18. Spieltag

1. FC Köln
2: 3
VfL Bochum 1848VfL Bochum 1848

Fr,  21.12.201818:30 Uhr2. Bundesliga

Aller Anfang ist schwer

Es liegt ein schier unglaubliches Jahr hinter dem 1. FC Köln, ein extremes Wechselbad der Gefühle. Von Platz fünf und dem damit verbundenen ersten Europapokaleinzug seit einem Vierteljahrhundert starteten die Rheinländer euphorisiert in die Vorsaison, dann nahm das kölsche Drama seinen Lauf. Unstimmigkeiten auf der Führungsebene paarten sich mit sportlichem Misserfolg und enormem Verletzungspech, hinzu kamen die Querelen um den Verkauf von Lebensversicherung Anthony Modeste. Erst am letzten Hinrundenspieltag gelang der erste Dreier der Saison. Mit mageren sechs Zählern zierte der „Effzeh“ über den Winter das Tabellenende des Oberhauses, auch das Abenteuer Europapokal ging auf bittere Weise bereits nach der Gruppenphase zu Ende. Symptomatisch stand das unvergessene 3:4 nach 3:0-Führung gegen den SC Freiburg. Die Architekten des Erfolgs der Vorjahre waren da schon nicht mehr im Amt.

Geschäftsführer Jörg Schmadtke trat nach dem neunten Spieltag zurück, Anfang Dezember wurde auch Trainer Peter Stöger freigestellt. Unter Interimscoach Stefan Ruthenbeck, der schließlich bis zum Sommer am Wunder Klassenerhalt arbeiten durfte, erlebten die Kölner eine Art Renaissance, die Hypothek der Hinrunde war jedoch zu groß. Der Glaube an die eigene Stärke war aber wieder da.

Nun steht in Liga zwo also alles auf Anfang. Der Top-Favorit auf den Aufstieg sind die Kölner nichtsdestotrotz und auch die Euphorie ist in die Domstadt zurückgekehrt, das bewiesen 50.000 Anhänger bei der Saisoneröffnung. Das war auch schon im Verlaufe der Rückrunde der Fall, in der sich die Ruthenbeck-Elf phasenweise sogar ernsthafte Hoffnungen auf einen Ligaverbleib, oder wenigstens die Relegation, hat machen können. Auch wenn es schließlich nicht reichte, machte die Art und Weise, wie sich die Mannschaft gegen den kaum abzuwendenden, sechsten Abstieg der Vereinsgeschichte wehrte, den Anhängern Mut. Diese beeindruckten wiederum auch in Krisenzeiten mit bemerkenswertem Support, man erinnert sich an die London-Invasion aus der Hinrunde. So schaukelten sich Fans und Mannschaft über die Spielzeit hoch. Dies mündete letztlich darin, dass Leistungs- und Hoffnungsträger sowie Nationalspieler wie Timo Horn, Jonas Hector, Marcel Risse oder Vincent Koziello dem Verein auch beim bitteren Gang in Liga zwei die Treue schworen.

Ein weiterer Entfacher des Enthusiasmusses ist ein gebürtiger Kölner: Der neue Cheftrainer Markus Anfang. Der 44-Jährige vollbrachte bereits mit bescheidenen Mitteln etwas, was ihm vor der Saison wohl nicht einmal die kühnsten Optimisten zugetraut hätten – er hievte Aufsteiger Holstein Kiel mit einer klaren Spielidee von berauschendem Offensivfußball in die Relegation, wo die Millionentruppe des VfL Wolfsburg letztlich doch eine Nummer zu groß war. Nun steht ihm trotz einiger schmerzlicher Abgänge wie Leonardo Bittencourt, Yuya Osako oder Dominique Heintz, die allesamt weiter Bundesligafußball spielen werden, ein mehr als üppig besetzter Kader zur Verfügung, um seine Visionen von dominantem Offensivfußball in die Tat umzusetzen. Sportchef Armin Veh, der im Dezember auf Schmadtke folgte, sprach gar von einem „besseren Kader als im Vorjahr“ – im Unterhaus wohlgemerkt. Es kann also nur ein Ziel geben und das spricht man beim Effzeh auch offensiv aus: Die Rückkehr in Liga eins soll, nein muss, es werden.

Dafür ließen sich die Geißböcke auch in Sachen Transfers nicht lumpen, Einnahmen waren durch zahlreiche Spielerverkäufe und auch aus Reserven des Verkaufs von Modeste nach China reichlich vorhanden. Die Neuen versprechen dabei einen guten Mix aus Talent und Zweitliga-Erfahrung. Mit Abwehrchef Rafael Czichos und Taktgeber Dominick Drexler, nach Zwischenstopp beim FC Midtjylland, folgten zwei tragende Säulen des Kieler Erfolgs ihrem Coach, Lasse Sobiech (FC St. Pauli) und Dresden-Eigengewächs Niklas Hauptmann kennen die Liga ebenfalls bestens. Eine Art Königstransfer ist Louis Schaub, der nach 160 Spielen in der österreichischen Bundesliga von Rapid Wien zum „Effzeh“ stößt. Die jungen Benno Schmitz (Leipzig) und Matthias Bader (Karlsruhe) bilden das neue Rechtsverteidiger-Tandem, fallen aber vorerst verletzt aus. Vier Youngster aus dem eigenen Stall komplettieren die elf Zugänge, ebenso viele Abgänge waren zu verzeichnen. Mit Simon Terodde kommt zudem ein bestens bekannter Akteur zurück an seine alte Wirkungsstätte.

Trotz aller Qualität und dem mit Abstand höchsten Marktwert der Liga steht den Gästen im Vonovia Ruhrstadion keine einfache Aufgabe bevor, schon die letzten zwei Auftritte brachten den Kölnern keine Punkte. 2012/13 sicherte Richard Sukuta-Pasu drei Heimzähler, im Jahr darauf drehte der VfL einen Pausenrückstand in Person von Zlatko Dedič und Marcel Maltritz noch in einen 2:1-Erfolg. Vor Ehrfurcht erstarren wird die Elf von Robin Dutt auch dieses Mal sicherlich nicht. Denn anders als im Vorjahr lief die Vorbereitung des VfL Bochum 1848, abgesehen von ein paar verletzungsbedingten Rückschlägen, durchweg positiv. Dutt konnte erstmals in einer kompletten Vorbereitung seine Vorstellungen vermitteln, das hat seit Amtsantritt ja auch schon so sehr gut geklappt. Die Blau-Weißen sind für den Start in die 2. Bundesliga gewappnet und können sich der Unterstützung zahlreicher VfL-Fans gewiss sein. Diese dürfen sich in ausverkauftem Hause auf ein spektakuläres Kräftemessen zweier den Weg nach vorne suchenden Mannschaften freuen.

Was für ein Jahresabschluss für alle Blau-Weißen! Der VfL siegte am Freitagabend vor Weihnachten beim 1. FC Köln mit 3:2! Es war erst der zweite Sieg beim FC in unserer Vereinsgeschichte. Lukas Hinterseer brachte die Dutt-Elf ganz früh in Führung. Toptorjäger Simon Terodde konnte vor der Pause ausgleichen. Nach dem Seitenwechsel schossen Hinterseer und Sidney Sam die Blau-Weißen wieder in Front, der Anschlusstreffer von Risse änderte nichts mehr am Spielausgang. Vor 50.000 Zuschauern - 5.000 davon aus Bochum - jubelte nach dem Abpfiff ausgelassen NUR DER VfL!

Festtagsstimmung im Rhein-Energie-Stadion zu Köln, wo der VfL Bochum 1848 zum Jahresabschluss respektive dem Rückrundenauftakt beim gastgebenden 1. FC antrat. Am 18. Spieltag im Unterhaus wollte die Elf von Robin Dutt, die unverändert im Vergleich zur Niederlage in Berlin auflief, den ergebnistechnischen Negativlauf bei einer der höchsten Hürden der Liga beenden und sich drei Tage vor Heiligabend selbst mit einem Dreier beschenken, um auch über den Jahreswechsel im Windschatten der Aufstiegsränge zu verweilen. Lediglich auf der Bank gab es Veränderungen, Silvère Ganvoula und Robbie Kruse rückten nach auskurierten Verletzungen für den erkrankten Tom Baack und A-Junior Lars Holtkamp in den 18er-Kader.

Auch das Hinspiel lief ähnlich wie die beiden letzten Spiele gegen St. Pauli und Union unglücklich, als der VfL nach einer überzeugenden ersten Hälfte doch mit 0:2 unterlag. Den letzten Auftritt der Blau-Weißen in Müngersdorf gewannen die Gastgeber, mit dem 3:1 vom 21. April 2014 machte der Effzeh damals den Bundesligaaufstieg klar. Die Geißböcke befanden sich ihrerseits zuletzt in Galaform und fegten mit einem Torverhältnis von 21:2 Toren über ihre letzten fünf Gegner hinweg, es wartete also der erwartet dicke Brocken auf die Mannen vonne Castroper. FC-Coach Markus Anfang änderte seine Formation dennoch auf zwei Positionen. Unfreiwillig im Falle von Marco Höger, der gelbgesperrt war, zudem musste Niklas Hauptmann mit einem Platz auf der Bank Vorlieb nehmen. Salih Özcan und Jannes Horn rückten in die Startelf.

Trotz der unbestrittenen Qualitäten des Aufstiegskandidaten aus der Domstadt kündigte Dutt an, sich mit seiner Mannschaft nicht zu verstecken und dem Effzeh die Stirn zu bieten. Und besser hätte es dann nicht beginnen können. Keine 60 Sekunden waren vergangen, da patzte der Kölner Abwehrchef Rafael Czichos folgenschwer, Lukas Hinterseer tauchte frei vor Timo Horn auf und volstreckte eiskalt in die rechte Ecke (1.). Traumstart in der Domstadt. Sidney Sam versuchte es zwei Minuten später ebenfalls, platzierte jedoch zu zentral (3.). Im Gegenzug kamen auch die Gastgeber zum ersten vielversprechenden Abschluss. Nach Horns Flanke von links legte Ex-VfLer Simon Terodde für Jhon Cordoba, der knapp rechts vorbeizielte (4.). Ein überaus munterer Beginn im Rhein-Energie-Stadion.

Klare Chancen blieben in der Folge zwar zunächst aus, ansehnlich war die intensive Partie nichtsdestotrotz. Die Kölner suchten im Angesicht des Rückstands den Weg nach vorn, was der VfL jedoch geschickt zu verhindern wusste. Auf der anderen Seite sorgten Dutts Mannen selbst immer wieder für Entlastung, es fehlte lediglich an Präzision im letzten Drittel. Nach einer guten Viertelstunde setzte Marcel Risse zum Freistoß an, den gefährlichen Aufsetzer nahm Manuel Riemann aber sicher auf (16.). Kurz darauf holte sich Torschütze Hinterseer den ersten gelben Karton des Spiels ab, als er gegen Özcan einstieg (17.). Dasselbe Schicksal erteilte Augenblicke später Cordoba, der Robert Tesche unsanft zu Fall brachte (19.). Nach 20 Minuten zeichnete sich ab, dass Blau und Weiß die Hausherren vor eine gewaltige Aufgabe stellen würden. Optisch nahm das Übergewicht des Tabellenzweiten zu, das muss man fairerweise anmerken, doch es taten sich keine Lücken im VfL-Verbund auf. Gerade Patrick Fabian knöpfte den FC-Stürmern immer wieder rigoros das Leder ab.

Dann verhalf der VfL den Gastgebern jedoch, zum Ausgleich zu kommen. Danilo Soares spielte einen fatalen Rückpass zu Riemann, Terodde spritzte dazwischen und schob das Spielgerät zu seinem 22. Saisontor ins leere Gehäuse (25.) – ganz bittere Geschichte. Der VfL zeigte sich jedoch nicht geschockt und versuchte zu antworten. Chung Yong Lees Flanke erreichte am langen Pfosten Jan Gyamerah, der aus spitzem Winkel volles Risiko ging und die Kugel ans Außennetz jagte (28.). „Jambo“ holte sich wenig später für eine unglückliche Aktion gegen Özcan auch die gelbe Karte ab (31.), Risse tat es ihm wegen eines Textilvergehens an Sam bei einem aussichtsreichen Gegenstoß gleich (32.). Bis zur Pause gab es nach einigen Zweikämpfen dann eine hektische und sogar aufgeheizte Phase, ehe der VfL sich mal wieder im gegnerischen Strafraum blicken ließ. Hinterseer spielte Sam auf rechts frei, dessen Flanke war dann jedoch wenige Zentimeter zu hoch für den im Zentrum freistehenden Tom Weilandt (42.). Die letzte Aktion einer, obwohl es bei wenigen klaren Torgelegenheit blieb, hochinteressanten ersten Hälfte.

Ohne personelle Wechsel auf beiden Seiten starteten die zweiten 45 Minuten in Müngersdorf. Und es ging mit gleicher Intensität weiter. Lee köpfte, brachte aber keinen Druck hinter den Ball, Dominick Drexler gab den ersten Kölner Warnschuss ab – jeweils zu harmlos (48.). Köln blieb dran, Jonas Hector kam nach einem Eckball nicht richtig an die Kugel, kurz darauf verzog Özcan aus ungünstigem Winkel klar (52.). Beide Seiten rieben sich weiterhin in jedem Zweikampf auf, kein Akteur hatte groß Luft zum Atmen. Anthony Losilla holte sich nach einem Duell mit Cordoba die dritte Bochumer Verwarnung ab (55.). Mitten in die Kölner Drangphase schlug Alpenbomber Hinterseer ein zweites Mal zu. Mit einem clever und schnell ausgeführten Freistoß am linken Strafraumrand wurde der Effzeh überrascht und Sam freigespielt, der den in der Mitte hellwachen Österreicher fand. Aus kurzer Distanz überwand Hinterseer Timo Horn per Direktabnahme, Saisontor Nummer elf für die Nummer zwei der Torschützenliste und die erneute Führung für den VfL (58.).

Kurz darauf war Schluss für Lee, der für Robbie Kruse wich (59.). Auch Anfang reagierte und wechselte offensiv. Louis Schaub ersetzte Jannes Horn (64.). Cordoba versuchte es dann aus vollem Lauf, beförderte das Spielgerät jedoch in den Fangzaun hinter Riemanns Tor. Die VfL-Defensive machte, mit einer kleinen Ausnahme, weiterhin einen fabelhaften Job und ließ kaum etwas aus dem Spiel heraus zu. In Minute 69 war Terodde aber doch mal ungedeckt und zwang Riemann mit einem dankbaren  nach Risse-Flanke zu einer Flugeinlage. In vorweihnachtlicher Stimmung verteilte der Gastgeber kurze Zeit später das nächste Geschenk an den VfL. Özcan spielte einen Katastrophenquerpass in die Füße von Sam, der Tempo aufnahm und in den Strafraum zog. Dort angekommen ließ er Timo Horn im Kasten mit einem strammen Schuss in die linke untere Ecke keine Abwehrchance – 3:1 für Blau-Weiß (69.). FC-Coach Anfang spielte den nächsten Joker und warf Serhou Guirassy für Benno Schmitz in die Partie (72.). Nationalspieler Jonas Hector sah zudem Gelb für ein taktisches Foul an Kruse (75.).

Um es für die Schlussviertelstunde nochmal so richtig spannend zu machen, verkürzten die Geißböcke. Nach sehenswerter Hackenablage des eigewechselten Schaub landete der Ball rechts bei Risse, der sich ein Herz nahm, mit vollem Risiko draufhielt und Riemann in den Winkel überwinden konnte (76.). Auf der anderen Seite versuchte sich Kruse, fand jedoch in Timo Horn seinen Meister (78.). Eine mitreißende Schlussphase begann, nun wieder die Hausherren am Zug. Terodde konnte Riemann aus Nahdistanz ziemlich allein gelassen jedoch nicht bezwingen (80.). Nichts für schwache Nerven. Dutt verstärkte die Defensive und tauschte ein zweites Mal das Personal. Weilandt ging raus, Stefano Celozzi sollte in den verbleibenden Minuten mithelfen, das Ergebnis über die Runden zu bringen (83.). Dann sah Tim Hoogland eine Verwarnung, seine fünfte, für ein Foulspiel an Schaub (84.). Köln rannte an und drückte zunehmend, Dutt antwortete mit seinem letzten Wechsel. Der starke Sam verließ das Spielfeld, mit Ganvoula betrat es ein kopfballstarker Akteur (87.).

Mit allem, was sie noch an Körnern zur Verfügung hatten, stemmten sich die Bochumer gegen den Kölner Druck, Guirassy kam dennoch akrobatisch, aber letztlich ungefährlich, zum Abschluss (88.). Vier Minuten Nachspielzeit wurden angezeigt, eine gefühlte Ewigkeit. Der Kölner Anhang peitschte seine Mannen nach vorn, doch auch die knapp 5.000 VfLer unterstützen ihre Elf lautstark – mit Erfolg. Denn dann war es endlich vollbracht! Nach zwei Niederlagen in Folge beenden die Bochumer das Jahr 2018 mehr als versöhnlich und entführten die drei Punkte aus der Domstadt. Damit rückt der VfL mit 27 Zählern vorerst wieder auf Position sieben. Im neuen Jahr geht es dann im Vonovia Ruhrstadion am 29. Januar mit dem Revierderby gegen den MSV Duisburg weiter.