Die U17-Junioren des VfL Bochum 1848 haben am Donnerstagvormittag für eine faustdicke Überraschung gesorgt und sich mit einem 4:2-Auswärtssieg über Borussia Dortmund im Finale den Westfalenpokal-Sieg geholt. Die Mannschaft von Christian Mollocher besiegte den haushohen Favoriten aus der schwarz-gelben Nachbarschaft dabei mit einer hervorragenden Mannschaftsleistung und sicherte sich den begehrten Pokal hochverdient.

„Das war ein absolutes Highlight-Spiel! Wir freuen uns einfach riesig über diesen Titel“, ließ Mollocher seinen Emotionen nach dem Abpfiff am Dortmunder Trainingsgelände an der Adi-Preißler-Allee freien Lauf. Auf fremdem Platz gelang den Gästen aus Bochum dabei ein Start nach Maß: Bereits nach drei Minuten ging der VfL durch Moritz Römling in Führung, nachdem Julian Schmidt den Ball in der Dortmunder Hälfte erst klasse behauptet hatte und dann den Linksaußen per Lupfer in Szene setzte, der die Kugel an BVB-Keeper Nik Deubel vorbei ins Tor stocherte (3.). In einer insgesamt munteren Anfangsphase dauerte es aber nur fünf Minuten, ehe die Gastgeber ausgleichen konnten. Nach einer präzisen Flanke von der linken Seite stand Dortmunds Malte Wengerowski in der Mitte goldrichtig und drosch aus kurzer Distanz zum 1:1 ins Netz (8.). Doch von dem Rückschlag ließen sich die Blau-Weißen nicht schocken – im Gegenteil. Nur zwei Zeigerumdrehungen später ging das Talentwerk-Team erneut in Führung. Einen Fehler in der BVB-Defensive nutzte Clinton Asare aus, der einem Abwehrspieler den Ball abluchste und dann frei vorm Torhüter einschieben konnte (10.).

In der Folge nahmen beide Teams etwas Wind aus den Segeln, suchten aber dennoch immer wieder den schnellen Weg nach vorne. Nach 21 Minuten war es Lars Holtkamp, der die nächste gute Bochumer Gelegenheit verbuchte. Sein erster Schussversuch aus der Distanz wurde noch geblockt, die zweite Direktabnahme landete dann in den Armen des Dortmunder Schlussmanns. Im direkten Gegenzug kam dann Immanuel-Johannes Pherai zum Abschluss, sein Versuch ging aber klar am Kasten von Joel Frenzel vorbei. Rund zehn Minuten vor der Pause wurde es dann hektisch: Pherai hatte VfL-Abwehrmann Stylianos Kokovas in der Bochumer Hälfte brutal von den Beinen geholt, anstatt einer Roten Karte gab es aber lediglich eine Fünf-Minuten-Zeitstrafe für den BVB-Offensivspieler. In der aufgeheizten Stimmung gab es nur zwei Minuten später dann den Platzverweis für den BVB: Nach einem Foul von Michael West an Wengerowski hatte der Dortmunder Torschütze die Nerven verloren und sich zu einer Tätlichkeit hinreißen lassen, sodass die Gastgeber von da an in doppelter Unterzahl spielen mussten, wobei Pherai kurze Zeit später wieder mitmischen durfte. Bis zur Pause nutzte der VfL den Vorteil nun aus und drückte auf das dritte Tor. Zunächst war es Kokovas, der nach einem Eckball per Kopf nur knapp über das Gehäuse köpfte (32.), kurz vor der Pause belohnte sich das Talentwerk-Team dann aber mit dem 3:1: Enes Bilgin hatte nach einer tollen Kombination die Übersicht behalten und im Strafraum Dzenan Mucic bedient, der aus spitzem Winkel in die lange Ecke traf (37.).

Auch nach dem Seitenwechsel war der VfL die aktivere Mannschaft. Gleich zweimal verpasste Holtkamp in der Anfangsphase des zweiten Durchgangs eine höhere Führung: Zunächst parierte Deubel im BVB-Kasten einen Distanzschuss des Bochumer Spielmachers (43.), drei Minuten später landete ein gefährlicher Freistoß von Holtkamp aus dem Halbfeld in den Armen des Torhüters. Ab jetzt ging es hin und her, wobei sich beide Teams Chancen im Minutentakt herausspielen konnten. Zunächst war es BVB-Wunderkind Youssoufa Moukoko, der nach einer Ecke per Kopf über das Tor zielte (48.), kurz darauf hatte der eingewechselte Tolga Özdemir nach schönem Pass von Bilgin die Riesenchance, doch er verzog freistehend über die Latte (51.). Im direkten Gegenzug war es dann Kokovas, der den Anschlusstreffer mit einer tollen Grätsche verhinderte, nachdem Dortmunds Pakia Ware erst Frenzel ausgespielt und dann aufs leere Tor geschossen hatte. Auch ein Kopfball von Samuel Örs (54.) sowie ein Schuss von Robin Flechsig auf der anderen Seite (58.) fanden nicht den Weg ins Tor.

Der BVB machte sich in der Schlussphase dann das Leben noch schwerer. Pherai, der in Durchgang eins schon die Zeitstrafe absitzen musste, hatte durch ein taktisches Foul einen Bochumer Konter unterbunden – weil nach der Fünf-Minuten-Strafe aber keine Gelbe Karte mehr gezeigt werden konnte, musste der Zehner des BVB ebenfalls frühzeitig unter die Dusche, sodass der VfL die letzte Viertelstunde in doppelter Überzahl bestreiten konnte. Dennoch kamen die Schwarz-Gelben noch einmal auf 3:2 heran. Nach einer fragwürdigen Elfmeterentscheidung von Schiedsrichter Patrick Holz war es Moukoko, der vom Punkt cool blieb und sicher verwandelte (69.). Doch die Mollocher-Elf ließ in der Folge nichts mehr anbrennen. In der Defensive stand der VfL jetzt bombensicher, im Angriff konnten die Bochumer immer wieder für Entlastung und Gefahr sorgen. Kurz vor Schluss machte Mucic dann den Deckel drauf: Nach einem schönen Pass von Flechsig in die Tiefe startete Mucic durch und schob an Deubel vorbei ins Tor zum 4:2-Endstand.

Der Jubel kannte keine Grenzen, als Schiedsrichter Holz dann nach vierminütiger Nachspielzeit abpfiff. Die Spieler sowie das Trainer- und Betreuerteam lagen sich in den Armen und holten sich den verdienten Applaus der mitgereisten Bochumer Zuschauer ab. „Am Ende war der Sieg absolut verdient. Besonders, weil der BVB seine Emotionen nicht im Griff hatte“, meinte Mollocher nach dem Pokalsieg. „Wir haben heute alles rausgehauen. Am Ende hätten wir den Sack früher zumachen müssen, die Konter hätten dafür besser ausgespielt werden müssen. Aufgrund der individuellen Stärke wurde es dann noch einmal spannend. Aber nichts schmeckt so gut wie ein Pokalsieg auf gegnerischem Platz“, genoss der Trainer den Erfolg. Und er ergänzte: „Mich freut es riesig für die Jungs, die sich für eine ganz starke Saison belohnt haben. Jeder einzelne von ihnen ist ein besonderer Charakter, der es einfach verdient hat, hier heute diesen Pokal und diese Medaille entgegennehmen zu dürfen.“

 

 

 

Tor der Rückrunde

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