Wilde Aufholjagden, Trainerwechsel und ein erlösender Sieg

Die kuriose Saison 2019/20 ist nun zu Ende gegangen. Gemeinsam mit unserem Hauptsponsor Tricorp Workwear lassen wir die Spielzeit mit ihren Höhen und Tiefen noch einmal Revue passieren. Den ersten von vier Teilen gibt es für euch jetzt zum Nachlesen.

Die neue Spielzeit begann für die Blau-Weißen eher ernüchternd. Zum Auftakt setzte es eine 1:3-Niederlage beim SSV Jahn Regensburg. Neuzugang Danny Blum konnte zwar den zwischenzeitlichen 1:2-Anschlusstreffer per Elfmeter erzielen, doch fehlte es der Elf von Cheftrainer Robin Dutt noch an Durchschlagskraft und defensiver Stabilität. „In der Defensive waren wir heute zu schwach, um hier Punkte zu holen“, monierte VfL-Kapitän Anthony Losilla. „Wir müssen das jetzt schnell hinkriegen und nächste Woche mit guter Stimmung in das Spiel gegen Bielefeld gehen.“

Und was war das für eine wilde Partie gegen die Arminia! 0:2 flimmerte es noch in der 55. Minute von der Anzeigetafel. Dann legte der VfL den Turbo ein: Blum erzielte erneut den Anschluss per Strafstoß, Silvère Ganvoula glich nur fünf Minuten später aus und Simon Zoller setzte dem Ganzen mit seinem Treffer zum 3:2 noch die Krone auf. Doch es sollte nicht dabeibleiben: In der Nachspielzeit fiel noch der Ausgleich. Losilla war der Pechvogel, der den Ball ins eigene Tor grätschte – jedoch lauerte Torjäger Fabian Klos gleich hinter ihm. „Es ist natürlich bitter, weil Toto heute unser größter Ritter in der Schlacht war“, fand Torhüter Manuel Riemann nach dem Spiel sogleich aufbauende Worte für seinen Kapitän. „So wie er marschiert ist – davor muss man den Hut ziehen.“

Pokal-Fight, Pleite und Punkteteilung

Nach dem furiosen Spiel gegen die Arminia stand für den VfL die erste Runde im DFB-Pokal an. Es ging zum Hessenligist KSV Baunatal, wo sich die Blau-Weißen unerwartet schwertaten. Zwischenzeitlich lag die Mannschaft von Robin Dutt 1:2 in Rückstand. Ganvoula, der per Elfmeter schon für die 1:0-Führung gesorgt hatte, steuerte auch die Treffer zwei und drei für den VfL bei und rettete seine Mannschaft so in die zweite Runde. „Ich bin froh und sehr glücklich, dass ich heute drei Tore machen und so der Mannschaft helfen konnte. Wir hatten viele Probleme heute und müssen diese als Mannschaft zusammen aufarbeiten“, sagte der Dreifachtorschütze.

Nach dem Weiterkommen im Pokal musste der VfL am Freitagabend beim Hamburger SV antreten. Trotz über weite Strecken gute Leistungen mussten sich die Blau-Weißen 0:1 geschlagen geben – das Tor von Lukas Hinterseer in der 60. Minute reichte den Hanseaten zum Sieg.

So verrückt das erste Heimspiel gegen Bielefeld war – es sollte am vierten Spieltag gegen den SV Wehen Wiesbaden noch übertroffen werden. Zur Halbzeit lagen die Bochumer 0:3 zurück, niemand im Vonovia Ruhrstadion noch, dass der VfL aus dieser Partie etwas Zählbares mitnehmen würde. Doch da hatte man die Rechnung ohne Ulrich Bapoh (56.), Jordi Osei-Tutu (87.) und Ganvoula (90.) gemacht, die dem VfL mit ihren Treffern noch einen Punkt retteten. „Ich muss mich bei allen entschuldigen, die heute im Stadion waren. Das war nicht VfL-würdig“, fand Sebastian Maier deutliche Worte für die Leistungen im ersten Durchgang. „Ich kann das Spiel auch nur schwer in Worte fassen. Ich bin einfach sehr froh über unsere zweite Halbzeit.“

Nach dem 3:3 folgte eine turbulente Woche: Der VfL beurlaubte Cheftrainer Robin Dutt. Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel hatte Dutt selbst Fragen zu seiner Zukunft aufgeworfen und diese einen Tag später, nachdem er das Training geleitet und sich anschließend mit der VfL-Geschäftsführung und dem Vorstandsvorsitzenden Hans-Peter Villis ausgetauscht hatte, noch einmal bekräftigt.

Butscher übernimmt in Stuttgart

Während die Blau-Weißen sich auf die Suche nach einem neuen Cheftrainer machten, übernahm Heiko Butscher das Team als Interimscoach, so auch beim Auswärtsspiel beim Bundesliga-Absteiger VfB Stuttgart. Trotz eines couragierten Auftritts musste sich der VfL den Schwaben am Ende 1:2 geschlagen geben. „Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen, sie hat alles reingehauen“, resümierte Butscher. „Das Spiel hat gezeigt, dass der VfL Bochum eine aktive Mannschaft sein muss, die das Spiel mitbestimmen und vorne draufgehen muss. Passivität bringt dich auf Dauer nicht weiter. Ich hoffe, dass wir so weitermachen!“

In Stuttgart kam übrigens zum ersten Mal Cristian Gamboa zum Einsatz. Der Costa-Ricaner wurde vier Tage zuvor anne Castroper vorgestellt. Der letzte Sommer-Neuzugang wurde am finalen Tag der Wechselperiode präsentiert: Manuel Wintzheimer. Der Offensivmann kam auf Leihbasis vom Hamburger SV nach Bochum.

Thomas Reis kehrt zurück: „Ein Traum ist wahr geworden“

15 Tage nach der Beurlaubung von Robin Dutt war es dann soweit: Der VfL stellte seinen neuen Cheftrainer vor. Thomas Reis kehrte an seine alte Wirkungsstätte zurück. Nach drei Jahren als U19-Coach beim VfL Wolfsburg war er nun wieder in Bochum, wo er nicht nur als Spieler aktiv war, sondern auch in unterschiedlichsten Positionen im Nachwuchsbereich, als Cheftrainer der U19 und U23 sowie als Co-Trainer bei den Profis. „Meine ersten Schritte im Trainerberuf habe ich hier in Bochum gemacht“, erklärte Reis bei seinem Antritt. „Es war immer mein Traum, hier für die erste Mannschaft verantwortlich zu sein. Der Traum ist jetzt in Erfüllung gegangen – dafür habe ich zwölf Jahre lang gearbeitet.“

Seine Premiere gab Reis gegen die SG Dynamo Dresden. Auch in diesem Spiel stellte der VfL erneut seine Comeback-Qualitäten unter Beweis. Aus einem 0:2 machten Danny Blum (79.) und Anthony Losilla (85.) in der Schlussphase noch ein 2:2 und bescherten ihrem neuen Cheftrainer zum Einstand einen Punkt.

Unnötige Punkteteilungen und ein langersehnter Sieg

Auch am siebten Spieltag musste sich der VfL die Punkte teilen: Beim SV Sandhausen führten die Blau-Weißen lange Zeit durch einen Treffer von Ganvoula (57.). Zwei Minuten vor dem Ende dann der Rückschlag: Aziz Bouhaddouz verhinderte mit seinem Tor den ersten Dreier der Bochumer. „Das ist so unnötig, so bitter, dass wir die Punkte hergeschenkte haben“, ärgerte sich Blum nach dem Abpfiff.

Ähnliche Worte ließ Simon Lorenz eine Woche später verlauten: „Wir sind wahnsinnig enttäuscht, dass wir schon wieder nicht dreifach punkten konnten.“ Auch beim Heimspiel gegen den SV Darmstadt 98 war den VfLern kein Sieg vergönnt. Trotz zweimaliger Führung durch Ganvoula (10., 25.) schafften es die „Lilien“ zweimal auszugleichen (13., 85.).

Doch am 6. Oktober war es endlich soweit: Die Elf von Cheftrainer Reis feierte ihren ersten dreifachen Punktgewinn beim 1. FC Heidenheim. Simon Zoller (7.) und Blum (14.) sorgten mit ihren Treffern für einen fulminanten Start in die Partie. Auch durch den Anschlusstreffer von Robert Leipertz (23.) ließ sich der VfL nicht verunsichern, sondern erhöhte die Führung auf 3:1 durch ein Tor von Ganvoula (49.). Der erneute Anschlusstreffer von Stefan Schimmer fiel in der letzten Minute der Nachspielzeit und brachte den ersten Sieg der Blau-Weißen nicht mehr in Gefahr. „Wir haben lange auf diesen Sieg gewartet. Es tut gut und ist gerade ein geiles Gefühl“, brachte Losilla die Emotionen der Mannschaft auf den Punkt.

Den zweiten Teil des Saisonrückblicks gibt es am Donnerstag für euch. Dann blicken wir unter anderem auf das Pokalspiel gegen die Bayern und Heimsiege gegen Hannover 96 und Erzgebirge Aue zurück.

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