Einen Tag nach dem 0:3 im Test gegen den Schweizer Erstligisten FC St. Gallen schlugen die Wellen hoch. Weniger wegen der zu hoch ausgefallenen Niederlage, das öffentliche Interesse drehte sich vielmehr um den Vorfall, der sich in der 44. Minute abspielte. Jordi Osei-Tutu war von seinem Gegenspieler rassistisch beleidigt worden. Zunächst wollte unser Arsenal-Neuzugang sichtbar geschockt das Spielfeld verlassen, wurde aber nach Fürsprache von seinen Teamkollegen und nicht zuletzt von Trainer Robin Dutt und VfL-Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz unterstützt, sodass er bis zu seine Auswechslung in der zweiten Halbzeit weiterspielen konnte und wollte. Am Mittwoch folgte dann das gemeinsame Statement vom VfL und den „Gunners“. Die Botschaft: Rassismus und Diskriminierung haben in unserem Sport keinen Platz. Und noch während die Meldung veröffentlicht wurde, befand sich Jordi bereits gemeinsam mit seinen Mitspielern am trainingsfreien Nachmittag auf einer besonderen Tour.

Starkes Statement
„Wir tolerieren keine Form von Diskriminierung. Rassismus hat in unserem Spiel keinen Platz.“ Das ist die klare Botschaft, die aus Bochum, London und auch Weiler ausgesandt wurde. Noch am Morgen nach dem Spiel hatten sich die Verantwortlichen des VfL beraten und bereits ein erstes Statement verfasst, das via Sozialer Medien gestreut wurde. Tenor: Wir verurteilen Rassismus und Diskriminierung aufs Schärfste und verfolgen den Vorfall. Es folgten viele Telefonate zwischen der Ostschweiz, Englands Metropole und dem Allgäu, ehe zwischen dem VfL und Arsenal eine abgestimmte Mitteilung öffentlich die Runde machte. Hierin äußert sich zum ersten (und einzigen) Mal auch der Betroffene selbst: „Ich bin sehr enttäuscht, dass ich gestern Abend im Spiel rassistisch beleidigt worden bin. Niemand sollte jemals diskriminiert werden, und es ist wirklich schwer nachvollziehbar, wie sich ein Profi-Fußballkollege auf diese Weise respektlos verhalten kann. Arsenal und der VfL Bochum haben mich großartig unterstützt und ich hoffe, dass wir letztlich demonstrieren können, dass Rassismus im Fußball keinen Platz hat“, sagte Jordi Osei-Tutu.

Pressekonferenz
Die Medienvertreter vor Ort in Weiler, aber auch die ständig über den VfL berichtenden Reporter in der westfälischen Heimat wurden über den Stand der Entwicklungen in besagter Causa auf dem Laufenden gehalten. Eine spontan einberufene „Pressekonferenz“ nach der morgendlichen Trainingseinheit, an der sowohl die Geschäftsführer Ilja Kaenzig und Sebastian Schindzielorz sowie Cheftrainer Robin Dutt teilnahmen, brachte Aufklärung. Wo bis dahin nur gemutmaßt oder spekuliert werden konnte, wurden Fakten benannt und Schritte erklärt. Die unmittelbar Beteiligten Dutt und Schindzielorz berichteten, wie aufgewühlt Osei-Tutu gewesen sei. „Ich fand es ein starkes Zeichen, dass Jordi wieder zurück auf den Platz gegangen ist. Ich habe ihm gesagt, dass sein Gegenspieler vermutlich frustriert gewesen sei, weil er ihm immer weggelaufen ist. Aber auch die Reaktion der Mannschaftskollegen war vorbildlich, Toto Losilla, Tom Weilandt, Saulo Decarli und Simon Zoller haben sich sofort um Jordi gekümmert und auf ihn eingeredet. So muss man jemand, der einen nicht-tolerierbar beleidigt, begegnen: mit Stärke!“, fasste Robin Dutt seine Sicht der Dinge zusammen. Das Beispiel zeigt: Wir sind ein Team!

Ab in die Schlucht
Nun könnte man meinen, dass angesichts dieser positiven Reaktion aus dem Inneren der Mannschaft heraus das gar nicht gebraucht hätte, was denn am Mittwochnachmittag anstand. Ursprünglich war die Einheit um 15:30 Uhr gestrichen worden, um den Profis ein wenig Freizeit zu gönnen. Innerhalb des Teams hatte sich aber schnell der Wunsch herauskristallisiert, etwas gemeinsam zu unternehmen. Und diese Unternehmung hatte es in sich: Canyoning. Bedeutet: Es wird eine Schlucht von oben nach unten „durchwandert“, wobei das ein eher irreführender Begriff ist. In Ganzkörper-Neopren seilt man sich durch Wasserfälle ab und muss zum Teil auf allen Vieren über Stock und Stein klettern. Echt anstrengend, aber abenteuerlich. Bis auf die leicht angeschlagenen Spieler, die angesichts dieses Extremsports zur gleichen Zeit im Tannenhof ein Reha-Programm absolvierten, nahmen alle daran teil. Wir sind schließlich ein Team.

Auswechslungen
Rein personell gab es abseits des Platzes einige Veränderungen. Doc Bauer reiste am Mittwochmorgen ab und wurde am Nachmittag durch Doc Schilling ersetzt. Immerhin ein paar Minuten gemeinsam auf dem Platz hatten die Co-Trainer Matthias Lust und David Siebers. Während sich der U19-Coach nach der Vormittagseinheit in Richtung heimatliche Gefilde verabschiedete, kam der U17-Trainer am frühen Morgen an; gerade noch rechtzeitig, um den Abschluss der Einheit mitzubekommen. Und zu guter Letzt erreichten am Nachmittag auch noch die Fanbeauftragten Dirk „Moppel“ Michalowski und Marian Müller das Westallgäu, um sich vor Ort um Fanbelange zu kümmern. Einen Haken in Sachen Fan-Nähe konnte man noch ohne die beiden bereits am Vormittag machen: Wie schon im Vorjahr unterschrieben die Spieler und Trainer auf einem VfL-Fanwohnmobil, selbstverständlich nur diejenigen, die im vergangenen Jahr nicht dabei waren.

 

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