Was für ein Finale im Vonovia Ruhrstadion! Lukas Hinterseer knipst in der 90. Minute den Siegtreffer, sein drittes Tor an diesem Tag! Der VfL Bochum 1848 besiegt die SpVgg Greuther Fürth mit 3:2 (1:2)! Nach dem Auftritt von Herbert Grönemeyer gng es gleich volll zur Sache. Ernst brachte die Gäste früh in Führung 6.), Hinterseer glich schnell aus (13.). Zehn Minuten vor der Pause traf Fürths Seguin zum Pausenstand (36.). Nach dem Seitenwechsel hauten die Blau-Weißen vor 17.344 Zuschauern noch einmal alles heraus. Der österreichische Knipser glich aus (53.), ehe er mit seinem bereits 17. Saisontor für grenzenlosen Jubel anne Castroper sorgte!

Zum Glück wieder anne Castroper. Nachdem es im Jahr 2019 auf fremden Plätzen bisher nicht sonderlich rosig lief, ging es am 29. Spieltag der 2. Bundesliga mit einem Heimspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth auf die Zielgerade der Spielzeit. Ein Gegner, gegen den der VfL Bochum 1848 in den jüngsten neun Vergleichen lediglich einmal als Verlierer den Rasen verließ, gegen den Coach Robin Dutt aber auch erneut auf beinahe eine ganze Startelf verzichten musste. So ging es mit unverändertem Kader gegenüber dem Gastspiel in Regensburg, aber einer Änderung in der Anfangsformation, in das Duell gegen das Kleeblatt. Thomas Eisfeld kehrte nach vier Kurzeinsätzen und das erste Mal seit dem 29. Januar 2018 zurück in die erste Elf, Robert Tesche nahm zunächst am Spielfeldrand Platz. 

Dutts Gegenüber Stefan Leitl, der in seinen acht bisherigen Partien als Nachfolger von Damir Buric lediglich eine Niederlage in Hamburg einstecken musste, wechselte dagegen dreifach im Vergleich zum 2:1-Sieg gegen den SV Darmstadt 98. Der beste Fürther Torjäger, Daniel Keita-Ruel, saß eine Gelbsperre ab, zudem wichen David Raum sowie Nik Omladic. Dafür durften David Atanga, Kenny Prince Redondo und Julian Green von Beginn an ran.

Das erste Highlight stand schon kurz vor dem Anpfiff der Begegnung an: Herbert Grönemeyer löste sein Versprechen ein, seinen Einlaufsong „Bochum“ live vor der Ostkurve zu performen, sollte der VfL die 10.000-Mitglieder-Marke knacken. Sorgt dieser Klassiker schon so für ein wohliges Kribbeln kurz vor dem Anpfiff, verwandelte sich dies nach dem Auftritt der Musiklegende in eine kräftige Gänsehaut. Spätestens jetzt waren alle 17.344 Zuschauer heiß auf die folgenden 90 Minuten. Und es sollte ein wilder Ritt werden.

VfL gleicht frühen Rückstand schnell aus

Der VfL hatte nach kurzer Abtastphase und erster Annäherung der Fürther seine erste Aktion durch Lukas Hinterseer, der steil geschickt wurde, dann aber lieber ins Dribbling ging als draufzuhauen und den Ball verlor. Der Gast kam in der Folge nach einem ersten Eckball zur ersten Gelegenheit und stach gleich eiskalt zu. Nach einer Ecke Greens konnte Manuel Riemann Marco Caligiuris Kopfball zwar noch glänzend abwehren, Sebastian Ernst köpfte den Rebound aber unbedrängt zur Führung in die Maschen (6.) – so hatten sich Dutt, Grönemeyer und Co. das Ganze hier sicher nicht vorgestellt. 

Doch die Blau-Weißen waren um eine prompte Antwort bemüht. Miloš Pantović wurde rechts freigespielt und servierte butterweich für Chung Yong Lee, der hochstieg und den Ball per Aufsetzer aufs Tor köpfte, Schnapper Sascha Burchert tauchte ab und klärte zur Ecke – auch diese brachte Gefahr, nach einem Tohubawohu im Fürther Strafraum kam aber kein Bochumer richtig ran (8.). In der nächsten heißen Szene sollte der Ausgleich aber fallen. Stefano Celozzi bolzte das Leder irgendwie zu Lee, von dessen Rücken es zu Hinterseer sprang. Der Ösi spielte noch einen verzögerten Doppelpass mit dem Blauen Drachen und ließ Burchert anschließend aus kurzer Distanz keine Abwehrchance (13.) – Saisontor Nummer 15 für den Knipser. 

Fürth schlägt wieder kaltschnäuzig zu

Beinahe legte er wenig später umgehend noch das zweite nach und schmiss sich in die nächste feine Pantović-Flanke, Burchert kratzte seinen starken Kopfball aber noch raus (16.). Auch Eisfelds schnittige Hereingabe, die nur haarscharf vorbeizischte, brachte Gefahr (17.) – der VfL hatte die Partie nach dem Alptraum-Start nun voll im Griff, Hinterseer und Eisfeld verbuchten weitere, eher harmlose Versuche (22., 23.). Der Gast meldete sich mit einer nächsten kleinen Chance mal wieder zurück. Julian Greens Kopfball ging ein gutes Stück vorbei (26.). Das Gros der Abschlussaktionen verbuchte aber der VfL, wieder war es Hinterseer, der nach Görkem Saglams Pass in die Schnittstelle aber geblockt wurde (28.).

Im Anschluss an einen leichtsinnigen Ballverlust von Tim Hoogland kam der Gast aus Franken zu seiner bisher hochkarätigsten Chance, Torschütze Ernst scheiterte aber mit seinem wuchtigen Schuss an Riemann (34.). Im Gegenzug kam Saglam in aussichtsreiche Lage, traf das Leder aber nicht voll (35.). Das Kleeblatt konnte sich etwas aus dem Bochumer Würgegriff befreien und ging gleich wieder effektiver mit seinen Gelegenheiten um. Fabian Reese bediente mit einer Flanke an den zweiten Pfosten den heranstürmenden Paul Seguin, der volley flach abzog und den Ball hauchdünn hinter die Linie bugsierte – Riemann war etwas zu spät zur Stelle, der Treffer zählte zurecht (36.). Der Keeper holte sich zusätzlich noch den ersten Gelben Karton des Spiels ab, da er das Spielgerät gerne noch vor der Torlinie gesehen hätte und dies auch energisch kundtat. An diesem Nackenschlag hatte Dutts Elf etwas zu knabbern, die Spielvereinigung übernahm bis zur Pause das Kommando und kam so auch noch zu ein, zwei Mini-Möglichkeiten. Es ging aber mit dem 1:2 in die Kabinen.

Eisfelds Geistesblitz sorgt für das 2:2

Aus diesen kam der VfL auf einer Position verändert, Dominik Baumgartner wirkte in den zweiten 45 Minuten anstelle Hooglands mit. Leitl nahm keinen personellen Wechsel vor. Leider änderte sich auch zunächst nichts am Spielverlauf. Der Gast kam wacher aus der Pause, David Atanga verzeichnete den ersten Torschuss – leichte Beute für Riemann (49.). Ein Geistesblitz der Dutt-Elf brachte dann etwas aus dem Nichts den Ausgleich. Lee zog das Tempo an und spielte den Ball auf den eigentlich einlaufenden Eisfeld, der jedoch raffiniert auf den völlig blanken Hinterseer durchließ, der sich die Kugel zurechtlegte und mit Treffer Nummer 16 zum zweiten Mal cool den Ausgleich besorgte (53.). Genau der Wachmacher, den Dutts Männer brauchten – das Momentum kippte wieder. Fortan Blau und Weiß im Fahrersitz, Pantović hatte die nächste dicke Chance, zielte aber von der Strafraumgrenze rechts vorbei (56.). 

Für den ausgepumpten Eisfeld war dann nach einer knappen Stunde Feierabend, der etwas defensivere Robert Tesche übernahm für ihn (58.). Lee hatte gleich im Anschluss die nächste Großchance. Nach Pantovićs Hereingabe rutschte beim Abschluss jedoch etwas weg und verfehlte deutlich (59.). Doch der VfL blieb dran, Saglam schlenzte nach schicker Finte nur ein Stückchen zu hoch (60.). Von Fürth kam nun wenig, Seguin hielt mal aus 25 Metern drauf – klar vorbei (65.). Doch es wurde auch wieder brenzliger in Riemanns Strafraum. Im zweiten Anlauf kam die Kugel irgendwie zu Reese, der den Ball unangenehm für den VfL-Schlussmann verlängerte. Der tauchte aber blitzschnell ab und fischte den Schuss aus dem rechten Eck (66.). Anthony Losilla kassierte dann die zweite Gelbe Karte des Spiels, als er gegen Green zu spät kam (67.).

Nach kurzer Verschnaufpause auf beiden Seiten läutete Doppel-Torschütze Hinterseer die Schlussphase ein. Ein langer Schlag von Riemann wurde von Richard Magyar unfreiwillig zur Kopfballvorlage für Hinterseer, der den schwer zu nehmenden Ball volley nahm, Burcherts Kasten jedoch ein Stück verfehlte (76.). Leitl wollte der Heimelf den Wind aus den Segeln nehmen und wechselte erstmals aus. Omladic kam für Green (81.). Den nächsten Aufreger verbuchte Losilla, stark in Szene gesetzt von Pantović. Sein Geschoss lenkte Burchert aber gerade noch zur Ecke (84.). Fürth tauschte erneut, diesmal ging Reese für Daniel Steininger vom Feld (85.). Patrick Fabian musste dann die dritte Gelbe ziehen, um Atanga am Gegenstoß zu hindern (87.). Nächster und letzter Wechsle beim Gast: Mario Maloca neu drin, Ernst dafür raus (88.). 

Hinterseer setzt den umjubelten Schlusspunkt

Die drei Punkte sollten heute aber einfach im Vonovia Ruhrstadion verbleiben! Lee und Stelios Kokovas eroberten auf links stark den Ball, Lee flankte zum richtig gut aufgelegten Pantović, der per Kopf querlegte und Hinterseer fand: Der netzte problemlos zum dritten Mal ein und ließ das Publikum ausrasten (90.). Tom Baack sollte dann helfen, die drei Punkte zu sichern, was auch gelang. Der VfL bleibt auch im dritten Heimspiel nacheinander unbesiegt und kann nun sicher nicht mehr direkt absteigen. So kann es nun befreit in die nächsten zwei Auswärtsspiele gehen, am Osterwochenende geht es zunächst ans Böllenfalltor, wo der SV Darmstadt 98 mit Dimitrios Grammozis die Blau-Weißen erwarten wird (So., 21. April, 13:30 Uhr).

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