, es ging nun wieder Mannen nach vorne, Maxim Leitsch versuchte sein Glück aus der Distanz (63.). Gleich im Anschluss folgte der große Moment für Weilandt. Auf Anspiel von Hinterseer legte sich der ehemalige Kieler die Pille in zentraler Position zurecht, nahm Maß und versenkte zur erneuten Führung (65.) – feines Ding von „Hille“, der anstandshalber auf einen Torjubel verzichtete. Unmittelbar nach dem 2:1 aus Bochumer Sicht wechselte Dutt abermals, diesmal aber freiwillig Sidney Sam für Maier (66.).

Das Blatt hatte sich kurzerhand wieder gewendet, nun waren es die Störche, die etwas am Gegentor zu knabbern hatten. Perthel flankte zu Hinterseer, der mit der Hüfte zwar an den Ball kam, aber keinen wirklichen Abschluss produzierte (66.). Das Gegentor hat den Kielern nach dem vielversprechenden Start in Durchgang zwo den Wind aus den Segeln genommen, der VfL machte es nun geschickt. Eine Viertelstunde vor Schluss gab es aber mal wieder eine aussichtsreiche Möglichkeit für den kurz zuvor eingewechselten Masaya Okugawa, der Serras Hereingabe aus knapp sechs Metern auf den Kasten brachte, Riemann reagierte erneut blitzschnell (76.). Bochum boten sich zunehmend Räume, nach einem Konter über Anthony Losilla, Sam und Hinterseer war es Losilla, der es aus dem Rückraum probierte, den Ball aber nicht voll traf (80.). Weitere gute Ansätze wurden von Sam und Hinterseer verdaddelt, Kiel blieb in der Schlussphase am Leben. Es gelang aber, die Störche größtenteils vom eigenen Strafraum fernzuhalten. Nicht aber in der 85. Minute, wo Johannes van den Bergh nach Mühlings Hereingabe von der rechten Seite eine Großchance serviert bekam, diese aber über das Tor jagte. Zur Absicherung des Ergebnisses wechselte Dutt ein drittes Mal aus, Patrick Fabian kam zum Saisondebüt in der Liga, Kruse musste weichen (88.). Zu Beginn der Nachspielzeit der Nackenschlag für den VfL. Ausgerechnet Serra schraubte sich nach einer Flanke am höchsten und nickte zum 2:2 ein (90.+1). Bitter. Es wurde noch bitterer. Die letzte Aktion: Ein Freistoß in der Nähe des Mittelkreises, der bei Hinterseer landete, der den Ball irgendwie ins Netz bugsierte – doch wegen Abseits zurückgepfiffen wurde. Dann ertönte der Schlusspfiff.

Weiter geht es für den VfL aufgrund der Englischen Woche bereits am Dienstagabend (18:30 Uhr), dann ist die SG Dynamo Dresden zu Gast im Vonovia Ruhrstadion.

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Robin Dutt (Cheftrainer VfL Bochum 1848): Es war ein hochintensives Spiel. Kiel war, was die Offensive betrifft, der bisher schwerste Gegner, den wir dieses Jahr bespielt haben. Sie haben sehr gut nach vorne gespielt, aber mit hohem Risiko in der Defensive. Da haben sich auch für uns Chancen ergeben. Kiel hat das Spiel gemacht und wir haben in den Umschaltsituationen immer Gefahr ausgestrahlt. Da haben wir versäumt mehr Tore draus zu machen. Beim 2:1 gehen wir eher glücklich in Führung, weil Kiel viel gedrückt hat. Am Ende fühlt es sich dann so an, als hätte man zwei Punkte verloren. Man muss aber fair bleiben und sagen, dass Kiel schon am Ende viel Druck gemacht hat, hochkarätige Chancen herausgespielt und sich den Punkt verdient hat. So kurz vor Schluss noch ein Tor zu kassieren ist nie schön, letztlich können wir aber mit dem Punkt leben.

Tim Walter (Cheftrainer Holstein Kiel): Ich glaube, dass wir spielbestimmend waren und die Kontrolle hatten. Leider haben wir einige Bälle zu leicht verloren und geraten in Rückstand. Bochum hat versucht mitzuspielen, was uns ein Stück weit mehr liegt. Mit dem Ergebnis bin ich am Ende nicht ganz zufrieden, weil es sich anfühlt, als hätten wir das Spiel gewinnen müssen. Trotz alledem bin ich aber froh, dass wir wenigstens den Ausgleich noch erzielt haben und freue mich besonders für Janni Serra.

Tom Weilandt (VfL Bochum 1848): Wenn man so spät ein Gegentor bekommt, ist man immer unzufrieden. Kiel hat das mit ihrem Positionsspiel aber auch echt gut gemacht, trotzdem bitter. Nach der Pause haben sie viel Gas gegeben. Man selbst will immer ein Tor machen, hier das Siegtor zu machen, wäre aber schon geil gewesen sind. Die Euphorie lassen wir uns durch das Remis nicht nehmen.

Sebastian Maier (VfL Bochum 1848): Das ist brutal bitter. Wir haben aber schon zuvor zu viel zugelassen und uns nach der Führung zu sehr hinten reindrängen lassen, auch die Konter nicht mehr sauber zu Ende gespielt. Wenn man zweimal vorne ist will man den Sieg natürlich mitnehmen. Es geht aber schon weiter, wir müssen schnell regenerieren. Gegen Dresden wird es keinen Deut leichter, die haben sich reichlich Selbstvertrauen geholt und spielen seit dem Trainerwechsel wie ausgewechselt.

Anthony Losilla (VfL Bochum 1848): Wir haben heute gegen einen risikoreichen Gegner gespielt, der es sehr gut gemacht hat und Chancen hatte. Aber auch wir haben es dann besser gemacht und die Führung gemacht. Am Ende ist es, was die Chancen angeht, schon verdient, ein so spätes Gegentor ist aber immer ärgerlich. Mit einem Auswärtspunkt müssen und können wir trotzdem zufrieden sein, wenn wir am Dienstag gewinnen. Wir sind in einem guten Rhythmus.

Robert Tesche (VfL Bochum 1848): Das regt einen schon extrem auf, das darf nicht passieren. In der 90. Minute darfst du das Spiel nicht mehr aus der Hand geben, auch wenn wir nicht so gut gespielt haben und insgesamt auch zu viel zugelassen haben. Im Endeffekt kann man mit dem 2:2 leben, nicht aber mit dem Treffer in der 90. Minute. Jetzt geht man aber erst mal sauer in den Bus. Das Spiel am Dienstag wird bedeutungsvoll, wir halten die Köpfe oben und werden wieder alles geben.