Borussia Mönchengladbach hat den H-Hotels Cup im Vonovia Ruhrstadion gewonnen. Durch einen 6:5-Erfolg nach Elfmeterschießen im Finale gegen den Gastgeber VfL Bochum 1848 holte der Bundesligist den Pokal. Den Auftakt bestritten die Borussen und Real Betis Balompié, die sich gleich mal eine furiose Begegnung lieferten. An deren Ende zogen die Fohlen durch einen 3:2-Erfolg ins Finale ein. Der VfL musste gegen die Wolverhampton Wanderers im zweiten Halbfinale ins Elfmeterschießen, zog dort dank dreier Paraden von Felix Dornebusch aber nach und machte das deutsche Finale perfekt. Das Spiel um Platz drei blieb torlos. Im Finale fand sich erneut kein Sieger nach regulärer Spielzeit, die Borussia hatte aus elf Metern die besseren Nerven.

Halbfinale I: Borussia Mönchengladbach – Real Betis Balompié 3:2

Im ersten Semifinale standen sich Bundesligist Borussia Mönchengladbach und der spanische Europapokalteilnehmer Real Betis gegenüber. Die Elf vom Niederrhein startete dabei ohne den ehemaligen VfLer Christoph Kramer und Rekordneuzugang Alassane Pléa in die erste Partie, schickte mit unter anderem Raffael, Patrick Hermann und Oscar Wendt dennoch namhafte Akteure auf den Rasen. Der hierzulande bekannteste Andalusier war sicherlich der ehemalige Dortmunder Marc Bartra, Ex-Bochumer Takashi Inui fehlte aufgrund seines WM-Urlaubs.

Betis, im Vorjahr Sechster in La Liga, war zu Beginn um Spielkontrolle bemüht, Torabschlüsse sprangen dabei jedoch nicht heraus. Die Gladbacher standen derweil sicher, pressten situativ früh und schalteten nach Ballgewinnen schnell um. Eine Taktik, die aufging. Tief in des Gegners Hälfte eroberten die Borussen das Leder und kamen zum 1:0. Den Schuss von Lászlo Bénes konnte Sevillas Schlussmann Joel Robles nur nach vorne abklatschen lassen, Fabian Johnson bedankte sich und staubte ab (12.). Nur drei Minuten später schlug der Tabellenneunte der letzten Bundesligasaison erneut zu. Raffael hieß der Torschütze nach Flanke von Wendt (15.). Hermann legte sogar das dritte Tor nach, stand dabei jedoch im Abseits. Dann kamen die Spanier, die bis dato nur einen harmlosen Schuss generierten, aber zurück ins Spiel. Tobias Strobl nahm nach einem halbhohen Ball im Strafraum die Hand zur Hilfe, Kapitän Joaquín versenkte den fälligen Strafstoß cool unten links (23.). Nach einer kleinen Verschnaufpause waren es dann wieder die Gladbacher, die für Jubel bei ihrem Anhang sorgten. Dieter Heckings Team kombinierte sich blitzsauber hinten raus, dann brachte sich Herrmann nach tollem Doppelpass mit Raffael in Position und versenkte eiskalt unter das Tordach (36.). Betis gab sich noch nicht geschlagen und kam seinerseits erneut zurück. Sergio Canales setzte mit etwas Glück im Strafraum durch und legte quer, wo der sträflich allein gelassene Ryad Boudebouz keine Probleme hatte (39.). Das sollte es jedoch gewesen sein, da Sippel den finalen Schuss von Canales stark um den Pfosten lenkte und den Finaleinzug der Borussen rettete.

Borussia: Sippel – Beyer, Strobl, Mayer, Wendt, Hofmann, Bénes, Johnson, Müsel, Herrmann, Raffael

Betis: Robles (32. Rebollo) – Guerrero, Bartra, Tosca, Júnior Firpo, Kaptoum, Canales, Narváez (43. Julio Alonso), Boudebouz, Joaquín (35. Robert), Morón

Tore: 1:0 Johnson (12.), 2:0 Raffael (15.), 2:1 Joaquín (23., HE), 3:1 Herrmann (36.), 3:2 Boudebouz (39.)

Halbfinale II: VfL Bochum 1848 – Wolverhampton Wanderers 5:4 n.E. (0:0)

Im zweiten Spiel griff dann auch der VfL in den H-Hotels Cup ein, Gegner war der frischgebackene Premier League-Aufsteiger Wolverhampton Wanderers. Im blau-weißen Gehäuse stand in Abwesenheit Manuel Riemanns Felix Dornebusch, Neuzugang Silvère Ganvoula nahm auf der Bank Platz. Die Gäste von der Insel boten eine schlagkräftige Truppe inklusive ihrer Stars Rùben Neves und der portugiesischen Nummer Eins Rui Patrício auf.

Wie schon gegen Stoke hielt die Elf von Robin Dutt auch gegen den nächsten Vertreter der höchsten englischen Spielklasse sehr gut mit und ließ defensiv kaum etwas anbrennen. Der erste Schussversuch gehörte dennoch dem VfL. Robert Tesche nahm einen Freistoß von Sebastian Maier direkt, wurde aber geblockt (6.). Die zweite daran anschließende Maier-Ecke bugsierte erneut Tesche per Kopf drüber (7.). Die Wolves kamen immer mal in die Nähe von Dornebuschs Kasten, vor allem in einer aussichtsreichen Kontersituation, die Tim Hoogland aber entschärfte (12.). Abwehren musste der VfL-Keeper in der Anfangsphase aber lediglich einen zu zentralen Schuss von Rúben Neves (14.). Der erste Ball, den Rui Patrício im Wolves-Tor parieren musste, kam von Lukas Hinterseer, der im Zusammenspiel mit Maier und Anthony Losilla gut freigespielt wurde – doch auch hier kam der Ball per Außenrist zu zentral (22.). Auf der anderen Seite köpfte dann Ryan Bennett nach einem Eckball vorbei (26.). Cheftrainer Robin Dutt bereitete für die letzten knapp zehn Minuten einen Dreierwechsel vor und gab dem Nachwuchs noch etwas Spielzeit. Tom Baack, Görkem Saglam und Baris Ekincier kamen für Anthony Losilla, Maier und Sidney Sam rein (35.). Kaum standen die Youngster für die Schlussphase auf dem Platz, nahm die Begegnung nochmal Fahrt auf. Doch Hinterseers Direktabnahme nach Volleyflanke von Stefano Celozzi konnte von einem Abwehrbein zur Ecke geklärt werden (36.). Nur eine Minute später zog Hinterseer knapp am rechten Pfosten vorbei (37.). Im Gegenzug prüfte Raúl Jiménez Dornebusch aus der Distanz, der Keeper faustete den Flatterball weg. In der Schlussminute noch eine Schrecksekunde auf Seiten des VfL, als Danilo Soares in einer ansonsten fairen Partie unsanft von Bennett zu Fall gebracht wurde. Der anschließende Freistoß brachte nichts ein, dann war auch Schluss. Die Entscheidung musste also vom Punkt gefällt werden. Dort war Dornebusch der gefeierte Mann. Nach fünf Schützen und je zwei Paraden der Schlussmänner parierte Dornebusch bei Wolves-Elfmeter Nummer sieben von Ryan Giles ein drittes Mal. Tom Weilandt nutzte die Chance und machte den Einzug in das Finale perfekt.

VfL: Dornebusch - Celozzi (C), Hoogland, Leitsch, Soares – Losilla, Tesche – Sam, Maier, Weilandt – Hinterseer

Wolverhampton: Rui Patrício – Bennett, Coady, Hause, Buur, Rúben Neves, Pereira, Giles, Enobakhare, Raúl Jiménez, Diogo Jota

Tore: Fehlanzeige

Elfmeterschießen: 0:1 Neves, 1:1 Hoogland, Jimenez verschießt, Tesche verschießt, Conor Coady verschießt, 2:1 Celozzi, 2:2 Diogo Jota, Hinterseer verschießt, 2:3 Pereira, 3:3 Soares, 3:4 Bright Enobakhare, 4:4 Saglam, Giles verschießt, 5:4 Weilandt

Spiel um Platz 3: Betis Sevilla – Wolverhampton Wanderers 0:0

Die beiden Unterlegenen standen sich mit komplett neuen Formationen gleich im Anschluss an den Bochumer Finaleinzug gegenüber und ließen es zu Beginn ruhig angehen. Nach einer Viertelstunde sorgte Benny Ashley-Seal für den ersten Aufreger, seine Einzelleistung inklusive Schuss war jedoch kein allzu großes Problem für Pau López im Betis-Tor (15.). Die bis dato größte Chance verbuchte Sevillas Sergio Léon, als er auf der rechten Seite angespielt wurde, wuchtig abzog und John Ruddy zu einer Reaktion zwang (23.). Hélder Costas Versuch wenig später versprühte nur einen Hauch von Gefahr, López hatte das Leder im Nachfassen (26.). Wiederum am anderen Ende des Feldes kam Léon nach einer verlängerten Ecke am langen Pfosten aus spitzem Winkel zum Schuss, jagte den Ball mit Risiko jedoch weit drüber (28.). Eine große Möglichkeit zur Führung für Wolverhampton ließ dann Costa aus, als er aus zentraler Position zu lange brauchte und den Ball in Bedrängnis vorbeisetzte (35.). Die Wolves waren dem Sieg zum Schlusspfiff hin etwas näher, Ivan Cavaleiro verzog aus aussichtsreicher Lage (40.). So fielen keine Tore mehr, aus Zeitgründen wurde jedoch auf die Entscheidung auf elf Metern verzichtet. Die Teams teilten sich also Rang drei.

Betis: Pau López – Mandi, Javi García, Edgar, Barragán, Brasanac, Julio Gracia, Camarasa, Tello, Sergío Leon, Álex Alegría

Wolverhampton: Ruddy – Doherty, Saïss, Batth, Boly, John, Gibbs-White, Watt, Hélder Costa, Cavaleiro, Ashley-Seal

Tore: Fehlanzeige

Finale: VfL Bochum 1848 – Borussia Mönchengladbach 5:6 n.E. (0:0)

Dann war es Zeit für das große Finale des H-Hotels Cups. Für den deutschen Vergleich wechselte VfL-Coach Robin Dutt auf sechs Positionen: Florian Kraft, Jan Gyamerah, Patrick Fabian, Timo Perthel, Miloš Pantović und Johannes Wurtz rotierten in die Startaufstellung, Dornebusch, Hoogland, Celozzi, Soares, Tesche und Weilandt mussten weichen. Die Gladbacher tauschten komplett, auch Kramer spielte in seiner alten Heimat von Beginn an, genau wie 23-Millionen-Mann Pléa und Ibrahima Traoré.

Die erste brenzlige Situation hatte der VfL zu überstehen. Borusse Pléa schickte den pfeilschnellen Traoré auf die Reise, Maxim Leitsch eilte hinterher und stoppte den Mann aus Guinea im letzten Moment (7.). Die Fohlen blieben zunächst die spielbestimmende Mannschaft. Neuzugang Keanan Bennetts legte für Traoré ab, der traf den Ball nicht (9.). Kramer versuchte dann sein Glück aus der Distanz, verfehlte aber deutlich (12.). Die Bochumer traten offensiv kaum in Erscheinung, mehr als Ansätze gelangen nicht. Kramer unterband einen dieser Ansätze und holte sich bei einem aussichtsreichen Konter den gelben Karton ab, als er Sam taktisch foulte (19.). Eine sehenswerte Kombination über Gyamerah, Pantović und Wurtz, der dann scharf flankte, fand in der Mitte keinen Abnehmer. Der VfL hatte sich dennoch vom Anfangsdruck des Bundesligisten gelöst und kam häufiger nach vorne. Dann kam es per Doppelwechsel zeitgleich zu einem Comeback und einem Debüt: WM-Fahrer Robbie Kruse ersetzte Sam, Neuzugang Ganvoula rückte für Hinterseer in die Spitze (27.). In den Strafräumen passierte mit fortschreitender Spieldauer wenig. Eine Hereingabe Kramers segelte durch Krafts Sechzehner, Mandela Egbos Fernschuss nach zu kurzer Klärungsaktion stellte den VfL-Keeper vor keine große Probe (38.). Es lief darauf hinaus, auch wenn es die Schlussphase nochmal in sich hatte, dass nach der furiosen Partie zum Start des Turniers auch das dritte Spiel in Folge torlos endete. Daran änderte beinahe Ganvoula etwas, der sich nach Perthels Flanke hochschraubte, seinen Kopfball aber rechts neben das Tor platzierte (41.). Auch die Borussen hatten noch einen Pfeil im Köcher. Kramer bediente Traoré, der unfreiwillig zum blank vor Kraft auftauchenden Pléa weiterleitete. Der VfL-Schlussmann entschied das Duell stark für sich (42.). Florian Neuhaus stoppte einen weiteren, vielversprechenden Konter über Kruse per Trikotziehen und sah die gelbe Karte (43.). Einen Fohlenfreistoß verpasste Pléa knapp (44.). Auch im zweiten VfL-Spiel des Tages fiel die Entscheidung im Elfmeterschießen. Diesmal fingen die Blau-Weißen an. Nach je drei Schützen sah es nach einer klaren Sache für die Borussia aus. Nur Losilla traf für den VfL, alle drei Fohlen waren nervenstark. Dann wendete sich das Blatt, die letzten beiden Gladbacher verschossen, Kruse und Wurtz blieben cool - 3:3 also nach fünf Schützen. Die nächsten vier Schützen trafen, Fabian scheiterte dann an Moritz Nicolas. Nachwuchsspieler Mika Hanraths ließ die Chance nicht ungenutzt und machte den Turniersieg klar.

Trotz der Finalniederlage war VfL-Trainer Robin Dutt mit der Leistung seines Teams einverstanden: „Insgesamt bin ich mit dem Auftritt ganz zufrieden. Wir haben zweimal gegen sehr starke Gegner, die Qualität steigerte sich ja im Laufe der Vorbereitung, zu Null gespielt. Im Umschaltspiel nach vorne habe ich aber noch Optimierungsbedarf gesehen.“

VfL: Kraft – Gyamerah, Fabian, Leitsch, Perthel – Pantović, Losilla, Maier (34. Tesche), Sam (27. Kruse) – Hinterseer (27., Ganvoula), Wurtz

Borussia: Nicolas – Egbo, Pazurek, Hanraths, Poulsen, Kramer, Herzog, Traoré, Bennetts, Neuhaus, Pléa

Tore: Fehlanzeige

Elfmeterschießen: 1:0 Losilla, 1:1 Traoré, Ganvoula verschießt, 1:2 Herzog, Tesche verschießt, 1:3 Bennetts, 2:3 Kruse, Egbo verschießt, 3:3 Wurtz, Pléa verschießt, 4:3 Gyamerah, 4:4 Pazurek, 5:4 Pantović, 5:5 Poulsen, Fabian verschießt, 5:6 Hanraths

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