Die Anfänge: Seit fast 100 Jahren - VfL kickt "anne Castroper" Fast auf den Tag vor 25 Jahren bestritt unser VfL sein erstes Bundesligaspiel im neu erbauten Ruhrstadion. Grund für "Mein VfL", in den kommenden drei Ausgaben die Geschichte der Spielstätte an der Castroper Straße nachzuzeichnen. Diesmal zeigen wir, dass die blau-weißen Wurzeln "anne Castroper" bis weit vor 1979 zurückreichen… So eine traditionsreiche Heimstätte hat die Revierkonkurrenz nicht zu bieten: Während Borussia Dortmund und Schalke 04 im Laufe ihrer Geschichte ihre ursprüngliche Heimat verließen und sich an anderer Stelle eine neue Spielstätte errichteten, kickt unser Verein seit mittlerweile fast einem Jahrhundert am selben Standort: der Castroper Straße.
Hier weit vor den Toren der Stadt glaubte man in Ruhe dem Fußballspiel frönen zu können; Bochum war zu diesem Zeitpunkt noch nicht weit über den heutigen Stadtring hinausgewachsen. Damit bot der Standort die Möglichkeit zu schnellen Expansionen: Innerhalb weniger Jahre verwandelte sich der Bretterzaun-Platz, der am 8. Oktober 1911 vor 500 Anhängern gegen den VfB Hamm offiziell eröffnet wurde, nach dem 1. Weltkrieg in ein rund 50.000 Zuschauer fassendes Stadion. Ermöglicht hatten dies die Mitglieder selbst, die den Arenabau mit Anteilsscheinen finanzierten. Das Bochumer Stadion war damit Anfang der 20er Jahre zu einer der modernsten und größten Arenen Deutschlands geworden - ein Faktum, an dem auch der DFB schließlich nicht mehr vorbeikommen sollte. Im Jahr 1922 verlegte er das ursprünglich für Hamburg vorgesehene Länderspiel gegen Ungarn nach Bochum - erst zum zweiten Mal überhaupt wurde damit eine Partie der DFB-Auswahl im Ruhrgebiet ausgetragen.
Auch wenn das folgende 0:0-Unentschieden sportlich enttäuschte, waren die Bochumer stolz auf ihre Gastgeberrolle. Zufrieden resümierte die "FuL", das offizielle Organ des Westdeutschen Fußballverbands: "Von der Erinnerung an dieses Spiel wird man in Bochum und im Industriewesten noch lange zehren." Und tatsächlich: Dank des Länderspiels wurde das Revier wohl das erste Mal reichsweit als kommende "Fußballmacht" wahrgenommen - aus Bochumer Sicht half dies freilich wenig: Inflation, Ruhrbesetzung und innere Streitigkeiten setzten dem Bochumer Fußball stark zu, so dass Verein und Stadion in den 20ern in eine erstzunehmende Krise schlitterten. Der Standortvorteil war schnell dahin - und so dauerte es sage und schreibe 60 Jahre, bis der DFB Ende 1981 das nächste A-Länderspiel in Bochum ausrichtete. Fußballerische Glanzpunkte setzten an der Castroper Straße in den 30er Jahren eher die Stars von Schalke 04, die hier einige Vorrundenspiele um die deutsche Meisterschaft bestritten.
Der VfL etablierte sich, bis auch diese Spielstätte in den 70er Jahren für die Anforderungen des Bundesliga-Alltags zu klein wurde. Doch davon demnächst mehr… >> weiter zu Teil 2 der Stadiongeschichte Dieser Text erschienen anlässlich des 25. Geburtstags des Ruhrstadions im Sommer 2004 im Stadionmagazin "Mein VfL". Texte: Henry Wahlig |