Liebe VfL-Fans,

wir leben in ungewissen Zeiten, die Ausbreitung des so genannten „neuartigen Coronavirus“ stellt uns täglich vor neue Herausforderungen. Es wird uns allen individuell viel abverlangt, aber gemeinsam werden wir die Krise überstehen.

Das gilt auch im Hinblick auf den VfL Bochum 1848. Schon vor den ersten Spieltagsabsagen haben wir uns mit der Thematik befasst, seit der Verlegung des Heimspiel gegen Heidenheim tagt der Krisenstab – bestehend aus Geschäftsführung und Geschäftsleitung, stets in engem Austausch mit dem Präsidium – dem Wortsinn gemäß täglich. Der Fußball, wie wir ihn kennen, steht vor einer riesigen Herausforderung und wir unternehmen alles, um den VfL als Traditionsverein, als Wirtschaftsbetrieb aber auch als Institution für die Stadt möglichst unbeschadet durch diese Krise zu führen. Dafür sind wir permanent im Einsatz.

Es gilt, sich auf jedwedes Szenario vorzubereiten. Dazu hat uns (wie auch jeden anderen Club unter ihrem Dach) die Deutsche Fußball Liga (DFL) im Rahmen ihrer außerordentlichen Versammlung Mitte März aufgefordert. Wir haben bereits vor dieser Versammlung Pläne entworfen, die nun jeden Tag abgearbeitet und verfeinert werden. Wir wollen nach Außen ein verlässliches Bild abgeben und möglichst keinen Raum für Spekulationen lassen. Hierzu ist gründliche Arbeit sowie präzise Kommunikation gefragt, was vor allem den Verzicht auf populistische Statements beinhaltet. Das Ganze immer unter dem Aspekt einer enormen dynamischen Entwicklung, die binnen kurzer Zeit gefasste Pläne zerstören kann und Alternativszenarien erfordert.

Gute Organisation ist die Basis, um mit Hochdruck an Konzepten und Lösungen arbeiten zu können. Diese Basis haben wir beim VfL. Wir haben schon frühzeitig auf die Einhaltung der Hygieneregeln geachtet und haben darüber hinaus zum Beispiel dafür Sorge getragen, dass unsere Mitarbeiter ihre Jobs weitestgehend im Home Office erledigen können, so sie denn keinen Resturlaub abbauen. Wir haben den Lizenzspielern individuelle Trainingspläne mitgegeben, deren Einhaltung dank GPS-basierter Analysetechnik überwacht und ausgewertet wird. Wir sind von Anfang an in engem Austausch mit den zuständigen Behörden der Stadt Bochum gewesen und haben deren Ratschläge und Vorgaben umgehend befolgt, umgesetzt und dort, wo wir es Kraft unseres Vereins konnten, unterstützend gewirkt.

Die Prioritätenliste wird nun sorgfältig und mit Bedacht Punkt für Punkt abgehakt. Dabei geht es auch um Informationsgewinnung. Die Frage, ob in dieser Saison noch einmal gespielt wird und wenn ja, unter welchen Bedingungen, kann zum jetzigen Zeitpunkt immer noch nicht seriös beantwortet werden. Ein sehr gutes Zeichen ist es da, dass sich Mannschaft und Trainerteam bereit erklärt haben, den drohenden finanziellen Einbußen durch einen Verzicht eines Teils ihres Gehalts bis zum regulären Saisonende ein Stück weit entgegenzuwirken. Eine Maßnahme, die wir seitens der Geschäftsführung als hervorragend und sehr solidarisch ansehen und dementsprechend in gleichem Maße dazu beitragen, indem auch wir auf einen Teil unseres Gehalts verzichten.

Was Solidarität im Fußball bedeutet, haben wir in den vergangenen Tagen und Wochen schon erlebt. Speziell in Bochum haben die VfL-Fans sehr viel Kreativität bewiesen. So wurde die Idee zu den „Geisterspieltickets“ zum (dann doch verlegten) Heidenheim-Spiel aufgrund von zahlreichen Spendenaufrufen aus ihrer Mitte geboren. Und so haben zahlreiche Bochumer Anhänger bei unterschiedlichen Aktionen mitgemacht, um denjenigen zu danken, die derzeit dafür sorgen, dass in Quarantäne-Zeiten das Leben weitergeht und die öffentliche Ordnung aufrechterhalten bleibt: der Ärzteschaft, dem Pflegepersonal in Krankenhäusern und außerhalb, Polizei und Feuerwehr, Sozialarbeiterinnen und -arbeiter, dem Personal in den Apotheken, Supermärkten und Drogerien. Diesem Dank schließen wir uns an, nicht nur durch Abspielen von Herbert Grönemeyers Hymne „Bochum“ im menschenleeren Vonovia Ruhrstadion.

Diesen Ort, unser Schmuckkästchen, wieder gefüllt zu erleben, wenn VfL-Spiele ausgetragen werden, ist das Ziel, auf das wir hinarbeiten. Der Profifußball wird einen Selbstreinigungsprozess durchlaufen. Vieles mit Entertainment-Charakter wird zukünftig wegfallen, man wird demütiger auftreten. Das ist aus unserer Sicht nicht schlimm. Schlimm wäre es, wenn der VfL Bochum 1848 als traditioneller Bundesliga-Standort verschwände. Dass das nicht passiert, dafür kämpfen und arbeiten wir. Tag für Tag, rund um die Uhr.

In diesem Sinne: Passen Sie auf sich auf. Halten Sie Abstand. Bleiben Sie gesund. Damit wir uns alle „anne Castroper“ wiedersehen.

Glück auf!

Ilja Kaenzig und Sebastian Schindzielorz

 

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