Zwei Auswärtssiege konnte der VfL Bochum 1848 zuletzt in Folge feiern. Nach den Erfolgen in Wiesbaden (0:1) und Dresden (1:2) soll am Samstag (13:00 Uhr) der nächste Sieg folgen. Dann ist die Mannschaft von VfL-Cheftrainer Thomas Reis beim SV Darmstadt 98 zu Gast. Dabei kommt es auch zum Wiedersehen mit Dimitrios Grammozis: Der Coach des SVD war vor seiner Zeit bei den Hessen als Nachwuchs- und Co-Trainer in Bochum aktiv.

HEIMAT

Darmstadt liegt im Rhein-Main-Gebiet, etwa 30 Kilometer südlich von Frankfurt. Die kreisfreie Großstadt zählt derzeit rund 160.000 Einwohner und ist damit die viertgrößte Stadt des Bundeslandes Hessen. Bekannt ist Darmstadt nicht nur für den ansässigen Fußballverein, den SVD, sondern auch für eine Reihe von Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Auch deshalb wird Darmstadt gemeinhin als „Wissenschaftsstadt“ betitelt.

STADION

Seine Heimspiele bestreitet der SV Darmstadt 98 im altehrwürdigen Merck-Stadion am Böllenfalltor. Südöstlich der Darmstädter Innenstadt gelegen, bietet das Stadion derzeit Platz für 17.400 Zuschauer. Dabei sind die Modernisierungsmaßnahmen des SVD noch nicht abgeschlossen: Erst kürzlich wurde die neue Gegengerade fertiggestellt, in Zukunft sollen weitere Teile des Stadions modernisiert werden. Der Name „Böllenfalltor“ leitet sich übrigens vom Standort des Stadions ab: „Böllen“ sind Pappeln, die in der Nähe des Stadions stehen. Das „Falltor“ ist ein altes Stadttor in Stadionnähe, das früher bei Bedarf den Weg in die Stadt hinein verriegelte.

TRAINER

Dimitrios Grammozis verbrachte lange Jahre seiner aktiven Profikarriere bei traditionsreichen Klubs wie dem Hamburger SV, dem 1. FC Kaiserslautern oder dem 1. FC Köln, ehe er sich nach Auslandsstationen in Griechenland und Zypern im Sommer 2012 der U23 des VfL Bochum 1848 anschloss. Hier beendete der heute 41-Jährige nicht nur seine aktive Laufbahn, sondern startete auch seine Trainerkarriere. Über fünf Jahre lang war Grammozis für den VfL an der Seitenlinie aktiv, betreute dabei sowohl die U17- und U19-Junioren sowie die U23 und war als Co-Trainer bei den Profis aktiv. Dabei arbeitete er oft eng mit dem heutigen VfL-Cheftrainer Thomas Reis zusammen. Im Februar 2019 folgte der Wechsel zum SV Darmstadt 98, der auf die guten Leistungen des in Wuppertal geborenen Griechen aufmerksam geworden war. 37 Pflichtspiele hat Grammozis nun als Chefcoach der Lilien absolviert, dabei kann er einen Punkteschnitt von 1,57 Zählern vorweisen. Der SVD wollte den zum Saisonende auslaufenden Vertrag kürzlich verlängern, doch aufgrund von unterschiedlichen Auffassungen in Sachen Vertragslänge lehnte Grammozis ab – er wird den Klub also am Saisonende verlassen. Ein Paukenschlag in Darmstadt, der in einer sportlich starken Phase für Unruhe sorgte. Dennoch gewann der SVD Spiel eins nach Grammozis´ Entscheidung am vergangenen Wochenende mit 2:0, im Heimspiel wurde der 1. FC Heidenheim besiegt.

HISTORIE

Gegründet wurde der Verein im Mai 1898, damals unter dem Namen FK Olympia 1898 Darmstadt. Seitdem hat der hessische Klub eine bewegte Historie hinter sich: Besonders mit Blick auf die letzten drei Jahrzehnte gleicht die Ligazugehörigkeit der Darmstädter einer Achterbahnfahrt. Nach einem Bundesliga-Abstieg in der Saison 1981/82 ging es für den Verein stetig bergab, von der 2. Bundesliga über die Regionalliga bis hin zur Oberliga Hessen war alles dabei. Erst in der Saison 2010/11 schafften die Lilien den Sprung in die 3. Liga, in der man drei Jahre lang spielte und dann im Sommer 2014 unter Trainer Dirk Schuster den Aufstieg in Liga zwei packte. Dort gelang dem Team um Schuster der direkte Durchmarsch in die deutsche Beletage des Fußballs. 2015/16 sicherte man sich sogar den Klassenerhalt, erst ein Jahr später folgte mit einer Ausbeute von nur 25 Punkten der Abstieg. Nun spielt der SVD also die dritte Zweitliga-Saison in Folge. Die größten Erfolge der Hessen sind die beiden Meisterschaften in der 2. Bundesliga in den Spielzeiten 1977/78 und 1980/81.

TAKTIK

Dimitrios Grammozis setzt bei den Lilien meist auf sein favorisiertes 4-2-3-1, eine klassische Aufstellung mit zwei defensiven Mittelfeldspielern, Flügelzangen sowie einem Stürmer in der Mitte. Die vorderste Position bekleidet dabei meist Serdar Dursun. Der 28-jährige Vollblutstürmer ist in dieser Saison der Top-Scorer der Lilien, hat in 24 Partien elf Tore und vier Vorlagen geliefert. Er ist der Zielspieler, der immer wieder von den Mitspielern gesucht wird. Oft ist das über Hereingaben der Außenstürmer der Fall, die beiden Flügelpositionen wurden zuletzt regelmäßig von Tobias Kempe und Mathias Honsak bekleidet. Wichtig in diesem Zusammenhang: Darmstadts Flankengenauigkeit von 27% übertreffen nur Stuttgart (30%) und Sandhausen (33%).

SAISONBILANZ

Die Lilien sind die Remis-Könige der Liga, bereits elf Unentschieden hat das Team von Dimitrios Grammozis in dieser Saison eingefahren. Hinzu kommen acht Siege und nur fünf Niederlagen – macht insgesamt 35 Punkte. Damit konnte der SVD bis jetzt den Anschluss an die Aufstiegsränge halten, der HSV auf Rang drei ist nur sechs Punkte entfernt. Zuletzt zeigten sich die Hessen in richtig starker Form, im Fußballjahr 2020 verlor man noch kein Spiel. Zwar startete der SVD nach der Winterpause mit zwei Remis (1:1 in Kiel und 2:2 gegen Osnabrück), seitdem wurden aber die letzten vier Spiele gegen Dresden, Sandhausen, Nürnberg und Heidenheim gewonnen.

LETZTES DUELL

Im Hinspiel anne Castroper trennten sich der VfL und der SV Darmstadt mit einem 2:2-Remis. Fast schon typisch aus Bochumer Sicht: Der Treffer zum Ausgleich der Gäste fiel dabei erst spät. Silvère Ganvoula traf in Durchgang eins gleich zweimal für die Reis-Elf (10./25.), zwischenzeitlich hatte Immanuel Höhn aber schon für den Ausgleich gesorgt (13.). Der eingewechselte Marcel Heller schoss nach einer Hereingabe in Minute 85 erst den gut aufgelegten Manuel Riemann an, den Abpraller brachte der Darmstädter dann aber per Kopf aus kurzer Distanz im Tor unter. Nach einer starken Bochumer ersten Halbzeit ging Durchgang zwei klar an die Gäste, sodass es am Ende eine gerechte Punkteteilung war.

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