Zahlen, Daten, Fakten. Nach dem Bericht von Geschäftsführer Sport Sebastian Schindzielorz war Ilja Kaenzig an der Reihe. Der Sprecher der Geschäftsführung präsentierte die Zahlen zum vergangenen Jahr, referierte aber auch zu diversen Vorgängen im und um den Verein.

Hier hält der VfL natürlich auch im neuen Geschäftsjahr an seinen Werten und Prinzipien fest. „Wir sind einfach ein traditioneller Fußballclub, mit all seinen Facetten. ‚Tradition‘ heißt dabei nicht, dass wir rückständig sind. Tradition schließt Innovation nicht aus. Deshalb war ‚Tradition und Innovation‘ von Anfang an unser Leitmotiv.“ Eine Sichtweise, die das tägliche Wirken anne Castroper entscheidend beeinflusst, stellte Kaenzig nochmal besonders heraus: „Der Fußball ist kein Produkt. Wenn wir den Fußball als Produkt behandeln, wird er am Schluss auch eines werden. Austauschbar – und irgendwann verdrängt durch ein neues, besseres Produkt.“

Stattdessen stehen, wie erwähnt, Tradition gepaart mit Innovation auf der Agenda. Dabei spielt aber längst nicht nur die Arbeit auf Geschäftsführungsebene eine tragende Rolle: „Der VfL Bochum kann nur gemeinschaftlich erfolgreich sein. Wenn wir Mitglieder, Fans und Mitarbeiter auf unserem Weg mitnehmen. Klare Strukturen schaffen Vertrauen, daraus entsteht Ruhe, und aus Ruhe Kontinuität. Kontinuität ist der Erfolgsfaktor Nummer eins im modernen Fußball geworden. Ohne Geld geht es nicht, das ist richtig, aber nur mit Geld eben auch nicht. Darum reden alle von Kontinuität.“

Der Fußball bleibt beim VfL im Mittelpunkt. Umso schöner, dass diese Überzeugung nun wieder in der höchsten Spielklasse gelebt werden kann. „Das Potential des VfL kommt in der Bundesliga erst richtig zur Entfaltung. Ich denke da an unsere 13 Millionen Sympathisanten bundesweit. Darum ist es nicht überheblich zu sagen, ‚der VfL ist nicht aufgestiegen, der VfL ist zurückgekehrt‘. Dieser Aufstieg muss ein Meilenstein und nicht das Ende unseres Weges sein. Auch wenn wir heute nicht wissen, wie die Saison ausgeht.“ Klare, realistische Planung. Daran wird sich auch künftig nichts ändern. Dass damit dennoch der größtmögliche Erfolg erzielt werden kann, das hat die Aufstiegssaison 2020/21 gezeigt: „Wir treiben die Entwicklung liga-unabhängig voran. Wenn wir uns in der Bundesliga halten, gilt es, sich rasch weiter zu etablieren. Erst nach drei Spielzeiten ist man wirtschaftlich so robust, dass man andere ‚normale‘ Aufsteiger auf Distanz halten kann.“ Grundlage dafür ist das sportliche Abschneiden. Hierfür steht in dieser Saison ein Lizenzspieleretat von 24,05 Millionen zur Verfügung.

Kommen wir zu den weiteren Zahlen. Die sind, verständlicherweise, von den coronabedingten Maßnahmen geprägt. „Der durch Corona verursachte Schaden beläuft sich auf ca. 8 Millionen Euro. Es ergeben sich Umsatzeinbußen von rund 9,2 Millionen und Einsparungen von rund 1,2 Millionen. Das Geschäftsjahr 2020/21 schließen wir mit einem Jahresfehlbetrag in Höhe von rund 5,1 Millionen ab. Gegenüber der Planung konnten wir uns allerdings um 2,5 Millionen verbessern. Der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag beläuft sich zum 30. Juni 2021 auf rund 5,5 Millionen. Die Nettofinanzverbindlichkeiten betragen in der KGaA zum 30.06.2021 9,3 Millionen. Gegenüber 2020 entspricht dies einem Anstieg um 6,4 Millionen, bedingt durch den Jahresfehlbetrag der letzten Saison und der damit verbundenen Aufnahme von KfW-Darlehen in Höhe von 6,8 Millionen.“ Angesichts der Entwicklungen hin zum „Normalbetrieb“ sind die Aussichten allerdings positiv: „Für die Saison 2021/22 planen wir aktuell mit einem Jahresüberschuss in Höhe von 4,5 Millionen. Dieses Ergebnis wird zu einer signifikanten Reduzierung der Nettofinanzverbindlichkeiten beitragen.“

Positive Zahlen hatte Kaenzig noch einige mehr zu bieten. „Die Anzahl der Dauerkarteninhaber in dieser Saison beträgt aktuell 15.605, dies entspricht mehr als einer Verdoppelung zu 2019. Im kommerziellen Bereich sind wir in dieser Saison so gut wie ‚ausvermarktet‘, das meiste Werbeinventar ist verkauft. Diese Entwicklung entspricht einer mehrjährigen Tendenz.“ Der Dank gilt der blau-weißen Partnerfamilie. „An dieser Stelle gilt es unsere Freude und Stolz über unseren neuen Hauptsponsor auszudrücken. Wir haben mit Vonovia einen großartigen Partner, der mit uns eine besondere Geschichte schreiben will. Unser Dank gilt auch allen neuen und alten Partnern.“ Auch im Merchandising setzt sich der Trend fort und konnte letzte Saison ein neues Rekordhoch bei rund 2,1 Millionen erreicht werden. Hervorgerufen unter anderem durch die Trikotverkäufe. Dies hat auch mit einer klaren Markenführung bei der Gestaltung der Trikots zu tun, die nun zum zweiten Mal in Folge zu den schönsten im deutschen Fußball gewählt wurden.“

Auch in Sachen Investorensuche gab Kaenzig einen Stand der Dinge ab: „Der VfL Bochum hat sich mit den verschiedensten globalen Investoren-Modellen auseinandergesetzt. Die wichtigsten Erkenntnisse dabei bestätigen unsere originäre Position: Ein Investor soll nachhaltig, nicht kurzfristig investieren. Wir wollen keinen Investor zur Schließung von Lücken. Die finanzielle Unabhängigkeit ist Teil unserer Strategie – ohne, aber eben auch mit Investor. Wir wollen einen strategischen Partner, der von unserem Weg überzeugt ist, diesen mitzugehen, zu unterstützten und zu verinnerlichen bereit ist.“

 

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