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Wer hätte vor der Saison gedacht, dass das Heimspiel unseres
VfL gegen den Reviernachbarn aus Dortmund für beide Teams
im Zeichen des Abstiegskampfes stehen sollte? Der BVB rutschte
nach insgesamt fünf Niederlagen in der Rückrunde - voriges
Wochenende verlor man zuhause 2:3 gegen Cottbus - in die gefährliche
Zone und träumte nicht mehr vom UEFA-Pokal, sondern vom Klassenerhalt.
Der VfL befand sich nach der 0:3-Niederlage in Bremen wieder "unterm
Strich" und hatte die Möglichkeit, mit einem Sieg die
Abstiegsränge zu verlassen und bis auf einen Punkt an die
Dortmunder heranzukommen. Rein statistisch sprach einiges für
eine Punkteteilung: Drei der letzten vier Spiele im rewirpowerSTADION
endeten unentschieden, der letzte Sieg der Borussia datierte aus
der Saison 1998/99. Ein Alles-oder-nichts-Spiel für beide
Teams - ohne Frage. Wer heute einen Dreier holte, konnte zumindest
eine Woche lang ein wenig ruhiger schlafen.
Personal
Beide
Trainer wirbelten ihre Anfangsformationen im Vergleich zur Vorwoche
gehörig durcheinander. VfL-Coach veränderte sein Team
auf insgesamt vier Positionen und präsentierte eine offensive
taktische Ausrichtung. Für den bislang etatmäßigen
Sechser vor der Abwehr, Christoph Dabrowski, stand erneut Tommy
Bechmann in der Startelf, der in Bremen gelbgesperrte Zwetschge
Misimovic kehrte auf seine angestammte Position hinter den Spitzen
zurück. Zudem spielten Youngster Dennis Grote für Filip
Trojan auf der linken Mittelfeldseite und Martin Meichelbeck für
Philipp Bönig links in der Viererkette.
Auch BVB-Trainer Jürgen Röber brachte vier neue Spieler.
Die zuletzt gesperrten Degen, Dede und Valdez spielten von Anfang
an, zudem rückte Amedick für Brzenska ins Team. Alexander
Frei, mit elf Treffern bis dato erfolgreichster Borussia-Torschütze,
nahm virusgeschwächt zunächst nur auf der Bank Platz.
Spielverlauf 1. Halbzeit
Beide Mannschaften machten von Anfang an klar, welch
große Bedeutung dieses Spiel für sie hatte, und gingen
mit großem Engagement und viel Leidenschaft zu Werke. Das
erste Ausrufezeichen setzte der VfL nach drei Minuten: Zdebel
bediente Gekas mit einem 40-Meter-Pass in die Mitte, der Grieche
tauchte allein vor BVB-Torwart Weidenfeller auf, konnte den Ball
aber nicht an ihm vorbeispitzeln. Die Bochumer waren in der Anfangsphase
das Spiel bestimmende Team und hebelten die Abwehr der Gäste
mit schnellen, direkten Pässen ein ums andere Mal aus. Es
dauerte zehn Minuten, bis der BVB erstmals gefährlich vor
dem VfL-Tor auftauchten: Valdez tankte sich auf der rechten Seite
in den Strafraum durch und konnte nur dank des beherzten Einsatzes
von Keeper Drobny vom Ball getrennt werden.
Die
Hausherren dominierten das Geschehen und berannten das Dortmunder
Tor, wirklich gefährliche Situationen blieben aber Mangelware,
da der BVB geschickt die Räume eng machte. In der 19. Minute
hatte Epalle die Führung auf dem Kopf, wurde aber entscheidend
von Degen bedrängt. Die Gäste verlegten sich auf Konter
und hatten in der 26. Minute fast Erfolg: Degen flankte von rechts
auf Amedick, der stieg unbehindert hoch und köpfte nur knapp
übers Tor. Glück für den VfL, der wütend antwortete:
Erst scheiterte Bechmann mit einem Gewaltschuss aus 16 Metern
an Weidenfeller, kurz danach setzte Gekas einen Kopfball knapp
neben das BVB-Gehäuse.
Die bis dahin recht rasante und von beiden Mannschaften engagiert
geführte Partie verflachte nach einer halben Stunde. Der
Aktionsradius konzentrierte sich im Mittelfeld, wo sich die Kontrahenten
weitestgehend neutralisierten. Zudem wurde es zusehends ruppiger
und giftiger, was zu einer Reihe von Spielunterbrechungen führte.
Der erste Aufreger nach einer lange Phase des Stillstands: Dede
wuselte sich in der 39. Minute durch die Bochumer Abwehrreihen,
bediente Tinga halbrechts im Strafraum, dessen Schussversuch im
letzten Moment von Yahia geblockt werden konnte. Auch die letzte
nennenswerte Aktion vor der Pause gehörte den Gästen:
Smolarek schoss vom rechten Strafraumeck aus, Meichelbeck fälschte
den Ball noch ab, Drobny parierte jedoch gewohnt sicher. Ein extrem
enges, mit zunehmender Spieldauer immer hitziger geführtes
Match ging in die Halbzeit, in dem beide Mannschaften um jeden
Zentimeter Rasen fighteten und sich gegenseitig kaum Entfaltungsmöglichkeiten
gaben.
Spielverlauf 2. Halbzeit
Die
Gäste kehrten wacher aus der Kabine zurück. Zunächst
konnte Maltritz nach einer Flanke von Dede gerade noch vor dem
einköpfbereiten Smolarek klären, gleich darauf war es
wieder der Pole, der knapp an Drobny scheiterte. Im direkten Gegenzug
dann aber der große Auftritt von Theofanis Gekas: Misimovic
schickte den Griechen mit einem meisterhaften Pass über das
halbe Feld, der überrante die ganze BVB-Abwehr und schob
den Ball ganz cool an Weidenfeller vorbei ins rechte untere Eck.
1:0 für den VfL in der 48. Minute! Und der spielte daraufhin
wie befreit auf. Grote fasste sich ein Herz und zog aus 20 Metern
ab - nur knapp drüber! Epalle bediente Gekas von rechts im
Strafraum, doch Weidenfeller war einen Schritt schneller. Die
Dortmunder wirkten sichtlich geschockt von dem Rückstand
und brauchten einige Zeit, um sich wieder zu ordnen. In der 58.
Minute hatten die Borussia-Fans den Torschrei schon auf den Lippen:
Valdez nutzte eine Konfusion in der VfL-Abwehr und hätte
fast den Ball über die Torlinie gestochert.
Das Spiel gewann nun mit jeder Minute an Rasanz und Klasse. Die
Gäste machten auf und drängten auf den Ausgleich, die
Bochumer setzten blitzschnelle Konter. Die gefährlicheren
Szenen hatten in dieser Phase jedoch die Gäste: Erst setzte
Kringe den Ball nur knapp drüber, in der 66. Minute platzierte
Valdez seinen Kopfball gar an den Pfosten. Der BVB drückte,
die Hausherren zogen sich mehr und mehr zurück und tauchten
nur noch sporadisch vor dem Dortmunder Tor auf.
BVB-Trainer
Röber setzte eine Viertelstunde vor Schluss alles auf eine
Karte und brachte für Kringe seinen Schweizer Goalgetter
Frei. Marcel Koller reagierte umgehend und verstärkte mit
Drsek an Stelle von Grote die Defensive. Die Bochumer fanden wieder
besser ins Spiel und kamen durch einen Kopfball vom eingewechselten
Junior in der 79. Minute zu einer guten Chance. Doch das Tor machte
ein anderer bzw. der immergleiche: Theofanis Gekas! Nach einer
Flanke von Misimovic von der der linken Seite stieg der Grieche
am höchsten und köpfte ein zum 2:0. Die Partie war gelaufen.
Der BVB warf noch einmal alles nach vorne, agierte aber zu kopflos
und überhastet. Nach vier Minuten Nachspielzeit war es dann
amtlich: Der VfL behielt im Revierderby die Oberhand und sicherte
sich drei extrem wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt.
Fazit
In einem extrem eng und phasenweise hitzig geführten
Revierduell feierte der VfL einen verdienten Sieg. Die Bochumer
waren das engagiertere und wachere Team und zeigten vor dem Tor
endlich die Entlossenheit, die ihnen zuletzt so oft gefehlt hatte.
Während der VfL sich durch die drei Punkte im Tabellenkeller
wieder ein wenig Luft verschafft hat, gerät der BVB durch
die Niederlage immer weiter in den Abstiegsstrudel.
Fotos: Firo Sportphoto
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