Nicht nur die Profis legen wieder los, auch die U19 des VfL Bochum 1848 startet endlich in die A-Junioren Bundesliga. Die Voraussetzungen sind zwar ein wenig verändert, die Vorfreude nach der schier ewig langen Pflichtspielpause dafür umso größer. Wir haben uns vor dem Auftakt gegen den SC Paderborn 07 mit der Vorbereitung befasst. Eine Übersicht:

Die Liga
Mehr Mannschaften, weniger Spiele, späterer Start. Aufgrund der Corona-Pandemie wartet die A-Junioren Bundesliga West in einem neuen Modus auf. Statt 14 treten nun 17 Teams an, da es zwar Auf-, aber keine Absteiger gegeben hat. Dies hat wiederum zur Folge, dass aus Zeit- und Termingründen keine „normale“ Saison mit Hin- und Rückspiel ausgetragen werden kann, sondern eine einfache Runde mit 16 Spielen für jede Mannschaft. Außerdem steigen statt drei in diesem Jahr vier (und im Folgejahr fünf) Vereine ab, um in der Spielzeit 2022/23 wieder bei der ursprünglichen Größe zu landen. Ein Fehlstart ist in diesem Jahr also für alle noch mehr zu vermeiden als ohnehin, da es hinten raus einfach nicht die Masse an Spielen gibt, um diesen noch auszubügeln. Spannung ist auf jeden Fall ab dem ersten Spieltag vorprogrammiert, alle müssen sofort da sein. 

Und genau diese Mentalität hat Trainer Heiko Butscher seinen Jungs in der Vorbereitung immer und immer wieder eingebläut: „Schon in der Vorbereitung haben wir noch stärker eingefordert, dass auch im Training von der ersten Minute die höchste Intensität da sein muss. Man sollte natürlich sowieso alles investieren, in dieser besonderen Saison ist dies nochmal von größerer Bedeutung. Denn die Gegner sind in der gleichen Situation. Meine Mannschaft hat das immer besser umgesetzt, gerade in den letzten Einheiten. Man merkt, die Jungs wollen spielen und brauchen jetzt den Wettkampf.“

Neu zum Teilnehmerfeld gestoßen sind Nachbar Rot-Weiss Essen, der SC Fortuna Köln sowie der VfL-Auftaktgegner SC Paderborn 07.

Der Kader
Neun Altjahrgänge plus elf Aufsteiger aus der U17 plus vier externe Neuzugänge macht 24 Spieler. So lautet die Formel bei der Kaderzusammenstellung (Die komplette Übersicht gibt es hier). Doch nicht nur innerhalb des Kaders gab es Veränderungen, auch an der Seitenlinie. Nach Matthias Lusts Rückzug aus sportlichen und persönlichen Gründen (nun Co-Trainer bei den Würzburger Kickers) übernahm Anfang August der frischgebackene Fußball-Lehrer Heiko Butscher das Amt der U19-Cheftrainers. 

Nach knapp sieben Wochen mit seinem Team sagt er: „Jeder Trainer bringt eine gewisse Umstellung mit sich. Die Jungs mussten sich an mich gewöhnen und ich auch an sie. Aber das hat sehr schnell geklappt, was natürlich super ist. Man hat schnell gemerkt, und ganz unbekannt waren mir die Jungs ja ohnehin nicht, dass wir ein starkes Kollektiv beisammenhaben, mit dem die Arbeit großen Spaß macht.“

Auch die Fortschritte innerhalb des Teams stimmen den Coach optimistisch: „Das Niveau hat sich von Woche zu Woche gesteigert, als Kollektiv sind wir einige Schritt nach vorne gekommen. Dass sich jeder Spieler in unterschiedlichen Phasen entwickelt, darf man auch nicht vergessen. Insgesamt habe ich aber sowohl im Team als auch individuell schon sehr gute Entwicklungen wahrgenommen.“
Ebenfalls wichtig: Die Stimmung innerhalb der Mannschaft ist hervorragend, was ein kleiner, verzögerter Einstand vom Coach Anfang der Woche nochmals aufzeigte.

Der Trainingsschwerpunkt
Die angesprochene Rotation auf der Trainerweise bringt zwangsläufig auch immer Änderungen in der Spielweise mit sich, auch wenn es nur Nuancen und Details sind. Butscher hat natürlich nicht alles über den Haufen geworfen, dennoch braucht es eine Zeit, um die neuen Vorstellungen im Team zu implementieren. Wie sein Vorgänger präferiert Butscher das Spiel mit dem Ball und strebt die größtmögliche Spielkontrolle an – was auch den Stärken des Kaders entspricht. 

Butscher präzisiert: „Unser Hauptfokus lag darauf, den Jungs Lösungen mit Ball aufzuzeigen. Dazu gehören ein starkes und variables Positionsspiel gegen gut geordnete Gegner und viel Tempo gegen ungeordnete. Wir wollen das Spiel kontrollieren und gegnerunabhängig unsere Spielweise durchbringen sowie aggressiv und gallig gegen den Ball arbeiten. Die Mannschaft hat das immer besser verinnerlicht und realisiert, dass wir so im Kollektiv erfolgreich sein können. Dafür sind Kompaktheit, Mentalität und Zweikampfverhalten das A und O. Erst dann kommt alles andere.“

Die Testspiele
Zehn Testspiele, acht davon unter Butschers Leitung, hat die U19 in der Vorbereitung absolviert. Auch wenn es „nur“ drei Siege gab, konnten Butscher und sein Co-Trainer Marc-André Kruska reichlich Erkenntnisse sammeln. Zumal einige Gegner aus dem Herrenbereich stammten, deren Saisonvorbereitung da schon ein Stück fortgeschrittener war. Darum ist Butscher auch sehr zufrieden mit der Entwicklung: „Von Testspiel zu Testspiel haben wir es geschafft, diese Vorgaben immer länger durchzuziehen. Ziel ist es natürlich, das über 90 Minuten zu schaffen. Auch wenn das sogar für Profi-Mannschaften schwer ist. In Phasen, wo wir die Kontrolle nicht an uns reißen können, haben wir auch Lösungen. Da gilt es vor allem ruhig zu bleiben und sich die Kontrolle wieder zu erarbeiten.“

Eine wichtige Erfahrung, auch in Sachen Teambuilding, war die Testspielfahrt nach Dresden. Dort konnte man in immer länger werdenden Phasen erkennen, wie der Butscher-Fußball der U19 aussehen soll. Nach einem 0:3-Pausenrückstand gegen RB Leipzig holte der VfL noch ein 3:3, auch tags darauf war ein Kraftakt nötig, um gegen Dynamo Dresden zu bestehen. Nach einer mageren ersten Hälfte drehten die Bochumer auf und das Spiel in ein 3:1, um dann wieder etwas die Kontrolle abzugeben und durch einen Sonntagsschuss sowie ein Murmeltor den Ausgleich zu kassieren. Doch die Jungs bissen sich durch, rafften sich in der Schlussphase auf und erzwangen kurz vor Schluss das 4:3. Ein wertvolles Wochenende, was auch noch mit einem motivierenden Erfolgserlebnis abgeschlossen wurde.

Auch die letzten Tests gegen gleichaltrige Gegner zeigten auf, dass sich die U19 auf einem guten Weg befindet. „Vor allem in den letzten Spielen haben wir nochmal einen richtigen Schub bekommen und die Sachen, die wir sehen wollen, kamen immer besser und länger zum Vorschein. Auch die Generalprobe war wegen der Umstände überaus wertvoll“, blickt Butscher zurück. Dank Stau kam die Mannschaft erst 15 Minuten vor dem Anpfiff im Austragungsort Cappeln an, mit der ersten Aktion des Spiels geriet der VfL zudem in Rückstand. Letztlich endete die Partie 2:2, die Mannschaft hat sich Widerständen entgegengestemmt. Das hebt Butscher auch hervor: „Das abschließende Spiel war eine super Prüfung gegen einen Top-Gegner aus dem Norden. Trotz der Umstände haben sich die Jungs toll ins Spiel reingearbeitet und Stück für Stück die Kontrolle übernommen. Das war schon sehr ordentlich. Jetzt gilt es, das auch unter Druck und beim Kampf um Punkte auf den Platz zu bringen.“

Das Auftaktprogramm
Und das am besten schon im ersten Spiel gegen den Aufsteiger Paderborn. Zumal ein Heimspiel gegen einen Aufsteiger immer eine undankbare Aufgabe ist. „Von außen sieht es vielleicht wie eine klare Sache aus, aber das wird es garantiert nicht. Wir haben uns mit Paderborn beschäftigt und wissen, dass da eine Riesenherausforderung auf und zukommt.“

Nach Paderborn geht es auswärts beim FC Viktoria Köln weiter (27.9.), ehe nach der ersten Länderspielpause der SC Fortuna Köln in Bochum zu Gast ist (17.10.). Es folgt der erste richtige Kracher gegen einen Top-Favoriten bei Borussia Mönchengladbach (24.10.). Ein weiteres Highlight steht vor der Winterpause an, wenn der FC Schalke 04 an die Hiltroper Straße kommt (6.12.). Das neue Jahr startet mit dem Duell gegen den Westdeutschen Meister 1. FC Köln und auch in den letzten drei Partien wird es nochmal hochinteressant. Die abschließenden Gegner heißen Borussia Dortmund auswärts (7.3.), zum Abschluss gibt es zwei Heimspiele gegen Bayer 04 Leverkusen (14.03.) und Fortuna Düsseldorf (10. April.)
 

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