Klappe, die Letzte: Am Sonntag (15:30 Uhr) ist der VfL Bochum 1848 im Rahmen des 34. Zweitliga-Spieltags bei Hannover 96 zu Gast. Nach zuletzt elf Partien ohne Niederlage konnte sich das Team von VfL-Cheftrainer Thomas Reis den Klassenerhalt sichern und hat vor dem Duell mit den Niedersachsen eine gute Ausgangsposition, um die Spielzeit 2019/20 als Tabellensechster zu beenden. Wir schauen auf den kommenden Gegner:

HEIMAT
Der VfL reist bereits am Samstag in die Landeshauptstadt Niedersachsens. Knapp über eine halbe Millionen Menschen leben in Hannover, womit der an der Leine und der Ihme gelegene Ort zu den 15 einwohnerreichsten Städten Deutschlands zählt. Hannover ist unter anderem für seine zahlreichen Hochschulen und Bibliotheken bekannt, außerdem tragen viele renommierte Museen und Theater zu einer bunten Kulturszene bei.

STADION
Hannover 96 trägt seine Heimspiele in der HDI Arena aus, die sich südlich der Innenstadt direkt am Maschsee befindet. Erbaut wurde das Stadion zwischen 1952 und 1954, damals unter dem Namen Niedersachsenstadion. Seitdem wurde es mehrfach erweitern, umgebaut und modernisiert. Derzeit finden auf den zwei ovalförmigen Rängen 49.200 Zuschauer Platz. Bei den in Deutschland stattfindenden Fußball-Weltmeisterschaften 1974 und 2006 sowie bei der Europameisterschaft 1988 gehörte die heutige HDI Arena zu den Austragungsorten.

TRADITION
Wie der Name vermuten lässt, wurde der Verein Hannover 96 im Jahre 1896 – damals noch unter dem Namen „Hannoverscher Fußball-Club von 1896 (HFC)“ gegründet. Er gehört damit zu den traditionsreicheren Klubs der deutschen Fußball-Landkarte. Die erste Deutsche Meisterschaft feierten die Niedersachsen in der Saison 1937/38. Bei der Neugründung der Bundesliga im Jahre 1963 zogen die 96er dann aber den Kürzeren gegenüber Eintracht Braunschweig, sodass man nicht zu den Gründungs-Klubs gehörte. Nur ein Jahr später durfte aber der Aufstieg in eben jene Bundesliga gefeiert werden. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich der Verein zur Fahrstuhl-Mannschaft zwischen Liga eins und zwei. 1992 folgte der wohl bis heute größte Coup: Als damals erster Zweitligist feierte Hannover 96 den Gewinn des DFB-Pokals.

TRAINER
Seit November 2019 betreut Kenan Kocak Hannover 96 als Cheftrainer, zuvor war Mirko Slomka nach nur drei Siegen aus 13 Pflichtspielen als Coach beurlaubt worden. Der 39-jährige Kocak hat seine bisherige Trainer-Laufbahn in Mannheim begonnen: Zunächst bei Türkspor, später beim VfR und bei Waldhof Mannheim machte er sich einen Namen. Im Sommer 2016 wechselte der in der Türkei geborene Fußballlehrer in die 2. Bundesliga, wo er beim SV Sandhausen gute Arbeit ablieferte. Nach knapp über zwei Jahren am Hardtwald war für Kocak Schluss – und obwohl zuvor bereits größere Klubs Interesse an Kocak signalisiert hatten, dauerte es bis zum November des Vorjahres, ehe er in Hannover den nächsten Job übernahm. Zunächst lief sein Vertrag bei den 96ern nur bis zum Saisonende. Doch obwohl Absteiger Hannover auch mit Kocak, der gerne mit Dreierkette spielen lässt, lange Zeit eher in den unteren Tabellenregionen zu finden war, wurde sein Kontrakt im April langfristig verlängert. „Mir geht es um Vertrauen und Kontinuität für die nächsten Jahre, deshalb haben wir auch beim Cheftrainer mit einem Dreijahresvertrag die Voraussetzungen dafür geschaffen“, sagte Geschäftsführer Martin Kind damals. Neun Siege sprangen in 20 Spielen unter Kocak für die Niedersachsen heraus, was einen Punkteschnitt von 1,55 pro Partie macht.

TEAM
Der Kader der Hannoveraner ist gespickt mit erfahrenen Spielern und jungen Talenten. Mit Ron-Robert Zieler steht sogar ein Weltmeister von 2014 im Tor der 96er, Ex-VfLer Philipp Ochs wechselte im Winter von der TSG 1899 Hoffenheim ins Team von Trainer Kenan Kocak. Auch Linksverteidiger Matthias Ostrzolek spielte schon im Blau-Weißen Dress. Wichtige Säulen der Niedersachsen sind Spieler wie Kapitän Marvin Bakalorz im Mittelfeld sowie Marvin Ducksch und Hendrik Weydandt im Angriff. Das Zentrale Mittelfeld stärken sollte außerdem Dominik Kaiser – der ehemalige Bundesligaspieler kam im Januar aus Bröndby und besticht besonders durch seine Stärke in Sachen Standards. Das größte Talent im Kader ist wohl Flügelstürmer Linton Maina. Der gerade 21-Jährige erzielte in der laufenden Saison zwei Treffer und legte sieben Buden auf. Zuletzt kamen Gerüchte auf, dass Champions League-Anwärter Borussia Mönchengladbach sowie Europa League-Teilnehmer VfL Wolfsburg den Rechtsaußen verpflichten wollen.

ZWISCHENBILANZ
Nur ein Punkt trennt den VfL Bochum 1848 und Hannover 96 in der Tabelle. Mit 45 Zählern sitzen die Niedersachsen den Blau-Weißen dicht im Nacken. Bedeutet: Verliert man am Sonntag nicht, würde der VfL den kommenden Gegner in der Schlusstabelle sicher hinter sich lassen. Für Hannover gilt dabei übrigens das gleiche wie für die Bochumer: Am Ende war es dann doch noch eine halbwegs versöhnliche Saison. Als Bundesliga-Absteiger hatte man sich bei den 96ern sicher erhofft, zumindest um den direkten Wiederaufstieg mitspielen zu können. Stattdessen fand man sich im Winter auf Platz 13 wieder, musste sogar mit mindestens einem Auge nach unten schauen. Doch die Rückrunde lief besser, Tabellenplatz sieben steht nun zu Buche. Zuletzt fehlte allerdings die Konstanz: Während man die beiden letzten Heimspiele gegen St. Pauli (4:0) und Heidenheim (2:1) gewinnen konnte, wurden die jüngsten drei Auswärtsspiele in Sandhausen (1:3), Darmstadt (2:3) und Aue (1:2) allesamt verloren.

DUELLE
Das Duell zwischen Bochum und Hannover ist durchaus eines mit Tradition, auch in der Bundesliga. 43 Mal sind beide Teams bereits aufeinander getroffen, die Bilanz ist dabei völlig ausgeglichen: Jeweils 16 Mal konnten VfL oder 96 gewinnen, elf Mal wurden die Punkte geteilt. Das letzte Heimspiel im Dezember 2019 gewann die Elf von Thomas Reis nach Treffern von Manuel Wintzheimer und Simon Zoller mit 2:1. Die letzte Auswärtsfahrt nach Hannover endete allerdings mit einer Niederlage: Am 20. Spieltag der Saison 2016/17 mussten sich die Blau-Weißen in der HDI Arena mit 1:2 geschlagen geben. Das soll am Sonntag anders werden, denn das Ziel ist klar: Mit einem Auswärtssieg im Saisonfinale würde der VfL Tabellenplatz sechs sichern und hätte theoretisch noch die Chance, am SV Darmstadt vorbei auf Platz fünf zu springen.

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