Bittere Pille für die Blau-Weißen. Beim ersten Ligaheimspiel der Saison spielte der VfL 84 Minuten lang souverän und führte durch Treffer von Zulj (26.) und Zoller (76.) hochverdient gegen den FC St. Pauli. Doch ein später Doppelschlag von Kyereh (84., 86.) ließ die Hamburger doch noch einen glücklichen Zähler mit in die Hansestadt nehmen.

Festtag anne geschmückten Castroper Straße. Nicht nur, weil für den VfL Bochum 1848 die 2. Bundesliga startete, sondern vor allem, weil gegen den FC St. Pauli auch Teile der Zuschauer wieder im Vonovia Ruhrstadion begrüßt werden durften. 3.421 Zuschauer waren am Montagabend in unserem Schmuckkästchen am Start – ein weiterer Schritt in Richtung Normalität.

VfL-Cheftrainer Thomas Reis schickte gegen die Kiezkicker die gleiche Startelf ins Rennen, die schon im DFB-Pokal gegen den FV Engers 07 begann. Auf der Bank gab es drei Änderungen. Miloš Pantović saß das letzte Spiel seiner Rotsperre aus der Vorsaison ab, Thomas Eisfeld war nach leichter Trainingsblessur noch nicht so weit. Auch Tom Weilandt war nicht im Kader, der gerade erst verpflichtete Raman Chibsah fehlte ebenfalls noch. Die offenen Plätze nahmen Armel Bella Kotchap sowie die Neuzugänge Herbert Bockhorn und Soma Novothny ein. Reis‘ Pendant Timo Schultz tauschte nach dem Pokal-Ausscheiden beim SV Elversberg auf vier Positionen. Boris Tashchy, Afeez Aremu, Philipp Ziereis und Marvin Senger blieben draußen, dafür starteten Daniel Buballa, Jannes Wieckhoff, Rodrigo Zalazar und Ex-VfLer Rico Benatelli.

So lief das Spiel

3. Haben wir das vermisst! Noch ist zwar nichts Nennenswertes passiert, aber diese Geräuschkulisse. Ein Traum!

5. Der erste Aufreger. Herrlicher Ball von Riemann auf Tesche, der die Pille mit der Brust runterholt und dann Zoller bedienen will. Der nimmt das Leder ebenso gekonnt runter und hält aus der Drehung drauf. War vielleicht ne Hand dran, aber die Fahne war ohnehin oben. Abseits.

8. Pauli meldet sich im Spiel an. Dittgen bringt die flache Hereingabe, Riemann ist aufmerksam und schnappt zu.

10. Ohlsson holt Holtmann, der viel Raum vor sich hatte, unsanft von den Beinen. Klare Kiste. Gelb! Die Kontermöglichkeit hatte Leitsch mit einer starken Rettungsaktion ermöglicht.

15. Der VfL wird aktiver. Zoller erläuft Losillas Chipball gerade noch vor der Linie. Die Hereingabe landet beinahe bei Ganvoula, der aber zu überrascht ist, da Avevor sich vor ihm verschätzt. Letztlich versucht sich Holtmann, kein Problem für Himmelmann im FCSP-Gehäuse.

16. Losilla jongliert die Pille durchs Mittelfeld und fasst sich dann aus knapp 30 Metern ein Herz, da Himmelmann einen Schritt zu weit draußen steht. Der Ball saust knapp vorbei.

19. Gefährlich! Eckball Žulj, Tesche kommt irgendwie dran. Die Kugel rutscht zum langen Pfosten durch, wo Leitsch gerade noch von Ohlsson bedrängt wird. Da fehlte nicht viel.

26.  TOOOOOR für den VfL – 1:0! Freistoß von der halblinken Seite, Žulj tritt ihn scharf auf den langen Pfosten. Keiner kommt ran, die Kugel rutscht durch und hinein ins Netz. Jawoll, verdiente Führung!

35. Blau und Weiß hat das Geschehen hier vollkommen im Griff, den Hamburgern merkt man die Verunsicherung des Pokalspiels und des Rückstands an. Die langen Ballstafetten sind schon schön anzuschauen. Man darf sich hier jetzt nur nicht einlullen lassen.

41. Holtmann bislang mit seinem Tempo sehr auffällig, auch wenn noch nicht alles gelingt. Da haben unsere Verantwortlichen einen mehr als fähigen Mann an Land gezogen.

44. Avevor räumt Žulj rustikal ab, auch hier gibt es keine Zweifel an der Berechtigung des gelben Kartons.

Pause: Hochverdiente VfL-Führung. Die Blau-Weißen beherrschen die immerhin defensiv gut sortierten Gäste in allen Belangen. Einziges Manko: Seit der Führung geht es nicht mehr ganz so zielstrebig in Richtung Himmelmann wie noch davor.

46. Direkt die nächste Möglichkeit für die Hausherren. Holtmann zieht das Tempo an und nimmt Ganvoula mit. Der sucht am langen Pfosten Zoller, sein risikoreicher Abschluss geht deutlich drüber.

47. Paçarada ist der dritte Hamburger, der verwarnt wird. Auch hier gibt es nach Foul an Zoller nichts zu diskutieren.

52. Wie aus einem Guss phasenweise. Soares mit dem gefühlt elften Tunnel. Dann nimmt er Žulj mit, der erst Ganvoula in Szene setzen will. Sein Pass wird geblockt und landet wieder bei Žulj. Der Schuss saust aber weit vorbei.

54. Wieder so ein brandgefährlicher Freistoß von Zauberfuß Žulj. Lampropoulos verpasst knapp, diesmal ist Himmelmann auf den durchrutschenden Ball vorbereitet.

63. Holtmann holt zum Schlenzer aus – etwas zu viel Rücklage und drüber. Macht Spaß der Bursche.

65. Erster Spielerwechsel. Für Knoll ist nun Becker im Spiel.

66. Herrliches Zusammenspiel von Holtmann und Ganvoula. Der Kongolese legt mit dem Absatz auf, Holtmanns Schuss rauscht ans Außennetz. Eine Augenweide.

70. Plötzlich die dicke Chance für die Gäste. Gamboa mit dem leichtsinnigen Ballverlust, Becker bringt dann den feinen Lupfer zu Kyereh. Der wird zum Glück gestört und kann keinen kontrollierten Abschluss bringen. Viel hat trotzdem nicht gefehlt.

71. Auf der Gegenseite wird’s auch mal wieder brenzlig. Žuljs Flanke wird leicht abgefälscht, sonst hätte Ganvoula viel Platz gehabt. Nach der folgenden Ecke werden Rufe nach einem Handelfmeter laut. Nach VAR-Check geht’s aber weiter. Ich möchte sowas nicht entscheiden.

73. Losilla muss Zalazar unfair stoppen, jetzt ist auch der erste Bochumer mit Gelb vorbelastet.

76.  TOOOOOR für den VfL – 2:0! Überragender Ballgewinn von Soares, der das Spielgerät dabei gleich zu Holtmann spitzelt. Dessen Pass erläuft Ganvoula, geht zur Grundlinie und hebt den Kopf. Zoller muss nur noch einschieben. SAUBER!

77. Direkt nach dem Tor tauscht Schultz zweimal. Daschner und Zander ersetzen Dittgen und Wieckhoff.

79. Gerade noch die vermeintliche Vorentscheidung herbeigeführt, dann Feierabend. Zoller geht raus, Bonga feiert sein Ligadebüt in flutlichtblau. Steht ihm super.

82. Ein Debütant ist reingekommen, ein anderer geht raus. Vielversprechende Ansätze bei Holtmann, der nun vom genesenen Blum ersetzt. Luxus, so einen von der Bank bringen zu können.

83. Letzte Patronen vom Gästetrainer. Ziereis und Lankford rein, Avevor und Ohlsson raus.

84. TOR für St. Pauli – 2:1. Mist, der Anschlusstreffer. Lampropoulos, sonst tadellos, sieht bei einer Flanke nicht gut aus und serviert für Daschner. Dessen Abschluss kratzt Riemann von der Linie, doch Kyereh steht goldrichtig und staubt ab.

86. TOR für St. Pauli – 2:2. Unfassbar, wieder ist Kyereh der Torschütze. Riesenlücke im Zentrum. Der Doppelschlag der Gäste.

87. Kaum zu glauben, das muss die erneute Führung sein. Žulj steckt für Tesche durch, der scheitert alleine vorm Tor an Himmelmann.

90. Beinahe gehen die Gäste in einer wilden Schlussphase in Front. Eine Hereingabe an den langen Pfosten erreicht Kyereh, drückt ihn aber vorbei. Glück gehabt.

90.+2 Noch eine Möglichkeit, diesmal zieht Bonga ab. Himmelmann kriegt die Beine zu und wehrt zur Ecke ab. Die wird mit einem Bogenlampenkopfball gefährlich, der Keeper lenkt ihn drüber.

90.+3 Wahnsinn hier. Losilla macht sich nach langem Ball ganz lang, touchiert das Leder vor Himmelmann und bringt es Richtung Tor. Da kann jedoch einer bereinigen.

Ende: Ganz bitter, zwei verschenkte Punkte. Der späte Doppelschlag lässt die Gäste tatsächlich noch einen Punkt mitnehmen. Starke 84 Minuten zuvor, die so aber doch nur für einen Zähler reichen. Dennoch über weite Strecken eine Leistung, die Lust auf mehr macht.

 

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