Bereits zum vierten Mal fand am Montagabend der neuformierte FIEGE Fanabend statt. Ort des Geschehens diesmal: Die Gaststätte „Zum Lindenhof“ in Bochum-Stiepel. Die rund 80 Gäste kamen auf ihre Kosten, nicht nur aufgrund der feinsten Fiege-Spezialitäten sowie der tollen Bewirtung von Ehepaar Hahn und Team. Natürlich wurde den VfL-Fans auch diesmal einiges an Fachkompetenz geboten. Alexander Richter, Marc-André Kruska und Kai Michalke erzählten ausgiebig aus ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz, Groundhopper Henning Uebel deckte die Fanthemen ab. Ein gelungener Abend im Bochumer Süden.

Als Hubertus Fiege von der Privatbrauerei Moritz Fiege am Ende der Veranstaltung allen Teilnehmern der Expertenrunde seinen Dank aussprach und die mitgebrachten Präsente überreichte, klatschte das Publikum noch einmal eifrig Beifall. Zu Recht, denn schließlich gaben die vier Herren auf dem Podium zuvor in knapp zwei Stunden – auch diesmal ging der FIEGE Fanabend in eine ordentliche Verlängerung – so einige Anekdoten preis.

Alexander Richter beispielsweise legte den Gästen nahe, wie früh bereits Dinge wie Scouting, Vertragsverhandlungen und Leistungsdiagnostiken in jungen Fußballerjahren eine gewichtige Rolle spielen. „Das Ganze hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt. Als ich beim VfL angefangen habe, waren wir im Nachwuchsbereich vier Festangestellte. Heute haben wir in allen Bereichen Fachleute, über Analysten, Physios bis hin zu Psychologen.“ Allesamt „Folgen“ der Zertifizierungsauflagen, denn nur wer heute einen ganzen Katalog an Anforderungen erfüllen kann, bekommt den Status Nachwuchsleistungszentrum.

Als Kai Michalke im Nachwuchs der Blau-Weißen anfing, hieß es zwar noch nicht „Leistungszentrum“, doch die Ausbildung hatte auch damals schon eine hohe Qualität. „Ich komme gebürtig aus Bochum, da war es klar, dass man irgendwann mal für den VfL spielen will. Man hat auch früher schon viel investiert, Fußball war alles für mich.“ Der Druck im Nachwuchsbereich ist heute wahrscheinlich nochmal eine Nummer größer, doch auch damals gab es schon schwierige Phasen. „Wenn du mal nicht gut drauf warst, dann hat halt der ‚Ata‘ angerufen und dir gesagt ‚Junge, jetzt reiß dich mal wieder zusammen‘. Das hat auch funktioniert.“ Bei Michalke auf jeden Fall, schließlich hat er es später bis in die Champions League gebracht. Heute ist er als Berater tätig, und kennt auch die Vorgehensweisen im Nachwuchsbereich. „Das ist ein großes Hauen und Stechen um die größten Talente geworden. Ich finde es nicht gut, wenn schon 12-, 13-Jährige von Beratern die große sportliche Zukunft versprochen bekommen. Da mache ich nicht mit. Irgendwann ist ein Berater aber wichtig. Da versuche ich mit meiner Erfahrung und meinen Kontakten zu helfen.“

Eine Ausbildung in Schwarz und Gelb kann der neue Co-Trainer unserer U19, Marc-André Kruska, vorweisen. Übrigens als einer der Ersten, der in einem Leistungszentrum lernen durfte. Keine Garantie, dass es auch mit der Karriere klappt. „Man hat damals eigentlich gar nicht wirklich damit gerechnet, dass ich es zum Profi schaffe. Hätte man da schon so intensiv getestet wie heute, wäre ich wahrscheinlich aufgrund meiner Schnelligkeitswerte rausgefallen. Man braucht auch einfach das nötige Glück.“ Und den richtigen Mentor. „Bei einem unserer Spiele hat Bert van Marwijk zugeschaut. Mein Auftritt hat ihm gefallen, obwohl man intern eigentlich drei, vier anderen Nachwuchsspielern den Sprung zugetraut hat. Am nächsten Tage durfte ich bei den Profis mittrainieren, habe dann mit 17 mein Bundesliga-Debüt gefeiert.“ Heute fördert Kruska die Talente an der Hiltroper Straße, und die profitieren enorm von seinen Erfahrungen aus Bundesliga, Europapokal und diversen Junioren-Nationalmannschaft.  

Soweit zum ersten Teil des launigen Abends, der zweite drehte sich rund um die Themen Fankultur und Groundhopping. Und auch da konnte die Runde einen wahren Experten begrüßen. Sein Name: Henning Uebel. Der Bochumer bereist seit einigen Jahren die ganze Welt und schaut sich Fußballspiele vor Ort an. Seine Leidenschaft wurde übrigens in der ersten UEFA-Cup-Saison des VfL geweckt, damals begleitete er die Blau-Weißen nach Trabzon. Seitdem geht es rund um die Erdkugel. Eine logistische Herausforderung. „Wir meckern immer über die Anstoßzeiten hier bei uns. Ich habe es zum Beispiel in Montenegro erlebt, dass ein Spiel in der Woche um 15 Uhr stattfindet, und die Anstoßzeit wird erst drei Tage vorher bekannt gegeben. Da ist es dann nicht verwunderlich, wenn nur 200 Zuschauer kommen.“ Während der englische Fußball und seine Kultur hier noch einigen mehr bekannt sein dürfte, hat Uebel auch viele Spiele im asiatischen Raum gesehen. „In Japan oder Südkorea ist der Stadionbesuch ganz anders. Du kannst dich vorher eindecken und alles mit ins Stadion nehmen. Auch von der Stimmung her war das einzigartig. Die Fans haben 90 Minuten durchgesungen. Die Mannschaft, die verloren hat, wurde nach dem Abpfiff dermaßen durchbeleidigt, hat sich alles brav angehört, die Spieler haben sich danach verneigt und alles war wieder normal. Hier kaum vorstellbar.“ Sein aktuelles Projekt lautet übrigens „UEFA 55“. In den kommenden Jahren will Uebel alle 55 Mitgliedsverbände der UEFA bereisen, um dort zumindest ein Profispiel gesehen zu haben. Welche Stationen er schon absolviert hat, welche Eindrücke er mitgebracht und vieles mehr findet man übrigens auf seiner Homepage henninglovesfootball.com

 

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