Historie / Saison 1976/77
Ein Jahr zurück
zurück zur Übersicht
Ein Jahr vor
 
» Text » Spiele » Kader » Tabelle

Tenhagen wird erster Nationalspieler

(hw) Parallel zum weiteren Stadionausbau, in der Spielzeit 1976/77 wurde die Osttribüne fertiggestellt, musste der VfL im harten Bundesliga-Alltag um sein Überleben kämpfen. Durch die Bauarbeiten erlitt der Verein auch finanziell erhebliche Verluste, denn zeitweise fanden nur noch 15.000 Zuschauer im Ruhrstadion Platz bei den Heimspielen.

So schlitterte das Team auch in dieser Saison in den Abstiegskampf. Präsident Wüst hatte schon im Sommer von einem "Aufbaujahr" gesprochen und davor gewarnt, die Erwartungen nicht allzu hoch zu schrauben. Doch durch die schwere Verletzung von Stammspieler Jürgen Köper (Schien- und Wadenbeinbruch) und dem Verkauf von Stürmer Harry Elbracht zum 1. FC Saarbrücken wurde das Team im Laufe der Saison so weit geschwächt, dass nach einem ordentlichen Saisonauftakt zum Ende nur ein Punkt Vorsprung vor dem Relegationsplatz stand. Nur mit Mühe sicherte sich der VfL ein weiteres Jahr im Oberhaus.

Retter des VfL wurde wieder einmal Angreifer Jupp Kaczor, der in der Saison 1976/77 nicht nur alle Spiele bestritt, sondern in diesen auch 20 Treffer erzielte. Einen weiteren Höhepunkt setzte Namensvetter Jupp Tenhagen. Der VfL-Libero wurde Ende April 1977 erster deutscher Nationalspieler im VfL-Trikot. Beim 2:1-Erfolg der Truppe von Helmut Schön in Belgrad lieferte Tenhagen gegen Jugoslawien eine ordentliche Partie ab, kam aber dennoch in der Folge nur noch zu zwei weiteren Einsätzen im deutschen Trikot.

Zum unvergeßlichsten Tag der Saison wurde jedoch für alle VfL-Fans der 18. September 1976. Am 6. Spieltag empfing der VfL den FC Bayern München, der sich mit seinen Stars Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Gerd Müller & Co. die Ehre gab. Durch einen Bilderbuchstart ging der VfL bis zum Pausenpfiff durch zwei Treffer von Elbracht und ein Tor von Kaczor mit 3:0 in Führung und erhöhte nach dem Seitenwechsel durch Pochstein gar auf 4:0. Die 18.000 Zuschauer im ausverkauften Ruhrstadion trauten ihren Augen nicht und feierten - zu früh.

Denn es folgten die wohl bittersten Minuten der Vereinsgeschichte: In nur 22 Minuten drehten die Bayern das Spiel, erzielten fünf Treffer und legten auch nach Holger Trimholds zwischenzeitlichem 5:5-Ausgleich in der Schlussminute noch einmal nach. Der VfL hatte das "Spiel des Jahrhunderts" mit 5:6 verloren.